Einführung
Apostelgeschichte – Handbuch für aktive Christen im 21. Jahrhundert
(Apostel-)Geschichte – nichts für mich?
Geschichte kann sterbenslangweilig sein, aber auch hochspannend. Warum lässt Gott Geschichte aufschreiben? Damit wir uns mühsam durch Daten und Fakten hindurcharbeiten und danach schlauer sind, einfach (nur) mehr wissen? Gottes Geschichte, auch die Apostelgeschichte, bekommt Farbe, wenn man in ihr sieht, dass Gott handelt. Durch Menschen. Durch seinen Geist. Auch gegen den Teufel. Und dass Er letztendlich alles lenkt. „Die Himmel herrschen“ (Dan 4,23) – das gilt auch für die Apostelgeschichte und die Beschreibung der Ausbreitung des Christentums in diesem Buch. Und das Ziel dieses Buches? „Ihr werdet meine Zeugen sein…“ – damals in Jerusalem und im Mittelmeer-Raum; heute in unserer Umgebung und weltweit. Ansporn für Jüngerschaft, für Hingabe, für Mission, für Evangelisation, für das Entstehen von Versammlungen (Gemeinden).
Alles für mich geschrieben…
Apostelgeschichte – ein Buch mit falschem Titel?
Auf zwölf Apostel wird die Anzahl der Apostel im ersten Kapitel des Buches (nach dem Tod von Judas) wieder komplettiert. Doch nur über drei von ihnen, Petrus, Johannes und Jakobus, wird in der Folge berichtet, davon eigentlich hauptsächlich nur über Petrus. Und der 13. Apostel „spielt die Hauptrolle“ – Paulus. Geht es im Buch dann überhaupt um die Geschichte der (12) Apostel – um eine „Apostelgeschichte“? Außerdem: Wer ist eigentlich der „Hauptakteur“ im Buch? Die Apostel berichten, was Gott durch sie gewirkt hat, und der Heilige Geist wird ungefähr 50-mal erwähnt. Schließlich: Ein sehr altes Manuskript des Neuen Testaments1 überschreibt das Buch nur mit „Handlungen“.
Schlussfolgerungen:
- Die Taten der Apostel stehen unter der aktiven Leitung des Heiligen Geistes.
- „Handlungen des Heiligen Geistes“ wäre ein zutreffender Titel des Buches – der biblische Text an sich beinhaltet generell keine Buchüberschriften.
- Der Heilige Geist selektiert bewusst das Wirken der beiden Apostel Petrus und Paulus, um die Verbindung zu den apostolischen Briefen herzustellen.
- Auch der Zeitraum der „Geschichte“ ist begrenzt und umfasst nur ca. 30 Jahre (ca. 30 bis 60 n. Chr.); das Buch ist vermutlich wenige Jahre später entstanden (ca. 63 n. Chr.)
- Das Wirken der anderen Apostel und (dadurch) die Entstehung von Versammlungen in vielen anderen Ländern (Ägypten, Syrien usw.) wird nicht erwähnt – der Herr wirkt auch heute, ohne dass alles berichtet zu werden braucht…
→ Lassen wir uns auch heute vom Heiligen Geist gebrauchen, um „überströmend zu sein im Werk des Herrn“ (1. Kor 15,58) – und dabei bedenken, dass wir nur Werkzeuge und nicht die eigentlichen „Akteure“ sind?
Apostelgeschichte – Transfer-Buch in ein neues Zeitalter
Die Reihenfolge der Bücher des Neuen Testaments ist zwar nicht von Gott „vorgegeben“ worden, aber die frühen Christen haben die Apostelgeschichte ganz zurecht zwischen die vier Evangelien und die Briefe (+ Offenbarung) eingeordnet. Das Buch ist wie ein Bindeglied zwischen zwei Epochen:
- Es verweist zurück auf das Leben, das Sterben und die Auferweckung Jesu;
- es beschreibt Start-Phänomene des Christentums (Kommen des Geistes, Zeichen und Wunder als Katalysatoren des Evangeliums, erste Ausweitung der Botschaft auf andere Völker);
- es bildet den historischen Hintergrund für die meisten apostolischen Briefe und hilft sie besser zu verstehen;
- es leitet zu der nach-apostolischen Epoche des Christentums über2.
