Lebensbeschreibung

Zwei Frauen in der Zeit der Reformation

Martin Luther und andere Männer haben in der Zeit der Reformation die Gesellschaft maßgebend beeinflusst - in Übereinstimmung mit der Tatsache, dass Gott dem Mann in erster Linie die Verantwortung im öffentlichen Bereich anvertraut hat. Doch auch hier gilt, wie in vielen Fällen, dass Frauen, wenn auch mehr im Hintergrund, einen nicht unbedeutenden Anteil an der Arbeit hatten. In diesem Artikel möchten wir an zwei von ihnen erinnern.[1]

Idelette Calvin (1509-1549)

Die freie Reichsstadt Straßburg ließ den Reformatoren freie Hand, so dass sich dort einige der führenden Männer angesiedelt hatten. Sie war zudem ein Zufluchtsort für verfolgte Glaubensflüchtlinge. Zu dieser Gruppe gehörten auch die Holländerin Idelette van Buren und ihr Mann Jean Stordeur mit ihren zwei Kindern. Da sie sich zum reformatorischen Glauben bekannten, waren sie aus Lüttich geflohen, wo ihr Eigentum beschlagnahmt worden war.

Jemand anders machte schon bald in Straßburg auf sich aufmerksam: Johannes Calvin[2]. Als Calvin Genf vorübergehend verlassen musste, folgte er dem Ruf nach Straßburg. Hier wurde dringend ein Seelsorger für die französischen Flüchtlinge gebraucht. Jean lebte nur noch kurze Zeit nach Calvins Ankunft in Straßburg; er fiel der Pest zum Opfer. Einige Zeit nach dessen Tod heiratete der 31-jährige Calvin die gleichaltrige Witwe Idelette. Sie wurden von Wilhelm Farel getraut. Die Reformatoren waren erfreut, dass Calvin endlich eine Frau gefunden hatte. Diese Angelegenheit brachte allerdings eine recht erheiternde Vorgeschichte mit sich:  Calvin hatte Farel und Bucer[3] gebeten, ihm eine Frau zu suchen. Diese hatten ihm auch drei Heiratskandidatinnen vorgeschlagen. Doch die erste sprach kein Französisch und war zu reich, die zweite war 15 Jahre älter als er und die dritte sagte ihm auch nicht zu. Schließlich fand er seine Frau doch selbst. Calvin blühte in seiner Ehe auf und Idelette war ihm eine gute Hilfe. Obwohl er selbst wenig über sein Privatleben geschrieben hat, so ist doch eine Aussage von ihm überliefert: Idelette ist „der beste Kamerad meines Lebens“. Sie begleitete ihn auf den meisten seiner Reisen.

In Straßburg verbrachte das Ehepaar Calvin nur noch eine kurze gemeinsame Zeit, da der Stadtrat von Genf Calvin gebeten hatte, die Seelsorge in Genf wieder aufzunehmen. In Genf erlitt Idelette eine Frühgeburt. Das Kind, ein Sohn, starb nach zwei Wochen. In den nächsten fünf Jahren musste das Ehepaar Calvin miterleben, dass zwei weitere Kinder nach der Geburt starben. Idelette selbst hatte zunehmend gesundheitliche Probleme und nach neun Ehejahren lag sie auf dem Sterbebett.

Kurz nach ihrem Tod schrieb Calvin an seinen Freund Pierre Viret in Lausanne: „Genommen ist mir die beste Lebensgefährtin. Wäre mir etwas Schlimmes widerfahren, sie hätte nicht nur willig Verbannung und Armut mit mir geteilt, sondern auch den Tod. Solange sie lebte, war sie mir eine treue Helferin in meinem Amt. Von ihr ist mir nie auch nur das geringste Hindernis in den Weg gelegt worden“ (Calvin, Briefe II, 465). Aus dem Wenigen, was wir durch Calvin wissen, lässt sich erkennen, dass Idelette eine wichtige Wegbegleiterin der Genfer Reformation war.

