Mit Gott erlebt
Blandina – die standhafte Märtyrerin
Blandia war eine gläubige Sklavin, die in den frühen Tagen des Christentums gelebt hat. Sie hat ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod, weil sie den liebte, der am Kreuz auf Golgatha für sie gestorben ist. Ihre Hingabe macht nachdenklich und fordert heraus.
Blandina wird um 150 n. Chr. in Lugdunum (dem heutigen Lyon in Frankreich) geboren, das zur römischen Provinz Gallien gehört. Sie hat keine römische Staatsbürgerschaft und gehört zur unteren sozialen Schicht. Sie bekehrt sich zu Jesus Christus und arbeitet als Sklavin in einer christlichen Familie in Lyon. Sie ist klein, zierlich und körperlich schwach. Doch auch bei ihr zeigt sich die Wahrheit, dass Gottes Kraft in Schwachheit vollbracht wird (2. Kor 12,7).
Als Blandina aufwächst, herrscht der römische Kaiser Marc Aurel (161–180 n. Chr.). Zwar werden während seiner Herrschaft keine systematischen Christenverfolgungen durchgeführt, aber Christen können angeklagt werden, wenn sie sich weigern, den Göttern zu dienen. Sie werden dann verhaftet und oft gefoltert. Wer unter Folter seinem Glauben abschwört, wird freigelassen. Wer sich weigert, wird enthauptet, sofern es sich um römische Staatsbürger handelt. Andere werden auf grausame Weise umgebracht. In einzelnen Gebieten des Römischen Reiches kommt es zu Ausschreitungen gegen Christen. In Lyon eskaliert die Situation dramatisch.
Verfolgung in Lyon
Die Menschen in der französischen Stadt sind aufgebracht, weil die Christen ihre Götter nicht verehren und ihre Existenz leugnen. Sie meinen, Christen seien Gotteslästerer und Atheisten, die soziale Ausgrenzung und harte Strafen verdienen. Zunächst wird den Christen der Zutritt zu öffentlichen Orten wie Thermen verwehrt. Später dürfen sie sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Schließlich werden diejenigen ins Gefängnis gebracht, die ihren Glauben leben und bezeugen. Auch Blandina wird zusammen mit der Familie verhaftet, bei der sie arbeitet. Als sie abgeführt wird, brüllt der mitlaufende Pöbel sie an, schlägt und beraubt sie. Sie erträgt alles mit großer Gelassenheit, denn der „Geist der Herrlichkeit“ ruht auf ihr (vgl. 1. Pet 4,14).
Sie wird zusammen mit einigen anderen Christen zum Marktplatz geschleift. Dort werden sie vom Hauptmann der Militäreinheit und den Stadträten vor dem ganzen Volk verhört. Anschließend werden sie ins Gefängnis geworfen, wo sie bleiben sollen, bis der Statthalter kommt und das finale Urteil spricht. In dem Kerker fehlen Nahrung und sanitäre Einrichtungen. Deshalb kommen immer wieder Christen, um ihre Brüder und Schwestern zu versorgen. Dabei setzen sie sich der großen Gefahr aus, selbst mit Gefängnis, Folter und Tod bestraft zu werden.
Da ganze Haushalte verhaftet werden, landen auch einige ungläubige Sklaven im Gefängnis. Als sie die Folterungen miterleben, beschuldigen einige von ihnen die Christen, dass sie ungeheuerliche Sünden begehen. Mit diesen bösartigen Anschuldigungen wollen sie sich selbst die Freiheit sichern. In kurzer Zeit verbreiten sich diese bösen Gerüchte unter der Bevölkerung und die Stimmung kippt endgültig. Den Christen wird daraufhin der Besuch ihrer Glaubensgeschwister in den Gefängnissen verwehrt und viele von ihnen werden selbst inhaftiert.
Das Leiden von Blandina
Blandina ist so schwach, dass ihre inhaftierte Herrin fürchtet, sie würde bereits unter geringem Druck zusammenbrechen. Doch die Sklavin legt nicht nur mutig Zeugnis ab, sondern begegnet auch den Folterungen mit einer Kraft, die nur von Gott kommen kann. Eines Tages wird sie von morgens bis abends auf jede erdenkliche Weise gequält. Am Abend geben die Folterknechte erschöpft zu, dass ihnen keine Grausamkeit mehr einfällt, die sie ihr noch antun könnten. Sie wundern sich, dass Blandina noch am Leben ist, denn einige der Inhaftierten sterben schon, wenn sie nur eine einzige Folter erdulden müssen. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass Blandina innerlich nicht gebrochen ist und selbst unter größten Leiden schlicht und eindringlich bezeugt: „Ich bin eine Christin, und unter uns geschieht nichts Böses.“
Ihr Mut beeindruckt ihre Mitgefangenen, die sich davon anspornen lassen, ebenfalls für das Evangelium zu leiden. Dennoch verleugnen etwa zehn Christen ihren Glauben, um den Qualen zu entkommen. Es nützt ihnen jedoch nichts: Sie werden wegen anderer Verbrechen angeklagt und schließlich getötet.
