Bibelstudium

Gott anbeten & mit Gott leben

Einstieg und Überblick

„3. Mose? Schwierige Texte, komplizierte Details, weit weg von unserem Alltagsleben, Spezialthemen für Experten“ – solche oder ähnliche Gedanken haben vielleicht manche Leser von Folge mir nach. Das ist einerseits auch ganz verständlich, denn das 3. Buch Mose ist in der Tat textlich und inhaltlich anspruchsvoll. Andererseits bietet der Inhalt des Buches so viel „Stoff“ für die Anbetung und für das Alltagsleben, dass man auch diesen Teil des Wortes Gottes mit Interesse kennenlernen sollte.

Die Artikel in diesem Heft sollen dabei helfen und zum Lesen des Bibeltextes und zum Praktizieren seiner Lektionen motivieren. Gott anbeten und mit Gott leben – das sind zwei Schwerpunkte dieses Buches. Sind es auch Schwerpunkte in meinem, in unserem Leben als Christen?

Mit diesem Startartikel soll der Einstieg in das Buch erleichtert werden. Viel Freude beim Lesen aller Artikel – und besonders des 3. Buches Mose selbst!

 

Einstieg: Opfer und Vorschriften in 3. Mose – von Wert und Bedeutung heute?

„Alle Schrift … ist nützlich …“

Wenn man im Anschluss an 2. Mose 40 die Lektüre mit 4. Mose 1 fortsetzt, erkennt man auf den ersten Blick gar keine Lücke in der Geschichte. Dazwischen lagen nur vier Wochen (vgl. 2. Mose 40,17 und 4. Mose 1,1). Sind diese vier Wochen, ist dieses Buch dazwischen denn so wichtig?

Den Bibelvers, aus dem die Zwischenüberschrift stammt, hat ein Herausgeber[1]als Leitvers für eine Auslegung zum 3. Buch Mose gewählt. Er steht in 2. Timotheus 3,16 und motiviert uns zum Lesen des Alten Testaments. Für viele Geschichten und für die Psalmen ist uns das klar; Paulus erklärt, dass sie zu unserer Ermahnung und Belehrung geschrieben sind (1. Kor 10,11; Röm 15,4). Aber wie „funktioniert“ dieser Unterricht bei den Vorschriften in den fünf Büchern Mose und besonders bei den Opferanordnungen?

„Mose … hat von mir geschrieben“

Der Herr Jesus erklärt seinen Zuhörern, dass Mose von Ihm geschrieben hat (Joh 5,46). Später erläutert Er den Emmaus-Jüngern von Mose anfangend und anhand dessen, was im Gesetz Moses über Ihn geschrieben steht, das, was Ihn selbst betraf (Lk 24,27.44). Ohne dass der Name Jesus irgendwo genannt wird, hat Mose doch von dem Herrn geschrieben. Ganz offensichtlich durch Personen, die auf Ihn hindeuteten (z. B. Joseph), durch Voraussagen (z. B. 5. Mo 18,15) und auch durch die Opfer, die auf das Opfer Jesu Christi hinweisen.

Übrigens zeigt das Neue Testament klar, dass Mose wirklich der Autor des 3. Buches Mose war, auch wenn das manche heute bestreiten. So erwähnt der Herr Jesus die Vorschriften zur Reinigung und zur Beschneidung mit ausdrücklicher Erwähnung von Mose (Mt 8,4; Joh 7,22).

„ein Lamm ohne Fehl …“

Mit dem Verweis auf den Herrn Jesus als Lamm Gottes hilft uns Petrus zu verstehen, dass die Opfer des Alten Testaments Vorausbilder auf Christus sind, das Lamm Gottes, „das die Sünde der Welt wegnimmt“ (Joh 1,29). Schon Jesaja hatte das Geheimnis um die Opfer etwas gelüftet, als er eine leidende Person beschrieb, die ein Opfer, nämlich das Schuldopfer stellen würde (Jes 53,10). Schließlich spricht der Hebräerbrief von besseren Schlachtopfern und verweist damit sowohl auf Christus als auch darauf, dass in seinem Opfer gleich mehrere Schlachtopfer als Vorausbilder erfüllt wurden (Heb 9,23.24). Zusammengenommen: Das Wort Gottes zwingt uns geradezu, Parallelen (und manchmal auch Kontraste) zwischen den Opfern im Alten Testament und dem Herrn Jesus zu ziehen. Dabei ist die Wirklichkeit des Opfers Jesu Christi natürlich immer der Maßstab, nicht die Vorausbilder. Wozu sind diese Bilder dann nützlich? Sie malen uns den Herrn Jesus eindrücklich vor die Herzensaugen, komprimiert und detailliert zugleich – das sind dann herrliche Impulse zur Anbetung und zur Lebensheiligung!

