Themenheft

Was ist Apologetik?

Der Begriff „Apologetik“ stammt vom griechischen Wort „apologia“ (Verteidigung, Rechtfertigung)[1]. Im römischen Rechtssystem der damaligen Zeit bezeichnete der Begriff die Verteidigungsrede des Rechtsanwalts bzw. Angeklagten in seiner Anhörung. Dabei gab es eine Erstverhandlung (prima actio) und eine Zweitverhandlung (secunda actio), bei der es einmal um die Anklageerhebung, das andere Mal um die Schuld oder Unschuld des Beklagten ging. Davon redet Paulus in 2. Timotheus 4,15, wenn er schreibt: „Bei meiner ersten Verantwortung stand mir niemand bei, sondern alle verließen mich; es werde ihnen nicht zugerechnet.“

Wenn wir von Apologetik reden, dann meinen wir in der Regel die Verteidigung des christlichen Glaubens gegen Angriffe von außen, gegen eine heidnische Philosophie, eine andere Religion oder ein nichtchristliches Umfeld.

Beispiele für Apologetik

Es sind nicht immer die gleichen Angriffe, denen das Christentum ausgesetzt ist, weswegen sich im Lauf der Geschichte die Schwerpunkte immer wieder verschoben haben. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts und im 2. Jahrhundert n. Chr. stand vor allem die Abwehr gegen die Gnosis, die „fälschlich so genannte Kenntnis“ (s. 1. Tim 6,20) im Vordergrund. Damals behauptete man, Christus wäre nicht im Fleisch gekommen, wogegen sich Johannes klar positioniert (s. 1. Joh 4,2-3). Der Mensch an sich wird dabei vergöttlicht, und da man den Körper geringschätzte, pflegte man wahlweise eine strenge Askese (d.h. eine enthaltsame Lebensweise) oder sah es als erlaubt an, körperlichen Trieben ungehindert nachzugehen. Paulus sagt dagegen klar: „Flieht die Hurerei! Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist außerhalb des Leibes; wer aber hurt, sündigt gegen seinen eigenen Leib“ (1. Kor 6,18).

Die Fragen, denen wir uns heute stellen müssen, sind auch regional verschieden. In Europa ist es oft die Existenz Gottes, die angezweifelt wird. Eine ganze Bewegung, der „neue Atheismus“, richtet sich gegen den Glauben. Zeitweise fuhren Busse mit der Aufschrift: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott” durch verschiedene europäische Großstädte. Gegenüber dem Polytheismus (dem Vielgötterglauben) des Hinduismus, steht das Christentum vor der Herausforderung, den folgenden Punkt deutlich zu machen: Der lebendige Gott, von dem die Bibel zeugt, ist eben nicht ein Gott unter Millionen anderer Götter. Und dort, wo der Islam vorherrschend ist, begegnet man der Vorstellung, Christen würden Maria als Person der Dreieinheit verehren, weil es so im Koran steht.[2]

Sinn und Zweck von Apologetik

Nachdem wir uns nun einen Überblick verschafft haben, um was es bei Apologetik geht, wollen wir fragen, was die Schrift sagt. „Wer ist es, der euch Böses tun wird, wenn ihr Eiferer für das Gute geworden seid? Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr! Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiligt Christus, den Herrn, in euren Herzen. Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht; indem ihr ein gutes Gewissen habt, damit, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, die zuschanden werden, die euren guten Wandel in Christus verleumden. Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutes tun zu leiden als für Böses tun“ (1. Pet 3,13-17).

Wenn wir den christlichen Glauben erfolgreich verteidigen wollen, müssen wir unser Leben bewusst mit dem Herrn Jesus Christus führen. Petrus spricht von solchen, die „Eiferer für das Gute“ geworden sind, die aufgefordert sind, Christus, den Herrn, in den Herzen zu heiligen, die „ein gutes Gewissen“ haben. Der Gläubige hat sein Leben auf die Zukunft hin ausgerichtet („die Hoffnung die in euch ist“). Darüber dürfen wir Zeugnis ablegen und wenn dann bei unseren Mitmenschen Fragen aufkommen, sollen wir Rechenschaft darüber geben, für den Glauben einstehen und begründen, warum wir überzeugt sind, von dem, was wir glauben.