Wibrandis Rosenblatt (1504-1564)

Die zweite Frau, die uns etwas beschäftigen soll, hat nicht nur einen interessanten Namen, sondern ist auch in anderer Hinsicht ein interessanter Sonderfall: Sie war nacheinander mit drei bekannten Reformatoren verheiratet.[4] Ihr Vater war wegen seiner Verdienste von seinem Landesvater Kaiser Maximilian zum Ritter geschlagen worden. Sie wuchs in Basel, der Heimatstadt ihrer Mutter, auf und erhielt als Kind einer adeligen Familie eine gute Bildung. Mit 20 Jahren heiratete sie den Humanisten Ludwig Keller, der jedoch schon bald starb. So war Wibrandis mit 22 Jahren zum ersten Mal Witwe.

Im Jahr 1528 heiratete der 46 Jahre alte Basler Professor Oekolampad[5] die 24-jährige Witwe. Wibrandis bekam einen gelehrten Ehemann und interessanten Gesprächspartner, der sowohl bei den Studenten der Universität beliebt war als auch bei den Bürgern, die seine Predigten in St. Martin gerne hörten. Oekolampad hatte einen großen Freundeskreis. In seinem Haus trafen sich die Reformatoren von Straßburg bis Basel. Darunter auch Zwingli, Bucer und Capito. Die an theologischen Themen interessierte Wibrandis erwies sich als gute Gastgeberin und nahm oft an den lebhaften Gesprächen in ihrem Haus teil. Sie erlebte den Wandel von einer katholischen zu einer reformierten Stadt unmittelbar mit, denn ihr Mann Oekolampad war der führende Kopf der Reformation in Basel. Als Zwingli in der Schlacht von Kappel fiel, wurde Oekolampad gebeten, das Werk Zwinglis fortzusetzen. Doch er lehnte dies ab, da er fühlte, dass seine Kräfte nachließen. Er sollte noch im selben Jahr an einer Blutvergiftung sterben. Nach einer dreijährigen Ehe mit Oekolampad war Wibrandis wieder Witwe mit inzwischen drei weiteren Kindern.

Fast zur gleichen Zeit starb die Frau des Reformators Wolfgang Capito in Straßburg. Capito war ein begabter Mann, aber mit Haushalt und Finanzen kam er alleine nicht klar. Seine Freunde rieten ihm, wieder zu heiraten. Durch die vielen Gespräche im Haus Oekolampads waren sich Wolfgang Capito und Wibrandis nicht unbekannt. So kamen sie überein zu heiraten und Wibrandis zog mit ihren vier Kindern wieder nach Straßburg. Wieder lebte sie in einem Pfarrhaus mit vielen Gästen. Dazu kamen in Straßburg noch die vielen Flüchtlinge. Wibrandis hielt den Haushalt in guter Ordnung und war ihrem über 20 Jahre älteren Ehemann eine Hilfe, indem sie ihn, der zu Depressionen neigte, immer wieder ermunterte.   Wibrandis gebar in dieser Ehe fünf Kinder, verlor aber auch ihre Tochter Irene aus ihrer Ehe mit Oekolampad. 1541 kam die Pest und traf auch das Haus Capito. Bald lagen vier Kinder sterbenskrank in ihren Betten. Als ein Sohn starb, konnte Capito die Beerdigung nicht halten, da er selbst fieberkrank zu Bett lag. Wibrandis, am Rande der Erschöpfung, lief zwischen den Krankenlagern ihrer Kinder und ihres Ehemanns hin und her. Sie konnte nur ihre Tochter Agnes retten. Die anderen Kinder und auch ihr Mann Wolfgang starben. Sie waren fast zehn Jahre miteinander verheiratet gewesen.