 

Weil diese Opfer das Werk Christi und seine verschiedenen Aspekte und verschiedene Anwendungen auf uns aufzeigen, haben sie einen Wert, den nichts übersteigen kann. (J. N. Darby)
 

„Wer ist es wohl, der mir sein Herz verpfändete, um mir zu nahen?“

Wie sieht es bei mir, bei uns mit dem Wunsch aus, Gott anzubeten? Haben wir Routine im Besuch von „Gottesdiensten“, ohne wirklich im Herzen Gott zu dienen? Die aus Jeremia 30,21b entnommene Überschrift zeigt, dass die Herzenseinstellung die wichtigste Voraussetzung ist, um Gott anbeten zu können. Christen dürfen – und sollen – das heute in Geist und Wahrheit tun (Joh 4,24). Gott sucht Anbeter, nicht (nur punktuelle) Anbetung … Daher lohnt es sich unbedingt, sich mit den Opfern im Alten Testament zu beschäftigen. Wenn man den Hebräerbrief dann noch als eine Art „Wörterbuch“ danebenlegt, wird uns das Herz schnell warm werden. Vielleicht sieht es dann am nächsten Sonntag in meinem Herzen anders aus, so dass ich innerlich und möglicherweise äußerlich aktiv dabei bin?

Die Opfer werden in der Bibel übrigens von zwei Seiten vorgestellt, und es ist gut, dass man sie voneinander unterscheidet:

  • Die regelmäßig wiederkehrenden Opfer wie das jährliche Passah (2. Mo 12), das tägliche Brandopfer (2. Mo 29) oder die Opfer am Sühnungstag (3. Mo 16). Sie verweisen auf das einmal geschehene Opfer Jesu Christi. Im Neuen Testament wird darauf zum Beispiel in 1. Korinther 5,8 (Passah), Hebräer 9,12-16 (Sühnungstag), Hebräer 10,11-14 (Sündopfer) oder in Epheser 5,2 (Brandopfer) hingewiesen. Das ist sozusagen die objektive Seite des Erlösungswerkes unseres Herrn, aus Gottes Sicht und Wertschätzung.
  • Die situationsbezogenen Opfer wie die Opfer in 3. Mose 1-7 (freiwillig oder notwendig), die je nach Besitz oder Schuld unterschiedlich groß waren. Dieser Aspekt wird im Neuen Testament zum Beispiel in 1. Petrus 2,4.5 und Hebräer 13,15 (geistliche Opfer – Anbetung) oder Römer 12,2 (das Leben als Opfer) aufgegriffen. Man könnte es die subjektive Seite des Werkes des Herrn nennen, denn es geht dabei um unser Verständnis und um unsere Wertschätzung der Person und des Werkes Christi. 

Der Anbeter ist da, und zwar nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Teilhaber. (C.H. Mackintosh)
 

„Seid heilig, denn ich bin heilig …“

Das 3. Buch Mose spricht zunächst über die Opfer, aber es enthält im zweiten Teil auch ganz viele Anweisungen für das Alltagsleben des Volkes Gottes. Darauf bezieht sich Petrus in seinem Zitat aus 3. Mose 11,45 (in 1. Petrus 1,16). Das hilft uns zu verstehen: Die Anordnungen für das irdische Volk Gottes damals haben eine praktische Bedeutung für das himmlische Volk Gottes heute, das aber eben noch auf der Erde lebt. Dabei geht es vielfach um Übertragungen der Vorschriften, aber zugleich gibt es auch wichtige zeitlos gültige Maßstäbe Gottes zu beachten, zum Beispiel zu den Themen (Homo-)Sexualität, Ehe und Götzendienst. Wer von uns wollte nicht für Gott und für den Herrn Jesus leben, in Heiligkeit und zu seiner Ehre? Das gibt ein weiteres Motiv zum Lesen von 3. Mose.

 

Überblick: Schlüsselbegriffe und Gliederung – Impulse zum Lesestart!

Schlüsselbegriffe – Kits für die Entdeckungsreise durch 3. Mose

Einige häufig vorkommende Ausdrücke in 3. Mose bilden hilfreiche Schlüsselbegriffe zum Verständnis des Buches. Hier eine kleine Auflistung:

