Die Flügel Gottes

Die Flügel Gottes

Nein, in diesem Text geht es nicht um einen Gott mit Flügeln „zum Anfassen“, wie ihn sich manche schon vorgestellt oder ihn auch gemalt haben. Aber die „Flügel Gottes“ sind trotzdem in unserem Leben zu „spüren“, wenn wir uns dem Schutz unseres großen Gottes anvertrauen. Natürlich verwendet Gott hier ein Bild, aber ein Bild, das sehr aussagestark ist. Und darüber wollen wir in diesem Artikel nachdenken und Nutzen für unser persönliches Leben daraus ziehen.

Auf den Flügeln: Kraft

In 2. Mose 19,4 und 5. Mose 32,11 spricht Gott davon, dass Er sein Volk wie auf Adlers Flügeln getragen und zu sich gebracht hat. So erinnern auch wir uns gerne an die Kraft des Herrn auf unserem Weg. Das gibt uns Mut, unserem starken Gott auch in Bezug auf die Zukunft zu vertrauen, der uns „auf seinen Schwingen“ tragen wird.

Unter den Flügeln: Sicherheit

In den Psalmen und an einigen anderen Stellen in der Bibel wird das Bild eines Vogels benutzt, unter dessen Flügeln die Küken bei Gefahr Schutz finden. Damit soll die Sicherheit, die wir bei unserem Gott haben dürfen, veranschaulicht werden. Es ist beeindruckend zu sehen, wie der Herr in den unterschiedlichsten Situationen als unser Schutz bereitsteht:

Psalm 36,81 :Gottes Güte als Grundlage unserer Sicherheit

In diesem Psalm preist David die Güte Gottes und fügt hinzu: „Und Menschenkinder nehmen Zuflucht zu deiner Flügel Schatten“. Der Schatten der Flügel eines Vogels spendet Schutz vor Hitze und Gefahren. Und so können wir auch im Vertrauen auf die Güte Gottes bei ihm Zuflucht suchen. Jeder, der ihm seine Sünden bekennt, findet bei Gott ewige Sicherheit vor dem Gericht! Und auch nach unserer Bekehrung, auf unserem weiteren Glaubensweg können wir immer wieder zu ihm kommen, auch gemeinsam: In Vers 9 wird nämlich die Verbindung zum Haus Gottes gezogen, in dem wir mit dem „Strom deiner Wonnen2“ getränkt werden. Suche ihn deshalb auch zusammen mit anderen im Gebet und erlebe seine Segensströme!

Psalm 57,2: Zuflucht in konkreter Gefahr

Diesen Psalm dichtete David, „als er vor Saul in die Höhle floh“ (Überschrift), also in großer Not. Und wo gibt es in großer, konkreter Not besseren Schutz als bei dem Herrn selbst?! Das wollte David tun, bis das Verderben vorübergezogen war. Hast du Angst vor morgen, vor der nächsten Hürde im Studium oder vor einem schwierigen Gespräch? Dann wende dich im Gebet zu dem Herrn und vertraue dich Ihm mit deinen Sorgen an. Ich bin sicher, dass du dann auch die Erfahrung Davids bestätigen wirst: „Befestigt ist mein Herz, o Gott (...) Ich will dich preisen, Herr“ (Vers 8.9).

Psalm 17,9.10: Zuflucht vor dem Bösen

Es gibt nicht nur Prüfungen in unserem Glaubensleben, die von Gott kommen; auch das Böse um uns her (oft verbündet mit dem Teufel) versucht uns, und zwar im Gegensatz zu den göttlichen Versuchungen immer zum Bösen (s. Jak 1,13). Wenn dieses Böse in uns „hineinkriechen“ will, gibt es einen Rettungsort: „Birg mich in dem Schatten deiner Flügel vor den Gesetzlosen“. Wie schnell sind wir in Gefahr, die Welt zu lieben und dann den Genuß der Liebe des Vaters zu verlieren! Tolle Flitzer, total schicke Kleider, Karriere, Computer-Spiele – wie schnell können diese Dinge zu modernen Götzen und damit zu einer bösen Gefahr werden! Die Kette läßt sich um deine eigenen Gefahren, die du selbst am besten kennst, erweitern. Dann fliehe zu ihm, Er wird gerne und immer schützen!

Bewahre mich wie den Augapfel im Auge; birg mich in dem Schatten deiner Flügel (Psalm 17,8)

Psalm 61,53 u. 63,8: Unter seinen Flügeln bleiben!

