Personen der Bibel
Christus in Jeremia – Christus und Jeremia
„Als aber Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi gekommen war, fragte er seine Jünger und sprach: Wer sagen die Menschen, dass ich, der Sohn des Menschen, sei? Sie aber sagten: Die einen: Johannes der Täufer; andere aber: Elia; und wieder andere: Jeremia oder sonst einer der Propheten“
Mt 16,13.14
Als der Herr Jesus die Jünger einmal fragte, für wen die Menschen Ihn, den Sohn des Menschen, hielten, wird unter anderem den Propheten Jeremia. Vermutlich erkannten diese Menschen Ähnlichkeiten zwischen dem Herrn Jesus und dem Propheten Jeremia. Einige Parallelen wollen wir uns näher betrachten.
Jeremias Zeit und Zeitgenossen
Jeremia begann seinen Dienst als junger Mann mit etwa 20 Jahren im 13. Regierungsjahr des Königs Josia (Jer 1,2), der über Juda herrschte. Fünf Jahre später wurde das Gesetz im Tempel wiedergefunden (2. Kön 22,3.8) und im selben Jahr in Jerusalem ein großes Passahfest gefeiert (2. Chr 35,18.19). Leider hatten die positiven Reformen des Königs keine Auswirkung auf das Volk – noch nicht einmal auf Josias eigene Söhne. Seine drei Söhne (Joahas, Jojakim, Zedekia) und sein Enkel (Jojakin), die nach ihm den Thron bestiegen, handelten alle gottlos. Schließlich endeten Zedekias Herrschaft und das Königreich Juda mit der dritten und endgültigen Wegführung nach Babel. Jeremias Dienst endete wenige Jahre danach.
Christus und Jeremia – geplanter Mordanschlag und verachtet in der Heimat
„Und Jesus sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, außer in seiner Vaterstadt und unter seinen Verwandten und in seinem Haus“
Mk 6,4
Jeremia stammte aus der Anatot, einer Priesterstadt (vgl. Jos 21,18), die ca. 5 Kilometer von Jerusalem entfernt lag. In Jeremia 11,21 wird berichtet, dass die Männer von Anatot einen Mordanschlag gegen Jeremia planten. Doch der Herr offenbarte Jeremia diesen Plan und vereitelte ihn dadurch. Diese Begebenheit erinnert unweigerlich an den Herrn Jesus, der während seines öffentlichen Dienstes auch in seiner Vaterstadt Nazareth wirkte und – abgelehnt wurde. Als Er in der Synagoge in Nazareth auftrat, wurden die Zuhörer wütend. Ihr Zorn ging so weit, dass sie Ihn von einem Berg stürzen wollten. Doch dieser Mordanschlag wurde ebenfalls vereitelt, da der Herr Jesus einfach durch ihre Mitte hindurch wegging (Lk 4,16-30).
Eine weitere interessante Parallele wird durch einen Ausdruck in Jeremia 29,27 deutlich. Dort wird Jeremia in dem Brief eines Lügenpropheten als „Jeremia, der Anatotiter“ bezeichnet. Vielleicht hatte die Stadt durch die Verbannung Abjathars (1. Kön 2,26) einen schlechten Ruf erhalten. Zur Zeit Jesu war Nazareth auch nicht besonders angesehen (Joh 1,46). So wurde der Herr Jesus mehrfach im abwertenden Sinn als „der Nazaräer“ bezeichnet (u.a. Joh 18,5; Joh 19,19).
Und alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie dies hörten. Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn bis an den Rand des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, um ihn hinabzustürzen.
Lukas 4,28.29
Christus und Jeremia – umgeben von Scheinheiligen
„Und er spricht zu ihnen: Es steht geschrieben: ,Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden.‘; ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle“
Mt 21,13
Gott fordert Jeremia in Jeremia 7 auf, zum Tor des Tempels zu gehen, um ihnen von dort aus ins Gewissen zu reden, gerade im Blick auf die Geringschätzung des Tempels, den sie wie eine Räuberhöhle behandelten (Jer 7,11). Als der Herr Jesus viele Jahre später die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertreibt, zitiert Er genau diese Textstelle. In beiden Fällen wurde die religiöse Scheinheiligkeit des Volkes offengelegt. Doch die Worte bewirkten keine Umkehr, sie fachten den Hass der Volksmenge noch weiter an. In beiden Fällen antwortete Gott mit Gericht: Jerusalem wurde zur Zeit Jeremias von den Babyloniern eingenommen und der Tempel wurde zerstört. Ähnliches passierte auch im Jahr 70 n. Chr.: Hier wurde der Tempel von den Römern zerstört.
