Wie ich den Messias fand

Wie ich den Messias fand

Im Kibbuz - das Passahfest - der Krieg und die Wüste (Teil 2)

Gideon Levytam ist von Geburt Jude und dient als Evangelist vollzeitig dem Herrn unter Juden in Ontario, Kanada. Im nachfolgenden Artikel berichtet er aus seinem Leben und davon, wie der Herr ihn fand. Dieser Artikel besteht aus vier Teilen.

Mein Vater entschied, dass andere Freunde und eine andere Umgebung gut tür mich wären. So sorgte er datür, dass ich meinen Schulabschluss im Kibbuz Malkiya im nördlichen Galiläa machen konnte. Malkiya befindet sich nahe der libanesischen Grenze, in der Nähe der Stadt Kiryat Shmona. Hier hatte mein älterer Bruder einen Teil seiner Militärzeit abgeleistet, und hier sollte ich meine spätere Frau kennenlernen.

Eine christliche Freiwillige

Jeder diensttaugliche Israeli tritt mit 18 Jahren seinen Militärdienst an. Kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag kam ich noch einmal zum Kibbuz Malkiya zurück, um meine Freunde zu besuchen, bevor ich meine dreijährige Militärdienstzeit antrat. Dort traf ich Irene, eine kanadische Freiwillige im Kibbuz. Irene und ihre Freundin Heather waren mit einer Freiwilligengruppe aus der Schweiz, wo sie in einem Bibellager gearbeitet hatten, nach Israel gekommen.

Kurz nachdem ich Irene kennengelernt hatte, erfuhr ich, dass sie an Jesus Christus glaubte. Sie hatte eine Bibel, anhand derer sie sich bemühte, ihren Glauben zu erklären. Die Bibel interessierte mich ganz und gar nicht, Irene dafür umso mehr. Es war kurz vor dem Passahfest, deshalb lud ich Irene und Heather ein, die Feiertage mit meiner Familie in Jerusalem zu verbringen. Beide nahmen die Einladung an, da sie gern Jerusalem sehen wollten.

So wie alle anderen jüdischen Feste wird das Passah, das fröhliche Fest des Friedens und des Glaubens, sowohl in der Synagoge als auch in den Häusern gefeiert. Meine Familie hieß meine neuen Freunde gern willkommen, das Sedermahl (Seder ist die häusliche Passahfeier) mit uns zu teilen, und freute sich, ihnen die Geschichte des Passahs zu erzählen. Erst Jahre später verstand ich die volle Bedeutung des Passahs und dessen Erfüllung in Jesus, dem „Lamm Gottes"

Obwohl es mir großen Spaß machte, Irene und ihrer Freundin die Sehenswürdigkeiten in Jerusalem zu zeigen, wartete ich doch am liebsten draußen, wenn sie alte Kirchen und besonders die unterirdischen Gänge besichtigten. Schon als kleines Kind brauchte ich nur die Kirchenglocken läuten zu hören, um so schnell wie möglich nach Hause zu rennen. Irgendwie ängstigte ich mich, wenn ich nur an die Kirchen mit all ihren Götzenbildern und Glocken dachte. Viel zu schnell hieß es Abschied nehmen; Irene ging in den Kibbuz zurück, während ich die Grundausbildung beim Militär antrat.

Einige Wochen später feierte Israel 25 Jahre Unabhängigkeit, und ich bekam zwei Tage frei. Das war eine Gelegenheit, wieder für kurze Zeit mit Irene zusammen zu sein. Der zweite Abschied war noch schwerer als der erste. Schweren Herzens fuhr ich mit dem Zug zurück ins Militärlager und wusste nicht, ob wir uns je wiedersehen würden.

Zurück beim Militär, wartete ich sehnsüchtig auf Irenes Briefe. Mehr als einmal bekam ich einen Verweis, weil ich während des Drills zurückgeblieben war, indem ich versuchte, Irenes neuesten Brief zu lesen, den ich noch schnell in die Tasche gesteckt hatte. Zu dieser Zeit waren meine Englisch-kenntnisse sehr bescheiden, und nur mit der Hilfe meiner Kameraden gelang es mir, Irenes Briefe zu beantworten.

Einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen, aber mit großem Erbarmen will ich dich sammeln; im Zorneserguß habe ich einen Augenblick mein Angesicht vor dir verborgen, aber mit ewiger Güte werde ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. (Jesaja 54,7.8)

Jom-Kippur-Krieg

Die Monate vergingen langsam, bis ich endlich wieder einmal an zwei freien Tagen zu Hause war, diesmal am Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag. Das ist der heiligste Tag im jüdischen Kalender. Fast alle Juden, egal wo sie sind, beten und fasten 23 Stunden lang. Israel liegt an Jom Kippur komplett lahm. Alle Arbeit hört auf - man sieht keinen Bus, keinen Laster, kein privates Auto auf der Straße. Radio und Fernsehen senden nicht; es gibt nur Notfallbesetzungen, wo es unbedingt nötig ist. Mein geistlicher Zustand zu dieser Zeit war so, dass ich, statt zu fasten und in der Synagoge zu beten, es vorzog, mit meinen Freunden im arabischen Viertel der Altstadt essen zu gehen.

Plötzlich wurde die Ruhe des Tages durch Sirenengeheul gestört. Es war der 6. Oktober 1973. Der Krieg war ausgebrochen an einem Tag, wo wir es am wenigsten erwartet hätten. Von nun an würde Jom Kippur eine noch größere Feierlichkeit besitzen. Wir eilten durch das Jaffator aus der Altstadt, fanden aber, dass die Straßen schnell durch Busse, Laster und Autos verstopft waren, die alle Soldaten - viele noch mit dem Gebetsmantel über der Schulter - zu ihren Einheiten zurückbrachten. Alle Soldaten wurden sofort an ihre Standorte zurückbeordert.

