Bibelstudium
Einleitende Bemerkungen zum Propheten Obadja (7): Warum wird Edom gerichtet?
Gericht ist eigentlich kein schönes Thema. Dennoch sind die Propheten des Alten Testaments voll davon. Mit welchem Ziel? Weil Gott die Erde so darauf vorbereiten wird, den Herrn Jesus als Herrn der Herren und König der Könige aufzunehmen. Diese Zubereitung ist angesichts der Unmoral und Gewalttat auf dieser Erde unabdingbar. Warum trifft es in diesem Fall die Nachkommen Esaus? Einige Gründe für das Gericht über Edom haben wir uns schon angesehen. In dieser Folge sehen wir uns zuerst an, wieso das Urteil über dieses Volk derart radikal ist. Dann betrachten wir das schöne Thema „Zion“ etwas genauer. Schließlich wenden wir uns einem dritten „Schlüssel“ unseres Propheten zu.
10. Warum ist das Gericht über Edom so radikal?[1]
In Vers 10 des Propheten Obadja heißt es: „Wegen der an deinem Bruder Jakob verübten Gewalttat wird Schande dich bedecken, und du wirst ausgerottet werden auf ewig.“ In Vers 18 wird die Endgültigkeit des Gerichts unterstrichen: „Und das Haus Esau wird keinen Übriggebliebenen haben, denn der Herr hat geredet“ (vgl. auch Hes 35,9-15).
Man fragt sich, warum das Urteil über dieses Familienvolk Judas derart scharf und absolut ist. Denn selbst bei einem so bösen Volk wie Moab, also ebenfalls aus der erweiterten Familie Judas (die Kinder Lots, des Neffen Abrahams), heißt es: „Aber ich werde die Gefangenschaft Moabs wenden am Ende der Tage, spricht der Herr“ (Jer 48,47). Für Moab gibt es somit die Möglichkeit der Umkehr und Wiederbelebung, nicht aber für Edom.
Nun muss man zunächst unterscheiden: In diesen Weissagungen geht es um Völker, nicht um Einzelpersonen. Natürlich hat jeder Einzelne die Möglichkeit, sich zu Gott zu bekehren. Das gilt auch für jeden aus der Nation Edoms. Aber für das Volk als solches gab es diese Chance ab dem Gericht, das Obadja und andere aussprachen, nicht mehr. Maleachi erklärt uns, warum das so ist: „Und ich habe Jakob geliebt, Esau aber habe ich gehasst, und ich habe seine Berge zur Wüste gemacht und sein Erbteil für die Schakale der Steppe“ (Mal 1,2.3). Das Handeln der Nachkommen Esaus war derart böse und ihre Haltung Gott hassend, dass Er dies mit einem absoluten Gericht beantwortete. Gott hasst die Sünde (Hab 1,13). Und Edom war durch seinen Hass gegenüber dem Volk Gottes, eine derart schlimme Sünde, dass Paulus sich deswegen im Neuen Testament den ersten der Sünder nennt (1. Tim 1,13-15), und damit Gottes selbst zum Gegenstand der Abscheu Gottes geworden.
Nun ist wichtig zu verstehen, dass Edom heute nicht existiert, aber noch einmal wiedererstehen wird. Das machen die Weissagung Bileams (4. Mo 24,17.18) und andere prophetische Aussagen klar (Ps 108,7-11).
Die Brutalität der Edomiter gegen ihr Brudervolk Israel war derart schlimm in den Augen Gottes, dass Er eine solch vernichtende Strafe über sie aussprach. Das galt umso mehr, als Israel Edom gegenüber keine Gewalt anwenden sollte: Gott untersagte es Israel, am Ende der Wüstenreise die Nachkommen Esaus anzugreifen, woran sich das Volk auch hielt (5. Mo 2,4.5).
Auch die Schadenfreude, die im Handeln Edoms ab V. 11 dargestellt wird, war in Gottes Augen so abscheulich, dass Er ein endgültiges Gericht aussprach. Das sollte uns eine Warnung sein, in Wort und Tat Häme oder Brutalität zu offenbaren.
15. Was ist mit dem Berg Zion gemeint?
In den Versen 17 und 21 lesen wir vom Berg Zion. Das ist ein Ausdruck, der oft im Alten und im Neuen Testament vorkommt. Er bezieht sich zunächst auf einen buchstäblichen Berg in Jerusalem. Er ist einer der Berge, auf denen die Stadt erbaut worden war. Zion wird häufig als „Stadt Davids“ bezeichnet, da dieser dort gewohnt hat und die Stadt prägte. Über diesen Berg nahm David zusammen mit Joab zudem die Stadt ein (2. Sam 5,7; 1. Kön 8,1; Ps 48,3). Das heißt, in vielen Fällen kann man „Zion“ und Jerusalem als Stadt Davids gleichsetzen.
