Bibelstudium

Lektionen aus dem Buch Esra (Teil 2)

Das Buch Esra ist für Christen heutzutage eine große Hilfe. Es berichtet, wie damals ein Teil des Volkes Gottes nach Jerusalem zurückkehrte. Viele der Ereignisse sind lehrreiche Illustrationen für das Volk Gottes heute. Werfen wir einen Blick in die Kapitel 2 und 3.

Das zweite Kapitel im Buch Esra enthält eine lange Liste von Namen. Die meisten der gennannten Personen sind uns unbekannt. Aber Gott nahm Notiz von jedem, der den Schritt wagte, nach Jerusalem hinaufzuziehen (V. 1).

Argumente gegen Jerusalem

Babylon zu verlassen, um nach Jerusalem zu ziehen, war zweifellos eine schwierige Entscheidung. Es gab eine ganze Reihe von Argumenten, die dagegen sprachen:

1.      Das Argument der Bequemlichkeit oder Gewohnheit. Manche sagten vielleicht: „Wir haben uns in Babylon niedergelassen. Unsere Eltern wurden hierher gebracht, so dass wir uns eingewöhnt haben. Warum sollen wir alles zurücklassen, um an einen fremden Ort zu ziehen?“

Bestimmen Bequemlichkeit oder Gewohnheit unser Leben oder fragen wir danach, was Gott von uns möchte?

2.      Das Argument der Minderheit: „Wie kann eine Minderheit richtig liegen? Als Israel aus Ägypten zog, waren es 600.000 Männer und dazu noch ihre Frauen und Kinder. Als sie nach Kanaan kamen, waren es ungefähr genauso viele.[1] Danach war das Volk weiter gewachsen. Und jetzt waren es nicht einmal 43.000 Personen, die meinten, nach Jerusalem gehen zu müssen.“

 Der Glaube fragt aber nicht nach Zahlen, sondern nach Gott und seinem Wort.

3.      Das Argument der Einheit klingt besonders geistlich: „Zieht nicht nach Jerusalem, denn das würde die Einheit des Volkes Gottes zerstören. Einige können oder wollen nämlich nicht nach Jerusalem gehen. Deswegen zerstört ihr die Einheit des Volkes Israel, wenn ihr nach Jerusalem zieht.“

In Wirklichkeit war das Gegenteil der Fall: Die Ursache dafür, dass das Volk äußerlich getrennt war, lag nicht in denen, die nach Jerusalem zogen, sondern in denen, die in Babylon blieben. Folgende Punkte können helfen, das zu verstehen:

  • Die erste Priorität ist, das zu tun, was Gott möchte. Wenn jeder das tut, wird Einheit sichtbar werden.
  • Die Einheit des Volkes wurde gerade in Jerusalem (und nicht in Babylon) dargestellt.
  • Der Überrest, der nach Jerusalem zurückkehrte, opferte zwölf Ziegenböcke für die zwölf Stämme (6,17; 8,35), obwohl nur zwei Stämme – und diese nur zum Teil – im Land Israel vertreten waren. Dadurch drückten sie die Einheit des Volkes Gottes aus – wenn auch leider nicht alle zu Gottes Zentrum zurückgekehrt waren. Diese Darstellung der Einheit konnte es nur an einem Ort geben, nämlich dort wo Gott „seinen Namen wohnen“ ließ (5. Mo 12).
  • Die Einheit des Volkes Gottes ist äußerst wertvoll, aber sie rechtfertigt keinen Ungehorsam gegenüber Christus.
  • Die Juden, die nach Jerusalem zurückgekehrt waren, wurden von Gott stellvertretend als „Israel“ angesehen, obwohl sie de facto nur eine Minderheit waren (Kap. 2,70; 10,5).

