Themenheft

Überblick über das Buch der Richter

Das Buch der Richter beschreibt einen etwa 300-350 Jahre langen Abschnitt in der Geschichte des Volkes Israels. Es steht zu Recht direkt nach dem Buch Josua, denn es knüpft unmittelbar an die Inbesitznahme des Landes unter Josua an und zeichnet das Bild einer Epoche der Untreue und des Niedergangs in Israel. Trotzdem werden die Lichtstrahlen der Gnade und Rettung Gottes sichtbar, die Er durch die Richter bewirkt.

 

Verfasser

Der Verfasser dieses Buches wird nicht genannt. Dadurch wird betont, dass Gott selbst der Redende ist. Er ist es, der den Zustand und den Niedergang des Volkes Gottes kennt, aufdeckt und die handelnden Personen treffend charakterisiert. Gleichzeitig richtet sich der Geist Gottes durch dieses Buch direkt an uns, um uns in der Zeit des christlichen Niedergangs positive Impulse für unser Glaubensleben zu geben.

 

Zeitrahmen

Der in diesem Buch beschriebene Zeitabschnitt knüpft an die Inbesitznahme des Landes an. Direkt zu Beginn wird der Tod Josuas (Kap. 1,1) erwähnt. Dieser steht für die moralische Zeitenwende: Vorher gab es eine gute und kraftvolle Entwicklung unter Josua, die sich nach seinem Tod schnell in den Niedergang der Richterzeit umkehrt.

Zum Ende des Buches wird vier Mal erwähnt, dass es in „jenen Tagen keinen König in Israel gab“ (Kap. 17,6; 18,1; 19,1; 21,25). Daher endet geschichtlich gesehen der beschriebene Zeitabschnitt vor der Salbung Sauls. Um es etwas konkreter zu machen: Das Buch endet zeitlich gesehen nach den 20 Jahren, in denen Simson Richter war (Kap. 16,31). Es ist vielleicht sogar möglich, dass Simson und der Prophet Samuel Zeitgenossen waren. Die Schlusskapitel des Buches (Kap. 17-21) bilden einen Anhang und beinhalten Ereignisse, die eher am Anfang der Richterzeit geschehen sein müssen.

Insgesamt umfasst der im Buch der Richter beschriebene Zeitabschnitt etwa 350 Jahre. Die im Buch Ruth beschrieben Ereignisse fallen ebenfalls in diesen Zeitraum (Rt 1,1).

 

Chronologie

Die Berichterstattung im Buch der Richter ist nicht chronologisch. Die einfache Addition der angegebenen Zeitabschnitte ergäbe einen zu langen Zeitraum. Die Begebenheit von Aksa und Othniel ab Richter 1,12 ff. fand schon zu Lebzeiten Josuas statt (Jos 15,17). Im Anhang des Buches wird Pinehas erwähnt, der Sohn Eleasars (Ri 20,28). Er hatte sich schon während der Wüstenreise für die Belange Gottes eingesetzt (4. Mo 25,11) und unter Josua nahm er eine wichtige Rolle in der Beurteilung des großen Altars der zweieinhalb Stämme ein (Jos 22). Zur Zeit Simsons (Ri 13-16) lebte er nicht mehr[1]. Die beschriebenen Ereignisse fanden z.T. auch parallel an unterschiedlichen Orten im Land Kanaan statt.

Offensichtlich sind die Begebenheiten so zusammengestellt, dass sie thematisch zusammengehören. So wird die moralische Botschaft des Buches umso deutlicher.

 

Josua – Richter

Durch einen Vergleich dieser beiden Bücher wird schnell der unterschiedliche Charakter deutlich:

  • Im Buch Josua entfaltet sich geistliche Kraft (Jos 1,6.9.18) in der mutigen Eroberung des Landes, die auch in Richter 1 noch zu finden ist. Aber schon in Richter 1,27.28 bricht diese Kraft ein, weil Manasse die Bewohner „keineswegs“ vertreibt.
  • Im Buch Josua spielt der Ort Gilgal, der Ort des Selbstgerichtes, eine große Rolle. Dort fand das Volk Kraft zum Kampf. In Richter 2,1 wird beschrieben, dass der Engel von Gilgal nach Bochim kommen muss, um zu dem Volk reden zu können. Das ist ein Ort der Weinenden, ein Ort von Traurigkeit.
  • Im Buch Josua ist es Josua, der als Führer des Volkes mit dem gesamten Volk kämpft. Im Buch der Richter sind die Richter Einzelkämpfer, die mit Wenigen für das Volk kämpfen.
  • Josua hatte vor dem Niedergang gewarnt (Jos 23.24). Im Buch der Richter wird beschrieben, dass dies unter der Verantwortung des Menschen auch so eingetroffen ist.
  • Das Buch Josua gleicht dem guten Zustand der Christenheit in der Anfangszeit. Das Buch der Richter deutet auf den Zustand der Christenheit in den letzten Tagen (2. Tim 3,1 ff.).

