Glaube für Jungbekehrte

Glaube für Jungbekehrte (8): Gibt es eigentlich Notlügen?

Die Artikelserie „Glaube für Jungbekehrte“ richtet sich an Christen, die sich erst vor kurzer Zeit bekehrt haben. Das können Kinder und Jugendliche sein, oder auch schon etwas ältere Menschen. Für sie wollen wir in unregelmäßiger Folge Artikel abdrucken, die wichtige grundlegende Fragen und Themen behandeln. Es handelt sich nicht um Begriffserklärungen – dazu sind die Artikel zu kurz. Wohl aber wollen wir ein paar Grundlagen weitergeben, die das Fundament des Glaubens bilden.

 

Lügen ist Sünde

Jeder von uns weiß, dass es eine Sünde ist zu lügen. Man sagt wissentlich und bewusst die Unwahrheit. Wie aber ist es mit den sogenannten „Notlügen“? Man meint, bei schwierigen Umständen nicht die Wahrheit sagen zu können, vielleicht auch, um jemand zu schützen. Ist das erlaubt?

Man weiß aus Untersuchungen, dass Menschen vor allem deshalb lügen, weil sie andere nicht beleidigen oder kränken wollen. Sicher kennst du die Situation, dass dich jemand fragt, ob dir das Essen schmeckt. Was sagst du, wenn es dir alles andere als gut schmeckt? Keiner von uns will den Fragesteller verletzen. Ist das eine Berechtigung für eine „Notlüge“? Schwierig kann auch die Antwort auf eine Frage zu einer ernsten Erkrankung sein.

  

Christen haben die Lüge abgelegt

Der Apostel Paulus sagt uns durch den Heiligen Geist: „Deshalb, da ihr die Lüge abgelegt habt, redet Wahrheit, jeder mit seinem Nächsten“ (Eph 4,25). Der Zusammenhang des Verses macht deutlich, dass es um das Miteinander von Gläubigen geht. Aber zweifellos gilt diese Aussage auch für den Umgang von Gläubigen mit Ungläubigen. Vergiss nicht, wer der Urheber der Lüge ist: der Teufel. In Johannes 8,44 nennt Jesus Christus den Teufel sogar einen Lügner und den Vater der Lüge. Schon im Alten Testament wurde den Israeliten gesagt: „Von der Sache [oder dem Wort] der Lüge sollst du dich fernhalten“ (2. Mo 23,7).

Man lügt übrigens nicht nur, wenn man bewusst etwas Unwahres sagt. Lüge ist auch, wenn man die volle Wahrheit bewusst verschweigt, und zwar, um den anderen zu täuschen. Auch dann, wenn man zwar Wahres sagt, dies aber in einer Weise, die den Gesprächspartner auf eine falsche Spur führt. Das sind nur einige Beispiele von Lügen:

  • „Ja, ich habe studiert.“ (Aber ich habe das Studium abgebrochen ...)
  • „Das ist wirklich bemerkenswert!“ (nämlich bemerkenswert dämlich ...)
  • „Ja, ich lese die Bibel regelmäßig.“ (einmal pro Monat)
  • „Ich habe heute leider keine Zeit.“ (vor allem aber keine Lust)

 

Ehrlich sein

Was aber ist nun mit diesen sogenannten, also den scheinbaren Notlügen? Warum sind wir nicht mal so ehrlich zu sagen oder zuzugeben: Nein, das ist nicht meine Leibspeise. Oder: Nein, das gefällt mir nicht so gut. Auf diese Weise würden sich die meisten Fälle dieser „Notlügen“ erledigen.

Wenn man das Wort „Notlüge“ benutzt, erliegt man ohnehin schon der Gefahr, Sünden zu verniedlichen und kleinzureden. Auf einmal wird (fast) jede Situation zu einer Not-Situation, wenn man keine Antwort mehr zu geben weiß. Statt von Lügen sprechen wir von Schummeln, statt Sünde beim Namen zu nennen sagen wir, es war nicht so gut, dies oder jenes zu tun.

 

Rahabs „Notlüge“ – besser schweigen

Schwierig wird es bei echten Notsituationen. Unsere Vorfahren haben das erlebt, als sie zur Zeit des Nationalsozialismus Verfolgte aufnahmen. Wie wir in solchen Umständen reagieren würden, wissen wir erst, wenn wir sie erlebt haben.