 

4.      Das Warum-Jerusalem-Argument: „Was ist eigentlich an Jerusalem so besonders? Es ist doch nur noch ein Haufen Schutt und Ruinen. Es wäre viel einfacher, an einem anderen Ort einen neuen Anfang zu machen.“

Zugegeben, dieser Einwand klingt einleuchtend und logisch – für die Juden damals und auch übertragen auf Christen heute. Vieles ist schief gelaufen, warum sollten wir nicht eine neue Gemeinde gründen, eine neue Organisation, die frei von Fehlern der Vergangenheit ist? Aber ist das die Stimme des Glaubens? Wenn Gott Jerusalem ausgewählt hat, dann sucht der Glaube nicht etwas Einfacheres oder Besseres. Auch heute scheint es in mancher Hinsicht einfacher zu sein, etwas Neues zu beginnen. Aber wir sollen und brauchen keine Kirche oder Gemeinde gründen – das hat Gott längst getan, vor etwa 2000 Jahren (Apg 2). Seine Gedanken ändern sich nicht und Er möchte, dass wir die alten Grundsätze praktizieren, die Er festgelegt hat, auch wenn viel „Schutt“ auf dem Weg liegt.

Für die, deren Geist Gott erweckte, wurden alle diese Argumente durch das Argument des Glaubens zerschlagen: Gott hat Jerusalem ausgewählt, und das ist der Ort, an dem ich sein möchte!

Personengruppen, die nach Jerusalem zogen

Gott nahm von jedem Kenntnis, der sich von diesen Gegenargumenten nicht abhalten ließ, nach Jerusalem zu ziehen. Unter ihnen waren auch Priester (V. 36) und Leviten (V. 40), so dass der Priester- und Levitendienst wiederhergestellt werden konnte. Allerdings scheint es – wie so oft – an Leviten gefehlt zu haben. Wir finden hier nur 74 Leviten – also äußerst wenige, wenn man bedenkt, dass über 4.000 Priester dabei waren (in Kapitel 8 werden wir auf einen noch größeren Mangel an Leviten stoßen). Immer wieder muss man feststellen, dass es zu wenig Gläubige gibt, die bereit sind, sich für den Levitendienst, d.h. für praktische Arbeiten unter dem  Volk Gottes, einzusetzen, aber Gott sei Dank, es gibt sie!

Es gab auch Sänger (V. 41), so dass Gott gelobt werden konnte, und Torhüter (V. 42), die dafür verantwortlich waren, alles fernzuhalten, was der Ehre Gottes geschadet hätte.

Gott nahm auch Notiz von solchen, die wir vielleicht vergessen hätten: die Nethinim (V.43) und die Söhne der Knechte Salomos (V. 55). Sie waren offensichtlich nicht jüdischer Abstammung und ihre Tätigkeit beschränkte sich auf niedrige Dienste, aber Gott hat Freude daran, alle Familien und Personen zu erwähnen, die nach Jerusalem hinaufzogen. So ist es auch heute in der Versammlung, dem Leib Christi. Die einzelnen Glieder haben verschiedene Aufgaben, Pflichten und Begabungen und die prominentesten unter ihnen sind nicht zugleich die wichtigsten. Alle haben ihren Platz und werden gebraucht (vgl. 1. Kor 12,12 ff.).

Priester ohne Nachweis

Dann trat ein Problem auf. Es gab Priester, die ihr Geschlechtsregister-Verzeichnis suchten (V. 62) und daher ihre Abstammung nicht nachweisen konnten. Ohne ihren Stammbaum konnten sich nicht nachweisen, dass sie zur Priesterfamilie gehörten und daher berechtigt waren, Priesterdienst zu verrichten. Was sollte man tun?

Zu allererst ist es wichtig zu sehen, dass dieses Problem in früheren Tagen nicht aufgekommen wäre. Aus dem einfachen Grund, dass jeder wusste, wer die Priester und ihre Familien waren. Diese Schwierigkeit war entstanden, weil der Priesterdienst 70 Jahre unterbrochen worden war – und wegen der Verwirrung, die die babylonische Gefangenschaft mit sich gebracht hatte. Es war also eine Folge des Ruins, d.h. des schwachen Zustands im Volk Gottes (und natürlich auch der Nachlässigkeit der Priester, die ihre Dokumente nicht gut verwahrt hatten). Hinzu kam, dass sie die Urim und die Tummim nicht mehr hatten. Das waren Instrumente des Hohenpriesters, mit denen die Wahrheit herausgefunden werden konnte (2. Mo 28,30; 4. Mo 27,21).

