Überblick

Daniel – Ein Weggeführter aus Babylon

Zwei Lesebrillen

Es lohnt sich, das Buch Daniel zu studieren. Es ist wichtig, aktuell und praktisch. In unseren Bibeln finden wir es unter der Rubrik „Propheten“. Wir können dieses Buch mit zwei verschiedenen „Lesebrillen“ studieren:

  1. Die prophetische Brille: Das Buch Daniel hilft uns, biblische Aussagen über die Zukunft (z. B. im Buch der Offenbarung) besser zu verstehen. Eine Reihe von Weissagungen Daniels haben sich schon erfüllt, andere werden sich noch erfüllen.
  2. Die praktische Brille: Das Buch Daniel ist nicht nur prophetisch wichtig, sondern es ist zugleich ein Buch, das in unsere Lebenspraxis hineinspricht. Es hilft uns Gläubigen, auch in einem schwierigen Umfeld fest und treu zu unserem Herrn zu stehen und mit Ihm zu leben.

 

Der Verfasser

Schauen wir kurz den Verfasser des Buches an. Hier ein kleiner Steckbrief:

 

  • Name: Der Name Daniel setzt sich aus den beiden Worten „Gott“ und „Recht schaffen“ zusammen. Daniel bedeutet: „Gott richtet“ oder „Gott ist mächtig“. Beides ist im Leben dieses Propheten wahr geworden.
  • Herkunft: Daniel war ein Jude aus Jerusalem, von königlichem (oder vornehmem) Geschlecht. Er lebte in der letzten Zeit der Könige in Juda.
  • Alter: In Daniel 1 ist Daniel ein junger Mann (vielleicht in den letzten Teenagerjahren). In Kapitel 6 ist er ein alter Mann (deutlich über 80 Jahre alt). Sein Leben zeigt, dass der Weg des Gerechten dem glänzenden Morgenlicht gleicht, das immer heller leuchtet (vgl. Spr 4,18).
  • Beruf: Daniel war ein hochrangiger Regierungsberater am Hof des Königs von Babel, Herrscher über die ganze Landschaft Babels und zugleich ein Prophet Gottes. Sein Leben zeigt, dass Verantwortung im Beruf und Treue zu Gott Hand in Hand gehen.
  • Ort und Umstände der Niederschrift: Das Buch Daniel ist– wie einige andere Bücher im Alten Testament – nicht in Israel geschrieben worden, sondern im Exil in Babylon. Daniel war dorthin deportiert worden, weil die Juden Gott untreu geworden waren. Jerusalem war zerstört und viele Juden waren nach Babylon verschleppt worden.
  • Zeit der Niederschrift: Das Buch wurde während der 70-jährigen Gefangenschaft (606 – 536 v. Chr.) geschrieben. Daniel hat diese Zeit komplett erlebt.
  • Empfänger: Die direkten Empfänger sind uns nicht bekannt. Das Buch hat eine Botschaft für jeden, dem Gottes Wort wichtig ist und der sich für prophetische Fragen interessiert, die insbesondere den Herrn Jesus zum Mittelpunkt haben.
  • Besondere Merkmale: Daniel ist durch viele besondere Eigenschaften geprägt. Man kann ihn mit Joseph vergleichen. Beide standen schon als junge Menschen treu zu Gott und ließen sich nicht von ihrer bösen Umgebung vereinnahmen. Daniel fasste als junger Mensch einen Herzensentschluss und hielt bis zum Ende treu daran fest. Obwohl Daniel sicher nicht fehlerfrei war, berichtet die Bibel von keinem Fehlverhalten. Unter den vielen Attributen, die auf Daniel zutreffen, möchte ich an dieser Stelle drei hervorheben, die in der Bibel ganz konkret genannt werden.

 

  1. Daniel war gerecht, das heißt, er lebte nach Gottes Maßstäben (lies Hes 14,14.20).
  2. Daniel war weise (lies Hes 28,3). Diese Weisheit bekam er von Gott, weil er treu war.
  3. Daniel wird mehrmals ein vielgeliebter Mann genannt (lies Dan 9,23; 10,11.19). Das ist eine besondere Auszeichnung, die Gott nur ihm gibt.

