Bibelstudium
„Ihr werdet Kraft empfangen“ – der Heilige Geist kommt, bleibt und wirkt
Die Apostelgeschichte beschreibt den Beginn der christlichen Zeit. Der Herr Jesus ist nicht mehr auf dieser Erde, sondern im Himmel. Stattdessen wohnt der Heilige Geist in den Gläubigen. In der Apostelgeschichte nimmt Er deshalb eine zentrale Rolle ein.
Der Heilige Geist kommt…
Kurz vor seiner Himmelfahrt kündigt der Herr Jesus das Kommen des Heiligen Geistes an: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt“ (Apg 1,8). Der Herr würde seine Jünger zurücklassen, aber dafür würde Gott selbst in der Person des Heiligen Geistes kommen – ein echter Grund zur Freude (Joh 16,7).
Exkurs: Der Heilige Geist ist Person und ist Gott
Auch wenn der Herr Jesus von einer „Kraft“ spricht (Apg 1,8), ist der Heilige Geist viel mehr als nur eine Kraft – Er ist Gott selbst und eine Person der Gottheit. Das macht auch die Apostelgeschichte deutlich: Als die Lüge von Ananias und Sapphira aufgedeckt wird, sagt Petrus zu Ananias: „Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen hast? […] Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott“ (Apg 5,3.4). Für Petrus war völlig klar, dass ein Handeln gegen den Heiligen Geist ein Handeln gegen Gott ist – weil der Heilige Geist Gott ist.
In Apostelgeschichte 2 wird von diesem Ereignis berichtet. Die Jünger sind an einem Ort versammelt, als plötzlich ein Brausen zu hören ist und Zungen wie von Feuer zu sehen sind, die sich auf die Jünger setzen. Sofort beginnen diese, die „großen Taten Gottes“ in verschiedenen Sprachen zu verkündigen (V. 11). Was war geschehen?
Diese sichtbaren Zeichen waren die Folge des Kommens des Heiligen Geistes. Er hatte in den versammelten Jüngern Wohnung genommen und sie zu etwas völlig Neuem zusammengefügt: zur Versammlung (oder Gemeinde), dem Leib Christi (s. 1. Kor 12,13). Jeder, der seit diesem Moment an den Herrn Jesus und an sein Evangelium glaubt, empfängt den Heiligen Geist (Eph 1,13) und wird Teil der Versammlung. Dabei finden nicht jedes Mal neu dieselben „Begleiterscheinungen“ wie in Apostelgeschichte 2 statt, weil die dortige Taufe mit dem Heiligen Geist eine einmalige Sache war. Die äußeren Zeichen bestätigten damals, dass es Gott selbst war, der handelte, und deuten gleichzeitig einige wichtige Wahrheiten über den Heiligen Geist an:
- Ein Brausen erfüllte das ganze Haus (V. 2). Damit wird etwas von dem gemeinschaftlichen Aspekt angedeutet: Der Heilige Geist wohnt in der Gesamtheit der Gläubigen, in der Versammlung (1. Kor 3,16).
- Zerteilte Zungen wie von Feuer setzten sich auf jeden Einzelnen (V. 3). Das ist mehr die persönliche Seite. Jeder Einzelne empfing den Heiligen Geist – und mit Ihm die Kraft zum Zeugnis von dem Herrn Jesus (Zungen): „Ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 1,8). Gott bietet nun allen Menschen Rettung an, aber nicht auf Kosten seiner Heiligkeit (Feuer). Wer dem Evangelium nicht glaubt, wird Gottes Gericht erfahren.
- Die Jünger redeten in Sprachen (V. 4). Dieses Zeichen war ganz überwiegend für die Ungläubigen bestimmt (1. Kor 14,22). Gott bestätigte dadurch, dass die Verkündigung der Jünger von Ihm selbst stammte. Außerdem deuten die verschiedenen Sprachen an, dass Gott sich nun nicht mehr auf Israel beschränkt, sondern sich an alle Menschen wendet.
… und wirkt…
In den folgenden Kapiteln der Apostelgeschichte lesen wir immer wieder vom Wirken des Heiligen Geistes. Im ersten Artikel in diesem Heft haben wir schon gesehen, dass die Apostelgeschichte die Übergangszeit vom Judentum zum Christentum beschreibt. Wir finden deshalb einige Besonderheiten im Wirken des Heiligen Geistes, die auf diese Anfangszeit beschränkt waren und die wir heute so nicht mehr erleben. Einige Beispiele:
- In Apostelgeschichte 8 glauben erstmals Menschen außerhalb Jerusalems an den Herrn Jesus, nämlich in Samaria. Sie empfangen den Heiligen Geist erst, nachdem Petrus und Johannes für sie gebetet und ihnen die Hände aufgelegt hatten (V. 15-17). Gott „wartet“ hier auf Petrus und Johannes, damit für alle deutlich ist, dass die Christen in Jerusalem und Samaria zusammengehören.
- In Apostelgeschichte 10 empfangen mit Kornelius und seinen Verwandten zum ersten Mal Menschen aus den Nationen den Heiligen Geist. Das geschah erst, als Petrus ihnen erklärte, dass auch sie durch den Glauben an den Herrn Jesus errettet werden konnten (V. 43). Petrus hatte die „Schlüssel des Reiches“ von dem Herrn bekommen (Mt 16,19). Es war seine Aufgabe, den Menschen aus den Nationen den Weg zum Evangelium aufzuschließen (vgl. Apg 15,7).
