Bibelstudium

Jakobs Testament für uns - Vom Versagen zurück zum Sieg

 Lektionen aus 1. Mose 49 (Teil 2)

In der ersten Folge über den Segen Jakobs ging es um nach dem Überblick um Enttäuschungen und Höhepunkte im Glaubensleben. Im zweiten und letzten Teil wird deutlich: Es kann richtig schlimm werden mit einem Gläubigen – aber die wiederherstellende Gnade Gottes will dennoch siegen!

 

(5.) Sebulon („Wohnen“)  –  Wohnen in der Welt?

  • Prophetisch:
    • Nach der Verwerfung des Messias durch sein Volk sind die „Huld“ Gottes und seine „Verbindung“ zum Volk (vorübergehend) zerbrochen (Sach 11,10.14) – der Segensstrom ist unterbrochen.
    • Israel wird im Völkermeer („Gestade des Meeres“) der Welt zerstreut (Jes 17,12; 57,20). Das ist die Situation des Volkes heute.
    • Die Neigung zu Sidon, einem Symbol für Handel (Jes 23,2; Jer 23,12) und Götzendienst (Ri 10,6; 1. Kön 11,5.33; 16,31; 2. Kön 23,13; Mt 11,21.22) führt zu äußerem Wohlstand und innerer Leere. Das ist bis heute der Zustand Israels als Ganzes.

 

  • Praktische Lektion:
    • Es hätte doch alles so schön bleiben können und sollen, die Nachfolge, die Gemeinschaft, die Arbeit fürs Evangelium – doch der Hang zu anderen Dingen haben den Fortschritt gestoppt. Im Glauben geht nichts automatisch – wir benötigen immer wieder bewusstes „Wachsen“, ein „Sich erhalten in der Liebe Gottes“ (2. Pet 3,18; Jud 21).
    • Wie schnell neigen wir zur Welt, sind von ihr „gefesselt“ – auch wenn es nach Freiheit aussieht (2. Pet 2,19). Lot wohnte in Sodom – und fühlte sich todunglücklich.
    • Kann man aus dem Gefesseltsein an die Welt Segen mitnehmen? Wenn wir die Bitterkeit unserer eigenen Wege schmecken, steigt unser Interesse, das Glück seiner Wege, der Wege Gottes, wieder kennenzulernen. Spüren wir, wie der zeitliche Genuss der Sünde verblasst und nur ausgebrannte Leere hinterlässt? Dann lasst uns aufwachen und zum Herrn zurückgehen– mit ganzem Herzen!

 

Genuss der Sünde führt in Gebundenheit – nicht in Freiheit!
 

(6.) Issaschar („es gibt Lohn“) – Sklaverei statt vermeintlichem Genuss

 

  • Prophetisch:
    • Israel in der Zerstreuung sucht die Nähe zu den Nationen („Hürden“), aber es ist arm („knochiger Esel“). Noch immer ist das ein Hinweis auf die heutige Zeit.
    • Die Zeiten der Nationen (Lk 21,22) sind „Sklavenjahre“ für die Juden (mit Folgen für deren Peiniger, vgl. Jes 17,14; 51,23; Jer 30,16!).
    • Die vermeintliche Freiheit ist entlehnte Freiheit, auch politisch.

 

  • Praktische Lektion:
    • Spürst du den Konflikt zwischen dem attraktiv wirkenden Angebot der Welt und der dadurch drohenden Sucht, der Versklavung, von diesen Angeboten gefangen genommen zu werden? Christus hat dich für die Freiheit freigemacht – frei von der Macht der Sünde, und auch frei, um Ihm und nicht der Welt zu dienen.

 

(7.) Dan („Richter“) – hilflos unter der Macht der Sünde?

  • Prophetisch:
    • Dan wird im Alten Testament oft negativ erwähnt (3. Mo 24,11; Ri 18,30; Jer 8,16) und repräsentiert Israel in zwar inzwischen unabhängiger, aber gottloser Regierung. Ihr Chef ist der Antichrist selbst, der nicht auf den Gott der Väter achten wird (Dan 11,36 ff.) – ein schlimmer Richter!
    • Der Götzendienst wird schlimmer sein als je zuvor (Mt 12,45; Off 13).
    • Der Ausspruch über Dan repräsentiert also die Zeit Israels in der Drangsalszeit unter der Herrschaft des Antichristen. Das heißt, hier geht es um eine Zeit, die noch zukünftig ist.

