Bibelstudium

Lektionen aus dem Buch Esra

Esra bedeutet Hilfe oder Helfer. Die letzten vier Kapitel des Buches, das nach seinem Namen benannt ist, bestätigen, dass Esra eine große Hilfe für sein Volk war. Er belehrte sein Volk nicht nur als kundiger Schriftgelehrter, sondern er demütigte sich auch unter ihre Sünden und Verfehlungen (Kap. 9). Die Folge war, dass auch das Volk seine Sünde bekannte und so wiederhergestellt wurde.

Esra – ein Appell für Christen heute

Das Buch Esra kann auch für Christen heutzutage eine große Hilfe sein. Esra berichtet, wie damals ein Teil des Volkes Gottes nach Jerusalem zurückkehrte. Viele der Ereignisse sind lehrreiche Illustrationen für das Volk Gottes heute. Wenn wir durch das Buch gehen, werden wir einige Parallelen entdecken zwischen der Zeit, von der Esra berichtet, und unserer Zeit. In diesem Sinn ist Esra sehr aktuell und relevant in Bezug auf viele Fragen, die Christen heute stellen, wie zum Beispiel:

  • Wie sollen sich Christen versammeln?
  • Kann eine Minderheit richtig liegen?
  • Was bedeutet die Einheit der Versammlung (Gemeinde) für uns heute?
  • Was tun wir, wenn sich viele von der biblischen Lehre abwenden?
  • Trennung/Absonderung vom Bösen und Einheit der Versammlung – ein Widerspruch?
  • Woran kann man eine echte Erweckung erkennen?
  • usw.

Esra – Rückkehr zum echten Gottesdienst

Das Buch Esra beschreibt eine wunderbare Erweckung, die nach 70 dunklen Jahren in der Geschichte des Volkes Gottes stattfand. Was war geschehen? Im Jahr 722 vor Christus waren zehn Stämme des Volkes Israel in die assyrische Gefangenschaft geführt worden (2. Kön 17,6). Im Lauf der Zeit verschwanden sie völlig und wir wissen bis heute nicht, wo sie sind. Nur zwei Stämme, Juda und Benjamin, waren im Land übriggeblieben. Und ca. 100 Jahre später, 606 v. Chr., kam Nebukadnezar und nahm die Geräte des Tempels sowie die vielversprechendsten jungen Leute als Gefangene (2. Chr 36,6.7). Es folgte eine Gefangenschaft von 70 Jahren, genau so, wie Jeremia es vorausgesagt hatte (Jer 25,12 und 29,10). Dort waren sie nun: weit weg von Jerusalem, ohne Tempel, ohne Opfer, ohne ihre Feste. „Auf fremder Erde“ waren sie nicht in der Lage, die Lieder Zions zu singen (Ps 137,1-4).

Am Ende dieser 70 Jahre eroberte der persische König Kores das babylonische Reich und gründete das Medo-persische Reich. Dieser neue König ließ einen Ruf ergehen: Alle Juden in seinem Reich sollten nach Jerusalem zurückzukehren, um das Haus des Herrn dort zu bauen.

Ungefähr 43.000 Menschen folgten diesem Ruf und gingen hinauf nach Jerusalem. Ihre Erfahrungen sind sehr lehrreich für die Gläubigen heute. Ihre Rückkehr nach Jerusalem ermutigt uns, zurückzukehren zu den Grundsätzen, wie sie uns im Neuen Testament vorgestellt werden, ohne Abänderungen durch menschliche Ideen.

Der Glaube dieser Zurückgekehrten, ihr Versagen, ihre Arbeit, ihre Höhen und Tiefen – alles das hat uns heute viel zu sagen. In dem Maß, wie wir danach verlangen, den „Ort“ zu kennen, den Gott ausgewählt hat, d.h. das kennenzulernen, was Gott zu Beginn des Christentums geschenkt und angeordnet hat, werden auch wir viel Hilfe aus diesem Buch Esra bekommen.

 

Esra 1

Gott bewirkt Erweckung

Der erste Vers lässt keinen Zweifel aufkommen: Etwas war nicht in Ordnung. Die Zeitangabe „im ersten Jahr Kores‘, des Königs von Persien" ist ganz anders als in den Büchern der Könige und Chronika. Dort wird die Zeit nach den Königen von Israel und Juda angegeben. Warum diese Änderung? Der „Thron des Herrn“ (1. Chr 29,23) stand nicht mehr in Jerusalem. Die „Zeiten der Nationen“ hatten begonnen (Lk 21,24) und waren nun schon 70 Jahre vorangeschritten – und sie werden sogar noch weitergehen bis zum Ende der Drangsalszeit.

Doch Gott hält die Fäden weiter in der Hand. Durch Jeremia hatte er dem Volk vorhergesagt, dass die Gefangenschaft in Babylon auf 70 Jahre begrenzt sein würde (diese Aussage hatte eine bemerkenswerte Auswirkung auf Daniel, vgl. Dan 9,2 ff.). Als die Zeit nun gekommen war, benutzt Gott einen heidnischen König, Kores, als sein Werkzeug, um die verheißene Rückkehr zu veranlassen.  