Es geht bei Apologetik nicht darum, andere mit Rhetorik (Redekunst) zu bezwingen, als Sieger aus Diskussionen hervorzugehen oder für die eigene Ehre zu kämpfen. Sicherlich meint Apologetik, den eigenen Standpunkt zu verteidigen, aber sie verliert nicht den Blick für den Nächsten. Gerade aufrichtige Fragen sollten wir ernst nehmen und versuchen verständliche Antworten zu geben. Oft geht es darum, Vorurteile und Missverständnisse auszuräumen, die jemand gegen den Glauben vereinnahmen. Hierzu zwei Beispiele:

Man begegnet manchmal der Vorstellung, der christliche Glaube wäre antisemitisch. Dem ist nicht immer einfach zu begegnen, da es innerhalb der Christenheit solche Tendenzen tatsächlich gab. Die Päpstliche Bulle „Cum nimis absurdum“ von 1555 etwa wies Juden Ghettos zu, verbot ihnen Freundschaften zu Christen und zwang zum Verkauf von Grundbesitz. Einige Jahre vorher erschien eine Schrift von Martin Luther: „Von den Juden und ihren Lügen“. Diese Ansichten finden keinen Rückhalt in der Bibel, besonders bei Paulus nicht, der eine große Liebe zu seinem irdischen Volk hatte (vgl. Römer 9,1-4). Dieses Versagen in der Christenheit muss klar bekannt und verurteilt werden. Es steht nicht im Einklang mit Gott und seinen Gedanken.

Es gibt den Vorwurf des Antisemitismus jedoch ebenso in Bezug auf das Neue Testament. Schülern der Oberstufe z.B. wird vermittelt, dass der Apostel Johannes die Gegner Jesu oft pauschal als „die Juden“ bezeichnet und man deshalb davon ausgehen müsse, dass er eine judenfeindliche Einstellung gehabt habe. Dabei wird übersehen, dass „die Juden“ meist nicht die gesamte jüdische Nation meint, sondern die Repräsentanten des Volkes, die sich gegen Christus stellten. Es mag sein, dass wir nicht in der Lage sind, jegliche Vorwürfe zu widerlegen, in jedem Fall aber müssen wir an dem Wort Gottes festhalten und dafür einstehen.

Das Christentum wird von einigen als frauenfeindlich betrachtet. Hier müssen wir zugeben, dass in der Vergangenheit Männer wie Augustinus oder Thomas von Aquin ein geringschätziges Frauenbild vertraten, welches sich nicht mit der Bibel deckt. Das einzugestehen gehört zu einer ehrlichen Auseinandersetzung dazu. Der biblische Befund zeigt allerdings etwas anderes. Denken wir daran, wie der Herr Jesus der Frau am Jakobsbrunnen begegnet (Joh 4), während im Talmud gelehrt wurde: „Jeder, der zu viel Geschwätz macht mit der Frau, bewirkt Böses für sich selber, lässt ab von den Worten der Weisung und ererbt schließlich die Hölle.“[3] Die Jünger „wunderten sich, dass er mit einer Frau redete“ (s. Joh 4,27). Aber der Herr tat noch mehr! Er machte Frauen zu Zeugen seiner Auferstehung und zu Boten, dass Er auferstanden sei (s. Mt 28,10). Denken wir auch an Lydia, die erste Person, die sich in Europa zum Christentum bekannte (s. Apg 16). In den Briefen des Neuen Testaments werden Frauen vielfach positiv erwähnt, man lese nur Römer 16. Diese und viele andere Stellen zeigen uns die biblische Wertschätzung der Frau. Zu einer christlichen Apologetik gehört es jedoch auch, daran festzuhalten: „Mann und Frau sind sehr wohl gleichwertig. Trotzdem sind sie nicht gleichartig. Das ist ein Unterschied, den wir lernen müssen. Ein Mann funktioniert – so will ich es einmal ausdrücken – anders als eine Frau. Eine Frau funktioniert anders als ein Mann.“[4] Zudem ist die Stellung von Mann und Frau in der Schöpfungsordnung Gottes eine unterschiedliche. Aber auch das hat in Gottes Augen nichts mit einem unterschiedlichen „Wert“ zu tun.

Diese Beispiele, neben den andern Themen dieses Heftes, sollen genügen, um die Vielfalt der Fragen aufzuzeigen, die uns begegnen können. Niemand von uns wird auf alles immer sofort eine Antwort haben. Es ist besser, eine Frage einmal nicht zu beantworten und sich Bedenkzeit zu erbeten, wenn wir uns nicht sicher sind. Gott möchte, dass wir verstehen, was wir glauben, und es biblisch erklären können. Kein Festhalten an Formen und Traditionen, keine „Standardantworten“, sondern echte Überzeugungen in der Nachfolge. Dazu müssen wir uns unter Gebet mit seinem Wort beschäftigen, es gründlich studieren und auf unseren Alltag anwenden.

Gefahren und Grenzen der Apologetik

Der Kolosserbrief warnt uns vor „Lehren der Menschen (die zwar einen Schein von Weisheit haben)“. Deshalb gilt es Acht zu geben, „dass nicht jemand da sei, der euch als Beute wegführt durch die Philosophie und durch eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christus“ (Kol 2,22.23; vgl. auch Eph 4,14; Heb 13,9). Und im 2. Korintherbrief heißt es: „Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich mächtig zur Zerstörung von Festungen, indem wir Vernunftschlüsse zerstören“ (2. Kor 10,4).