 

  • Praktische Lektion:
    • Auch Christen können noch stärker und dauerhafter unter den Einfluss der Sünde geraten (1. Pet 2,11; Jak 5,20; Röm 7), „unterstützt“ durch den Teufel und seine Fallstricke (1. Tim 3,7; 5,15; 2. Tim 2,26). Das sind traurige Zeiten – Zeiten, in denen wir lernen, dass wir aus eigener Kraft nichts erreichen und nur schreien können: „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“ (Röm 7,24). Doch es gibt Hoffnung – mit und durch den Herrn Jesus!

 

Zwischenruf: Deine Rettung, HERR!

  • Prophetisch:
    • Die Drangsal Jakobs (Jer 30,7) führt die gläubigen Juden, den „Überrest“, zu ihrem Messias zurück, auf den sie sich in größter Not stützen werden (vgl. Zeph 3,12; Sach 13,9; Jes 28,16).

 

  • Praktische Lektion:
    • Wenn wir erneut unter die Macht der Sünde und den Einfluss des Teufels geraten und dann zum Herrn schreien, führt Er uns heraus und befreit uns: Nicht mehr das Ich, sondern Christus und sein Geist übernehmen jetzt das „Ruder“. Wir erleben, dass wir in der Kraft des Geistes ein befreites Christenleben führen können. Und wir können dann im Moment der Versuchung beten: „Herr, ich danke dir, dass ich jetzt nicht zu sündigen brauche!“

 

„In diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat“ (Röm 8,37).
 

(8.) Gad („Schar“ o. „Glück“) – glückliche Sieger!

  • Prophetisch:
    • Die Gaditer waren bekannt als Kämpfer (Richter 11 [Jephta], 1. Chr. 5,10:18-22; 12,9-16). So wird Gott den bedrängten Überrest am Schluss der Drangsalszeit zum Sieg über die Feinde benutzen (Jes 11,14; Mi 4,13; 5,7.8; Sach 12,1-7).

 

  • Praktische Lektion:
    • „Mehr als Überwinder“, Sieger durch den Herrn Jesus – zu diesen „Helden“ können und sollen wir gehören! In Gemeinschaft mit dem Herrn erhalten wir neue Kraft zum Überwinden (1. Joh 5,1-4; Röm 8,37). Echtes Glück ist die Folge! Lasst uns wieder neu anfangen, Gottes Wort zu lesen, wenn nötig, dem Herrn unsere Sünden zu bekennen und verkehrte Neigungen zu nennen – und lasst uns dann in Ihm bleiben! So können wir auch anderen eine Hilfe sein – im frohen Überwinden!

 

(9.) Aser („Glückselig“) – ultimatives Glück in Christus

  • Prophetisch:
    • Israel wird selbst reichen Segen genießen und dann auch zum Segen für die Nationen im Tausendjährigen Reich werden (Ps 72,16; 85,13; Joel 2,19; Jes 25,6).

 

  • Praktische Lektion:
    • Wie Aser „Fettes“ genießt, dürfen wir als erstarkte Christen die Gemeinschaft mit Christus genießen (1. Joh 1,3).
    • Diese echte Freude in IHM („meine Freude“ Joh 15,11; 17,13), ist wie ein „Leckerbissen“, den wir gerne weitergeben. Kennst du, kenne ich etwas von diesem Glücksgefühl, das auf andere abfärbt?

 

Freude am Herrn führt zum Segen für andere – und zur Anbetung!
 

(10.) Naphtali – Jubel um den Herrn!

  • Prophetisch:
    • Israel in der Zukunft wird in großer Freiheit von jeder Gebundenheit im Land wohnen (Ps 126; Mal 3,20).
    • Der geläuterte Überrest hat „gute Worte“ (Ps 45) für den König.

