Bibel praktisch

Jeremia - der fragende Prophet

Jeremia hat in seinem Dienst viel erlitten, aber er blieb seinem Auftrag treu. Das hinderte ihn nicht daran, Gott, seinem „Auftraggeber“, Fragen zu stellen, die ihn beschäftigten, ja, quälten. Sieben Mal tritt er mit einem „Warum?“ vor seinen Gott – Warum-Fragen, die auch uns beschäftigen können, die auch durchaus nachvollziehbar sind, die aber nicht zur Anklage gegen Gott werden dürfen.


1. Warum heilt Gott nicht die Not des Volkes Gottes (Jer 8,22)?

Jeremia lässt die miserable Verfassung des Volkes Gottes nicht kalt. Er ist krank vor Kummer, er weint über die Erschlagenen – und fühlt zugleich die Notwendigkeit, sich selbst von der Masse des treulosen Volkes zu distanzieren (Jer 8,18-9,1). Dieses Dilemma lässt in ihm die Frage aufkommen: „Warum ist der Tochter meines Volkes kein Verband angelegt worden“ (8,22)? Schwieg Gott damals und schweigt Er heute zur Lage des Volkes Gottes? Ja und nein. Ja, denn Gott möchte sein Volk zur Umkehr bringen, und deshalb legt er oft „kein Pflaster“ zur Heilung auf (Jer 30,13). Nein, denn am Ende wird Er Israel sehr wohl „einen Verband anlegen und Heilung bringen“ (Jer 33,6) – und auch heute schenkt Er bei echter Demütigung auch die Erhöhung zu seiner Zeit (1. Pet 5,6). Lasst uns in der Haltung Jeremias mitfühlen, beten und uns selbst vom Bösen distanzieren!

2. Warum geht es den Gottlosen gut (Jer 12,1)?

Die Männer seiner Heimatstadt Anatot trachteten nach Jeremias Leben – und kamen dabei ungeschoren davon. Darüber hadert Jeremia mit seinem Gott. Äußerlich betrachtet erschien ihr Fortkommen sogar unter Gottes Schutz zu stehen (Vers 2). Wer könnte nicht in die Frage Jeremias einstimmen? Manchmal schickt Gott selbst sogar Leute in unsere Umgebung, „Leute dieses Zeitlaufs“, um uns durch sie zu prüfen, während sie selbst Überfluss haben (Ps 17,14.15). Doch das Ende dieser Menschen ist Verderben (vgl. Jer 11,22), während wir wissen: Der Herr wird uns sicher ans Ziel bringen (Phil 3,19-21). Lasst uns Ihm vertrauen, auch wenn wir manchmal äußerlich den Kürzeren ziehen!

3. Warum geht Gott auf Distanz zu seinem Volk (Jer 14,8.9)?

Dem weinenden Propheten ist klar, dass Gott die Ungerechtigkeiten des Volkes zum Handeln veranlassen. Aber er fragt zweifelnd, warum Gott sogar nur noch „zum Übernachten“ bei seinem Volk bleibt und sich verhält „wie ein Held, der nicht zu retten vermag“. „Du bist doch in unser Mitte, Herr, und wir sind nach deinem Namen genannt“ (Jer 14,9). Konnte Jeremia damals, können wir heute die Gegenwart des Herrn einfordern, einklagen, wie ein Grundrecht für immer? Gott ist wirklich langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit (2. Mo 34,6), aber wenn wir uns persönlich oder auch gemeinsam dauerhaft seinem Willen gegenüber versperren, zieht Er die Konsequenzen. Wir werden seine Gemeinschaft und Gegenwart nicht mehr genießen können, auch wenn Er in Gnade uns immer einen Weg zurück zu Ihm, mit ganzem Herzen (Jer 29,13), zeigen will. „Bleibt in mir, und ich in euch“ (Joh 15,4) – diese Aufforderung des Herrn Jesus ist Bewahrungsmittel und Segen zugleich für jeden von uns persönlich, aber auch für Christen gemeinsam.

4. Warum schlägt Gott sein eigenes Volk (Jer 14,19)?

Gott selbst trauert über die Zerschmeerung seines Volkes (Jer 14,17.18) – da fragt Ihn Jeremia: „Verabscheut deine Seele Zion? Warum hast du uns geschlagen?“ (Jer 14,19). Doch Gottes Geduld mit seinem Volk war zu Ende, Er würde es schon bald in die babylonische Gefangenscha bringen. Liebt Gott sein Volk damals oder heute denn nicht? Und ob! „Darum ist mein Innerstes erregt über ihn (Ephraim)“ (Jer 31,20; vgl. Hos 11,8). Der Herr Jesus heute hat seine Versammlung (Gemeinde, Kirche) sogar so sehr geliebt, dass Er sich selbst für sie hingegeben hat (Eph 5,25). Aber manchmal brauchen wir persönlich oder auch gemeinsam einen „Schuss vor den Bug“, um wachgerüelt und

zur Einsicht gebracht zu werden. Hat Er vielleicht auch bei dir oder mir schon einmal – aus Liebe! – hart eingegrien, weil wir nicht mehr auf sein Wort gehört haben? Dann lasst uns Ihm dankbar dafür sein und Ihm mit neuer Hingabe dienen.