Im Amphitheater
Weil Blandina ihrem Glauben nicht abschwören will, wird sie vor den Augen der gaffenden Menge im Amphitheater mit Ruten gegeißelt. Die Ruten haben einen festen Griff und sind mit mehreren Lederriemen versehen, an deren Enden sich Metallstücke befinden. Bei jedem Peitschenschlag wird das Fleisch aufgerissen, was zu tiefen Wunden führt. Anschließend wird die Sklavin mit ausgebreiteten Armen an einen Pfahl gebunden und den Raubkatzen zum Fraß gegeben. Doch die wilden Tiere schleichen um sie herum, ohne sie zu verletzen, und Blandina wird zurück ins Gefängnis gebracht.
In den darauffolgenden Tagen wird sie immer wieder herausgeholt, um das Leiden und Sterben ihrer Mitchristen mitanzusehen. Bringt sie das dazu, ihren Glauben zu verleugnen? Nein, denn sie tut das, was der Herr Jesus selbst gesagt: „Fürchte nichts von dem, was du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet, und ihr werdet Drangsal haben zehn Tage. Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben“ (Off 2,10).
Der letzte Tag
Am letzten Tag der Gladiatorenkämpfe und grausamen Schauspiele wird Blandina zum Schluss in die Arena geführt. Begleitet wird sie von einem etwa fünfzehn Jahre alten Jungen namens Pontikus. Man will sie dazu bringen, bei den Götzenbildern einen Schwur zu leisten. Doch die beiden jungen Menschen bleiben tapfer und schenken den Göttern nur ein müdes Lächeln. Darüber gerät der Pöbel in rasende Wut und die beiden Christen werden öffentlich allen Martern unterworfen. Doch damit erreichen ihre Peiniger nichts. Pontikus, der von seiner Glaubensschwester Blandina immer wieder ermutigt wird, bleibt bis zum letzten Atemzug treu. Auch er hat tief verinnerlicht, was sich die Christen stets zugerufen haben: „Furcht ist nicht, wo die Liebe des Vaters ist. Leid ist nicht, wo die Herrlichkeit Christi ist!“
Nun ist Blandina an der Reihe. Sie, die den anderen Mut gemacht hat, muss nun selbst den letzten schweren Weg gehen. Blandina wird auf einen glühenden Rost gelegt, wodurch sie schlimmste Brandwunden erleidet. Schließlich wickelt man die Gefolterte in ein Fischernetz und wirft sie einem wilden Stier vor. Die Bestie schleudert sie ein paar Mal in die Höhe, doch Blandina spürt nichts mehr davon, denn sie ist bereits bewusstlos. Zuletzt wird ihr von einem römischen Soldaten mit dem Schwert die Kehle durchgeschnitten.
Keine Bestattung
Zur zusätzlichen Demütigung stellen die Römer die Leichen öffentlich zur Schau. Tage lang werden die sterblichen Überreste bewacht, damit sie nicht beerdigt werden können. Schließlich verbrennen die Römer die Leichen und streuen die Asche in den nahe gelegenen Fluss Rhône. Sie glauben, dass sie so eine Auferstehung der Körper unmöglich machen. Sie sagen: „Nicht einmal die Hoffnung auf eine Auferstehung wollen wir ihnen lassen! Denn dieser Auferstehungsglaube ist es, der sie dazu brachte, eine neue, ausländische Religion bei uns einzuführen. Dieser Glaube machte sie stark, alle Martern zu verachten und ohne zu zögern, ja mit Jubel, in den Tod zu gehen. Nun wollen wir einmal sehen, ob sie wirklich von den Toten auferstehen und ob ihr Gott sie unseren Händen entreißen wird!“
Der Sieg
Doch der Tag der Auferstehung wird kommen, und der Tod, der im Amphitheater viele Triumphe gefeiert hat, wird für immer besiegt werden. „Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: ‚Verschlungen ist der Tod in Sieg.‘ ‚Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel?‘ Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!“ (1. Kor 15,54-57). Dann wird Blandina die Krone des Lebens erhalten, die der Herr Jesus allen verheißen ist, die Ihm treu bleiben bis in den Tod. Obwohl Blandina längst gestorben ist, redet sie durch ihren Glauben und Mut noch heute zu uns.1
Quelle: Die Kirchengeschichte von Eusebius von Caesarea
[1] Das sollte natürlich nicht dazu führen, dass Blandina töricht verehrt wird, wie es leider vielfach in der Geschichte der christlichen Kirche geschehen ist.
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