Im übertragenen und vorbildlichen Sinn ist „Zion“ ein Hinweis auf die souveräne Gnade Gottes (Ps 14,7; 20,3 usw.). Während der Berg Sinai für die Verantwortung des Volkes Israel steht, das Gesetz nicht eingehalten zu haben, ist Zion der Inbegriff der Gnade, mit der Gott den König nach seinem Herzen einsetzte und zum Wohl seines Volkes eingriff (Ps 2,6.7; 102,14; Jes 30,19). Immer wieder hat Gott Israel bzw. Juda gerettet. Das wird Er auch im Blick auf das Tausendjährige Reich erneut tun. Dort wird „Zion“ das Zentrum der königlichen Herrschaft Christi, des Messias, sein (Jes 52,1-8; 60,14; Sach 8,1-3; 9,9-12). Gerade die beiden Verse in unserem Propheten (17 und 21) zeigen sehr schön, wie Zion ein Symbol der rettenden Gnade ist, die Gott seinem irdischen Volk durch Christus schenken wird.
Zion steht in Verbindung mit der Erde und irdischem Segen. Deshalbwird die Versammlung nicht als „Zion“ bezeichnet“. In Hebräer 12,22 geht es um das Prinzip der Gnade, nicht um die Versammlung als solche. Aber die Zion-Gnade ist genau das, wozu auch wir gekommen sind. Ohne Gottes Gnade durch Christus gäbe es für uns ebenfalls keinen Segen. Und ist nicht Christus, der wahre Eckstein, auch für uns auserwählt, kostbar, der Gegenstand unseres Glaubens (1. Pet 2,6.7)?
22. Wo finden wir die Wiederherstellung Israels bzw. Judas?
Damit kommen wir zum dritten Schlüssel an unserem Schlüsselbund. Petrus hatte den Juden mitgeteilt, dass jeder Prophet von der Wiederherstellung Israels bzw. Judas gesprochen hat. (Apg 3,24). Das trifft also auch auf Obadja zu.
Im 17. Vers werden wir fündig: „Aber auf dem Berg Zion wird Errettung sein, und er wird heilig sein; und die vom Haus Jakob werden ihre Besitzungen wieder in Besitz nehmen.“
Eigentlich spricht Obadja hauptsächlich vom Gericht über Edom und den Gründen dafür. Hier aber wechselt er das Thema. Jetzt zeigt der Geist Gottes, dass Juda im Kontrast zu Edom eine wunderbare Zukunft haben wird. Auf dem Berg Zion wird es durch die Gnade der Regierung Davids sowie besonders des Sohnes Davids Errettung für die Juden geben.
Diese Rettung wird umfassend sein. Jeden Besitz früherer Zeit wird Gott seinem Volk zurückgeben. Sie werden sogar, wenn man sich die Grenzen in Josua 1 und Hesekiel 47-48 anschaut, Herrschaft über Gebiete haben, die über alles hinausgehen, was Israel jemals besessen hat. In der Zeit Salomos gab es zwar indirekt eine solche Ausdehnung (1. Kön 5,1; 2. Chr 9,26). Dann aber werden sie diesen Umfang unter der Herrschaft des wahren Sohnes Davids, unseres Herrn Jesus Christus, vollständig besitzen.
Auf der Basis göttlicher Heiligkeit (V. 17) kann Gott einen Überrest seines irdischen Volkes in Zukunft wieder als sein Volk annehmen. Sie werden durch eine schlimme Drangsalszeit hindurchgehen müssen (Mt 24,21) und dadurch moralisch gereinigt werden. Gott wird mit ihnen dann den neuen Bund schließen, den schon Jeremia ankündigt (Jer 31,31-34).
Wer schenkt ihnen diese vollständige Rettung und Wiederherstellung? Christus selbst! „Das Reich wird dem Herrn gehören“(V. 21). Er bringt ihnen Rettung und Segen. Ohne Ihn gäbe es keine Hoffnung für sie. Sein Gebet am Kreuz war dafür die unbedingte Voraussetzung: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Ihr Tun machte aber nötig, dass Gott sie strafte und züchtigte. Dann aber folgt echter, dauerhafter Segen. Vom Gericht spricht der Prophet in den Versen 15.16. Dort bezieht es sich auf alle Nationen. Eine davon ist aktuell auch das Volk Israel. Danach aber schenkt Gott Errettung. Die kann es erst mit dem zweiten Kommen Jesu geben.
[1] Ich benutze die Nummerierung dieser „Fragen“ bzw. Zwischenüberschriften aus dem zweiten Teil der Artikelserie. So kann man beides besser miteinander vergleichen.
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