Bibelstudium

Der zweite Brief des Petrus (Teil 2)

„Eine Lampe an einem dunklen Ort“
Kapitel 1,16-2,22

Petrus hat seine Briefempfänger gleich zu Beginn des Briefes deutlich auf die wirklich wichtigen, froh machenden „Dinge“ hingewiesen. Dazu gehört auch der Blick in die herrliche Zukunft. Das führt direkt zu weiterem Unterricht – über Christus, das große Zentrum der Zukunft, und über die Propheten. neben den von Gott geleiteten Propheten gab es und gibt es zahllose falsche Propheten und wird es leider auch weiterhin geben. Deren Wirkungsweise skizziert Petrus in so plakativen Ausdrücken, dass jeder merken muss: Das ist der Weg abwärts, weg vom Herrn. Dieses schockierende Gemälde der Christenheit könnte in der heutigen Zeit gemalt worden sein …

Christus, das göttliche Zentrum der Prophetie (1,16-21)

Das Reich Gottes „in Miniatur“ (Vers 16-18)

War das „ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus“ (1,11) nur eine ausgeklügelte Konstruktion (1,16) von einigen Übereiferern? Weit gefehlt: Schon Christus selbst hatte vor der großartigen Szene auf dem heiligen Berg angekündigt, dass die Jünger in dieser Vision das Kommen des Sohnes des Menschen in seinem Reich sehen würden (Mt 16,28). Welche Hauptpunkte dieses Ereignisses stellt Petrus seinen Adressaten vor?

  • Er und seine Mitjünger waren Augenzeugen der herrlichen Größe des Herrn Jesus geworden – und zwar seiner Größe als „König“ (Vers 11.16).
  • Dort empfing der Herr größte Wertschätzung und Herrlichkeit von seinem Vater, der über Ihn sagte: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe“ (Vers 17).
  • Diese Aussage hörten die Jünger vom Himmel her ergehen – es war also eindeutig eine Offenbarung Gottes (Vers 18).

Warum spricht man gerne von dieser Szene als von der Darstellung des Reiches Gottes „in Miniatur“? Weil alle wichtigen Personen, Themen und Gruppen dieser künftigen Zeitepoche repräsentiert werden:

  • Der Herr Jesus selbst, als Zentrum des ganzen Geschehens;
  • der Vater, Zeuge der herrlichen Szene;
  • die Hauptthemen: das Werk des Herrn Jesus am Kreuz („seinen Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte“, Lk 9,31) und die Freude des Vaters am Sohn;
  • die Hauptgruppen im Tausendjährigen Reich: die verherrlichten Gläubigen (Mose – durch den Tod; Elia – durch Entrückung), vom Himmel her kommend, und das Volk Israel (die drei Jünger) auf der Erde.

Nutzen und Grenzen der Prophetie (Vers 19-21)

Das prophetische Wort, die Aussagen der Propheten des Alten Testaments, wurde durch diese Offenbarung des Herrn Jesus auf dem Berg deutlich bestätigt. Was hat das für Konsequenzen für die Leser dieses Briefes? Es sind im Wesentlichen zwei:

  1. Das Achten auf diesen Teil der Bibel (immerhin mehrere hundert Seiten!) ist segensreich, denn es kontrastiert die Schmutzigkeit, die Dürre1 dieser Welt mit dem hellen Licht der Herrlichkeit des Herrn Jesus in seinem Reich. So werden wir innerlich auf Distanz zu unserer Umgebung bleiben.
  2. Andererseits sollten die Leser – die ja stark vom jüdischen Standpunkt aus dachten – auch weiterkommen und verstehen, dass Gott für sie als Christen noch mehr bereit hält als das Friedensreich: Sie waren doch „Söhne des Tages“ (1. Thes 5,5), da sollte der „Tag“ des Christentums, die wunderbare Wahrheit über den Herrn Jesus als verherrlichtem Menschen im Himmel, in ihren Herzen schon jetzt anbrechen; und ebenso sollten sie sich auch auf den Herrn Jesus als den Morgenstern freuen, der vor seiner Erscheinung in Herrlichkeit2 die Gläubigen zu sich nehmen wird. Kennen wir etwas von den himmlischen Segnungen als Christen, und löst das Wissen um den kommenden Herrn Freude in unseren Herzen aus?3

