Post von Euch

Wo war der Herr Jesus (sein Geist), als sein Leib im Grab lag?

FRAGE :

„Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn!“ (1. Kor 15,58).

Liebe Mitarbeiter von „Folge mir nach“, könnten Sie bitte diese Frage in einer Folge Ihres Heftes beantworten:

Wo war der Herr Jesus (sein Geist), als Er die drei Tage im Grab lag? War Er bei Gott, dem Vater, oder im Paradies??

Der Herr möge Euch reichlich für Eure so wichtige Arbeit segnen!

M.E.

 

ANTWORT:

Liebe/r Einsender/in,

als Vorbemerkung möchte ich sagen, dass es nicht einfach ist, zwischen Geist und Seele genau zu unterscheiden. Schon der Fragenformulierung selbst liegt diese Schwierigkeit zugrunde: „Wo war der Herr Jesus (sein Geist) ...?“ (Frage: ... und seine Seele?), während wir von seinem Leib sagen können, dass er im Grab lag. Wir sollten außerdem nicht an irgendeinen „Ort“ im Universum denken, wenn wir von dem „Aufenthaltsort“ der Seele oder des Geistes sprechen. Mit aller Vorsicht wollen wir daher untersuchen, welche Aussagen wir zu dieser Frage in der Schrift finden. Zunächst zitiere ich die Schriftstellen, die vom Tod des Herrn Jesus unmittelbar reden:

„Jesus aber schrie wiederum mit lauter Stimme und gab den Geist auf“ (Mt 27,50).

„Und Jesus rief mit lauter Stimme und sprach: Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist! Als er dies aber gesagt hatte, verschied er“ (Lk 23,46).

„Und er neigte das Haupt und übergab den Geist“ (Joh 19,30b).

„Und er sprach zu ihm [dem Übeltäter]: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43).

Eine Schriftstelle, die in allgemeinem Sinn vom Tod des Menschen redet und davon, was mit seinem Geist geschieht, finden wir im Prediger Kapitel 12,5.7:

„Denn der Mensch geht hin zu seinem ewigen Haus, … ehe … der Staub zur Erde zurückkehrt, so wie er gewesen ist, und der Geist zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat.“

Wenn der Herr Jesus dem bußfertigen Räuber am Kreuz verheißt, dieser werde „mit mir im Paradies sein“, dann spricht Er von dem Aufenthaltsort oder eben besser von dem Zustand der im Glauben gestorbenen Menschen, wo ihre Seele glückselig sein wird, und wo auch Er als Mensch sein würde, denn Er sagt: „mit mir“. Der Leib wird beerdigt, ins Grab gelegt. Er wartet auf die Auferstehung, wo er wieder – allerdings als ein „Auferstehungsleib“, der für das Wohnen im Vaterhaus passend ist – mit Seele und Geist vereint sein wird.

Die Seele des Menschen, der im Unglauben stirbt, wird in einem Zustand der „Qualen“ sein, im Hades (Lk 16,23), und – mit dem Geist – in der Auferstehung der Toten wieder einen Leib erhalten, um darin das endgültige Gericht am „großen weißen Thron“ zu empfangen und für ewig Strafe zu leiden.

Was den Geist betrifft, so ist er als der „vornehmste“ Teil des Menschen, sozusagen sein „Kern“, ihm von Gott gegeben: Der Mensch wurde eine lebendige Seele (1. Mo 2,7), d.h. eine Persönlichkeit, die weiter existiert, selbst wenn der irdische Leib stirbt – und ist daher unsterblich. Wenn nun nach dem leiblichen Tod der Leib zum Staub zurückkehrt, wird der Geist zu dem zurückkehren, der ihn gegeben hat: Das ist Gott. Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob der betreffende Mensch gläubig war und das ewige Leben besitzt. Es bedeutet einfach, dass sein Geist nun ausschließlich in der Verfügung Gottes ist. Gott wird Geist, Seele und Leib wieder zusammenführen, sei es für die ewige Herrlichkeit der im Glauben Gestorbenen oder für das ewige Verderben der Übrigen.

Auch der Herr Jesus hatte als wahrer Mensch Geist, Seele und Leib. Als Er starb, „gab“ Er seinen Geist in die Hände des Vaters. Nur Er konnte dies von sich aus tun. Und als der Sohn Gottes gab Er seinen Geist in die Hände des Vaters, seines Vaters. Es ist dies ein Ausdruck der besonderen innigen Beziehung, die nur Er kannte.

Zusammenfassend können wir also bei aller gebotenen Vorsicht und mit Ehrfurcht sagen, dass die Seele des Herrn Jesus in diesen drei Tagen und Nächten „im Paradies“ war, seinen Geist hat Er „in die Hände des Vaters“ gegeben, während sein Leib im Grab lag.