Leben

Abraham – ein Lebensbild

Das Leben Abrahams führt uns von Mesopotamien nach Kanaan und Ägypten und umfasst die Zeit zwischen 2200 v. Chr. und 2000 v. Chr.

 

Geboren wird Abram, so sein Geburtsname, ungefähr 2166 v. Chr. in der Stadt Ur am Unterlauf des Euphrats. Dort wächst er auf und heiratet Sarai, seine Halbschwester, die Tochter seines Vaters Tarah, aber nicht seiner Mutter. Ihre Ehe bleibt über Jahrzehnte kinderlos.

 

Abraham wächst damit in der Wiege der Zivilisation auf: Hier, in Mesopotamien, entsteht die Keilschrift, schließt man bereits Kauf-, Kredit- und Eheverträge ab, hier entsteht die älteste bekannte Rechtssammlung. Man benutzt objektunabhängige Zahlenbegriffe, kann Mond- und Planetenbahnen berechnen, und die noch heute gültige Einteilung eines Kreises in 360 Grad und der Stunde in 60 Minuten hat hier ihre Wurzeln. Ur ist ein Stadtstaat, damit ein komplexes politisches Gebilde, gleichzeitig Teil eines ausgedehnten Handelsnetzes. Man kennt bereits arbeitsteilige Wirtschaftsformen, wo ein Arbeiter nicht ein gesamtes Produkt herstellt, sondern nach Erledigen einer Teilaufgabe das Produkt an den nächsten in der Kette weitergibt, sowie eine zentrale Wasserversorgung wie auch Müllentsorgung. Es gibt Chöre, Instrumentalisten und kleinere Orchesterensembles und die Goldschmiedekunst zeigt eine bis heute nur selten erreichte Qualität.

 

Gottes Ruf ist deshalb für ihn wie ein Bruch, ein Abschied von allem. Er wird herausgerufen – ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Und er geht. Einfach erstaunlich! Zunächst noch im Familienverbund, wohl unter Führung seines Vaters Tarah, erreicht er das gut 1000 km entfernte Haran, die Grenze des mesopotamischen Kulturraums. Dort bleibt er, bis Tarah stirbt. Dann – Abram ist mittlerweile 75 Jahre alt – bricht er auf und zieht Richtung Süden über Sichem bis in die Nähe von Bethel. Lot, sein Neffe, begleitet ihn.

 

Eine Hungersnot treibt ihn weiter bis nach Ägypten. Dort will er bleiben, bis die Dürrezeit vorbei ist. Da er Angst um sein Leben hat, gibt er Sarai fälschlicherweise (nur) als seine Schwester aus und die Ägypter rekrutieren die fremdländische Schönheit für den Harem des Pharaos, eine damals übliche Praxis, wie Funde und alte Texte beweisen. Doch Gott greift ein, die Lüge wird entlarvt und Abram und Sarai müssen – zwar mit Reichtümern ausgestattet, jedoch blamiert – das Land verlassen. Sie ziehen zurück in die Nähe von Bethel.

 

Mittlerweile besitzen Abram und Lot große Herden. Das führt zu Spannungen und so schlägt Abram vor, sich zu trennen. Er überlässt seinem Neffen die Wahl und der wählt die Ebene von Sodom. Als Lot ihn verlassen hat – und Abram sich damit gemäß dem Ruf Gottes auch noch von seiner Verwandtschaft getrennt hat –, fordert Gott ihn auf, das gesamte Land zu durchziehen und in Augenschein zu nehmen. Anschließend kehrt er nach Hebron zurück.

 

Überwiegend ist die geopolitische Lage zwischen Kanaan im Westen und Mesopotamien im Osten durch stabile und monarchische Machtverhältnisse gekennzeichnet. Doch es gibt auch Jahrzehnte, in der Bündnisse, Aufstände und Truppenbewegungen wie der Kampf der vier Könige gegen die fünf Könige üblich sind. Bei dieser Auseinandersetzung gerät Lot zwischen die Fronten und wird gefangengenommen.

 

Abram zieht deshalb aus mit 318 Männern, die in seinem Haus geboren sind, um Lot zu befreien. Zusammen mit Frauen und Kindern dürfte das Gefolge Abrams damit mindestens 1000 Personen umfassen – und somit größer sein als viele umliegende Städte. Abram ist mittlerweile ein „Machtfaktor“ und ein Vertragspartner, den man ernst nehmen muss.

 

Nun begegnet Gott ihm erneut. Abram erwähnt, dass er weiter kinderlos sei und der Erbe seines Hauses wohl sein Hauptknecht Elieser von Damaskus sein würde. Doch Gott verheißt ihm einen Sohn. Kurze Zeit später schlägt Sarai ihrem Mann ihre Magd Hagar als Zweitfrau vor. Abram geht darauf ein und so wird Ismael geboren, als er 86 Jahre ist. Beide Überlegungen, bei Kinderlosigkeit ein Mitglied des Hausstandes als Erben einzusetzen oder stellvertretend durch eine Magd ein Kind zu bekommen, sind im Vorderen Orient in dieser Zeit gut bezeugt – und doch falsch, weil Gott eine andere „Lösung“ verheißen hat.

 

Viele Jahre vergehen, dann, als Abram 99 Jahre alt ist, erscheint Gott ihm erneut. Er ändert seinen und Sarais Namen und verheißt ihnen übers Jahr einen Sohn. Er kündigt aber auch an, dass Er Sodom und Gomorra vernichten wird. Abraham fleht für die Gerechten in dieser Stadt und Gott rettet Lot, die beiden Städte aber werden zerstört.

 

Wenig später macht Abraham sich erneut auf und zieht Richtung Süden. Er hält sich in Gerar auf und greift noch einmal auf die „Nur-Schwester-Lüge“ zurück. Wieder greift Gott ein und führt ihn aus dem Lügengespinst heraus. Ein Jahr später wird dann Isaak geboren. Als dieser entwöhnt ist, schickt Abraham auf Geheiß Gottes Ismael fort – und handelt damit gegen die Bräuche seiner Zeit. Er wohnt nun in Beerseba, und die Philister, seine Nachbarn, schließen einen Nichtangriffspakt mit ihm.

 

Jahre später fordert Gott ihn dann auf, nach Morija zu ziehen und seinen Sohn Isaak dort zu opfern. Abraham gehorcht und vertraut den Zusagen Gottes, indem er schlussfolgert, „dass Gott auch aus den Toten aufzuerwecken vermag“ (Heb 11,19) – und Gott erneuert seine Segensverheißungen.

 

Es folgen Jahrzehnte, zu denen Gott schweigt. Als er 137 Jahre alt ist, stirbt Sara. Um sie zu begraben, kauft er ein Feld und eine Höhle. Die geschilderten Kaufvertragsverhandlungen sind typisch für diese Zeit und Gegend, wie archäologische Funde beweisen.

 

Dann schickt Abraham seinen ältesten Knecht nach Haran, um für Isaak eine Frau zu werben. Auch das, Ehebündnisse mit weit entfernten Personen einzugehen, lässt sich für die damalige Zeit nachweisen. Zurück kommt der Knecht mit Rebekka, die die Frau von Isaak wird.

 

Schließlich ordnet Abraham seinen Besitz, gibt den Söhnen seiner Nebenfrauen Geschenke und setzt Isaak als Haupterben ein über alles, was er hat. Er stirbt im Alter von 175 Jahren und wird von Isaak und Ismael in der Begräbnisstätte begraben, die für Sara gekauft hat. Es ist das einzige Stück Land, das Abraham im verheißenen Land erworben hat.