Doch wie kann denn diese Lampe der Prophetie, der Weissagungen des Alten und jetzt auch des Neuen Testaments, hell leuchten und vor falschen Lehrern und Schlüssen geschützt werden? Zu dieser wichtigen Frage führt Petrus zwei wesentliche Elemente über die Prophetie und damit das Wort Gottes überhaupt „ins Feld“:

  1. Die einzelnen Bibeltexte hängen nicht einzeln „in der Luft“, sondern bilden ein zusammengehöriges Ganzes, ein großartiges „Netzwerk“. Deshalb kann man die Bibel auch nur dann verstehen, wenn man Texte miteinander vergleicht – sie ergänzen und vertiefen einander4 (Vers 20).
  2. Dieses „Netzwerk“ kann unmöglich durch „den Willen des Menschen hervorgebracht“ worden sein – das hätte ein riesiges Chaos gegeben. Doch Gott, der Heilige Geist, steht als eigentlicher Autor hinter allen Bibeltexten. „Heilige Menschen“ redeten, auch mit eigenem Stil und Empfinden, aber letztlich wurden sie getrieben, geführt vom Heiligen Geist. Das Ergebnis? Ein wunderbares, einzigartiges, irrtumfreies Buch – Gottes heiliges Wort. Schätzen wir es genügend?

Abfall und Gericht der Christenheit (2,1-22)

Falsche Lehrer – ihre Praxis und ihre Zukunft (2,1-3)

Das zweite Kapitel dieses Briefes ist eines der dunkelsten des ganzen Neuen Testaments. Es werden schlimme Menschen mit ihren ebenso schlimmen Praktiken beschrieben – und das Erschütterndste dabei ist: Diese Personen treiben ihr Unwesen inmitten der Christenheit! Doch das Kapitel hat auch seine gute Seite: Der Niedergang der Christenheit ist für wahre Christen nichts Überraschendes, denn er wurde in Gottes Wort, so auch hier, vielfältig5 vorausgesagt. Wir wollen uns dieses Gemälde in drei Etappen anschauen und uns vor jeder „Ansteckung“ bewahren lassen.

Fünf Tätigkeiten der falschen Propheten beschreibt Petrus zu Beginn, und auch einige ernste Folgen:

  1. Sie führen Verderben bringende Sekten ein – Sonderlehren und Überbetonungen einzelner Lehren, am liebsten mit sich selbst als neuen Führern.
  2. Sie verleugnen ihren Gebieter, den Herrn6 – sie bekennen sich zu Christus, missachten aber seine Lehren. Folge: schnelles Verderben.
  3. Viele Menschen werden ihnen in ihren Ausschweifungen, ihrem ungöttlichen Lebensstil, folgen. Heute sind es Millionen, die überhaupt nicht nach Gottes Wort fragen, sondern bösen Anführern folgen.
  4. Dadurch wird der „Weg der Wahrheit verlästert“7 – wie traurig, und wie hinderlich für die Ausbreitung der guten Botschaft! „Das sollen Christen sein!“, „Die Kirche hat abgewirtschaftet“ – so oder ähnlich schallt es treuen Christen entgegen.
  5. Diese Führer haben ein Gespür für Macht, Prestige und Geld – „religiöse Ausbeuter“ unter dem Deckmantel des Christentums. Wie viele Millionen Dollar und Euro sind bereits vom „Fußvolk“ erpresst worden! Doch die Folgen werden nicht ausbleiben: Gericht und sicheres Verderben.

Beispiele von Gottes gerechtem Gericht (2,4-9)

Vielleicht scherzen solche Irrlehrer über das hier angekündigte Gericht und ziehen es in Zweifel. Doch Petrus zeigt an drei negativen und einem – überraschend – positiven Beispiel das Gesetz von Saat und Ernte auf:

  1. Selbst Engel, die zur Zeit Noahs gesündigt hatten (durch unerlaubten geschlechtlichen Verkehr mit Menschen, vgl. 1. Mo 6,2), wurden bereits damals nicht verschont und werden aufbewahrt für das Gericht (Vers 4);
  2. Auch die Welt vor der Flut „erntete“ das gerechte Gericht Gottes (1. Mo 7,17-24) – nur Noah als Gerechter blieb mit seiner Familie verschont (Vers 5);
  3. Sodom und Gomorra, im ganzen Alten Testament als traurige „Schulbeispiele“ für offene Sünde8, wurden eingeäschert (1. Mo 19,23-25)– als warnendes Beispiel für nachfolgende Generationen (Vers 6);
  4. Dagegen wurde Lot, von dem hier zum einzigen Mal in der Bibel bezeugt wird, dass er ein Gerechter war, gerettet (1. Mo 19,29)– „wie ein Brandscheit, das aus dem Feuer gerettet ist“ (Amos 4,11).

