Glaube im Alltag

Die tägliche Bibelandacht (10)

Das tägliche Bibellesen, um im Laufe des Tages eine bewusste Führung durch Gott zu erleben, ist wichtig, wie wir in der letzten Folge untersucht haben. Aber wie viel soll man eigentlich lesen?

 

Wie viel?

Manche lesen die Bibel einmal im Jahr durch. Das bedeutet, dass man täglich ungefähr drei Kapitel lesen muss. Andere nehmen es sich vor, die Bibel in drei Jahren durchzulesen. Das heißt logischerweise, dass man pro Tag ungefähr ein Kapitel lesen muss. Was ist optimal?

Da wir alle unterschiedlich sind – im Denken, in der Lesegeschwindigkeit, im Verarbeiten, usw. – kann man gar keine optimale Menge festlegen. Viele von uns haben mehrere Varianten versucht – und wechseln diese auch von Zeit zu Zeit wieder. Bei „Viellesern“, die drei Kapitel pro Tag lesen, besteht die Gefahr, dass man am Ende nicht mehr weiß, was man eigentlich am Anfang gelesen hat. Bei „Langsamlesern“ besteht die Gefahr, dass man überhaupt nicht durchkommt und so keinen Überblick über Gottes Wort hat.

Wir haben verschiedentlich gesehen, dass es bei der Bibelandacht nicht darauf ankommt, wie viel man geschafft hat. Die Andacht hat zum Ziel, Wegweisung für den Tag zu geben. Da können für den einen drei bis fünf Verse ausreichen, um einen Anhaltspunkt und Impuls zu erhalten. Ein anderer braucht, um innerlich „warm“ zu werden, vielleicht einen längeren Abschnitt. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern dass man über das Gelesene in einer Gebetshaltung nachdenkt.

In der letzten Folge hatten wir schon gesehen, dass das Wunder der Gabe des Mannas einen Hinweis auf das Bibellesen gibt. Einen Vers aus dem entsprechenden Kapitel hatten wir bereits gelesen: „Und sie sammelten es Morgen für Morgen, jeder nach dem Maß seines Essens“ (2. Mo 16,21). Das Volk hat also täglich gesammelt von diesem Nahrungsgeschenk Gottes. Aber jeder hat ein unterschiedliches Maß gehabt: nach dem Maß seines Essens.

Schon im natürlichen Leben hat jeder von uns einen unterschiedlichen Appetit. Das wissen wir gut. So ist es auch im Blick auf unser Glaubensleben.

  • Da ist jemand, der sich schon als kleines Kind bekehrt hat und daher schon lang in der Bibel liest und ein Leben mit dem Herrn Jesus führt.
  • Da ist jemand, der erst als Jugendlicher davon gehört hat, dass man sich bekehren muss. Er hat einen solchen Hunger nach der Wahrheit, dass er das Wort Gottes geradezu verschlingt.
  • Da ist ein tiefgründiger Mensch, der langsam liest, aber sich mit jedem Ausdruck in einem Vers lange beschäftigen kann.
  • Da ist jemand, der mehr in Zusammenhängen denkt und daher lieber längere Abschnitte liest und sich daran erfreut.
  • Und dann gibt es auch solche, die den Herrn Jesus als Retter angenommen haben, aber bei denen der Herr nicht die zentrale Person in ihrem täglichen Leben ist.

So könnte man fortfahren.

Jeder „isst“ anders ... Jeder hat sein Maß des Essens, und Gott nennt dieses Maß hier nur, ohne die „Wenigesser“ zu verurteilen oder die „Vielesser“ zu loben. So wollen auch wir uns hüten, das Leseverhalten eines anderen beurteilen zu wollen. Gleichwohl wollen wir uns gegenseitig motivieren, Gottes Wort mit Ernsthaftigkeit und Freude zu lesen.

Schön ist: Jeder, der Gottes Wort mit Interesse liest, wird – geistlich gesprochen – satt werden! Gott gibt genug. Er kann uns viel mehr geben, als wir aufnehmen können. In der Wüste hieß das: „Und sie ließen übrig“. Keiner von uns wird am Ende sagen müssen: Es war mir zu wenig. Auch bei einem der Speisungswunder Jesu lesen wir: „Und sie aßen alle und wurden gesättigt“ (Mt 14,20). Das ist und bleibt auch heute wahr.

 

„Darum danken auch wir Gott unablässig dafür, dass ihr, als ihr von uns das Wort der Kunde Gottes empfingt, es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern wie es wahrhaft ist, als Gottes Wort, das auch in euch, den Glaubenden, wirkt“ (1. Thessalonicher 2,13).