Personen in der Bibel

Ittai – Ein entschiedener Nachfolger eines verworfenen Königs (2. Sam 15)

Abraham, Mose, David, … - na klar, diese Glaubensmänner kennt jeder Bibelleser. Aber wie sieht es mit Ittai aus?

Vielleicht fragst du dich: Wer ist denn Ittai? Ittai ist eine von vielen interessanten Personen im Alten Testament, die wir kaum kennen, weil die Bibel uns nur wenig von ihnen mitteilt. Deshalb ist Ittai aber noch lange keine Randfigur. Denn das, was wir in 2. Samuel 15,17-22 über diesen Mann erfahren, ist beeindruckend und lehrreich.

 

Die Situation (V. 17-18)

König David war in großen Schwierigkeiten: Sein Sohn Absalom hatte eine Revolte angezettelt, um ihn vom Thron zu stürzen und um an seiner Stelle König von Israel zu werden. Der Großteil des Volkes schien auf Absaloms Seite zu stehen, so dass König David sich genötigt sah, seinen Regierungssitz in Jerusalem fluchtartig zu verlassen. Auf dem Weg hinaus aus der Stadt folgen ihm seine engsten Getreuen.

Am Ortsausgang hält David an und lässt den traurigen Zug an sich vorbeiziehen, um zu sehen, wer bereit ist, seine Verwerfung zu teilen. Jetzt zeigt sich, wer wirklich auf Davids Seite steht. Bei dieser Musterung fällt Davids Blick auf Ittai, den Anführer einer größeren Schar von Männern und Familien (V. 22).

 

Ittais Herkunft (V. 19-20)

Ittai war kein Israelit, sondern gehörte zum Volk der Philister. Er kam – ebenso wie Goliath – aus der Philisterstadt Gat, die David eingenommen hatte (1. Chr 18,1). Umso bemerkenswerter ist, dass Ittai jetzt in dieser Krisensituation zu David steht. Aus dem Philister war ein Freund Davids geworden!

Wir waren Feinde Gottes (Röm 5,10) und gehörten nicht zum Volk Gottes (vgl. Eph 2,11-12). Aber durch den Glauben an den Herrn Jesus, „unseren David“, zählen wir nun zu seinem himmlischen Volk und folgen Ihm nach.

Ittai lebte erst seit kurzem in der Stadt Jerusalem. Das nimmt David zum Anlass, um ihn verwundert zu fragen, warum er nicht bei Absalom bleiben wolle. Gerade erst ein neues Zuhause gefunden und jetzt schon wieder auf der Flucht?

Nachfolge ist nicht nur etwas für ältere und reife Christen. Wenn du wie Ittai ein „Neuling“ bist, der erst vor kurzem zum Herrn Jesus gekommen ist, darfst du Ihm sofort in Treue folgen.

 

Ittais Entscheidung (V. 21)

David erprobt die Treue Ittais und eröffnet ihm die bequeme Möglichkeit, beim König (!) Absalom in Jerusalem zu bleiben: „Kehre um und bleibe beim König.“ Aber Ittai denkt gar nicht daran umzukehren. Ohne eine Sekunde zu zögern, gibt er eine eindrucksvolle Antwort: „So wahr der Herr lebt und mein Herr, der König, lebt, an dem Ort, wo mein Herr, der König, sein wird, sei es zum Tod, sei es zum Leben, dort wird auch dein Knecht sein!“

Was für ein entschiedenes Bekenntnis! Zweimal spricht Ittai in seiner kurzen Antwort David mit Herr und König an: „Ich soll beim König bleiben?! Genau das werde ich tun, David, aber du bist mein König!“ Wie wird David sich über diese unerwartete Loyalität gefreut haben! Selbst wenn die Menge dem falschen König Absalom hinterherlief – für Ittai gab es keinen Zweifel, dass David der rechtmäßige König war. Dieser Person wollte er folgen, selbst wenn es ihn das Leben kostete („sei es zum Tod“). Und im Moment sah es ganz danach aus, als ob Ittai sich auf die Seite eines Verlierers schlagen würde.

Anhänger eines mächtigen und herrschenden Königs zu sein, ist nicht so schwierig; aber Nachfolger eines verworfenen Königs zu sein, bringt Verzicht, Selbstverleugnung und sogar Gefahr mit sich. Ittai hatte die Kosten überschlagen und trotz offensichtlicher Nachteile einen Herzensentschluss für David getroffen.

