Personen in der Bibel

Maleachi und seine Zeit - ein Hintergrundbericht

Maleachi ein Bote Gottes

„Ausspruch des Wortes des Herrn an Israel durch Maleachi“ (1,1).

Maleachi wird in der ganzen Bibel nur ein einziges Mal namentlich erwähnt. Aber der erste Vers verrät schon, dass er ein Überbringer der Worte des Herrn war. Sein Name selbst bedeutet sogar „mein Bote“. Erstaunlich ist, dass wir sonst über diesen Boten gar nichts wissen. Hatte er eine Familie? Welchen Beruf hatte er? Von anderen Propheten können wir es zum Teil sagen, aber von Maleachi nicht, denn er bleibt „hinter den Kulissen“. Die Botschaft dieses Propheten ist Gott offenbar wichtiger als der Bote.

„Dein Statthalter“

„Bring es doch deinem Statthalter dar: Wird er dich wohlgefällig annehmen oder Rücksicht auf dich nehmen?“ (1,8).

Ein paar Verse später kommt folgender Hinweis: Die Juden bringen blinde, lahme und kranke Tiere Gott dar – unreine Tiere – für einen heiligen Gott? Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass man Gott gesunde (vgl. 2. Mo 12,5; 5. Mo 17,1) oder sogar die besten Tiere bringt?

Maleachi macht jetzt einen Vergleich und sagt: „Bring doch das, was du Gott bringen möchtest, einem hochgestellten Mann in deiner Nähe, dem Statthalter. Wird er deine Gabe annehmen?“ Möglicherweise war dieser Statthalter ein bestechlicher Mann und nahm gerne Geschenke an. Aber was würde er sagen, wenn man ihm verkrüppelte Tiere brächte?

Diese Stelle zeigt, dass

  • Maleachi in einer Zeit geweissagt hat, in der ein Statthalter über Juda gesetzt war, sich Israel also unter Fremdherrschaft befand;
  • der Opferdienst der Israeliten zwar noch ausgeübt wurde, aber nicht so, wie Gott es angeordnet hatte.

Beides deutet darauf hin, dass das Buch in einer Zeit abgefasst wurde, in der das Volk Israel nicht mehr als Ganzes im Land wohnte, sondern – wie zur Zeit des Herrn auf der Erde – von anderen Völkern beherrscht wurde.

Die Türen verschließen

„Wäre doch nur einer unter euch, der die Türen verschlösse, damit ihr nicht vergeblich auf meinem Altar Feuer anzündetet“ (1,10).

Deinem Blick ist dieser Hinweis auf die „Türen“ sicher auch nicht entgangen. Der salomonische Tempel hatte große Flügeltüren aus Gold (2. Chr 4,22), die für den Opferdienst geöffnet wurden.

Der treulose König Ahas verfiel dem Götzendienst und „schloss die Türen des Hauses des Herrn“ (2. Chr 28,24; 29,7). Hier war es ein gottloser König, der ein Hindernis für einen guten Opferdienst war. Sein Sohn Jehiskia – ein gottesfürchtiger König – „öffnete die Türen des Hauses des Herrn und besserte sie aus“ (2. Chr 29,3), obwohl er drei Jahre später das Gold leider wieder entfernen musste, um die Abgabe zu bezahlen, die Sanherib, der König von Assyrien ihm auferlegte (2. Kön 18,16). Jehiskia hatte aber den schlechten Zustand im Volk erkannt und unternahm alles, damit wieder ein Opferdienst zur Ehre Gottes ausgeübt wurde. In 2. Chronika 29,31-36 kann man nachlesen, dass Hunderte von Opfertieren Gott gebracht wurden, als der Dienst des Hauses wieder eingerichtet wurde.

Aber Maleachi suchte nicht jemand, der – wie Jehiskia – die Türen für einen guten Opferdienst öffnete, sondern er suchte jemanden, der die Türen für einen schlechten Opferdienst schließen würde. Aber da war niemand. Das macht klar, was zur Zeit Maleachis los war: Israel opferte am wieder erbauten Tempel, aber es war niemand da, der darauf achtete, dass alles zur Ehre Gottes geschah.

Wie ist es in deiner Umgebung: Hörst du schon mal korrigierende Worte? Dann sei froh: Es ist noch jemand da, der dich und mich in das Licht Gottes stellt.

Kurzreport des Detektivs

Der Detektiv fasst zusammen:

  1. Maleachi redet als „unsichtbarer“ Bote Gottes zu dem Volk Israel.
  2. Zur Zeit Maleachis regiert ein toleranter Statthalter in Juda.
  3. Der für Gott unerträgliche Opferdienst wird vor den offenen Türen des Tempels ausgeübt – niemanden stört das.

Stell dir vor, der Detektiv geht zu einem Historiker, der die Bibel gut kennt, und fragt ihn, ob er noch mehr über Maleachi und seine Zeit weiß. Dieser erzählt ihm die spannende Geschichte des Volkes Israel:

ein Historiker erzählt

„Das Volk Israel hat eine sehr ereignisreiche Zeit erlebt. Gott hat dieses Volk aus allen Nationen auserwählt, hat sie aus Ägypten befreit. 480 Jahre danach begann Salomo, den Tempel in Jerusalem zu bauen. 1 Es muss für alle beeindruckend gewesen sein, als „die Herrlichkeit des Herrn den Tempel erfüllte“ (2. Chr 7,1-5).

Aber leider blieb das Volk nicht lange in diesem guten Zustand. Salomo hat am Ende seines Lebens schwer gesündigt. Die moralische Kraft hat dann zunehmend nachgelassen immer wieder sind Könige aufgestanden, die sehr böse waren.