Besonders drei große „Transfer“-Themen werden in der Apostelgeschichte aufgegriffen und weitergeführt: Es geht um die Überleitung der Beschreibung
- vom Menschen Jesus auf der Erde (Evangelien) zum erhöhten Christus im Himmel (Briefe);
- vom Judentum (Israel) zum Christentum (Versammlung);
- von der Epoche des Gesetzes zur Epoche der Gnade.
Der Übergangscharakter hilft zu verstehen, dass manches Wirken des Geistes und der Apostel einmalig war und sich heute nicht fortsetzt. Andererseits führt das Buch neue Themen ein, die bis heute mit voller Energie weitergeführt werden dürfen:
- Evangelisation unter allen Völkern,
- das Bilden von Versammlungen (Gemeinden),
- das Wirken des Geistes im Einzelnen und in der Versammlung.
Ein genaueres Studium unter Gebet wird dem Leser helfen zu unterscheiden zwischen einmaligen und dauerhaften Wirkungen. Es lohnt sich…
→ Eine gute Unterscheidung von Israel und der Gemeinde, von Gottes Wunderwirken im Frühchristentum und jetzt ist elementar wichtig zur Beurteilung vieler Meinungen und „Phänomene“ heute. Sind wir bereit, uns das Wort der Wahrheit richtig erklären zu lassen – für eine gesunde Glaubenspraxis?
Apostelgeschichte – ein Arzt wird zum Historiker
Lukas, vermutlich ein Grieche, war es als Arzt gewohnt, genau hinzuschauen – und genau zu behandeln. Daher war er als Arzt beliebt, geliebt (Kol 4,14). Diese Präzision und seine gute Bildung benutzte Gott, der Heilige Geist (als eigentlicher Schreiber der ganzen Bibel), um die Apostelgeschichte (und auch das Lukas-Evangelium) zu schreiben. Als einziger nicht-jüdischer Schreiber war er hierfür bestens geeignet, denn es geht darin um den Beginn der weltweiten Mission unter allen Völkern.
Zugleich ist sein Bericht von einmaliger Präzision3; Bezeichnungen für römische Beamte sind chronologisch und im Blick auf den Rang exakt, und die gemeinsame Schiffsreise mit Paulus (und anderen Brüdern) nach Rom wird als die exakteste Beschreibung einer Schiffsreise im Altertum angesehen.
Schließlich: Lukas ist nicht nur Chronist, sondern auch selbst involviert: Ab Apostelgeschichte 16,10 begleitet er Paulus auf dessen Reise, bleibt dann offenbar selbst eine Zeitlang in Philippi in Griechenland, und stößt hinterher wieder zu Paulus (Apg 16,10-16; 20,5ff.).
Lukas startet in Treue – er bleibt treu, und wird daher auch von Paulus bis zu dessen Lebensende sehr geschätzt (Erwähnungen in den Briefen: Kol 4,14; Phil 24; 2. Tim 4,11).
→ Lesen wir die Apostelgeschichte und überhaupt die Bibel eher statisch, „trocken“, oder lassen wir uns von den Bibeltexten anspornen, „elektrisieren“ – zu einem Leben der Hingabe und des Anpackens im Reich Gottes?
Apostelgeschichte – mehr als ein Buch mit vielen Themen
Kein Schreiber des NT hat mehr Text geschrieben als Lukas4 – seine beiden Bücher sind lang und inhaltsreich. Lukas möchte uns dabei in der Apostelgeschichte mitnehmen auf Reisen, er schildert die Rettung Einzelner und das Entstehen von Versammlungen. Aber damit möchte er nicht nur Geschichte/n erzählen, sondern uns „aufgleisen“, uns anleiten zu „Taten“ heute, in der Kraft des Geistes.
„Es ist ein Lehrbuch,
- das die Methoden und Themen der Verkündigung des Evangeliums vorstellt.