Der Statthalter Serubbabel ordnete an, dass die Betreffenden den Priesterdienst nicht ausüben sollten, bis die Frage geklärt war (V. 63). Es muss damals eine schwere Entscheidung gewesen sein, diese Priester zurückzuweisen, aber es zeigt, dass Serubbabel Gott an die erste Stelle stellte und nicht menschliche Gefühle.

In Vers 68 heißt es, dass sie „zum Haus des Herrn in Jerusalem kamen“. Zu welchem Haus? Der Tempel war doch vor vielen Jahren niedergebrannt worden und noch war er nicht wieder aufgebaut worden. Dennoch: Sie kamen an den Ort, wo und in Gottes Augen sein Haus war.

Und als sie dahin kamen, „gaben einige...freiwillig“ (V. 68). Das ist das nächste Merkmal dieser Erweckung: echtes Interesse für Gott und sein Werk. So gaben sie „nach ihrem Vermögen“ (V. 69).

Das Volk Israel sammelt sich und feiert

Am Anfang des dritten Kapitels lesen wir: „Und als der siebte Monat herankam und die Kinder Israel in den Städten waren, da versammelte sich das Volk wie ein Mann nach Jerusalem“. Der erste Tag des siebten Monats war ein wichtiges Datum. In 4. Mose 29,1 lesen wir, dass es ein Tag des Posaunenhalls sein sollte.

In Esra 3 werden insgesamt drei Feste bzw. deren Daten erwähnt:

  1. Der Tag/das Gedächtnis des Posaunenhalls (V. 1; vgl. 3. Mo 23,24)
  2. Das Laubhüttenfest (V. 4).
  3. Die Neumonde (V. 5)

Wenn sich das ganze Volk am ersten Tag des siebten Monats nach Jerusalem versammelte, dann wurde etwas von der Einheit des Volkes sichtbar. Das entspricht auch der Bedeutung des Festes des Posaunenhalls. Es deutet auf eine Zeit hin, wenn das Volk Israel, nachdem es über Jahrhunderte hinweg über die ganze Erde verstreut war, wieder in seinem Land wohnen wird.

Vers 4 berichtet, dass das Laubhüttenfest gefeiert wurde. Es war ein Fest der Freude. Das Volk wohnte in Hütten aus frischen Zweigen und Blättern. Es war natürlich unmöglich, dieses Fest in der Wüste zu feiern. Woher hätten sie die frischen Zweige in der Wüste nehmen sollen? Das Fest war also mit dem Land Kanaan verbunden. Und diese Freude des Landes wird ihnen wiedergegeben. – Kennen wir etwas von der Freude an unserem himmlischen Erbteil? Gott hat uns „mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christus Jesus“ (Eph 2,6). Genießen wir in diesem Sinn unser „Laubhüttenfest“?

Schließlich lesen wir, dass sie die Opfer darbrachten, die zu den Neumonden gehörten (V.5). Der „Mond“ Israels hatte während der 70 Jahre der Gefangenschaft aufgehört zu scheinen. Was für ein Zeugnis hatten sie abgegeben? Gott hatte sie aus Ägypten in das verheißene Land geführt, aber sie kehrten Ihm den Rücken zu und wandten sich zu den Götzen. Aber jetzt gab es einen Neubeginn. Es war noch nicht die Zeit des Vollmonds, aber ein dünner Streifen erschien am Himmel – der Neumond (Ps 81,3).

Die Anbetung – der Altar

Es ist interessant, dass die Zurückgekehrten nicht zuerst ihre eigenen Häuser, eine Stadtmauer oder den Tempel bauten. Ihre erste Priorität war es, den Altar zu errichten (V. 2). So konnte der Gottesdienst wieder stattfinden. Alles nach Vorschrift

Ein weiteres Kennzeichen, das zu einer Erweckung gehört, ist, dass das Wort Gottes die Richtschnur für alle Aktivitäten wird:

  1. Die Israeliten wollten Brandopfer opfern, „wie geschrieben steht“ (V. 2)
  2. Sie feierten das Laubhüttenfest „wie es vorgeschrieben ist“ (V. 4)
  3. Sie opferten täglich Brandopfer „nach der Vorschrift“ (V. 4)
  4. Sie lobten den Herrn sogar „nach der Anweisung Davids“ (V. 10).