König Kores ist eine sehr interessante Figur. In der Geschichte ist er dafür bekannt, mit eroberten Völkern sehr human umgegangen zu sein. Sein berühmter Erlass, der später als „erstes Menschenrechtsdokument“ bekannt wurde, kann heute im Britischen Museum in London bestaunt werden (Kyros-Zylinder[M1] ). Gefangene in ihre Heimat zurückkehren zu lassen, war ein Zeichen seiner humanen Politik.

Das ist die weltliche oder menschliche Seite. Gottes Seite ist noch viel interessanter. Lange bevor Kores geboren war, prophezeite Jesaja über diesen König und nannte ihn sogar beim Namen: „… der von Kores spricht: Mein Hirte und der all mein Wohlgefallen ausführt, und zwar, indem er von Jerusalem sagen wird: Es werde aufgebaut!, und vom Tempel: Er werde gegründet!“ (Jes 44,28). Wir wissen nicht, ob Kores lebendigen Glauben an Gott hatte, aber Gott benutzte ihn in seiner Souveränität als Werkzeug. Kores hatte offenbar die Möglichkeit gehabt, Jesajas Prophezeiungen zu lesen und so wusste er, welche Aufgabe Gott ihm gegeben hatte. Deswegen sagte er: „Alle Königreiche der Erde hat der Herr, der Gott des Himmels, mir gegeben; und er hat mich beauftragt, ihm ein Haus zu bauen in Jerusalem“ (V. 2).

Es ist bemerkenswert wie Gott (im Hintergrund) wirkt. Als erstes „erweckte der Herr den Geist“ dieses heidnischen Königs, sodass dieser ein Dekret erlässt, das alle Juden dazu auffordert, nach Jerusalem zurückzukehren. Danach erweckte Er den Geist der Juden, die dann nach Jerusalem zogen (V. 5). Was immer Menschen auch tun – eine wahre Erweckung ist immer ein Werk Gottes.

Babel oder Jerusalem – Götzendienst oder Gottesdienst?

Also erging der Ruf: „Wer irgend unter euch aus seinem Volk ist, mit dem sei sein Gott, und er ziehe hinauf nach Jerusalem ... und baue das Haus des Herrn.“ In einem gewissen Sinn lebt der König Kores noch heute. Denn derselbe Ruf ist bis heute zu hören: Ist jemand da, der Gottes Gegenwart wertschätzt – damals in Jerusalem, dem von Gott erwählten Ort, heute in der Versammlung? Ist jemand da, der sich für das Haus Gottes interessiert – damals der Tempel, heute die Versammlung des lebendigen Gottes?

Um die Bedeutung von diesem Ruf zu verstehen, erinnern wir uns daran, dass wichtige Orte in der Bibel eine geistliche Bedeutung haben:

  • „Eden“ ist das Paradies,
  • „Sodom“ steht für moralische Verdorbenheit,
  • „Ägypten“ spricht von der Welt und ihrer unterdrückenden Macht,
  • „Sinai“ ist der Ort des Schreckens des Gesetzes
  • „Jordan“ ist der Todesfluss, ein Bild des Todes Christi
  • „Gilgal“ ist die Verurteilung des Fleisches.

Es könnten noch viele weitere Beispiele genannt werden. Das Studium solcher bedeutenden Orte ist sehr lehrreich. Was hat es nun mit Babylon[1] und Jerusalem auf sich? Babylon (Babel, 1. Mo 11) erinnert es uns an zwei Dinge:

  1. Verwirrung, weil dort die verschiedenen Sprachen entstanden und man einander nicht mehr verstand.
  2. Götzendienst (vgl. Sach 5,5-11 – Babel lag im dort erwähnten Sinear).

Diese beiden Kennzeichen treffen auch auf die heutige Christenheit zu. Es gibt viel Verwirrung, alle Arten von Lehre, allgemeine Abweichung von der gesunden Lehre, usw. Paulus sagt sogar, dass die Menschen in der christlichen Endzeit die gesunde Lehre nicht mehr ertragen werden (2. Tim 4). Heute werden alle möglichen (und unmöglichen) Lehren verbreitet, denken wir nur an das Thema der Prophetie oder an Lehren über die Versammlung und sogar über die Person Christi. Im christlichen Bereich wird zuweilen sogar Götzendienst geduldet und verteidigt: Anbetung, die nicht auf Gott gerichtet ist, sondern auf sogenannte „Heilige“, auf Reliquien, die „Jungfrau Maria“ usw. Was soll der Gläubige tun?

Die Antwort auf diese Frage führt uns zur geistlichen Bedeutung von Jerusalem. Jerusalem war der Ort, den Gott aus allen Orten ausgewählt hatte. 5. Mose 12 erwähnt mehrfach, dass Jerusalem der Ort war, „den der Herr, euer Gott, aus allen Stämmen erwählen wird, um seinen Namen dahin zu setzen“. Nur an diesem Ort konnte der Tempel gebaut werden, dort sollte sich das Volk versammeln, sollten die Feste gefeiert werden, sollten die Opfer und die Opfergaben gebracht werden. Und es war der Ort, an dem sich das Volk vor Gott freuen würde.  