Christus und Jeremia – unter Rede-Fängern
„Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer zu ihm, damit sie ihn in der Rede fingen“
Mk 12,13
Die Schriftgelehrten versuchten mehrfach, dem Herrn Jesus Fangfragen zu stellen und Ihn dadurch in Bedrängnis zu bringen (vgl. z.B. Lk 11,53; 20,20). Ähnliches begegnete bereits dem Propheten Jeremia; auch ihm trat die gelehrte Oberschicht entgegen. Sie wollte ihn „mit der Zunge schlagen“ (Jer 18,18). Damit ist wohl gemeint, dass sie den Propheten zu Rededuellen auffordern wollten, um ihn in seiner Rede zu fangen und somit mundtot zu machen. Die vielen Angriffe auf den Herrn Jesus zeigen jedes Mal seine überragende Weisheit. So zieht Matthäus nach einem Angriff folgendes Fazit: „Und niemand konnte ihm ein Wort antworten, noch wagte jemand von dem Tag an, ihn ferner zu befragen“ (Mt 22,46).
Christus und Jeremia – verspottet von Feinden
„Den ganzen Tag verhöhnen mich meine Feinde; die gegen mich rasen, schwören bei mir“
Ps 102,9
Die Parallele ist beeindruckend: Jeremia sagt in Jeremia 20,7: „Ich bin zum Gelächter geworden den ganzen Tag, jeder spottet über mich“. Auf der einen Seite erlebte er den öffentlichen Widerstand der Oberschicht und auf der anderen Seite lachte und spottete auch das ganze Volk über Jeremia. Gleiches galt auch für den Herrn Jesus. Das wird in einem Psalm prophetisch so ausgedrückt: „Die im Tor sitzen, reden über mich, und ich bin das Saitenspiel der Zecher“ (Ps 69,13).
"Alle, die mich sehen, spotten über mich;
sie reißen die Lippen auf, schütteln den Kopf.
Psalm 22,8
Christus und Jeremia – in Trauer über das Volk
„Und als er sich näherte und die Stadt sah, weinte er über sie“
Lk 19,41
„Der weinende Prophet“ – unter diesem Namen ist Jeremia bis heute bekannt. Zu Recht, denn er erwähnt seine Trauer über das Volk Gottes mehrfach, besonders in den Klageliedern (Jer 8,23; Klgl 1,18; 2,11 etc.). Seine zentrale Botschaft an Juda war Gericht, weil das Volk trotz der Reformen Josias nicht wirklich zu Gott umgekehrt war. In seinem Ungehorsam zog es andere Götter dem wahren Gott vor. Diese Tatsache, das angekündigte Gericht, die bevorstehende Wegführung und die Zerstörung von Jerusalem erfüllten Jeremia mit Trauer. Seine Trauer war groß, denn während seines langen Dienstes (ca. 40 Jahre) war das Volk in der großen Masse nicht umgekehrt – vielleicht bis auf einzelne. Jeremia erlebte schließlich, wie das prophezeite Gericht eintraf.
Auch der Herr Jesus weinte beim Anblick der geliebten Stadt Jerusalem. Wie Jeremia trauerte Er angesichts des bevorstehenden Gerichts über das Volk und die Stadt. Er ist der Sämann, der unter Weinen aussäte (Ps 126,6a). Doch selbst sein vollkommener Dienst löste keine Umkehr aus – sie wird aber eines Tages stattfinden (Jes 10,21 etc.)!
Christus und Jeremia – in der Todesgrube
„Lass die Grube ihren Mund nicht über mir verschließen!“
Ps 69,16
Eines Tages wurde Jeremia in eine Grube geworfen. „Da nahmen sie Jeremia und warfen ihn in die Grube Malkijas, des Königssohnes, die im Gefängnishof war, und sie ließen Jeremia mit Stricken hinab. Und in der Grube war kein Wasser, sondern Schlamm, und Jeremia sank in den Schlamm“ (Jer 38,6; vgl. auch Klgl 3,53-55). Gott sorgte dafür, dass Jeremia aus der Grube gerettet wurde und am Leben blieb.