- Vor allem aber motiviert das Buch, denn wir finden darin den Grund für das geistliche und zahlenmäßige Wachstum der Gemeinden,
- den Weg zur Lösung von Schwierigkeiten, die unter Christen auftreten, um die Freude an der Gemeinschaft in einer Gemeinde und zwischen Gemeinden wiederzufinden,
- die Quelle der Kraft im Dienst für den Herrn, trotz Schwierigkeiten aller Art, selbst wenn alles verloren scheint.“5
→ Die Apostelgeschichte beschreibt Aufbruch, Erweckungen, Wachstum. Lassen wir uns davon motivieren, neu und vertieft für Christus mit Hingabe zu wirken – statt uns mit Sorgen in Alltag und Gemeinde selbst auszubremsen?
Apostelgeschichte – Key Words for better understanding
Google schätzt und taxiert Key Words, sie helfen der Suchmaschine beim Zuordnen – nicht immer treffsicher…Bei biblischen Büchern haben wir es dagegen mit 100% zutreffenden Texten und Begriffen zu tun. In der Apostelgeschichte gibt es eine ganze Reihe solcher Begriffe, deren Einzelstudium schon der Mühe wert ist; besonders verschaffen sie uns aber einen Eindruck vom Charakter des Buches. Eine Übersicht über einige wesentliche Ausdrücke kann dazu beitragen:
- (Heiliger) Geist (ca. 55 Vorkommen6, Kap. 1,2 etc.)
- glauben (37 Vorkommen, von insgesamt 99 im NT, Kap. 2,44 etc.)
- Wort (gr. logos, 35 Vorkommen, Kap. 4,4 etc.)
- Jünger (28 Vorkommen, Kap. 6,1 etc.)
- Gemeinde (o. Versammlung, gr. ekklesia, 19 Vorkommen, Kap. 5,11 etc.)
- evangelisieren (oft mit „das Evangelium verkündigen“ übersetzt; 16 Vorkommen, Kap. 5,42 etc.), Evangelium als Substantiv (2 Vorkommen: Apg 15,7; 20,4)
- Zeugen (11 Vorkommen, Kap 1,8 etc.)
- Auferstehung / Auferweckung Jesu (je 7 Vorkommen)
- Reich Gottes (7 Vorkommen, Kap. 1,3 etc.)
→ Der Heilige Geist möchte auch heute durch das Wort Gottes Menschen zum Glauben an den Herrn Jesus führen. Stehen wir als „Mitarbeiter Gottes“ in der Evangelisation zur Verfügung – hier und heute?
Apostelgeschichte – Einteilung nach Maß
Ein langes Buch wird durch Einteilungen übersichtlicher – aber der Heilige Geist lässt Überschriften fast immer weg…Er möchte uns anspornen, uns selbst einen Überblick zu verschaffen und Themen zu unterscheiden, ohne sie voneinander zu trennen. Eine schlüssige Einteilung der Apostelgeschichte gibt der Herr selbst in seinen Worten an die Jünger in Kapitel 1,8. Sie gibt uns ein Grundgerüst, auf das sich weitere Einteilungen vornehmen lassen:
| Kapitel | „Zeugen sein“ – wo? | „Hauptapostel“ – wer? |
| 1-7 | Jerusalem | Petrus |
| 8-12 | Judäa und Samaria | Petrus |
| 13-28 | Enden der Erde | Paulus |
→ Das Wort Gottes ist lebendig – und sprengt viele menschliche Grenzen und auch nützliche Einteilungen. Lassen wir uns von diesem Wort neu beleben?
Apostelgeschichte – das unvollendete Buch
Franz Schubert ließ eine Sinfonie unvollendet, aus nicht ganz geklärten Gründen. Der Heilige Geist ließ immer perfekt schreiben, vollendet. Doch warum geht der Bericht in Apostelgeschichte 28 nicht weiter? Wer hätte nicht gerne etwas über die Verhandlung von Paulus vor dem Kaiser in Rom erfahren? Oder von der weiteren Ausbreitung des Evangeliums in viele weitere Länder?
„Die Apostelgeschichte hat keinen echten Schluss und endet auf eine abrupte Weise – aber mit einem Triumph-Akkord! Paulus predigt das Reich Gottes, unterrichtete alles, was den Herrn Jesus Christus betrifft – mit voller Überzeugung und ohne irgendein Hindernis. Der Herr möge uns benutzen, damit anstelle von Paulus Fortsetzung zu machen!“7
→ „Geht hin“! Das gilt auch heute, für jeden von uns. Sind wir bereit?

