Bibel praktisch

Verborgenes Licht?!

Der Gegensatz „Licht und Finsternis“ ist ein wichtiges Thema im Wort Gottes – vom ersten bis zum letzten Blatt der Bibel. Auch der Herr Jesus sprach während seines Lebens häufig vom Licht, vom Leuchten oder von einer Lampe. Drei dieser Stellen „beleuchtet“ dieser Artikel.

 

Wenn wir einen dunklen Raum betreten, schalten wir als erstes das Licht an, in der Regel per Lichtschalter neben der Tür. Früher war das anders. Zur Zeit der Bibel waren Öllampen die einzige künstliche Lichtquelle in den Häusern. Betrat man einen dunklen Raum, musste man den Docht einer kleinen Tonlampe anzünden und das Lämpchen dann in ein Lampengestell stellen. Das war ein Ständer (eine Art Hocker) oder ein Gestell, das an der Decke hing. Auf diese Weise konnte die Lampe von ihrer zentralen Position den ganzen Raum erleuchten.

Diesen damals alltäglichen Vorgang benutzte der Herr Jesus mehrfach in seinen Reden, um seinen Zuhörern eine geistliche Botschaft zu veranschaulichen. Zu drei verschiedenen Anlässen erklärte der Herr, dass eine angezündete Öllampe auf ein Lampengestell gehört, damit sie ihr Licht gut verbreiten kann. Niemand käme auf die Idee, die Lampe unter einem Bett oder unter einem Scheffel zu verstecken. Dann wäre von ihrem Licht nichts mehr zu sehen.

Die drei bildhaften Erzählungen des Herrn Jesus in Lukas 11, Markus 4 und Matthäus 5 ähneln sich zwar sehr stark, aber ihre Botschaft ist jedes Mal verschieden. Genauer gesagt: Die Lampe symbolisiert in jeder Begebenheit etwas Anderes. In Lukas 11 ist der Herr Jesus selbst das Licht, in Markus 4 ist das Wort Gottes unser Licht, und in Matthäus 5 sollen wir Gläubige als Lichter scheinen.

 

Der Herr Jesus als Licht der Welt (Lk 11,33-36)

Wieder einmal hatte Jesus ein Wunder vor den Augen der Volksmenge getan, doch die Reaktionen der Menschen waren erneut skeptisch bis ablehnend. Einige forderten weitere Zeichen von Ihm (Lk 11,14-16). Ab Vers 29 erklärt der Herr, warum Er diesem Wunsch nicht nachkommen würde. Zunächst erläutert Er, dass sein Auftreten deutlicher redet als das Auftreten des Propheten Jona in Ninive und dass seine Weisheit größer ist als die Weisheit des Königs Salomo. Wozu also noch weitere Zeichen?!

Dann folgt unser Gleichnis von der Lampe. Hiermit möchte der Herr unterstreichen, dass es nicht an seiner Person liegt, wenn die Menschen seine Wunderwerke nicht als Bestätigung seiner göttlichen Herkunft erkennen, sondern an ihrer eigenen Wahrnehmung. Das Problem ist nicht das Licht, sondern das Auge des Betrachters. Man stelle sich vor, ein Blinder würde sich beschweren, dass die Sonne nicht hell genug scheint! Wenn man blind ist – oder ein „böses Auge“ hat, d.h. eine falsche Herzenshaltung beim Betrachten der Person des Herrn Jesus (V. 34) –, kann das Licht noch so hell strahlen, es vertreibt nicht die Finsternis.

Der Herr Jesus war in der Tat „das Licht der Welt“ (Joh 8,12; 12,46). Und Gott hatte dieses Licht nicht im Verborgenen angezündet. Sein Sohn hat nicht in der Wüste oder in Hinterhöfen gewirkt und gelehrt, nein, Er hat es für jedermann sichtbar in der Öffentlichkeit getan – zunächst in Galiläa und dann in der Hauptstadt Jerusalem. Während eines späteren Verhörs konnte Jesus zum Hohenpriester sagen: „Ich habe öffentlich zu der Welt geredet, ich habe allezeit in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet“ (Joh 18,20). Ja, sein göttliches, warmes Licht konnte jeder, der wollte, sehen. Aber viele wollten eben nicht.

→ Wie ist das bei uns? Vermutlich haben wir das göttliche Licht grundsätzlich in unser Leben scheinen lassen. Damals, als wir uns bekehrt haben, haben wir den Herrn Jesus in unser Herz aufgenommen und damit wurde es in unserem dunklen Herzen plötzlich licht. Aber wie sieht das heute in unserer Praxis aus? Vielleicht gibt es noch einen „finsteren Teil“ in unserem Leben, in den das Licht des Herrn Jesus nicht hineinscheinen darf (V. 36). Es ist herrlich befreiend, wenn wir jede Kammer unseres Herzens von den wärmenden Strahlen des Herrn Jesus erleuchten lassen.

 

Das Wort Gottes als Licht für unser Leben (Mk 4,21-25)

Auch hier gibt der Zusammenhang einen Hinweis, wovon die Lampe in diesem Gleichnis spricht: vom Wort Gottes. Unmittelbar vorher hatte der Herr nämlich das Gleichnis vom Sämann erzählt, eine Illustration für das Ausstreuen des Wortes Gottes (V. 14 ff.).