Die Schlussfolgerung aus diesen Beispielen ist eindeutig und wird in Vers 9 beschrieben:

  • Der Herr weiß, die Gottseligen aus der Versuchung (oder Prüfung) zu retten;
  • ebenso sicher weiß Er, die Ungerechten aufzubewahren für das Gericht.

Irrlehrer in der christlichen Welt – Kontrast-Agenda für entschiedene Jünger (2,10-22)

Zwei Wesenszüge kennzeichnen die von Petrus beschriebenen Irrlehrer, bis heute:

  • Sie leben „ohne Rücksicht auf Verluste“ ihre eigenen Begierden, Neigungen aus;
  • sie scheuen nichts und niemanden, keine noch so hohen Autoritäten; selbst Apostel und ihre Worte werden heute ohne viel Federlesens zur Seite geschoben.

Was kann uns mehr helfen, als inmitten dieser gottlosen Christenheit mit einem festen Entschluss des Herzens weiter unserem Erlöser und seinem Wort treu zu folgen! So wollen wir dem bösen Treiben der Irrlehrer die gute Praxis aus Gottes Wort entgegenstellen:

  1. Vers 12/13: „Diese“ Personen gebärden sich wie unvernünftige Tiere und lästern Dinge, die sie nicht kennen (Beispiele heute: der Sühnungstod und die Auferstehung des Herrn, Errettung aus Gnade, Hoffnung der Herrlichkeit) – wahre Christen dagegen dürfen besonnen, vernünftig, vom Geist erfüllt sein und so den Willen des Herrn erkennen und freudig ihren Weg gehen (Eph 5,17-19).
  2. Vers 13: Die entarteten „Führer“ und ihre Anhänger scheuen sich nicht vor Festgelagen, Prassereien bei Tage (Beispiele heute: Karneval unter dem Segen der Kirche, christliche Rock- Festivals) – wahre Christen dagegen sagen nein zu „weltlichen Begierden“ und ja zu froher Gemeinschaft in Schlichtheit und Reinheit (Tit 2,12; Apg 2,46).
  3. Vers 14: Gierig nehmen sie Gelegenheiten zum Ehebruch – wörtlich oder auch bildlich als unheilige Allianz mit der Welt – wahr, lassen dann auch nicht davon ab; zudem reißen sie andere, unbefestigte Leute mit ins Elend (Beispiele heute: Leben in Scheidung, „Seitensprung“, Mitfeiern auf weltlichen Festen) – wahre Christen dagegen möchten dem Herrn als „reine Jungfrau“ entgegengehen, von der Sünde lassen und Mitchristen befestigen (2. Kor 11,2; Spr 28,13; Apg 14,22).
  4. Vers 14-16: Trainiert in der Gier nach Geld, Ansehen, Vermögen lassen sie alle guten Maßstäbe fallen und irren als „Kinder des Fluches“ wie Bileam komplett von dem „geraden Weg“ ab (Beispiele heute: Wohlstandsevangelium, „Heiler“) – wahre Christen dagegen arbeiten, um weitergeben zu können, sind Kinder des Segens und freuen sich über den Pfad des Gerechten (Eph 4,28; 1. Pet 3,9; Spr 4,18).
  5. Vers 17-19: Sie halten substanzlose, hochtrabende Reden, locken aber trotz ihres schlimmes Auftretens durch rauschende Feste immer wieder Menschen an; dabei erreichen sie gerade solche Personen, die sich nach Besserem sehnen – doch die Verführer sind selbst Sklaven, ihre Freiheitspropaganda stößt ins Leere (Beispiele heute: theologische Stellungnahmen zu Themen der Zeit ohne Gottes Wort als Basis, charismatische Verführer) – Christen dagegen möchten Worte reden, die den Hörenden Gnade darreicht, sie beten für die echte Umkehr ihrer Mitmenschen und genießen die christliche Freiheit in der Kraft des Geistes (Eph 4,29; 1. Tim 2,2.3; Gal 5,1-13).