Hast du vielleicht gerade Befreiung aus großer Not erlebt und die Nähe des Herrn dabei besonders erfahren? Dann „verlass“ deinen Herrn nicht gleich wieder, sondern bleibe bei Ihm! David hatte Gott als Zuflucht, als starken Turm (Ps 61,4) erlebt und setzt diese Erfahrung fort: „Du bist mir zur Hilfe gewesen, und ich werde jubeln in dem Schatten deiner Flügel“ (Ps 63,8). Ein kleiner Junge hatte einen schneebedeckten Berg hinunterzusteigen und bat den Herrn um Hilfe. Als er Dank der Bewahrung des Herrn sicher unten angekommen war, betete er: „Danke Herr Jesus, jetzt komme ich wieder alleine zurecht“. Ich glaube, dass wir manchmal genauso töricht sind. Und uns so um den Genuß und Segen seiner Nähe bringen. Also: Auch nach der Gefahr seine Nähe im Gebet und in Gottes Wort suchen! Der Herr wartet auf solche, die gerne permanent bei Ihm sind!

Psalm 91,4: Seine Flügel stehen auch in der Zukunft bereit!

In diesem interessanten Psalm treten verschiedene Sprecher auf, unter anderem wendet sich der Geist selbst an den Messias. Sein Weg über diese Erde mit der Ihm zukommenden Belohnung wird beschrieben: „Mit seinen Fittichen wird er dich decken, und du wirst Zuflucht finden unter seinen Flügeln (....) Tausende werden fallen an deiner Seite (...) dich wird es nicht erreichen“ (Vers 4.7). Uns fällt sofort auf, dass der Herr auf diesen „Lohn“ verzichtet hat und eben doch für uns in den Tod gegangen ist! Aber der Geist „überspringt“ hier in Gedanken Golgatha und gibt gleich das Endergebnis an4. Und so wollen wir auch diesen messianischen Psalm5 mit aller gebotenen Vorsicht auf uns anwenden: Wenn wir mit ganzem Herzen dem Herrn nachfolgen und Ihm und seinem Wort treu bleiben, können wir auch im Blick auf die Zukunft sicher sein, unter dem Schatten seiner Flügel Zuflucht zu finden!

Ruth 2,12: Ein Beispiel für uns

Ruth, die Moabitin, war mit ihrer Schwiegermutter nach Israel zurückgekehrt6 und hatte sich dann sogleich fleißig an die Nahrungssuche für die beiden begeben. Diese Haltung wertet Boas als ein Zufluchtsuchen unter dem Schatten der Flügel des Gottes Israels. Können wir daraus nicht unmittelbar lernen, dass man die Nähe des Herrn ganz besonders im Wort Gottes (Nahrung) und unter seinem Volk findet? Wenn du Schutz und Geborgenheit suchst, dann mache dich auf, lies das Wort Gottes, die Bibel, und suche Gemeinschaft mit anderen Christen!

Matthäus 23,37: Wollen wir überhaupt?

Am Ende seines Dienstes unter seinem geliebten Volk wendet sich der Herr in einer ernsten Rede letztmalig an die Führer und damit auch an Jerusalem: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“ (Vers 37). Laßt uns den Ernst dieses Wortes nicht überhören! Wie oft ist in meinem und deinem Leben schon an uns appelliert worden, unser Herz, unseren Willen ganz dem Herrn zu übergeben! Haben wir auf den Ruf reagiert? Wunderst du dich vielleicht darüber, dass bei dir so viel schiefgeht? Dann entscheide dich jetzt – neu! – für den Herrn Jesus und seinen Weg, und du wirst herrlichen Schutz und großes Glück erfahren!

„Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“ (Matthäus 23, 37)

 

1 Die Verszählung erfolgt einschließlich der Überschrift, also im Vergleich zur „alten“ Elberfelder Übersetzung um eine Zahl versetzt.

2 Im Hebr. das gleiche Wort wie „Eden“ (1. Mo 2,8); so reich beschenkt uns unser Gott!

3 Hier wird nicht das Wort „Schatten“, sondern „Schutz“ benutzt, aber der Sinn ist ähnlich.

4 Das Buch „Betrachtungen über die Psalmen“ von H. Rossier (Neustadt, 1978) erläutert diesen Psalm sehr eindrücklich.

5 Sogar der Teufel wußte um die messianische Bedeutung diese Psalms und wollte den Herrn durch unvollständiges Zitieren von
Vers 11 versuchen (Lk 4,10.11 u. Parallelstellen).

6 Von einer Rückkehr konnte wohl nur deswegen die Rede sein, weil Ruth durch ihre Heirat mit einem Sohn Elimelechs sein „Haus“ repräsentierte, oder weil Gott eine „Umkehr“ immer als „Rückkehr“ betrachtet. Sie selbst war ja vorher nie in Israel gewesen.