Doch in jener Zeit erhielt sie die Nachricht, Elisabeth Bucer verlange dringend nach ihr. So ging Wibrandis in das Pfarrhaus der Bucers. Die Pest hatte den Bucers alle Kinder entrissen, außer dem behinderten Nathanael. Jetzt lag Elisabeth selbst auf dem Sterbebett. Elisabeth richtete sich noch einmal auf und sagte zu ihrem Mann: „Martin, heirate Wibrandis!“ 1542 fand die Hochzeit statt. 38 Jahre alt war Wibrandis jetzt. „Wieder hat Wibrandis einen Mann, der nachts aufsteht, um an seiner Predigt zu arbeiten. Wieder ist sie verantwortlich für ein Haus, an dessen Tür alle die klopfen, die nicht wissen, wohin sie gehen sollen. Wieder muss sie in Stube, Küche und Keller für Ordnung sorgen, Mägde anweisen, Kinder erziehen, für Ruhe sorgen, wenn die gelehrten Männer kluge Gespräche führen, die Wäsche in Truhen und Schränke sortieren und auf dem Markt das günstigste Gemüse einkaufen.“[6] Sie gebar noch einmal zwei Kinder. Nach sechs Jahren an der Seite eines der führenden Reformatoren von Straßburg musste sie erleben, dass Kaiser Karl V. die Rückkehr zum Katholizismus verlangte, so dass Martin Bucer nach England emigrierte, wo er an der Universität als Professor noch zwei Jahre lehrte. 1551 starb er nach kurzer schwerer Krankheit. Wibrandis zog daraufhin mit ihren noch verbliebenen Kindern in ihre Heimatstadt Basel zurück und lebte dort zurückgezogen noch zehn Jahre. Und wieder schlug die Pest grausam zu, sodass in Basel 7000 Menschen starben. Diesmal traf es auch die tapfere Wibrandis.

 

Infotext: Familienleben zur Zeit der Reformation

Die gesundheitliche Situation jener Zeit war weit entfernt von unserem heutigen Standard. Kindestod, Seuchen wie die Pest u.ä.  waren allgegenwärtig. Das bedeutete, dass viele Kinder damals das Erwachsenenalter nicht erreichten. Auch der (z.T. frühe) Tod des Ehepartners war nicht die Ausnahme, sondern Alltag. Das hatte zur Folge, dass viele Menschen (und eben auch einige der Reformatoren) mehr als einmal verheiratet waren.

Infotext: weitere Reformatoren

Johannes Oekolampad

Johannes Oekolampad wurde in der kurpfälzischen Stadt Weinsberg geboren. Der Geburtsname war Johannes Heussgen (auch Husschyn, Hussgen, Huszgen oder Hausschein geschrieben) den er, wie in dieser Zeit üblich, ins Griechische übersetzte. 1515 ging Oekolampad nach Basel, wo er Mitarbeiter von Erasmus von Rotterdam wurde, an der Universität zum Doktor der Theologie promovierte und eine griechische Grammatik sowie Übersetzungen der Kirchenväter veröffentlichte.

Er war bis dahin der Tradition von Erasmus verpflichtet, studierte aber dann die Schriften Luthers und kam so weit, dass er sich der Lehre der Rechtfertigung durch den Glauben allein anschloss und seinen Standpunkt in zwei Schriften veröffentlichte. 1522 ließ er sich endgültig in Basel nieder. Ab 1523 gab er öffentliche Vorlesungen über die biblischen Propheten, wurde bald darauf zum Professor ernannt und 1525 schließlich Leutpriester in der Martinskirche.

Es folgten harte Auseinandersetzungen, auch mit Erasmus, und Kontakte mit Huldrych Zwingli, Martin Bucer und Martin Luther. Bei der Abendmahlsfrage schloss sich Oekolampad der Sichtweise Zwinglis an. Oekolampad genoss hohes Ansehen, hatte jedoch nie eine so einflussreiche Stellung wie Zwingli in Zürich. Im Jahr 1531 − wenige Wochen nach dem Tod von Ulrich Zwingli − starb Oekolampad. Sein Grab befindet sich im Basler Münster. (nach Wikipedia)

Martin Bucer

Martin Bucer gehört zu den bedeutenden Theologen der Reformation und gilt als der Reformator Straßburgs und des Elsass. Martin Bucer wurde in Schlettstadt (heute Sélestat) geboren. Unter der Obhut seines Großvaters trat Bucer mit fünfzehn Jahren als Mönch dem Dominikanerorden bei und immatrikulierte sich am 31. Januar 1517 an der Universität Heidelberg. Hier kam es am 26. April 1518 am Tag der Heidelberger Disputation zu einer folgenreichen Begegnung mit Martin Luther. Bucer wandte sich der protestantischen Theologie zu und wurde 1521 auf eigenen Wunsch aus dem Dominikanerorden entlassen.

