Glaube im Alltag

Glaubensmüde?

Du hast dich zu dem Herrn Jesus bekehrt und Ihn als Retter angenommen. Vielleicht schon, als du noch ein Kind warst. Du weißt, dass Er für dich gestorben ist. Du möchtest für Ihn leben. Eigentlich ist dir klar, wie das geht, du weißt, was richtig ist – aber irgendwie klappt es nicht. Dein Glaubensleben fühlt sich an wie ein ständiges Müssen, eine reine Pflichterfüllung.

 

Wieder einmal ist Sonntag und du sitzt in den Zusammenkünften der Gläubigen. Die Brüder sprechen davon, wie groß und kostbar der Herr Jesus und sein Erlösungswerk am Kreuz von Golgatha ist. Zwar stimmst du dem grundsätzlich zu, was sie sagen – aber dich berührt es nicht. Dein Herz bleibt leer. Dir sagt das alles nichts (mehr). Du wärst sowieso am liebsten heute Morgen im Bett geblieben, hattest eigentlich keine Lust auf den Sonntag. Aber du weißt, es ist gut und richtig, die Versammlungen zu besuchen, deswegen hast du dich doch aufgerafft. Vielleicht auch, weil man es von dir erwartet. Was würden die anderen sonst denken? Was, wenn die Familie merkt, dass du nur noch äußerlich dabei bist? Denn Freude empfindest du schon lange keine mehr.

In der Woche gibt es zum Glück genügend Ablenkung: Smartphone, Social Media, Freunde treffen, deine Lieblings-Serie, Sport-Events, Hobbies etc. Und doch bist du nicht wirklich glücklich. Vielleicht abends beim Einschlafen, wenn du über den vergangenen Tag nachdenkst und feststellst, dass er wieder mit allem möglichen Zeug vollgestopft war, dir aber nichts gegeben hat. Kein echtes Zufriedensein. Und dann sagst du dir: So kann es nicht weitergehen. Doch der nächste Tag sieht wieder genauso aus.

Wie kommst du da heraus? Wie kannst du dein Glaubensleben wieder ankurbeln, wiederbeleben? Denn wenn du ehrlich bist, möchtest du das schon gerne. Aber du schaffst es nicht. Obwohl du die Lösung eigentlich kennst, denn du hörst sie oft: Ein Leben mit dem Herrn Jesus macht wirklich glücklich. Aber: Wie geht das? Wie bekomme ich die Freude an Ihm, von der andere erzählen?

 

Erst einmal musst du dir klarmachen: Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht. Freude an dem Herrn Jesus ist immer freiwillig. Künstlich diese Freude hervorzurufen, bringt gar nichts. Es gibt keinen Schalter, den du einfach umlegst. Der Herr Jesus drängt sich niemand auf – im Gegensatz zur Welt. Die Welt ist laut, will dich mit viel Lärm und Werbung gewinnen, und zwar 24/7! Ob du willst oder nicht, danach fragt sie nicht. Christus wirbt auch um dein Herz, aber leise. Wie bei Elia, der den Ton eines leisen Säuselns hörte (1. Kön 19,12) und darin Gottes Stimme erkannte. Du musst schon selbst wollen und dein Herz für dieses leise Werben öffnen.

 

Zweitens musst du dir bewusst machen: Es gibt keine Freude an dem Herrn Jesus – und damit kein Herauskommen aus dem Gefühl der Glaubens-Pflichterfüllung, der Glaubensmüdigkeit, wenn Er dich nicht anzieht. Du kannst keine Freude an etwas haben, mit dem du nicht beschäftigt bist. Aber auch diese Beschäftigung ist keine gesetzliche Pflicht, Du kannst es tun oder lassen. Aber: Wenn du es lässt, bleibt dein Glaubensleben ein „Hinken auf beiden Seiten“. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber letztlich eine ganze Katastrophe.

 

Willst du das? Nein, bestimmt nicht. Sonst hättest du diesen Artikel nicht bis hierhin gelesen. Es muss „klick“ bei dir machen, wenn sich etwas ändern soll. Ein Tipp: Sag dir ganz bewusst: Ich könnte jeden Tag tausend Sachen machen, die mich faszinieren – aber ich will es nicht. Ich könnte die Bibel ganz beiseitelegen und die Zeit des Gebets lieber mit einem Display vor Augen verbringen – aber ich will das nicht! Denn ich habe es tausendmal ausprobiert und tausendmal festgestellt: Es macht mich nicht glücklich. Nein, was ich will – ohne, dass es mir jemand vorschreibt! – ist, von Christus zu lesen und Ihm und Gott, meinem Vater im Gebet zu sagen, was ich Schönes von Ihm gesehen und verstanden habe. 

Wenn du das wirklich willst – dann tu es. Und zwar ganz freiwillig! Einen anderen Weg aus der Glaubensmüdigkeit gibt es nicht. Das heißt nicht, dass du alles, was dich auf dieser Erde interessiert, für immer aufgeben musst: Sport, Freizeit, Hobbies, Social Media usw. Aber du darfst all das freiwillig nie an die erste Stelle setzen, die allein deinem Heiland zukommt. Nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. Nicht, weil du das nicht darfst, sondern weil du es nicht willst.

Dann stehst du am Sonntagmorgen nicht mit dem Gedanken auf: Ich muss in die Zusammenkunft der Gläubigen gehen, sondern mit der Freude: Ich darf dorthin gehen, wo mein Retter in der Mitte ist und ich Ihm begegnen kann.

 

 

Ach, dass eine Zeit gewesen,
da ich lebte nur für mich!
Ich vernahm dein sanftes Werben,
doch mein trotzig Herz erklärte:
Gar nichts du und alles ich!
Gar nichts du und alles ich!

Doch du fandst mich und ich
schaute blutend am Kreuze dich,
sah dein wunderbares Leben,
und im Herzen klang es leise:
Etwas du und etwas ich!
Etwas du und etwas ich!

Aber deines Geistes walten
zog mich näher hin zu sich.
Ich ward kleiner, du wardst größer,
und ich sprach mit Lieb und Sehnen:
Mehr Herr, du und weniger ich!
Mehr Herr, du und weniger ich!

Himmel hoch die Berge ragen,
endlos dehnt das Weltenmeer sich,
aber deine Lieb ist größer,
und sie hat mich überwältigt:
Alles du und gar nichts ich!
Alles du und gar nichts ich!

 

Theodor Monod