Themenheft

Gottes Wohnung im Volk Israel - wichtig für Christen heute?

Zweck und (symbolische) Bedeutung des Heiligtums – allgemeine Erklärungen

Das Zelt der Zusammenkunft war die Wohnung Gottes bei seinem Volk Israel während der Wüstenreise und in der ersten Zeit im Land, bevor der Tempel in Jerusalem gebaut wurde. Das Heiligtum war transportabel, d.h. es konnte auf- und abgebaut und die Einzelteile konnten transportiert werden.

Der Bauauftrag

Den Bauauftrag für das Zelt der Zusammenkunft finden wir in 2. Mose 25,8.9. Gott sagt zu Mose: „Sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich in ihrer Mitte wohne. Nach allem, was ich dir zeige, das Muster der Wohnung und das Muster aller ihrer Geräte, so sollt ihr es machen“.

Diese Anweisung macht fünf Dinge klar:

  1. Wer bauen sollte: die Kinder Israel.
  2. Was sie bauen sollten: ein Heiligtum.
  3. Für wen sie es bauen sollen: für Gott.
  4. Warum sie bauen sollten: weil Gott in der Mitte des Volkes wohnen wollte.
  5. Wie sie es bauen sollen: genau nach der Vorschrift.

Der Hauptgedanke ist, dass Gott bei seinem Volk wohnen wollte, um Gemeinschaft zu haben. Deshalb war das Zelt der Zusammenkunft ein Ort der Begegnung des Volkes mit Gott. Es fällt auf, wie ausführlich die Beschreibung ist. Gott legt auf jedes Detail großen Wert.

Der Aufbau des Zeltes

Die Details werden ausführlich in 2. Mose ab Kapitel 26 beschrieben. Das eigentliche Zelt war 10 Ellen breit und 30 Ellen lang[1]. Es unterteilte sich in zwei Räume. Das „Heilige“ war 20 Ellen lang und das „Allerheiligste“ 10 Ellen. Die Seitenwände bestanden aus vergoldeten Brettern aus Akazienholz. Sie standen auf silbernen Füßen und wurden durch waagerechte Stangen zusammen gehalten. Das Ganze wurde von Decken aus unterschiedlichen Materialien und Farben bedeckt und machte nach außen einen eher bescheidenen Eindruck.

Wir unterscheiden drei Bereiche:

  1. Der Vorhof: Das Zelt selbst war von einem Bereich umgeben, der 100 Ellen lang und 50 Ellen breit war. Der Vorhof war von einem 5 Ellen hohen Zaun eingefasst, der von kupfernen Säulen gehalten wurde. Die Bespannung war aus Byssus (2. Mo 27,18). Im Vorhof standen der Brandopferaltar, zu dem das Volk Zugang hatte und auf dem die Opfer gebracht wurden, und das Waschbecken zur Reinigung der Priester.
  2. Das Heiligtum: Dort befanden sich der goldene Räucheraltar, der Tisch mit den Schaubroten und der goldene Leuchter. Die Priester hatten Zutritt ins Heiligtum, um dort ihren Dienst zu tun.
  3. Das Allerheiligste: Das war der eigentliche Wohnort Gottes. Dort war die Bundeslade, das Symbol der göttlichen Gegenwart. Der Zugang war durch einen Vorhang versperrt. Niemand durfte eintreten. Nur einmal im Jahr – am großen Sühnungstag – war es dem Hohepriester gestattet (vgl. 3. Mo 16,2; Heb 9,7).

 

Gott wohnt bei seinem Volk

Das Neue Testament macht klar, dass das alles eine Bedeutung für uns als Christen hat (vgl. z.B. Kol 2,17; Heb 8,5). Und es ist nicht schwierig, den Hauptgedanken zu finden, den Gott mit diesem „Zelt“ verbindet:

  1. Gott möchte bei seinem Volk wohnen: Das Zelt der Zusammenkunft[2] spricht davon, dass Gott in der Mitte seines Volkes wohnt. Wo man wohnt, gibt man sich zu erkennen. Das tut Gott in seiner Wohnung auch. Deshalb sind „Herrlichkeit“ und „Heiligkeit“ zwei wesentliche Merkmale der Wohnung Gottes (3. Mo 10,3; Ps 26,8; Ps 93,5). Wir erkennen, wie herrlich (großartig) und heilig Gott ist. Darin liegt der praktische Gedanke für uns, dass wir dann, wenn wir Gott nahen wollen,  diesen beiden Merkmalen entsprechen müssen
  2. Gott möchte einen Ort haben, wo Er mit seinem Volk zusammentrifft: Genau das geschah in diesem Zelt. Gott sprach zu seinem Volk und das Volk brachte Ihm Opfer. Das ist noch immer so. Gott redet zu uns und wir bringen Ihm „Gottesdienst“, d.h. wir kommen mit Dank und Anbetung. Damals durften das nur die Priester tun. Heute sind alle Kinder Gottes „heilige Priester“, die mit dem Opfer des Herrn Jesus beschäftigt sind und darüber Gemeinschaft mit Gott haben (1. Pet 2,5). Während das Volk Israel nicht einfach ins Allerheiligste gehen konnte, haben wir heute freien Zugang zu Gott (Heb 10,19-22).