 

Gliederung des Buches

Das Buch der Richter lässt sich gut in drei Teile gliedern:

 

(1)  Einleitung (1,1-3,4)

Dieser Abschnitt beschreibt die Ursachen des Niedergangs und deckt zwei Kardinalfehler der Israeliten auf:

Sie vermischen sich mit den Kanaanitern (1,27 ff.).
Sie vergessen Gott und verfallen in Götzendienst (2,11 ff.).
In wenigen Versen (2,6-23) wird ein Kreislauf beschrieben:

Das Volk wird seiner Berufung nicht gerecht, vergisst Gott und fällt in Götzendienst.
Gott benutzt die Feinde des Volkes, um durch Bedrängnis und Unterdrückung zu ihrem Gewissen zu reden.
Dann erweckt Gott Richter, um sie aus der Hand der Plünderer zu retten (2,16).
Danach wendet sich das Volk wieder von Gott ab und wird wieder von seinen Feinden beherrscht.
 

(2)  Hauptteil (3,5-16,31)

Dieser sich mehrmals wiederholende Kreislauf findet sich in ausführlichen Beschreibungen in dem Hauptteil dieses Buches wieder. Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick der verschiedenen Unterdrückungen und der verschiedenen Richter, die der Herr als Retter sandte.

Die Bedrücker sind ein Bild der Feinde des christlichen Lebens, die sich auch in unserem Leben breit machen können: Die Welt, das Fleisch (unsere alte Natur), der Teufel und irdische oder religiöse Dinge.

Die Waffen der Richter, ihre Kämpfe und Strategien sind sehr unterschiedlich und alle bemerkenswert. Gott bedient sich kleiner Dinge, um große Rettungen zu bewirken. Trotz mancher Schwachheiten und Fehler der Richter weisen sie nicht nur vorbildlich auf Gläubige hin, die Gott zum Segen seines Volkes benutzen kann, sondern auch auf den wahren Retter Jesus Christus, der auf Golgatha den Feind überwunden hat und in dessen Kraft wir die Welt überwinden können (Joh 16,33; 1. Joh 5,4; Röm 12,21).

Die Warnungen des Richterbuches helfen uns, dass wir derartige Erfahrungen der Bedrückung nicht machen müssen, sondern in Christus „geistlichen Frieden“ (oder Ruhe) genießen (Joh 14,27).

 

(3)  Schlussteil (17,1-21,25) 

Die Kapitel 17-21 runden das ganze Bild ab. Sie geben uns einen Einblick, wie schlecht das menschliche Herz ist und wozu es fähig ist. Sie zeigen die Ursachen des Niedergangs im Volk Gottes: Götzendienst und Unmoral.

In Kapitel 17 wird konkret beschrieben, wie sich der allgemeine Niedergang in einer konkreten Familie (Micha und seine Mutter) wie Sauerteig (1. Kor 5,6; Gal 5,9) ausbreitet. Micha hatte ein eigenes Gotteshaus, obwohl das Haus Gottes in Silo war (18,31). So wurde die Autorität des Herrn durch Selbstbestimmung ersetzt. Micha ließ seinen Sohn den Priesterdienst nachahmen, obwohl er nicht zum Stamm Juda gehörte. Die Anordnungen in Bezug auf Priester und Leviten wurden durch eigene Vorstellungen ersetzt. Kapitel 18 deckt die Unmoral und Gewalttat auf, die aus dem Herzen hervorkommen (Mt 15,19). Die folgenden Kapitel 19-21 beschreiben den religiösen und moralischen Verfall.

 

Relativierung biblischer Wertmaßstäbe

Auch heute stehen die biblischen und göttlichen Wertmaßstäbe in Bezug auf Moral, Gottesdienst etc. stark unter Beschuss (Ps 11,3). Man versucht, sie zu relativieren, um sie gesellschaftsfähig zu machen. Dadurch breiten sich falsche Meinungen und Lebensweisen aus, die dahin führen, dass jeder tut, „was recht ist in seinen Augen“. Als (junge) Christen wissen wir: Gottes Wertmaßstäbe ändern sich nie. Wer sich daran hält, wird dafür reich gesegnet.

 

Unvollständig …?

Das Buch der Richter vermittelt den Eindruck, dass noch etwas fehlt – ein Richter bzw. König, der das Volk Israel in eine dauerhafte Ruhe einführt. Dieser Retter wird kommen. Es ist der, der „den ganzen Erdkreis“ richten wird – unser Herr Jesus Christus (Apg 17,31.32). Eine gewisse Vorerfüllung des kommenden Retters finden wir in dem darauffolgenden Bibelbuch sowohl in Samuel und auch in dem König David. Doch die endgültige Ruhe steht noch aus – auch für uns, die Gläubigen der Christenheit.

Erwarten auch wir das Kommen des Herrn Jesus? Dann sind wir gewappnet, um im Umfeld des Niedergangs standfest zu sein und schon heute die geistlichen und himmlischen Segnungen zu erobern.



[1] Als Zeitgenosse Moses, der ca. 1450 v. Chr. gestorben ist, kann Pinehas wohl kein Zeitgenosse Simsons gewesen sein, der am Ende der Richterzeit gewirkt hat und etwa um 1100 v. Chr. auftrat. Siehe hierzu auch Zeittafeln zur Bibel, S. 22f.




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