  • heilig: Mehr als 140 Mal kommen dieses Wort oder daraus gebildete Worte vor! Doch das braucht erlöste Christen nicht zu erschrecken, denn sie sind geheiligt durch das Opfer Jesu Christi (Heb 10,10) – und so passend, um zu Gott „ins Heiligtum“, das heißt in seine Gegenwart, zu gehen, persönlich und gemeinsam (Heb 10,19). Zugleich veranlasst das Wissen um die Heiligkeit uns Christen heute, ein Leben in praktischer Heiligkeit zu führen: „Dies ist Gottes Wille: eure Heiligkeit“ (1. Thes 4,3).
  •  unrein: Auch dieses Wort findet sich weit über 100 Mal in 3. Mose! Unreinheit disqualifiziert für Gemeinschaft – mit Gott und mit dem Volk Gottes. Gerade diese Gemeinschaft ist aber zentrales Anliegen Gottes auch in 3. Mose.  Christen benötigen daher Vergebung, Reinigung, indem sie ihre Sünden bekennen und dann gereinigt werden von aller Unreinheit in ihrem Leben (1. Joh 1,9). Manchmal hat sicht Unreinheit auch tiefer „eingefressen“ in das Leben von Gläubigen (vgl. 3. Mo 13 und 14). Doch auch dann möchte Gott heilen, reinigen und zu neuer Freude der Gemeinschaft führen.
  •  Priester: Mit fast 200 Vorkommen in 3. Mose toppt der Ausdruck „Priester“ noch die beiden vorhergenannten. Herrlich: Gott hat die Christen zu einer heiligen Priesterschaft gemacht, damit sie Gott anbeten können (1. Pet 2,4.5)! Ist das nicht Motiv genug zu sehen, wie das „Bilderbuch“ 3. Mose die Wirklichkeit für uns Christen heute illustriert, damit wir diese hohe Aufgabe auch nach dem Willen des Herrn ausüben?!
  •  „Zelt der Zusammenkunft“ (43 Vorkommen): Das 2. Buch Mose bezeichnet die sogenannte Stiftshütte häufig als Wohnung: Gott wohnt inmitten eines erlösten Volkes. Doch hier in 3. Mose gibt es eine bemerkenswerte Änderung, die einer Steigerung gleichkommt: Gott spricht von seinem Haus als von dem „Zelt der Zusammenkunft“: Er möchte mit seinem Volk zusammenkommen, Gemeinschaft mit ihm haben! Das ist im Neuen Testament noch stärker der Fall: Wir dürfen Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn haben – persönlich, aber besonders gemeinsam (1. Joh 1,3.4). Ist nicht das Zusammenkommen zum Abendmahl (zum Brotbrechen) die beste Gelegenheit zur Gemeinschaft – miteinander, aber besonders mit Gott und mit dem Herrn Jesus (1. Kor 10,16)?

Diese wenigen Schlüsselbegriffe öffnen uns schon einige Türen zum Buch und machen neugierig auf den kompletten Inhalt – hoffentlich …

Gliederung – Lesekompass

Ein Buch der Bibel mit mehr als 35 Seiten in eine menschliche Struktur zu bringen, ist eigentlich etwas gewagt. Aber zugleich kann dieser Versuch doch helfen, eine gewisse Orientierung beim Lesen des Bibeltextes – und auch der weiteren Artikel in diesem Heft – zu bekommen.

Das Buch kann man gut in zwei Teile mit jeweils besonderem Schwerpunkt einteilen:

  • Kapitel 1-10: Gott anbeten (Anbetung); Schlüsselwort: „vor dem HERRN“.
  • Kapitel 11-27: mit Gott leben (Heiligung); Schlüsselwort: „Ich bin der HERR“.

Dann kann man das Buch noch etwas genauer einteilen:

  1. 3. Mose 1-7: Die Opfer
  2. 3. Mose 8-10: Weihe und Heiligung der Priester
  3. 3. Mose 11-15: Hindernisse der Gemeinschaft
  4. 3. Mose 16: Der Sühnungstag
  5. 3. Mose 17-22: Praktische Reinigung und Heiligung
  6. 3. Mose 23: Die sieben Feste des HERRN
  7. 3. Mose 24-27: Heiligkeit des Volkes Gottes

Dieser kurze Einstieg und Überblick sollte ein wenig Appetit wecken, das 3. Buch Mose mit Interesse und Gebet zu lesen. Die weiteren Artikel helfen beim Verständnis des Buches. Zusätzliche Literaturempfehlungen sind unten aufgeführt. Es lohnt sich, tiefer zu graben und so den Herrn Jesus besser kennenzulernen und Ihm mit größerer Hingabe und Weihe zu dienen!

 

Zitate aus 3. Mose im Neuen Testament

11,45   1. Pet 1,16 (s. a. 3. Mo 19,2; 20,7.26)

12,8     Lk 2,24

18,5     Röm 10,5; Gal 3,12

19,18   Mt 5,43, 19,19; 22,39; Mk 12,30; Lk 10,27; Röm 13,9; Gal 5,14; Jak 2,18

20,9     Mt 15,4

24,20   Mt 5,38

26,11   2. Kor 6,16

 

indirekte Verweise:

Kap 13  Mt 8,4 – Bezug auf die Reinigungsvorschriften des Aussätzigen

12,3     Joh 7,22 – Hinweis auf die Beschneidungsvorschriften

24,9     Mt 12,5 – Hinweis auf das Essen der Schaubrote

 

Literaturempfehlungen :

Grant, L.M.: Leviticus, Beamsville (kurze Übersichtsbetrachtung)

Mackintosh, C.H. :  Die Fünf Bücher Mose, Hückeswagen (umfangreiche Auslegung, sehr zu Herzen gehend)

Remmers, Arend: Die Bibel im Überblick, Hückeswagen, 2011 (sehr hilfreich für den Einstieg in die Bibel überhaupt und in das AT)

Sondez-Les-Écritures, Vol 7, Valence 2004 (sehr hilfreich als strukturierte Bibellektüre)

 



[1] Mackintosh, C.H., Gedanken zum 3. Buch Mose, Winschoten 1973