Weiterführende Kommentare zur Apostelgeschichte:
- Anonym: Die ersten Jahrzehnte des Christentums (VCG, 266 Seiten, auch online auf www.bibelkommentare.de).
- Bruins/Horisberger: Les Actes (Sondez-les-Éctures, Vol. 2), auch online verfügbar (und damit leicht auch in Deutsch zu lesen (https://editeurbpc.com/etudes/sondez-les-ecritures/actes).
- Briem, Christian: Ein Volk für seinen Namen (Apg 1-22, 7 Bände); sehr ausführlich und sehr verständlich geschrieben. Auch als E-Book erhältlich und (teilweise kostenlos) online verfügbar (https://www.bibelkommentare.de/kommentare/827/ein-volk-fuer-seinen-namen-apg-1-2).
- Bremicker, Ernst-August: Einführung in die geschichtlichen Bücher des NT (https://www.bibelkommentare.de/kommentare/802/einfuehrung-in-die-geschichtlichen-buecher-des-neuen-testaments); hilfreicher Überblick und Rahmen.
- Gaebelein, A.C.: Kommentar zur Bibel, gute Kurzübersicht.
- Graf, Marcel: Gelebter Glaube (144 Seiten), guter Überblick.
- Kelly, William: An Exposition of the Acts of the Apostles (ca. 400 Seiten, auch online verfügbar: https://www.stempublishing.com/authors/kelly/2Newtest/ACTS_PT1.html), sehr ausführlich und tiefgehend.
Alle Bücher können beim Herausgeber von „Folge mir nach“ bezogen werden.
[1] Codex Sinaiticus, 4. Jahrhundert n. Chr.
[2] z.B. in der Abschiedsrede von Paulus in Apostelgeschichte 20.
[3] Zum Beispiel bezeichnet Lukas Sergius Paulus in Kap. 13,7 als „Prokonsul“ (gr.anthypatos) – Zypern war eine gewisse Zeit als „friedliche“ Provinz vom Senat verwaltet, der Prokonsuln einsetzte. Vorher und hinterher war Zypern unter kaiserlicher Verwaltung und hatte „Proprätoren“ (.
[4] Bei Annahme von Paulus als Verfasser des Hebräerbriefs liegen Lukas und Paulus mit jeweils ca. 35.00 Wörtern gleichauf.
[5] Horisberger, Marc und Bruins, Cor: Actes des Apôtres, in « Sondez-les-Écritures », Vol 2, Seite 223.
[6] Es ist nicht immer ganz deutlich, ob damit der Heilige Geist oder der (menschliche) Geist gemeint ist.
[7] Horisberger, Marc und Bruins, Cor Actes des Apôtres, in « Sondez-les-Écritures », Vol 2, Seite 458.
Kommentare
Verwandte Artikel
Nützliche Links
Elberfelder Übersetzung
Die Elberfelder Übersetzung Edition CSV ist eine wortgetreue Übersetzung der Bibel in verständlicher Sprache. Auf dieser Webseite können Sie den Bibeltext vollständig lesen und durchsuchen. Zudem werden Werkzeuge angeboten, die für das Studium des Grundtextes hilfreich sind.
www.csv-bibel.deDer beste Freund
Diese Monatszeitschrift für Kinder hat viel zu bieten: Spannende Kurzgeschichten, interessante Berichte aus anderen Ländern, vieles aus der Bibel, Rätselseiten, Ausmalbilder, Bibelkurs, ansprechende Gestaltung. Da Der beste Freund die gute Nachricht von Jesus Christus immer wieder ins Blickfeld rückt, ist dieses Heft auch sehr gut zum Verteilen geeignet.
www.derbestefreund.deIm Glauben leben
Diese Monatszeitschrift wendet sich an alle, die ihr Glaubensleben auf ein gutes Fundament stützen möchten. Dieses Fundament ist die Bibel, das Wort Gottes. Deshalb sollen alle Artikel dieser Zeitschrift zur Bibel und zu einem Leben mit unserem Retter und Herrn Jesus Christus hinführen.
Viele Artikel zu unterschiedlichen Themen - aber immer mit einem Bezug zur Bibel.
www.imglaubenleben.de