Die dreieinhalb Stunden, die ich zurück zu meinem Lager auf den Golanhöhen brauchte, gaben mir reichlich Zeit, meine Seele ernsthaft zu erforschen. Hier war ich, 18 Jahre alt, immer noch in der Grundausbildung, mein ganzes Leben vor mir, mit wachsender Furcht, und am Ende meiner Reise erwartete mich die Ungewissheit. In solchen Zeiten erinnert man sich daran, Gott anzurufen. Die folgenden Verse wurden fast zu einem Synomym für den Jom-Kippur-Krieg: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von dem HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat" (Ps 121,1.2).

Als wir uns der Front näherten, sahen wir überall tote Körper liegen. Während auf den Golanhöhen eine Formation syrischer Flugzeuge nach der anderen über uns hinwegdonnerte, rollten Hunderte syrischer Panzer in Viererreihen vernichtend gegen uns heran. Nach fünf Tagen ununterbrochenen Kampfes, in dem viele ihr Leben verloren, änderte sich die Lage. Unsere Einheit neuer Rekruten hatte die Aufgabe, die eroberten Dörfer zu räumen. Neben anderen Dingen verdanken wir es dieser Aufgabe, dass wir von Kopf bis Fuß von Flöhen heimgesucht wurden.

Als die syrischen Truppen endlich zum Stillstand kamen, machten einige erstaunliche Geschichten in der Truppe die Runde. Angeblich sei eine Hand aus den Wolken gekommen, die die vorrückenden syrischen Truppen zurückgehalten habe; und syrische Soldaten seien umgekehrt und geflohen, nachdem sie weißgekleidete Soldaten an der Seite der israelischen Soldaten hätten kämpfen sehen. Ob diese Geschichten wahr waren oder nicht, wusste ich nicht, was ich aber wusste, war, dass Gott uns wieder einmal vor unseren Feinden gerettet hatte.

Die Wüste Sinai

Nach dem Ende des Krieges wurde ich in der Wüste Sinai stationiert. Wann immer es möglich war, rief ich meine Familie an, um ihr mitzuteilen, wie es mir ging. Eines Morgens rief ich sehr früh zu Hause an, und meine Mutter überraschte mich mit der Nachricht, dass Irene am Abend zuvor von Kanada gekommen war. Ich hüpfte vor Freude und sprang fast durch das Dach unseres Zeltes. Meine Zeltkameraden baten meinen Vorgesetzten, mich nach Hause zu schicken, da ich sie sonst alle verrückt machen würde. Mein Vorgesetzter gab nach und ich erhielt drei freie Tage. Was hatten wir für ein freudiges Wiedersehen!

Irene blieb bei meiner Familie in Jerusalem, arbeitete im Restaurant meines Vaters und half, meine kranke Großmutter zu pflegen. Ihr Aufenthalt war eine echte Hilfe für meine ganze Familie. Sie war der Heide, der unserem Haus Licht brachte, und alle hatten sie lieb.

Gespräch über den Messias

Irene hatte noch immer ihre Bibel dabei und sprach mit mir bei jeder Gelegenheit über Jesus, der der Messias Israels sei. Ich hatte es zwar gern, wenn sie darüber redete, aber ich zog dies niemals ernsthaft für mich selbst in Betracht. Ich war mir im Klaren darüber, dass es irgendwann Probleme mit sich bringen würde, dass ich Jude und sie Christin war, aber diese Gedanken verdrängte ich.

Mein Posten in der Wüste Sinai war fast acht Stunden von Jerusalem entfernt, aber ich fuhr so oft wie möglich nach Hause. Auf einer dieser Rückfahrten nach einem Wochenende fuhr der Busfahrer auf einer kurvigen Wüstenstrecke eine Kurve zu eng.

Die Reifen fuhren in den Sand, und der Bus überschlug sich einmal komplett seitwärts, bevor er wieder auf die Räder zu stehen kam. Durch diesen Aufprall wurde ich aus dem Bus geschleudert; wie, das weiß ich nicht, denn die Fenster waren verbarrikadiert. Trotz meiner Prellungen und Schnittwunden war ich wunderbarerweise nicht ernsthaft verletzt. Gott selbst zeigte sich mir wieder einmal, indem er mein Leben erhielt. Andere waren ernsthaft verletzt, so dass bald Hubschrauber eintrafen, um die Schwerverletzten in ein Krankenhaus zu fliegen.

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird eilends sprossen; und deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit Jahwes wird deine Nachhut sein. Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten; du wirst um Hilfe schreien, und er wird sagen: Hier bin ich! (Jesaja 58,8.9)

Die Welt sehen

Schließlich wurde ich nach Mittel-Israel zurückverlegt, wo ich bis zu meiner Entlassung im Jahre 1976 blieb. Nach der Beendigung ihres Militärdienstes wollten viele Soldaten etwas von der Welt sehen, und ich war da keine Ausnahme. Ein bisschen fürchtete ich mich allerdings davor, da ich nur das Leben in Israel kannte.

Jeder Israeli weiß, dass der sicherste Platz, an dem er sein kann, innerhalb der israelischen Grenzen liegt. Ich war dabei, in die unbekannte Welt zu ziehen. Aber meine Sehnsucht nach Abenteuern war größer als meine Vorbehalte, und so verließ ich Israel im Juli 1976, um mit Irene nach Kanada zu gehen.