5. Warum enttäuscht Gott die Frommen (Jer 15,18)?

Inmien der Gerichte über das Volk und der Bedrängnisse von seinen Landsleuten biet Jeremia Go, sich seiner anzunehmen. Er hat Gottes Worte mit Genuss in sich aufgenommen – schließlich ist er ja nach Gottes Namen genannt. Auch hae er sich von den Scherzenden ferngehalten. Nur wegen der züchtigenden Hand Gottes saß er allein. Dann bricht es aus ihm heraus: „Warum ist mein Schmerz beständig und mein Schlag tödlich? Er will nicht heilen. Willst du mir wirklich wie ein trügerischer Bach sein, wie Wasser, die versiegen?“ (Jer 15,18). Dieses Mal geht Jeremia bei seiner Frage deutlich zu weit, er wir Gott vor, ihn zu täuschen (vgl. Hiob 6,15-20). Deshalb gibt Gott ihm drei Anweisungen, von denen zwei für seine innere Wiederherstellung notwendig sind:

  1. Er muss im Herzen umkehren, um wieder vor Gottes Angesicht zu sein (V. 19a);
  2. Er muss das Kostbare, Gottes Wort (V. 16), vom Verachteten, von seiner bösen Anklage (V. 18), trennen; so kann er wieder Gottes Mund sein (V. 19b);
  3. So gereinigt sollen andere Personen zu ihm umkehren, er aber soll sich ihnen nicht – in ihrer falschen Haltung – anschließen. So kann er dem Volk zu einer festen Mauer werden (V. 19c.20a). „Aber diese Festigkeit erfordert Milde und Demut“ 1 .

Nein, Gott enttäuscht die Frommen nicht, aber Er will sie vor Hochmut und Härte bewahren. Dann können sie für viele zum Segen sein – auch heute.

6. Warum lässt Gott treue Diener so viel Leid erleben (Jer 20,18)?

Jeremias Eifer für Gott ist beeindru- ckend. Obwohl er wegen des Spot tes am liebsten schweigen und seinen Dienst quiieren würde, macht er weiter. Zu schweigen wäre ihm noch schlimmer. Denn es brennt in ihm wie Feuer: Er ist überwältigt von Gottes Aurag. Ja, der Herr ist mit ihm wie ein gewaltiger Held (Jer 20,7-9.11). „Singt dem H, preist den H“. Plötzlich jedoch stürzt er emotional komple ab: „Verucht sei der Tag, an dem ich geboren wurde … Warum bin ich doch aus dem Muerleib hervorgekommen, um Mühsal und Kummer zu sehen und dass meine Tage in Schande vergingen?“ (Jer 20,13-18). Kommt es nicht auch heute vor, dass wir mit Schwung im Dienst für den Herrn aktiv sind und dann plötzlich nur noch schwarz sehen, jedes Problem unter Christen als riesengroß beurteilen und das gnädige Wirken Gottes in schwerer Zeit übersehen? Jeremia, deine Wechselbäder der Gefühle sind uns auch geläug, du sprichst uns aus dem Herzen. Wir können wie du nicht alle „Widersprüche“ im Wirken Gottes auflösen, aber wir möchten wie du weiter dem Herrn vertrauen.

7. Warum handelt Gott so unbarmherzig (Jer 22,28)?

Wieder muss Jeremia Gericht ankündigen, dieses Mal über Konja, den Sohn Jojakims, den König in Juda. Dieser soll zusammen mit seiner Mutter nach Babel „geschleudert“ werden. Jeremia hält diese Botscha selbst kaum aus: Behandelt Gott den König des Landes wie ein verachtetes Gefäß, das man zertrümmert? „Warum werden sie weggeschleudert, er und seine Nachkommen?“ (Jer 22,28). Muss es jetzt auch ihm an den Kragen gehen, dem König auf Davids ron? Warum züchtigt Gott auch heute sein Volk und lässt dabei auch die „Fürsten“ nicht aus, ja, fängt sogar dort an (Hes 9,6; vgl. 1. Pet 4,17)? Gibt es kein Erbarmen, keine Wende zum Guten mehr?

Einige Aussagen des Buches Jeremia selbst helfen uns heute, den Blick nach oben, auf den Herrn gerichtet zu halten und Antworten zu nden:

  1. Er hat immer Gedanken des Friedens mit uns, persönlich und gemeinsam (Jer 29,11).
  2. Er hat uns mit ewiger Liebe geliebt und wird uns seine Güte fortdauern lassen (Jer 31,3).
  3. In der Tat richtet Er weiter „eines jeden Werk“ (1. Pet 1,17), aber „nur“, „bis er getan und bis er ausgeführt hat die Gedanken seines Herzens. Am Ende der Tage werdet ihr es verstehen“ (Jer 30,24).

„Jeremia, deine Warum-Fragen sind uns eine Hilfe auch für das 3. Jahrtausend. Wir möchten wie du mit unseren Fragen zu unserem Herrn kommen – und auf seine Antwort und Hilfe warten.“

Martin Schäfer

 

1 Sondez Les Ecritures, Vol 6, Seite 317




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