Der Herr Jesus wird heute in dieser Welt abgelehnt. Sich entschieden auf seine Seite zu stellen, ist nicht immer leicht. Ja, echte Nachfolge kostet etwas. Aber Christus ist es wert. Seine Person wiegt alle Nachteile auf. Und es lohnt sich, auf Christus zu setzen!

Ittai wollte an dem Ort sein, wo David sich aufhalten würde. Egal wo – Hauptsache, David war dort. Ittais Entscheidung erinnert uns an die Moabiterin Ruth, die in einer ähnlichen Situation – ebenfalls als Fremde – sich mit ihrer Schwiegermutter Noomi verbindet: „Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, um hinter dir weg umzukehren; denn wohin du gehst, will ich gehen, und wo du weilst, will ich weilen; dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott; wo du stirbst, will ich sterben, und dort will ich begraben werden.“ (Rt 1,16-17).

Nachfolge bedeutet genau das: „Wo du bist, möchte ich sein.“. Ein hervorragendes Lebensmotto für einen Jünger Jesu! Nahe bei Jesus zu sein, ist der Schlüssel zu einem glücklichen und erfüllten Glaubensleben. „Wenn mir jemand dient, so folge er mir nach; und wo ich bin, da wird auch mein Diener sein“ (Joh 12,26). Eigentlich beziehet sich dieser Vers darauf, dass wir einmal da sein werden, wo der Herr Jesus jetzt schon ist. Aber sicher kann man folgende Anwendungen machen: Wenn ich weiß, dass Christus im Himmel ist, möchte auch ich mich viel in den himmlischen Örtern aufhalten, indem ich mich mit dem verherrlichten Herrn beschäftige: „Sucht, was droben ist, wo der Christus ist.“ (Kol 3,1). Oder: Wenn der Herr Jesus seine persönliche Gegenwart in den Zusammenkünften der Gläubigen verheißen hat, die in seinem Namen versammelt sind (Mt 18,20), möchte auch ich dort sein.

 

Ittais Vorbild (V. 22)

Hocherfreut über die Treue und Hingabe Ittais antwortete David ihm: „Komm und zieh hinüber!“ Einen solchen Mann konnte David bestens gebrauchen. Aber Ittai kam nicht allein: Seine Männer samt den kleinen Kindern zogen mit ihm über den Bach Kidron hinter David her. Ittai war ein Leuchtturm, an dem sich andere orientierten! Seine persönliche Entscheidung motivierte die Menschen in seinem Umfeld, es ihm gleich zu tun und David zu unterstützen.

Meine Umgebung soll merken, dass ich mit Entschiedenheit dem Herrn Jesus nachfolge. Besonders solchen, die Orientierung suchen, möchte ich ein gutes Vorbild sein – vielleicht sind das jüngere Gläubige in der Versammlung am Ort oder auch die eigenen Kinder. Meine Freude an meinem Herrn soll ansteckend für andere sein.

 

Wie geht es weiter? (2. Sam 18,1-2)

Ein letztes Mal lesen wir in 2. Samuel 18 von Ittai. Kurze Zeit nach der geschilderten Begebenheit kommt es zur Entscheidungsschlacht zwischen dem Heer Absaloms und den Truppen Davids. Davids Schlachtplan sieht vor, dass die Soldaten in drei Gruppen aufgeteilt werden. Eine dieser Gruppen soll Ittai befehligen. Ittai – plötzlich ein Heerführer Davids! Welch ein Vertrauensbeweis für einen „Ausländer“, der wahrscheinlich erst kurze Zeit an Davids Seite war! Ittais bedingungslose Hingabe muss David so stark beeindruckt haben, dass er diesen Kämpfer bedenkenlos in eine verantwortungsvolle Position setzen konnte.

  • Unser Herr Jesus Christus, der wahre David, beantwortet unsere treue Nachfolge häufig damit, dass Er uns ein erweitertes Aufgabenfeld gibt. „Wer im Geringsten treu ist, ist auch in vielem treu“ (Lk 16,10).
  • Schließlich siegen die Truppen Davids, Absalom wird getötet und David kehrt als König wieder auf seinen Thron nach Jerusalem zurück. Am Ende des Tages steht Ittai auf der Seite des Siegers; Ittai hat die richtige Entscheidung getroffen!
  • Wir teilen heute die Verwerfung des Herrn Jesus und werden dafür in Zukunft auch seine Herrlichkeit teilen. Dann wird sichtbar werden, dass wir auf der Seite des wahren Königs stehen. Dann werden wir für Einsatz und Opferbereitschaft belohnt werden. „Wenn wir ausharren, so werden wir auch mitherrschen.“ (2. Tim 2,12).