 

Der zeitgeschichtliche Hintergrund

Um das Buch Daniel besser zu verstehen, ist es gut, einen kurzen Blick auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund zu werfen. Daniel wurde in einer Zeit geboren, in der die Königszeit in Juda zu Ende ging. Das Volk Gottes war untreu geworden und diente anderen Göttern. Deshalb musste Gott die Juden strafen. Folgendes passierte:

 

  • Jerusalem und der Tempel wurden zerstört (2. Chr 36).
  • Die Juden wurden in drei Phasen (zwischen 605 und 586 v. Chr.) nach Babel deportiert
  • die Herrlichkeit Gottes – und damit der Thron und die Regierung Gottes – verließ Jerusalem (Hes 8–11).
  • Gott übergab die Regierungsgewalt den Nationen (Dan 2,37.38). Damit begannen die „Zeiten der Nationen“ (Lk 21,24), die bis heute andauern.1
  • Gott nennt sich der „Gott des Himmels“ (je viermal in Esra, Nehemia, Daniel).
  • Israel ist vorübergehend nicht mehr das anerkannte Volk Gottes. Er nennt es „Lo Ammi“ = Nicht-mein-Volk (Hos 1,9)

 

Die Regierung in der Hand der Menschen

„Zeiten der Nationen“ bedeutet, dass Gott die Regierungsverantwortung den Nationen übergab. Darüber berichtet das Buch Daniel ausführlich. Insgesamt gibt es vier große Weltreiche:

 

  • das Babylonische Reich (ca. 609 – 539 v. Chr.)
  • das Medo-Persische Reich (ca. 539 – 330 v. Chr.)
  • das Griechische Reich (ca. 330 – 146 v. Chr.)
  • das Römische Reich (ca. 146 v. Chr. – 476 bzw. 1453 n. Chr.)

 

Die ersten drei Reiche sind Vergangenheit. Das letzte Reich ist ebenfalls längst Geschichte. Allerdings wird es in der Zukunft neu existieren, wenn die „Zeit des Endes“ kommt (nach der Entrückung der Gläubigen und vor dem sichtbaren Erscheinen des Herrn Jesus auf der Erde).

 

Das Buch Daniel spricht über diese Weltreiche. Dabei stellen sich drei wesentliche Fragen:

 

  1. Wie gehen die Nationen mit der Regierungsgewalt um?                             →  Antwort: Sie missbrauchen die Regierungsgewalt.
  2. Was ist mit Gottes Zusagen an Israel? Ist alles verloren?                            →  Antwort: Was Gott verspricht, wird Er erfüllen. Für Israel wird das wahr werden, wenn das Reich Gottes kommt und die Weltreiche enden (nach der Zeit der Drangsal).
  3. Gibt es in der Zwischenzeit einen „Überrest“ der Juden?                           → Antwort: Ja, dieser Überrest wird in Daniel und seinen drei Freunden repräsentiert. Dieser Überrest wird auch in der kommenden Zeit der Drangsal treu zu Gott stehen.

 

 

Gliederung

Das Buch Daniel hat zwei große Teile:

  • Kapitel 1–6 beschreiben die Geschichte Daniels am Hof des Königs.
  • Kapitel 7–12 beinhalten die Weissagungen Daniels.

 

Kapitel 1 ist eine Art Prolog. Kapitel 12 ist eine Art Epilog.

 

Lessons to learn

Die praktischen Lektionen, die wir aus dem Buch Daniel für uns ziehen können, sind vielfältig. Einige werden in diesem Themenheft vorgestellt. Ich möchte an dieser Stelle nur ein paar Punkte zum weiteren Nachdenken nennen:

  • Daniel gibt uns ein Beispiel, wie man von seiner Jugendzeit bis ins hohe Alter treu sein kann.
  • Daniel illustriert uns, wie man einerseits von der Welt getrennt leben und zugleich ein Licht und lebendiges Zeugnis für Gott sein kann.
  • Daniel lehrt uns, dass Gehorsam Gottes Wort gegenüber – koste es, was es wolle – immer gut und richtig ist.
  • Daniel zeigt uns, dass man als Gläubiger im Beruf erfolgreich sein und trotzdem demütig und bescheiden bleiben kann.
  • Daniel macht uns deutlich, was Vertrauen in Gott bedeutet und wie Gott sich dazu bekennt, wenn wir Ihm vertrauen.
  • Daniel ist uns ein großes Vorbild, anhaltend zu beten. Er wird in seinem Buch mehrmals als ein Beter vorgestellt, dessen Beispiel anstecken soll.

 

In Daniel 1,17 lesen wir:

„Und diesen vier Jünglingen (Daniel und seinen Freunden), ihnen gab Gott Kenntnis und Einsicht in aller Schrift und Weisheit“.

 

Ist das auch dein Wunsch? Es lohnt sich, das Buch Daniel zu lesen und sein Beispiel zu Herzen zu nehmen.

 

 



[1]  Gemeint ist die Zeit, in der Gott nicht mehr von Zion aus regiert und Israel den Nationen unterworfen – und zum Teil zerstreut – ist. Gott legt die Regierung in die Hand der Herrscher der vier Weltreiche. Es geht also um eine Zeit, die dadurch geprägt ist, dass die Nationen die politische und militärische Führung in ihren Händen halten.