Erweckung heute – jeder ist gefragt!

Auch heute gibt es einen Ort, den Gott gewählt hat, „um seinen Namen dahin zu setzen“, um in Person anwesend zu sein. Das ist natürlich kein geografischer Ort, sondern ein geistlicher Ort. Der Herr hat es selbst offenbart. Er sagte zu Petrus, dass er seine Versammlung bauen wird (Mt 16,18). Ein wenig später lesen wir dann, dass er da, wo zwei oder drei versammelt sind in seinem Namen, Er in der Mitte sein wird (Mt 18,20). „Zu seinem Namen hin“ versammelt zu ein – wie es im Grundtext wörtlich heißt – bedeutet Christus zum Zentrum zu machen. Was immer ein Gläubiger tut, er soll es „im Namen des Herrn“ tun, sogar essen und trinken (Kol 3,17). Aber wenn zwei oder drei „zu seinem Namen hin“ versammelt sind, dann ist sein Name Dreh- und Angelpunkt; dann ist alle Aufmerksamkeit auf Ihn gerichtet. Und sein Name beinhaltet, dass seine Person, seine Gedanken und seine Autorität anerkannt werden.

 

Dieses „geistliche Jerusalem“ existiert auch heute noch. Es ist immer noch geöffnet, um die Gegenwart des Herrn zu erleben, auch wenn nur wenige zusammenkommen. Wie steht es mit dir? Bist du aus „Babel“, dem Ort der Verwirrung und des Götzendienstes zurückgekehrt, nach „Jerusalem“, dem Ort, wo Christus geehrt und seine Rechte anerkannt werden, wo Er das Zentrum ist? Hast du dich schon einmal bewusst mit den Gedanken Gottes über die Versammlung /Gemeinde beschäftigt, die du vielleicht von deinen Eltern gehört hast? Der Ruf des Königs Kores ergeht auch heute noch: Wer ist da unter euch, der diesen Platz bewusst aufsuchen möchte?

Damals gingen alle, deren Geist erweckt wurde, hinauf nach Jerusalem (V. 5), und andere, die nicht selber gingen, sollten sie durch materielle Hilfe unterstützten (V. 4) und so geschah es dann auch (V.6).

 

Anbetung – eine Herzenssache!

Sogar der König trug erheblich dazu bei: „Und der König Kores ließ die Geräte des Hauses des Herrn herausbringen, die Nebukadnezar aus Jerusalem gebracht und in das Haus seines Gottes gelegt hatte" (V. 7).

Die Sache mit den Geräten ist sehr wichtig. Es gab drei Wegführungen: die erste in den Tagen des Königs Jojakim (2. Chr 36,6), die zweite in den Tagen seines Sohnes Jojakin (2. Chr 36,10) und die dritte in den Tagen Zedekias (2. Chr 36,11-21). Im Blick auf den verursachten Schaden war die dritte Wegführung die bedeutendste. Der Tempel wurde niedergebrannt und die Masse des Volkes in die Gefangenschaft geführt. Aber die 70 Jahre der Gefangenschaft wurden seit der ersten, relativ unbedeutenden, Wegführung gezählt. Warum war aus Gottes Sicht die erste Wegführung entscheidend? Wegen der Geräte. Nebukadnezar hatte die Geräte des Tempels beschlagnahmt, nach Babylon gebracht und in das Haus seines Gottes gelegt. So etwas war vorher noch nie geschehen. Manche Könige hatten zwar Silber vom Schatz und sogar von den Türflügeln des Tempels weggenommen (Ahas und Hiskia), um den König von Assyrien zu besänftigen. Aber die heiligen Geräte waren niemals angerührt worden.

Ohne die Geräte war es unmöglich zu opfern, wie es vorgeschrieben war. Keine Geräte – kein Gottesdienst! Das ist die Tragik. Erinnert uns das nicht an die traurige Tatsache, dass wahre christliche Anbetung, besonders die gemeinsame Anbetung, in weiten Teilen der Christenheit verloren gegangen ist? Viele aufrichtige Christen empfinden das vielleicht anders, auch wird Anbetung oftmals mit viel „Musik und Action“ verwechselt. Aber wahre christliche Anbetung hat Gott, den Vater, wie Er sich in seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat, und den Herrn Jesus zum Mittelpunkt (vgl. Joh 5,23). Da ist das Wort Gottes die alleinige Grundlage. Wir müssen in Geist und Wahrheit anbeten (Joh 4,23.24) – Anbetung ist also in erster Linie eine Herzenssache – und nicht eine Frage der Musik.

Kennst du einen Ort, eine Gemeinschaft von Gläubigen, an dem du dich mit Christen treffen und gemeinsam mit ihnen den Vater und den Sohn anbeten, preisen kannst? Bedenke: Der Vater sucht Anbeter (Joh 4,23)! Gehörst du schon zu diesen Anbetern?!

 



[1] Während dieses Stadt im Alten Testament „Babel“ heißt, wird sie im Neuen Testament „Babylon“ genannt.




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