Gericht über Verführer und Verführte (2,20-22)

Es erstaunt uns wenig, dass Gott dieser untreuen Christenheit bald „den Prozess machen“ wird; eher staunen wir über die Langmut Gottes, der auch in dieser Zeit noch abwartet, um Menschen zu retten (2. Pet 3,9). Ist uns das auch ein Anliegen, für das wir beten und leben?

Gerade unter den Menschen aus dem Judentum hatten manche eine äußere Wendung zum Christentum vollzogen (Verse 20.21):

  • Sie hatten den Herrn Jesus „erkannt“ als Retter (aber nicht wirklich angenommen);
  • sie hatten den „Weg der Gerechtigkeit“ erkannt;
  • sie waren den Befleckungen der Welt entflohen (aber nur äußerlich).

Die Beispiele der zum Dreck zurückkehrenden gewaschenen Sau und des Hundes, der – trotz bester „Erziehung“ – immer wieder zum Gespei zurückkehrt, verdeutlichen: Diese Menschen haben keine innere Umkehr, keine neue Geburt erlebt.

Umso schlimmer war es, dass sie nun wieder in den Griff der Welt kamen und sich vom Wort und damit auch äußerlich vom Herrn wieder abwandten. Bei solchen Menschen ist – auch heute – die Chance für eine echte Umkehr viel geringer (Spr 21, 16)9. Zudem ist ihr Gericht angesichts der größeren Verantwortung auch größer (Lk 12,47.48).

Lasst uns angesichts dieser traurigen Fakten, die wir heute täglich um uns her in einer nachchristlichen Epoche erleben, dem Herrn treu bleiben und

  • für die Bekehrung gerade der verführten „Namenschristen“ beten;
  • auch die vielen Verführer auf unsere „Gebetsliste“ setzen;
  • uns selbst von der Welt, in was für einem Gewand sie auch daherkommt, distanziert halten.

Fußnoten

1 Das Wort „dunkel“ in Vers 19 kann auch mit „schmutzig, trübe, wild, trocken“ wiedergegeben werden.

2 Das ist dann die Sonne der Gerechtigkeit mit Heilung in ihren Flügeln, wie Maleachi die Herrlichkeit des Herrn beschreibt (Mal 3,20).

3 Zum tieferen Verständnis von Vers 19 siehe Briem, Christian: Glücklich leben als Christ? (Seite 114/115) und insbesondere „The bible treasury“, Vol. 18, Seite 286/287). Beide Bücher sind beim Herausgeber von „Folge mir nach" erhältlich.

4 Die zweite wichtige Grundregel für das Verständnis des Wortes Gottes ist, dass man den Text immer in seinem Zusammenhang lesen muss – das „herauspicken“ aus dem Kontext und aus dem Gesamtzeugnis der Schrift ist gleich verhängnisvoll.

5 Es gibt rund zehn solcher fortschreitender Voraussagen über den Niedergang: 1. Mt 13,25; 2. 2. Thes 2,7; 3. Gal 2,4; 4. Apg 20,29.30; 5. 1. Tim 4,1; 6. 2. Tim 3,1ff.; 7. 1. Pet 4,17; 8. Judas/2.Pet; 9. 1. Joh 2,18; 10. Off.

6 Christus hat sie erkauft, er hat Herrschaftsanspruch an sie, weil er „den Acker“, die Welt, durch seinen Tod erworben, erkauft hat (vgl. Mt 13,44.38), aber sie sind nicht erlöst durch sein Blut (off 5,9).

7 Vgl. auch Vers 15 („gerader Weg“) und Vers 21: („Weg der gerechtigkeit“)

8 Jes 3,9; Hes 16,49.50

9 Unter den besonderen Bedingungen zu Beginn des Christentums bedeutete dies für „rückfällig“ gewordene Juden sogar, dass eine echte Buße unmöglich wurde – zu deutlich waren die Beweise für die Wahrheit des Christentums, zu krass die Abkehr davon („den Sohn Gottes mit Füßen getreten“; Heb 10,29). Vgl. auch Heb 6,4-6.




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