 

  • Praktische Lektion:
    • Freigemacht von der Gesetzmäßigkeit zu sündigen (Röm 8,1) jubelt der Gläubige in der Kraft des Geistes: „Abba, Vater!“ (Röm 8,16). Anbetung als herrliches Ziel und als Lebensmotto! Lass dich durch die Glaubenshöhen deiner Freunde motivieren und forsche selbst nach den Schönheiten des Herrn (Ps 27,4) – der echte „Lobpreis“ wird sich beinahe von selbst einstellen. Und macht vieles andere vermeintlich Coole wie von selbst überflüssig …

 

(11.) Joseph („Er füge hinzu“) – Fruchtbringen für Gott

  • Prophetisch:
    • Israel in der Zukunft wird wieder beim „Quell lebendigen Wassers“ sein (Jer 2,13) und Frucht für Gott bringen (Hos 14,3.9).
    • Der Segen – durch Christus „initiiert“ (Jes 49,6) – erstreckt sich auch auf die Nationen („Schösslinge“ oder „Töchter“).
    • Es wird – zu Beginn des Friedensreiches – Kampf geben (Hes 38), aber Israel stützt sich nun auf den Mächtigen Jakobs (Jes 10,20).
    • Der Hirte und Stein Israels wird beim Kampf gegen die Feinde helfen (z.B. gegen die Assyrer).
    • Gott wird Israel segnen mit Segnungen von oben (Regen, Sonne), von unten (Erde, Wasserreservoirs) und mit Fruchtbarkeit.
    • Die besondere Weihe Israels (Abgesonderter = „Nasir“) wird Gott durch großen, ewigen Segen belohnen.

 

  • Praktische Lektion:
    • Wie der Baum die Wurzeln zum Fruchtbringen benötigt, bringt der Gläubige Frucht für den Vater durch seine Lebensverbindung zu dem Herrn Jesus (Ps 1,3; Jer 17,7.8). Bleibst du daher gerne „in Ihm“, durch Gebet und Abhängigkeit?
    • Kämpfe im Leben wird es weiterhin geben, doch wir dürfen sie bestehen durch die Macht Gottes (1. Pet 1,5), nicht durch eigenes Bemühen. Von diesem Gott aller Gnade, von diesem Allmächtigen „kommt“ Christus als Hirte und Stein – IHN zu erleben in den Umständen des Lebens macht glücklich.
    • Gleichzeitig hilft und segnet der Hirte und schenkt „Leben im Überfluss“ (Joh 10,10); das dürfen wir täglich erleben.
    • Die Segnungen, in der Gemeinschaft mit dem Herrn genossen, haben ewigen Wert. So wie Christus gesegnet werden wird (Ps 45,3; 72,15; 91,14 ff.), werden auch Christen reichen Segen in der Absonderung zu Ihm genießen. Er ist abgesondert, geweiht für Gott (Heb 7,26) – sind wir es auch?

 

Fruchtbringen für Gott ist ein Reproduzieren der Wesenszüge des Herrn.
 

(12.) Benjamin („Sohn der Rechten“)  – Leben in Gottesfurcht

 

  • Prophetisch:
    • Der gläubige Überrest wird in der Zukunft erkennen: Der leidende (Joseph) und der erhöhte Messias (Benjamin) sind ein und dieselbe Person! „Der Mann deiner Rechten“ (Ps 80,18) wird regieren in Gerechtigkeit (vgl. Jes 32,1).
    • Christus wird den Frieden durch Krieg herbeiführen (Ps 45,3-5; Jes 63,1-6; Off 19,14ff.). Gericht ist für den Herrn im Blick auf Böses notwendig.
    • Die Beute (Land, Leute) wird Christus mit Gewaltigen teilen, mit seinem geliebten Volk, dem Überrest daraus (Jes 53,12).

 

  • Praktische Lektion:
    • Bevor wir andere beurteilen, gilt es erst einmal, sich selbst im Licht des Wortes Gottes zu prüfen und Böses zu richten (Ps 139, 23.24; 1. Kor 11,28.31). Der Balken in unserem Auge hat es manchmal ganz schön in sich!
    • In der rechten Verfassung können und werden wir – auch  gemeinsam – zur   Prüfung und zur Verurteilung des Bösen aufgefordert (1. Thes 5,21.22; 1. Kor 5,13). Der Splitter soll also durchaus entfernt werden …

 

Resümee

Wenn du – wie ich auch – schon oft Niederlagen erlebt hast und daher manchmal den Mut verlierst, darfst du aus diesen Segenssprüchen Jakobs lernen: Der Herr gibt dich nicht auf! Er will dir helfen, wieder aufzustehen, frohe Gemeinschaft mit Ihm zu haben, zu siegen und Ihn zu preisen!

 

 

Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten habt, er selbst wird euch vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen.

Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Amen.

(1. Pet 5,10.11)