Götzendienst und Unmoral gehörten zur Tagesordnung. Einige wenige Könige bewirkten ein geistliches Aufleben, aber es war nicht von Dauer. Die Folge war, dass Gott ein schweres Gericht über Israel brachte: Unter den Königen Jojakim, Jojakin und Zedekia wurde das Volk in das über 2000 km entfernte Babylon deportiert. 2 Die Babylonier waren nicht nur grausam, sie raubten auch die wertvollen Geräte des Tempels und zerstörten diesen im Jahr 586 v. Chr.

Einer der vielen Weggeführten, Daniel, wusste aus dem Buch Jeremia, dass es 70 Jahre dauern würde, bis sie wieder nach Juda zurückkehren könnten (Dan 9,2). Gott benutzte eine neue Weltmacht, um dem Volk Israel die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Das babylonische Großreich wurde 539 v. Chr. von den Persern erobert, als sie den König Belsazar töteten (Dan 5). Die Perser erlaubten den Weggeführten, wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Unter dem Schutz des Königs Kores (Kyros der Große, 590/580-530 v. Chr.) machen  sich die Juden auf die über 2000 km lange Reise und sind mehrere Monate unterwegs:

  • Als erstes zieht Serubbabel, der zukünftige Statthalter von Juda, mit rund 50000 Juden los (Esra 2,2.64.65). Die geraubten Tempelschätze dürfen zum Teil wieder mitgenommen werden (Esra 1,5-11). In Jerusalem angekommen sehen sie, wie der Tempel Salomos in Schutt und Asche liegt. Im Jahr 536 v. Chr. beginnen sie mit dem Wiederaufbau des Tempels (Esra 3,3.10).
  • Durch den Dienst der Propheten Haggai und Sacharja werden die ins Stocken geratenen Bauarbeiten wieder aufgenommen (Esra 4; 6,14-15).
  • Dann kommt Esra im Jahr 458 v. Chr. mit ca. 2000 Juden nach Jerusalem (Esra 7-8) und sorgt dafür, dass das Gesetz Moses wieder seinen rechten Platz bekommt. Es beginnt eine geistliche Umkehr und Reformation unter den Juden (Esra 9-10).
  • Schließlich kommt Nehemia im Jahr 445 v. Chr. als Statthalter, um die zerstörte Stadtmauer Jerusalems wieder aufzubauen (Neh 2,9.10). Innerhalb von 52 Tagen harter und streng organisierter Arbeit ist die Mauer wieder fertig (Neh 6,15).“

Soweit der – natürlich fiktive – Historiker. Mit diesem kurzen Abriss sind wir schon beinahe in Maleachis Zeitverhältnissen angekommen, die im Buch Nehemia ihren Anfang nehmen:

Nehemia

Nach dem erfolgreichen und freudig gefeierten Mauerbau ging es genauso schnell wieder „bergab“. In Nehemia 13 lesen wir von Problemen, mit denen er zu kämpfen hatte und die man ähnlich auch im Propheten Maleachi wiederfindet:

  • Der Hohepriester Eljaschib hatte seinem Verwandten Tobija, der ein Spötter war, eine Zelle beim Tempel eingerichtet, die eigentlich für die Priester bestimmt war (Neh 2,19; 13,4-9).
  • Den Leviten wurde der Zehnte nicht mehr gegeben (Neh 13,10-13).
  • Der Sabbat wurde nicht mehr beachtet (Neh 13,15-22).
  • Einige Juden hatten sich fremde Frauen genommen (Neh 13,23-27).
  • Das Priestertum war verunreinigt (Neh 13,29).

Nehemia war ein Mann, der geistliche Energie bewies und daher versuchte, den Missständen Einhalt zu gebieten (Neh 13,8.11.17.19.25.28). Aber einer der Statthalter nach ihm, von dem dann Maleachi spricht, zeigte keine geistliche Energie mehr. Unter diesem gleichgültigen Statthalter verschlechterte sich der moralische Zustand des Volkes rapide. Auch unter den Priestern und Leviten gab es offenbar niemand mehr, dem Gottes Heiligkeit so wichtig war, dass die Türen verschlossen würden, um Gott vor dem Bösen zu verschonen. Wirklich niemand mehr? Gott sendet Maleachi zu dem Volk und redet zu ihrem Gewissen. Ob sie diese Botschaft annehmen würden? Leider lesen wir nichts von einer erneuten Erweckung. Aber Maleachi weist darauf hin, dass Gott jeden sieht, der den Herrn fürchtet und seinen Namen achtet (Mal 3,16).

Aus diesem schwachen geistlichen Zustand gingen bis zur Geburt des Herrn Jesus einige menschliche Entwicklungen hervor, die im Leben des Herrn und seinem öffentlichen Dienst eine Rolle spielten:

  • Es wurden Synagogen errichtet.
  • Es entstanden religiöse Praktiken, die keine biblische Basis hatten und durch eine eigenwillige Interpretation des Gesetzes zu festen Traditionen wurden.
  • Es entstanden die Sekten der Pharisäer und der Sadduzäer.

Und heute?

Auch in der Christenheit hat es große Erweckungen gegeben. Die Wahrheiten über den biblischen Gottesdienst wurden wiederentdeckt und ausgelebt. Aber was ist daraus geworden?

Maleachi spornt uns an, am richtigen Ort und in einem guten geistlichen Zustand einen (Gottes-) Dienst auszuüben, den Gott annehmen kann.

Andreas Hardt

 

1 Für damalige Verhältnisse war der Tempel ein sehr großes und prunkvolles (Gottes-) Haus (vgl. 1. Kön 6).

2 Diese Wegführung begann im Jahr 605 v. Chr. unter Nebukadnezar und erfolgte in drei Etappen.




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