Prophetisch verweisen die Psalmendichter auf die Leiden Jesu, wenn sie von tiefem Schlamm ohne Grund und von der tiefsten Grube sprechen (vgl. Ps 69,2.3.15; 88,7).
Im Gegensatz zu Jeremia ging Er in den Tod. Erst dann wurde Er aus der Grube herausgeführt (vgl. Psalm 40,3).
Du hast mich in die tiefste Grube gelegt, in Finsternisse, in Tiefen. Auf mir liegt schwer dein Grimm, und mit allen deinen Wellen hast du mich niedergedrückt. – Sela.
Psalm 88,7
Christus und Jeremia – zwei Unterschiede
Bisher sind schon einige Parallelen zwischen dem Propheten und dem Leben des Herrn Jesus deutlich geworden, jedoch gibt es – wie bei allen Vorausbildern auf Christus im Alten Testament, auch einige Unterschiede:
- Jeremia war ein gläubiger Mann, der auf dem Boden des Gesetzes stand. Es ist verständlich (und nach Gottes Gedanken), dass er seinen Feinden Rache wünscht (z.B. Jer 11,20; 15,15; 20,12). Jesus Christus dagegen hat die Prophezeiung über Ihn „er aber hat... für die Übertreter Fürbitte getan“ (Jes 53,12) in jeder Hinsicht erfüllt.
- Während der über 40 Jahre seines Dienstes hat Jeremia auch einige Tiefpunkte durchlebt. So verfluchte er an einer Stelle den Tag seiner Geburt (Jer 20,14ff). Den Herrn Jesus kennzeichnet hingegen ein unerschütterliches Gottvertrauen (Ps 22,10-11).
Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.
Johannes 1,1
Auf dich bin ich geworfen von Mutterschoß an, von meiner Mutter Leib an bist du mein Gott.
Psalm 22,11
Christus im Alten Testament
„Ihr erforscht die Schriften ... und sie sind es, die von mir zeugen“
Joh 5,39
Bei unserem kurzen Streifzug durch den Propheten Jeremia haben wir einige Parallelen zum Leben des Herrn Jesus gesehen. Es ließen sich sicher noch weitere Parallelen finden. Dabei denke ich zum Beispiel an Kapitel 26, wo man Jeremia zum Tod verurteilen will, weil er eine Botschaft verkündigt hat, die sie nicht hören wollen.
Beim Studium dieser Parallelen wird deutlich, dass Jeremia nur ein Schatten ist und dass der Herr Jesus ihn in allen Aspekten übertrifft. Und doch lernen wir Christus besser kennen, wenn wir die Texte des Alten Testaments unter dem Blickwinkel lesen, dass sie von Ihm sprechen (vgl. Lk 24,27).
Und es geschah, als Jeremia alles zu Ende geredet hatte, was der Herr geboten hatte, zum ganzen Volk zu reden, da ergriffen ihn die Priester und die Propheten und alles Volk und sprachen:Du musst sterben.
Jeremia 26,8
Sie aber schrien: Hinweg, hinweg! Kreuzige ihn!
Johannes 19,15
Kommentare
Verwandte Artikel
Nützliche Links
Elberfelder Übersetzung
Die Elberfelder Übersetzung Edition CSV ist eine wortgetreue Übersetzung der Bibel in verständlicher Sprache. Auf dieser Webseite können Sie den Bibeltext vollständig lesen und durchsuchen. Zudem werden Werkzeuge angeboten, die für das Studium des Grundtextes hilfreich sind.
www.csv-bibel.deDer beste Freund
Diese Monatszeitschrift für Kinder hat viel zu bieten: Spannende Kurzgeschichten, interessante Berichte aus anderen Ländern, vieles aus der Bibel, Rätselseiten, Ausmalbilder, Bibelkurs, ansprechende Gestaltung. Da Der beste Freund die gute Nachricht von Jesus Christus immer wieder ins Blickfeld rückt, ist dieses Heft auch sehr gut zum Verteilen geeignet.
www.derbestefreund.deIm Glauben leben
Diese Monatszeitschrift wendet sich an alle, die ihr Glaubensleben auf ein gutes Fundament stützen möchten. Dieses Fundament ist die Bibel, das Wort Gottes. Deshalb sollen alle Artikel dieser Zeitschrift zur Bibel und zu einem Leben mit unserem Retter und Herrn Jesus Christus hinführen.
Viele Artikel zu unterschiedlichen Themen - aber immer mit einem Bezug zur Bibel.
www.imglaubenleben.de