Ab Mai 1521 arbeitete er für Pfalzgraf Friedrich II. als Hofkaplan und erhielt 1522 durch Franz von Sickingen eine Pfarrstelle in Landstuhl. Hier heiratete er die ehemalige Nonne Elisabeth Silbereisen und zog mit ihr nach Weißenburg im Elsass. Dort unterstützte er den dortigen Pfarrer bei der Einführung der Reformation und wurde deswegen vom Speyrer Bischof  exkommuniziert. 1523 wurde er vom Papst gebannt und suchte als Vogelfreier erfolgreich Asyl in der toleranten Reichsstadt Straßburg. Hier wurde er ordiniert und 1524 zum Pfarrer gewählt. Bald darauf nahm er eine führende Stellung in der Reformation in der Reichsstadt und im gesamten südwestdeutschen Raum ein.

Bucer emigrierte nach England, wo er nach kurzer, schwerer Krankheit 1551 starb. Nach seinem Tod wurde unter Maria Tudor der Katholizismus wieder Staatsreligion. Bucer wurde 1557 exhumiert und als Ketzer zusammen mit seinen Schriften verbrannt. 1560 wurde er durch Elisabeth I. in einem feierlichen Akt der Universität rehabilitiert. Eine Tafel in der Kirche St. Mary in Cambridge erinnert an Bucers Ruhestätte. (nach Wikipedia)

Wolfgang Capito

Wolfgang Capito, war ein bedeutender Reformator in Straßburg. Er verkehrte im Kreis um Erasmus von Rotterdam und trat unter anderem mit Martin Luther (ab 1518) und Ulrich Zwingli (ab 1520) in Briefkontakt. 1521 nahm er am Reichstag zu Worms teil und sprach sich für Luther aus. Seine Vermittlertätigkeit löste jedoch Irritationen aus. Seine Rolle als verdeckter Anhänger der lutherischen Bewegung ließ sein Leben in der katholischen Hochburg Mainz (seinem damaligen Aufenthaltsort) gefährlich werden, so dass Capito sich 1523 nach Straßburg zurückzog. Im gleichen Jahr kaufte er sich als Bürger in der Stadt ein und fing an der Jung-Sankt-Peterkirche an zu predigen. (nach Wikipedia)



[1] Über Katharina von Bora, die Frau Martin Luthers, gab es einen eigenen Artikel in FMN 3/2017.
[2] zu Calvin s. den Artikel in FMN 9/2017
[3] s. Infotext „weitere Reformatoren“
[4] s. Infotext „Familienleben zur Zeit der Reformation“
[5] s. Infotext „weitere Reformatoren“
[6] Ursula Koch, Die gelebte Botschaft




Der beste Freund

Diese Monatszeitschrift für Kinder hat viel zu bieten: Spannende Kurzgeschichten, Fort­setzungs­erzählungen, interessante Berichte aus anderen Ländern, vieles aus der Bibel – kindgerecht erklärt, Rätselseiten, Ausmalbilder; Geschichten für die ganz Kleinen (ABC-Seite), eingehefteter vierseitiger Bibelkurs (in den Monaten April-Dezember), ansprechende Gestaltung. Da Der beste Freund die gute Nachricht von Jesus Christus immer wieder ins Blickfeld rückt, ist dieses Heft auch sehr gut zum Verteilen geeignet.

www.derbestefreund.de
Im Glauben leben

Diese Monatszeitschrift wendet sich an alle, die ihr Glaubensleben auf ein gutes Fundament stützen möchten. Dieses Fundament ist die Bibel, das Wort Gottes. Deshalb sollen alle Artikel dieser Zeitschrift zur Bibel und zu einem Leben mit unserem Retter und Herrn Jesus Christus hinführen. Der Leser soll angeregt werden, das Wort Gottes intensiv zu lesen und dann mit in den Alltag zu nehmen, wo der Glaube sich bewährt.

Viele Artikel zu unterschiedlichen Themen - aber immer mit einem Bezug zur Bibel.

www.imglaubenleben.de