Gott kann nur bei einem erlösten Volk wohnen. Die Erlösung ist unbedingte Voraussetzung dafür, dass Gott Gemeinschaft mit Menschen haben kann. Deshalb lesen wir von der Wohnung Gottes erst, nachdem das Volk aus Ägypten befreit war (2. Mo 15,13). Außerdem war es wichtig, dass das Volk die Anweisungen Gottes zum Bauen genau befolgte. Mit anderen Worten: Gott wohnt bei einem erlösten Volk, das Ihm gehorcht.

 

Die Bedeutung für uns

Ich möchte jeden Leser motivieren, sich intensiv mit den Details des Zeltes in der Wüste zu beschäftigen. Es gibt viele Lektionen zu lernen. Ich nenne vier:

  1. Gott zeigt uns seinen Sohn. Das Zelt weist auf den Herrn Jesus und seine Herrlichkeit hin. Einerseits: Als Er auf dieser Erde lebte, wohnte (zeltete) Er unter uns (Joh 1,14). Andererseits: In Ihm wohnte die Fülle der Gottheit (Kol 1,19). Sehr vieles in dem Zelt und dem Dienst, der dort getan wurde, spricht von unserem Herrn. Denken wir nur an die Baumaterialien (z.B. das Gold), die Geräte (z.B. die Bundeslade) oder den Opferdienst. Das Studium dieses Themas ist also deshalb so wichtig, weil es uns näher zu unserem Herrn bringt.
  2. Das Zelt spricht von der Versammlung (Gemeinde), in der Gott heute wohnt. Sie wird jetzt eine „Behausung Gottes im Geist“ genannt und in der Zukunft die „Hütte Gottes“ (Eph 2,22; Off 21,3). Dabei handelt es sich nicht um ein materielles Haus, sondern um ein geistliches Haus. Alle wiedergeborenen Christen gehören dazu. Zugleich bewegen wir uns als Christen in diesem Haus, um mit Gott Gemeinschaft zu haben. Das tun wir, indem wir Ihm dienen, zu Ihm beten und durch Ihn belehrt werden. Deshalb ist das Studium dieses Vorbildes so lehrreich und von großer praktischer Bedeutung.
  3. Das Zelt zeigt uns etwas vom Himmel (Heb 9,23.24), wo der Herr Jesus jetzt ist. Gott zeigt mit dieser Darstellung auf der Erde, wie es im Himmel ist. Dabei geht es nicht um den Wolkenhimmel (erster Himmel) oder den Sternenhimmel (zweiter Himmel), sondern um den dritten Himmel – den Wohnort Gottes. Das Studium dieses Vorbildes richtet unser Augenmerk nach oben.
  4. Gott beschreibt einen Weg, wie wir Menschen Ihm nahen können. Diesen Gedanken finden wir vor allem im Hebräerbrief, allerdings häufig durch Gegensätze und nicht durch Parallelen oder Vergleiche. Für uns ist es ein neuer und lebendiger Weg (Heb 10,20), auf der Grundlage des Werkes vom Kreuz.

 

Fazit

Es lohnt sich, die „Stiftshütte“ zu studieren. Zum einen lernen wir unseren Herrn besser kennen. Zum anderen werden uns wichtige neutestamentliche Wahrheiten in einer Bildersprache illustriert, damit wir sie besser verstehen können.

 



[1] Es lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen, welchem Maß in Metern die Elle exakt entspricht. Die Angaben variieren leicht. Im Mittel kann man von etwa 50 cm ausgehen.
[2] Dieses „Zelt der Zusammenkunft“ hat in der Bibel mehrere Namen. Es wird auch „Zelt des Zeugnisses“, „Wohnung“, „Heiligtum“ oder „Hütte“ genannt. Der Begriff „Stiftshütte“ kommt in der Bibel nicht vor. Er leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für Zelt (tabernaculum) ab und hat sich durch die Übersetzung von Martin Luther weit verbreitet.

 




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