Nachgedacht

Sind Schafe wirklich dumm?

Du dummes Schaf!“, werden wir manchmal geschimpft, wenn wir etwas falsch gemacht haben oder ungeschickt waren. Nun scheinen Schafe im Vergleich mit uns Menschen ja auch wirklich dumm zu sein ...

 

Was Schafe alles nicht können

Schafe haben zum Beispiel keinen eigenen Orientierungssinn. Wenn sie einmal vom Weg abgekommen sind und den Anschluss an ihre Herde verloren haben, finden Schafe nicht wieder alleine zurück.

Schafe können sich auch nicht gegen wilde Tiere schützen. Während sich Rinder mit den Hörnern nach außen im Kreis aufstellen oder Pferde einen Kreis bilden, bei dem sie den Feind mit den Hinterhufen treten können, bleiben Schafe einfach stehen oder laufen wild durcheinander.

Und fällt einmal ein Schaf auf den Rücken, kann es sich nicht wieder selbst auf die Beine helfen. Ein Schaf kann noch nicht einmal gutes Gras von schlechtem unterscheiden. Auf sich alleine gestellt, sind Schafe völlig hilflose Tiere. Wirklich dumm, oder?

Aber schauen wir uns doch einmal ein paar Punkte an, die uns der Herr Jesus selbst in Gottes Wort über Schafe berichtet. Vielleicht sind Schafe in Wirklichkeit doch viel schlauer, als wir klugen Menschen immer meinen. Hören wir mal, was unser Herr über die „dummen Schafe“ sagt: Schafe ...

 

Schafe hören die Stimme ihres Hirten (Joh 10,3)

Im Urlaub durften wir einmal in den Stall eines Schafhofes sehen. Das war ein Blöken und Mähen. Die neu geborenen Lämmer hüpften unbeholfen hin und her und steckten ihre vorwitzigen Nasen überall hin. Das eine oder andere Schaf musterte uns auch mal neugierig. Doch so sehr wir die Tiere auch anzulocken suchten, selbst die kleinsten Lämmer reagierten nicht auf unser Rufen. Sie ließen sich in ihrem munteren Treiben nicht stören. Doch als der Eigentümer des Schafhofes den Stall betrat und seine Tiere begrüßte, horchten alle sofort auf.

„Ich hab heute so viel für die Klassenarbeit gepaukt, jetzt brauche ich mal ein paar Minuten für mich“, sagst du vielleicht und schnappst dir dein Fahrrad. Oder hörst eine gute CD, telefonierst mit deinem besten Freund ... Alles völlig in Ordnung, außerdem haben selbst Schüler heute leider oft schon einen so dicht gedrängten Terminkalender, dass kaum noch Zeit zum Atmen bleibt. Aber bleibt dabei auch noch Zeit fürs Bibellesen? Wie gut, wenn wir uns jeden Tag eine Zeit frei halten, um in Gottes Wort zu lesen und es auf uns wirken zu lassen. Es ist äußerst wichtig, auf die Stimme unseres guten Hirten zu hören. Das ist wirklich nicht dumm!

 

Schafe kennen die Stimme ihres Hirten (Joh 10,4)

Eine alte Anekdote berichtet, dass der Chef der Bank von England einmal gefragt wurde, wie es komme, dass es in seiner Bank keine Probleme mit Falschgeld gebe. „Bestimmt lassen sie ihre Mitarbeiter oft  schulen, damit sie die Merkmale der vielen Fälschungen kennen“, vermutete der Fragesteller. „Nein“, antwortete der Bankdirektor. „Aber meine Mitarbeiter prägen sich immer wieder neu die Kennzeichen der echten Banknoten ein.“

Nicht anders machen es die Schafe. Sie hören nicht nur die Stimme ihres Hirten, sie kennen seine Stimme auch, das heißt, sie sind in der Lage, die Stimme ihres Hirten von den Stimmen anderer Menschen zu unterscheiden. Wie machen sie das? Können sie so viele verschiedene Stimmen unterscheiden? Nein, sie kennen einzig und allein die Stimme ihres Hirten. Jede Stimme, die anders klingt, ist nicht die ihres Hirten.

Und wie steht es bei uns mit dieser Fähigkeit? Gegen gute Bücher ist nichts einzuwenden, schon gar nicht, wenn sie uns den Herrn Jesus näher bringen. Doch nur in Gottes Wort selbst können wir die Stimme unseres Herrn so gut kennen lernen, dass wir sie aus den vielen, oft sehr christlich klingenden Stimmen heraus hören können. „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen“ (1. Joh. 4,1). Gar keine dumme Eigenschaft der Schafe, oder?

 

Schafe folgen ihrem Hirten (Joh 10,4)

Auch heute noch ist es ein beeindruckendes Bild, einen Schafhirten mit seiner Herde auf der Wanderschaft zu beobachten. Der Hirte geht vorne weg, den Hirtenstab in der Hand. Dahinter folgen die Schafe. Sie laufen nicht schneller als er und überholen ihn, sie laufen auch nicht neben dem Hirten her, denn dann könnten sie ihn aus dem Auge verlieren, wenn er einmal unvermutet stehen bleibt.

Folge mir nach, nicht nur der Titel dieser Zeitschrift. Dreizehnmal richtet der Herr Jesus diese Aufforderung in den Evangelien an Menschen, die zu ihm gekommen  Folge mir nach  waren oder denen er begegnete. Folge mir nach! Diese Aufforderung richtet er auch heute noch an dich und mich. Wir können es nur tun, indem wir das, was Er uns in seinem Wort zeigt, in unserem Leben täglich verwirklichen. In Abhängigkeit von Ihm und mit seiner Hilfe, denn aus eigener Kraft werden wir es nicht schaffen. Ob wir doch etwas von den dummen Schafen lernen können?

 

Schafe folgen keinem Fremden (Joh 10, 5)

Schafe entwickeln ein bedingungsloses Vertrauen zu ihrem Hirten. Egal, wohin er sie führt, sie laufen hinter ihm her. Und nur hinter ihm. Einem Fremden werden sie nicht folgen.

Menschen, die uns hinter sich her ziehen wollen, begegnen wir heute zuhauf. Doch dass sie uns in die Irre führen, bemerken wir nicht immer rechtzeitig. Die wirksamste Methode, wirklich nur unserem guten Hirten, dem Herrn Jesus zu folgen, ist, sich täglich neu mit ihm zu beschäftigen und sich im Gebet seiner bewahrenden Gnade anzubefehlen. Nur wenn wir IHM vertrauen und IHM nachfolgen, werden wir das Ziel erreichen.

Und da sage noch einer, Schafe wären  dumm!