- In Apostelgeschichte 19 findet Paulus einige Männer, die bisher nur die Botschaft von Johannes dem Täufer kannten. Sie hatten noch nicht das Evangelium von Jesus Christus gehört. Dementsprechend hatten sie den Heiligen Geist auch noch nicht und empfingen Ihn erst, als Paulus ihnen die Hände auflegte (V. 6).
In allen drei Fällen handelt es sich um Personengruppen, die erstmalig Zugang zum Evangelium empfangen. Heute gibt es solche Fälle nicht mehr. Deshalb gibt es keine Notwendigkeit mehr, ein Händeauflegen in Verbindung mit der persönlichen Gabe des Heiligen Geistes zu praktizieren.
Ein weiteres besonderes Handeln des Heiligen Geistes in der Apostelgeschichte sind die Wunder, die durch Ihn geschahen. Mehrfach lesen wir, wie die Apostel Menschen heilten (Apg 3,7; 9,33 usw.), sonstige Wunder taten (Apg 9,40; 28,5 usw.) oder wie Menschen begannen, in Sprachen zu reden (Apg 10,46; 19,6). Doch die Bibel macht klar, dass auch diese außergewöhnlichen Zeichen im Wesentlichen auf die Anfangszeit beschränkt waren. Dafür gibt es gute Gründe:
- Im Blick auf das Sprachenreden macht uns 1. Korinther 13,8 klar: „Seien es Sprachen, sie werden aufhören (o. abklingen)1.“
- Noch deutlicher und allgemeiner ist Hebräer 2,4, wo der Schreiber rückblickend über den „Anfang der Verkündigung“ des Evangeliums sagt, dass Gott zu Beginn „mitzeugte, sowohl durch Zeichen als durch Wunder und mancherlei Wunderwerke und Austeilungen des Heiligen Geistes.“ Er spricht von diesen Dingen in der Vergangenheitsform2, weil sie mittlerweile aufgehört hatten – konkret in Bezug auf die erwähnten Ereignisse, und ganz überwiegend generell.
Es bleibt wahr, dass Gott auch heute der „Gott, der Wunder tut“ (Ps 77,15), ist. Allerdings greift Er im Allgemeinen nicht mehr direkt auf übernatürliche Weise ein.
… bis heute
Neben diesen Ausnahmen finden wir aber auch viele Beispiele vom Wirken des Heiligen Geistes in der Apostelgeschichte, die wir ohne Weiteres auf uns heute übertragen können. Zum Abschluss werfen wir einen kurzen Blick auf Stephanus, der ein leuchtendes Beispiel dafür ist, wie der Heilige Geist bis heute in uns Christen wirken möchte.
- Stephanus war „voll Heiligen Geistes“ (Apg 6,3.5). Der Heilige Geist konnte in ihm frei wirken. Das war nötig, damit er den Gläubigen in der richtigen Weise dienen konnte – obwohl es „nur“ um das Verteilen von Essen ging. Dienst für den Herrn kann bis heute nur durch den Heiligen Geist geschehen.
- Durch den Heiligen Geist war Stephanus voll Gnade, Kraft und Weisheit (V. 8.10). Der Heilige Geist half ihm, vor dem feindlichen Synedrium die richtigen Worte zu finden (vgl. Mk 13,11). Bis heute ist Er die Quelle unserer Kraft (Röm 15,13).
- Stephanus‘ Blick war nach oben gerichtet, auf den verherrlichten Herrn Jesus zur Rechten Gottes (Apg 7,55). Das ist bis heute das Ziel des Heiligen Geistes: Er möchte den Herrn Jesus verherrlichen (Joh 16,14), das heißt, Ihn uns größer machen und unser Herz auf Ihn ausrichten.
- In den letzten Momenten seines Lebens gleicht Stephanus dem Herrn Jesus. Er betet für seine Feinde (V. 60; vgl. Lk 23,34) und vertraut sich selbst dem Herrn an (V. 59; vgl. Lk 23,46). Dasselbe geschieht bis heute, wenn der Heilige Geist uns mit dem Herrn Jesus beschäftigen kann: Wir werden verwandelt in sein Bild.
„Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben (oder: „in dasselbe“) Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.“
2. Korinther 3,18
[1] Der genaue Zeitpunkt wird nicht genannt, aber im Vergleich zu den Weissagungen und der Erkenntnis, die „weggetan“ werden, wird deutlich, dass es um ein „vorgezogenes“ Abklingen geht.
[2] Manchmal wird eingewendet, dass das griechische Wort für „mitzeugte“ im Partizip Präsens steht, also in der Gegenwart (so auch in manchen englischen Übersetzungen). Das Partizip Präsens deutet im Griechischen aber nur an, dass die Handlung zeitgleich mit der Handlung im Hauptsatz stattfindet – in diesem Fall also gleichzeitig mit V. 3b, der in der Vergangenheit steht. Deshalb ist die Vergangenheitsform „mitzeugte“ die korrekte Übersetzung.
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