Das Volk Gottes heute braucht also nicht Kreativität, sondern eine Rückbesinnung auf Grundsätze, wie sie im Wort Gottes stehen. Echte Erweckung ist immer durch die Neuentdeckung der heiligen Schriften gekennzeichnet (Josia, Daniel, Esra, Nehemia, usw.). Diese Schriften existierten damals zwar schon lange, aber durch Nachlässigkeit waren sie vergessen worden.

Der Altar wurde „an seiner Stätte“ aufgerichtet (V. 3). Dort war der Platz, wo Gott ihn haben wollte, auf dem Berg Morija (2. Chr 3,1), dort wo die Tenne Ornans war, wo das Gericht nach Davids Sünde angehalten wurde (1. Chr 21,15-18). Wir können wohl nicht beweisen, dass Abraham genau an diesem Ort Isaak geopfert hat, aber es fällt auf, dass es im Land Morija war (1. Mo 22,2). Und unweit von der Stelle, wo nun durch Josua und Serubbabel der Altar aufgerichtet wurde, sollte etwa 550 Jahre später das „Lamm Gottes“ geopfert werden.

Trauer und Freude gleichzeitig

Im zweiten Jahr ihres Kommens wurden die Leviten bestellt, die Bauarbeiten begannen, und der Grund des Tempels wurde gelegt. Was für eine großartige Wiederherstellung hatte Gott geschenkt! Es wurde gesungen, Gott wurde Lob und Dank gebracht. Aber gleichzeitig weinten einige. Sogar so sehr, dass das Volk „den Schall des freudigen Jubels“ nicht unterscheiden konnte von „der Stimme des Weinens im Volk“ (V.13).

Wie konnte es sein, dass die Gefühle der beiden Gruppen in so krassem Gegensatz zueinander standen, weinen und Jubel? Und wer von den beiden Gruppen lag richtig? Die Jüngeren jubelten vor Freude, weil sie die Wiederherstellung sahen, die der Herr bewirkt hatte. Aber die Älteren weinten, weil sie sich an die Herrlichkeit des ersten Hauses erinnerten.

Sind nicht beide Gefühle nachvollziehbar? Wenn wir an die ersten Tage der Versammlung nach Pfingsten denken, an die Tausende, die zum Glauben kamen, an das kraftvolle Zeugnis der ersten Christen (Apg 2-4), sind wir dann nicht traurig, wenn wir sehen, wie es heute ist? Auf der anderen Seite dürfen wir an die Dinge denken, die Gott uns durch die Erweckungsbewegungen im 16. und 19. Jahrhundert wiedergegeben hat. Es gibt Verfall im Volk Gottes, an manchen Orten sind nur wenige übrig geblieben, die die Belehrungen des Wortes Gottes uneingeschränkt beherzigen. Aber wir dürfen immer noch als Versammlung zusammenkommen, Gott dienen, uns an unserer himmlischen Stellung erfreuen und ein Zeugnis für Ihn sein in dieser Welt. Wahrheiten, die lange Zeit verloren gegangen waren, wurden wiedergefunden und sind uns bis heute erhalten geblieben, z.B.:

  • die Entrückung der Gläubigen
  • die Versammlung – viele Glieder, ein Leib
  • die Unterscheidung von Israel und der Versammlung
  • die Bedeutung von alttestamentlichen Prophetien
  • usw.

Wenn man daran denkt, dann haben wir auch heute noch Grund zur Freude. 



[1] Vgl. 4. Mose 1 mit 4. Mose 26. Einige Stämme hatten sich vergrößert, andere verkleinert. Aber in Summe waren es ungefähr gleich viele.




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