So, wie die Lampe normalerweise an einem zentralen Platz im Zimmer positioniert wird, so sollte es auch mit der Bibel in unserem Leben sein; denn nur so kann das Wort Gottes sein klares Licht verbreiten. Das Symbol der Lampe zeigt uns zwei Wirkungen des Wortes Gottes: Einsicht und Wegweisung. Durch das Lesen der Bibel möchte Gott uns Einsicht in seine Gedanken schenken (vgl. Ps 19,9; 119,130). Außerdem benutzt Gott sein Wort, um uns auf einem guten Weg zu leiten: „Dein Wort ist Leuchte meinem Fuß und Licht für meinen Pfad“ (Ps 119,105; vgl. Spr 6,23).

Der Herr Jesus erwähnt mit dem Bett und mit dem Scheffel (ein Gefäß zum Abmessen und Transportieren von Getreide) zwei Hindernisse, die das Licht der Lampe verdunkeln können. Das Bett ist ein Hinweis darauf, dass wir manchmal zu bequem oder träge sind, die Bibel zu studieren. Das Gegenteil wird durch den Scheffel illustriert: Manchmal sind wir so sehr mit unseren irdischen Aufgaben im Berufsleben beschäftigt, dass wir keine Zeit und Energie mehr haben, das Wort Gottes zu lesen.

→ Wie ist das bei uns? Schlagen wir die Bibel nur sonntags in den Gemeindestunden auf oder ist sie auch im Alltag unser Begleiter? Räumen wir dem Wort Gottes einen zentralen Platz in unserem Leben ein? Was ist unsere erste Anlaufstelle bei schwierigen Fragen und Entscheidungen? Lesen wir die Bibel gerade dann besonders aufmerksam, um Gottes Ratschläge und Wegweiser wahrzunehmen? Ist Bequemlichkeit oder Betriebsamkeit dein Problem? Nur aus der geöffneten Bibel strahlt göttliches Licht heraus – mitten in die Praxis unseres Lebens!

Viele Ausleger verbinden das Licht in diesem Abschnitt nicht nur mit dem Wort Gottes, sondern auch mit unserem Zeugnis. Bei diesem Gedankengang zeigt das Lampen-Gleichnis, das auf das Gleichnis vom Sämann folgt, was Frucht (V. 20) bedeuten kann, nämlich ein Zeugnis vor den Menschen sein. Auch hier gilt: Trägheit (Bett) und übermäßige Geschäftigkeit (Scheffel) verhindern, dass das Wort Gottes in uns wohnt und wir zu einem echten Zeugnis vor den Menschen werden. Damit sind wir auch bei der Botschaft des letzten Lampen-Gleichnisses angelangt.

 

Wir Gläubige als Licht der Welt (Mt 5,14-16)

Die bekannteste der drei Lampen-Erzählungen befindet sich in der sogenannten Bergpredigt. Aus diesem Gleichnis ist die Redewendung „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ entstanden. Wenn man diesen Ausdruck heutzutage verwendet, meint man damit: „Sei nicht zu bescheiden, sondern zeige, was du weißt und kannst“. Das ist aber gar nicht die eigentliche Botschaft, die Jesus mit diesem Gleichnis verdeutlichen will.

Anders als in den beiden ersten Lampen-Gleichnissen macht der Herr Jesus hier direkt klar, wer die Lampe ist: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (V. 14). Wir Gläubige verbreiten als Jünger des Herrn in dieser dunklen Welt göttliches Licht. Christus als das vollkommene Licht der Welt ist heute nicht mehr hier auf der Erde (Joh 9,5), deshalb sollen wir als Licht der Welt stellvertretend für Ihn leuchten. Und weil die Menschen heute die Bibel nicht mehr lesen, sind wir Gläubige die nahezu einzige Lichtquelle für unsere ungläubigen Mitmenschen. Paulus greift diesen Gedanken auf und fordert uns auf, „inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts“ als Lichter in der Welt zu scheinen, „darstellend das Wort des Lebens“ (Phil 2,15). Das geschieht zunächst durch unser Verhalten; in Matthäus 5,16 ist deshalb von unseren guten Werken die Rede. Und wenn es dann eine passende Gelegenheit gibt, dürfen wir unsere Mitmenschen auch mit Worten auf Christus hinweisen (Kol 4,5-6).

→ Wie ist das bei uns? Ebenso wie eine Stadt auf dem Berg (V. 14), kann auch die Lampe auf dem Lampenständer nicht verborgen sein, sondern wird für alle Menschen gut erkennbar leuchten. Sie kann nicht verborgen sein! Wirklich nicht? Wir können das anscheinend irgendwie doch. Denn wir schaffen es häufig ganz gut, als Christen verborgen zu bleiben. Deshalb benötigen wir immer wieder die Aufforderung, „unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen“! Das wollte der Herr mit diesem Gleichnis sagen. Zeig dich als Christ in deiner Umgebung! Raus aus der Versenkung, oder anders gesagt: Raus aus dem Scheffel! Verbreite göttliches Licht!

 

Zusammenfassung

Bei unserer Bekehrung hat der Herr Jesus in unser Herz und unser Leben geleuchtet, so dass die Finsternis verschwunden ist und wir göttliches Licht empfangen haben. Beim Lesen der Bibel können wir jetzt täglich Gottes warme Lichtstrahlen spüren. Das sollte zur Folge haben, dass wir dieses Licht in unsere Umgebung reflektieren, damit andere Menschen aus der Finsternis in Gottes wunderbares Licht kommen (1. Pet 2,9).




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