Rahab hat so etwas erlebt. Sie wurde beispielsweise aufgefordert, die israelitischen Spione anzuzeigen und herauszuführen (Jos 2,3). Sie log, als sie sagte: „Ich weiß nicht, wohin die Männer gegangen sind“ (Jos 2,5). Wir haben überhaupt kein Recht, sie in dieser schwierigen Situation zu verurteilen, zumal sie eine Heidin war. Denn wir wissen nicht, wie wir selbst reagieren werden, wenn wir in solch heikle Umstände geraten. Gott wird in Gnade und Wahrheit sein Urteil sprechen.

Wir selbst aber wollen uns vornehmen, in solch einer Situation lieber zu schweigen, als die Unwahrheit – also die Lüge – zu reden. Noch besser ist es, in einer solchen Situation zu Gott zu rufen. Denn Gott kann uns zu Hilfe kommen. Dafür gibt es ein wunderbares Vorbild: Samuel.

 

Das Beispiel Samuels

Saul war Gott und Samuel mehrfach ungehorsam gewesen. Er hatte offenbart, dass er nicht nach Gottes Wort handelte. Daher hat ihn Gott als König verworfen und Samuel beauftragt, einen Sohn Isais zum neuen König zu salben – das war David. Dazu musste der Prophet während der Regentschaft Sauls nach Bethlehem gehen (1. Sam 16,1 ff.). Das musste auffallen, weil es etwas Außergewöhnliches war, wenn ein landesweit tätiger Prophet in einem solch kleinen Ort auf einmal auftauchte.

Was für einen Charakter Saul hatte, wissen wir aus den Verfolgungen Davids, den er viele Male umzubringen suchte. Er schreckte nicht einmal davor zurück, die gesamte Priesterschaft zu ermorden (1. Sam 22). So kann man gut verstehen, dass auch Samuel Angst vor Sauls Reaktionen auf eine neue Königssalbung hatte. Zwar konnte Samuel natürlich noch nicht genau wissen, was Saul mit David tun würde, weil es erst später geschah. Aber Samuel selbst hatte von Gott nach 1. Samuel 8,9–18 eine Offenbarung erhalten, was für eine Art von König Saul sein würde. Zwar war Samuel Prophet Gottes, aber das schützte vor der Brutalität Sauls nicht, wie man an den Priestern sieht. Offenbar erkannte Samuel diese Gesinnung Sauls schon sehr früh. Immerhin wusste er, dass Saul sogar bereit gewesen war, seinen eigenen Sohn zu töten (Kap. 14,39).

Was tut Samuel dann, als Gott ihn nach Bethlehem sendet, um den neuen König zu salben? Er hat wirklich Angst, was zeigt, dass er ein Mann ist mit ähnlichen Gefühlen, wie auch wir sie kennen. Aber er flieht nicht wie Jona von Gott weg, sondern sucht seinen Gott im Gebet auf. Er hat Vertrauen zu Ihm: „Wie kann ich hingehen? Wenn Saul es hört, so tötet er mich.“

Gott gibt ihm die Möglichkeit, Ihm in Bethlehem ein Opfer zusammen mit der Familie Isais zu bringen. So gibt ihm Gott einen Grund für den Besuch, den er auch den Bürgern Bethlehems weitergeben kann, ohne direkt in Gefahr zu kommen. Da Gott als der Höchste den Vorrang hat vor allem, was Menschen betrifft, so hat das Opfer für Gott Vorrang vor der Salbung Davids zum König. Daher war es keine Lüge, wenn Samuel auf die Opferung verwies. Denn dessen können wir uns gewiss sein: Gott fordert niemals zu einer Lüge auf. Und: Wurde Samuel dann überhaupt befragt, was er eigentlich in Bethlehem suchte? Nein! Oftmals wird uns Gott, wenn wir Ihm unsere Schwachheit bekennen, vor größten Schwierigkeiten bewahren.

 

Christus als Vorbild

Wir wollen uns den Herrn Jesus zum Vorbild nehmen. Petrus schreibt über Ihn: „Der keine Sünde tat, noch wurde Trug in seinem Mund gefunden“ (1. Pet 2,22). Selbst in der größten Verfolgung sagte Er immer die Wahrheit.

Übrigens: Demjenigen, der sich ein wenig intensiver damit beschäftigen möchte, was Lügen in Gottes Augen sind und wie wir uns als Christen richtig verhalten, empfehle ich zwei frühere Artikel dieser Zeitschrift: „Vom Lügen“ in Heft 5/2000 von Jochen Klein, und „Lügen“ in Heft 7/2007 von Egbert Brockhaus.




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Viele Artikel zu unterschiedlichen Themen - aber immer mit einem Bezug zur Bibel.

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