Die Weisheit dieser Welt (insbesondere verschiedene Teilbereiche der Geisteswissenschaft) liefert Erkenntnisse, die der göttlichen Wahrheit teils radikal widersprechen. Spurgeon schrieb einmal: „Glaubt  alles  in  der  Wissenschaft, was bewiesen ist; es wird nicht allzu viel sein. Ihr braucht nicht zu fürchten, dass euer Glaube überlastet wird. Und dann solltet ihr alles glauben, was klar im Wort steht – ob durch äußeres Zeugnis bewiesen oder nicht. Wenn Gott spricht, so ist kein Beweis nötig; allein die Tatsache, dass er geredet hat, ist für den Glaubenden Beweis genug.“[5]

Wir erkennen im Licht der Schrift, wo die Wissenschaft von falschen Annahmen ausgeht, die zu falschen Ergebnissen führen, aber nicht umgekehrt. Es ist immer eine Gefahr, die Schrift im „Licht“ der Wissenschaft, der Geschichte, der Philosophie, einer Ideologie, etc. zu lesen. Dabei wenden wir ein fehlbares Werkzeug auf das unfehlbare Wort Gottes an. Vergessen wir nicht: Jesus Christus ist die Wahrheit (s. Joh 14,6), wir haben das Wort der Wahrheit (s. Ps 119,160 und Joh 17,17), zusammen mit dem Geist der Wahrheit (s. Joh 14,17 und 15,26). Die Wahrheit ist auf unserer Seite, auch wenn eine außerbiblische Bestätigung (noch) fehlen mag.

Ein weiterer Punkt: Apologetik ist kein Mittel, um uns der Schmach des Christus zu entziehen Der Herr sagte seinen Jüngern deutlich: „Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieb haben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt“ (Joh 15,19). Und nach wie vor gilt: „Denn weil ja in der Weisheit Gottes die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannte, so gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden zu erretten; … wir aber predigen Christus als gekreuzigt, den Juden ein Anstoß und den Nationen eine Torheit; den Berufenen selbst aber, sowohl Juden als auch Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit; denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen“ (1. Kor 1,21-25). „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (Röm 10,17). Wir sollten daher immer im Blick haben, nicht bei einer reinen Apologetik stehenzubleiben, sondern die gute Botschaft zu verkündigen, die uns selbst frei gemacht hat.

Eine weitere Gefahr, die sich aus der Beschäftigung mit Apologetik ergeben kann, ist ein Ungleichgewicht in unserem persönlichen Bibelstudium. Dies geschieht dann, wenn wir uns in einem hohen Maß fast ausschließlich mit dem beschäftigen, was von außen an uns herangetragen wird. Unser Glaube ist mehr als die Antworten auf Einwände und Fragen der Zeit. Der Psalmdichter konnte sagen: „Öffne meine Augen, damit ich Wunder schaue in deinem Gesetz!“ – „Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute findet“ (Ps 119,18.162). Diese Ausgewogenheit finden wir auch in Nehemia 4,11.12 bildlich dargestellt. Dort heißt es: „Die Lastträger luden auf, mit der einen Hand am Werk arbeitend, während die andere die Waffe hielt. Und die Bauenden hatten jeder sein Schwert um seine Hüften gegürtet und bauten.“ Eine geistliche Entsprechung für uns findet sich im Judasbrief. Er hielt es für notwendig, „für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen“ (Jud 3), und auch er ermahnte die Empfänger seines Briefes, sich selbst auf ihren allerheiligsten Glauben zu erbauen (s. Jud 20).

Dabei kann nicht jede Auseinandersetzung um Glaubensfragen endlos fortgesetzt werden. Im Gegenteil – Titus wird gewarnt: „Törichte Streitfragen aber und Geschlechtsregister und Zänkereien und Streitigkeiten über das Gesetz vermeide, denn sie sind unnütz und wertlos.“ (Tit 3,9). Eine ähnliche Anweisung ergeht an Timotheus: „Die törichten und ungereimten Streitfragen aber weise ab, da du weißt, dass sie Streitigkeiten erzeugen. Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels, die von ihm gefangen sind, für seinen Willen“ (2. Tim 2,23-25).



[1] Bzw. dem Verb „apologeomai". In 1. Petrus 3,15 wird er mit „Verantwortung“ wiedergegeben. Im Neuen Testament kommt der Begriff außerdem in Apostelgeschichte 22,1; 25,16; 1. Korinther 9,3; 2. Korinther 7,11; Philipper 1,7.16 und 2. Timotheus 4,16 vor. Für das Verb sei beispielhaft auf Lukas 12,11 und 21,14 verwiesen.
[2] Siehe Sure 5, Vers 116a.
[3] Der Talmud, Goldmann, 5. Auflage 1980
[4] E.-A. Bremicker, Verliebt – verlobt – verheiratet, CSV-Verlag
[5] C. H. Spurgeon, Es steht geschrieben




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