Bibel praktisch
„Geht hin in alle Welt“ – Initialzündungen für Afrika, Asien und Europa
„Heute Abend Evangelisation im Obersaal — Referent: Simon Petrus — mit Büchertisch und Snack“
Nein, eine solche Einladung wurde nicht nach der Himmelfahrt des Herrn in Jerusalem verteilt. Denn von Anfang an galt es für die Jünger, in die ganze Welt hinauszugehen, auch wenn sie ihren Dienst zunächst in Jerusalem beginnen sollten.
Als der auferstandene Herr Jesus sie aussandte, gab Er seinen Jüngern einen Auftrag, der nicht nur die Welt veränderte, sondern auch eine gewaltige Auswirkung bis in Ewigkeit hat:
„Ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“
Apg 1,8
Die ersten Christen hatten für die Erfüllung des Auftrags weder Flugzeuge, gedruckte Bibeln noch Internet-Livestreams. Sie besaßen keine politischen Möglichkeiten und keine gesellschaftliche Macht. Was sie hatten, war die Botschaft von einem gekreuzigten und dann auferstandenen Christus – und den Auftrag ihres Herrn.
Apostelgeschichte 8–10 gehört dabei zu den entscheidenden Abschnitten der Apostelgeschichte. Innerhalb weniger Kapitel führt Lukas seine Leser von Jerusalem über Samaria und die afrikanische Welt nach Damaskus und schließlich nach Cäsarea, bevor der Blick nach Europa geht. Dabei begegnen uns drei Menschen, deren Bekehrungen jeweils eine besondere Grenze überschreiten: der Kämmerer aus Afrika, Saulus von Tarsus und Kornelius, der römische Hauptmann.
Diese Geschichten sind mehr als drei persönliche Bekehrungen. Sie sind Initialzündungen. Gott beginnt, Türen zu öffnen, die bisher verschlossen waren.
Jerusalem war nicht das Ziel
Nach Pfingsten wuchs die Anzahl der Christen in Jerusalem explosionsartig. Tausende Menschen kamen zum Glauben. Doch damit war der Auftrag Jesu nicht erfüllt. Jerusalem war nur der Ausgangspunkt, nicht das Endziel.
Nach Stephanus‘ Steinigung begann eine schwere Verfolgung, so dass die Gläubigen in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut“ wurden (Apg 8,1). Was für die Christen wie eine Katastrophe aussah, wurde zum Werkzeug Gottes: Die Zerstreuten „zogen umher und predigten das Wort“ (Apg 8,4).
Das ist ein wiederkehrendes Muster in der Geschichte der Mission: Die Verfolgung führte nicht zum Ende des Evangeliums, sondern zu einem Beschleuniger seiner Ausbreitung. Dadurch verließ es erst Jerusalem.
Das Evangelium kommt nach Afrika
Der Evangelist Philippus — übrigens die einzige Person der Bibel, die explizit so genannt wird (Apg 21,8) — wird vom Heiligen Geist zu einem fremden Mann geschickt, der auf der Suche nach dem wahren Gott ist. Mit ihm tritt das Evangelium den Siegeszug nach Afrika an.
Hier geschieht die erste große „Grenzüberschreitung“: Das Evangelium verlässt den engeren jüdischen Raum und erreicht einen Menschen aus Afrika.
Lukas berichtet nicht, dass dieser Mann anschließend das Evangelium nach Äthiopien trägt, aber der Schluss liegt nahe. Das Reich von Aksum, im Gebiet des heutigen Äthiopien und Eritrea, wurde schließlich umfassend im 4. Jahrhundert unter König Ezana christianisiert. Damit war es wahrscheinlich das zweite Reich (nach Armenien und dem Römischen Reich zu Beginn des 4. Jahrhunderts), das das Christentum offiziell zur Staatsreligion machten.
Alles begann mit einem einzelnen Afrikaner, der das Evangelium hört und an Jesus Christus glaubt. Eine Erweckung beginnt nicht immer mit einer Volksmenge. Manchmal beginnt sie mit einem einzigen Menschen.
Saulus von Tarsus: der Mann für Kleinasien
Während das Evangelium nach Süden vorzudringen beginnt, bereitet Gott bereits den nächsten großen Schritt vor. Saulus stammt aus Tarsus in Zilizien, besitzt das römische Bürgerrecht und ist zugleich ein gebildeter Jude und Pharisäer. Damit verbinden sich in seiner Person die Grundelemente mehrerer Welten: jüdische Schriftkenntnis, griechisch geprägte Umwelt und römische politische Ordnung.
Ausgerechnet dieser Christenverfolger wird zum entscheidenden Werkzeug für die Heiden: „Dieser ist mir ein auserwähltes Gefäß, meinen Namen zu tragen sowohl vor Nationen als Könige und Söhne Israels“ (Apg 9,15). Gott bereitet damit einen Menschen vor, der das Evangelium verbreitet hat wie wohl niemand nach ihm
Durch Paulus breitet sich das Evangelium anschließend besonders in Kleinasien aus, also in weiten Teilen des heutigen türkischen Staatsgebiets. Städte wie Antiochien in Pisidien, Ikonium, Lystra und Derbe werden zu wichtigen Stationen der frühen christlichen Mission.
Die entscheidende Grenze: Kornelius
In Apostelgeschichte 10 wird eine weitere Grenze überschritten: die zwischen Juden und Heiden. Kornelius ist Hauptmann einer „italienischen Kohorte“. Ein Heide, der – anders als seine Landsleute – nicht Jupiter, Neptun und Apollo anbetet, sondern an den wahren Gott der Bibel glaubt. Ein bereits wiedergeborener Mann, der gemeinsam mit seiner Familie und weiteren Zuhörern jedoch erst durch Petrus das volle Evangelium hört und dadurch Teil der Versammlung wird. Als der Heilige Geist auf diese ehemaligen Heiden fällt, wird unmissverständlich deutlich, dass das Evangelium nicht auf das jüdische Volk begrenzt bleiben soll.
Petrus schockierendes Erlebnis mit den unreinen Tieren in dem Tuch zeigt dabei deutlich die Vorbehalte, die die ehemals jüdischen Apostel den Nationen gegenüber hatten. Hier mussten große, jahrhundertealte Mauern eingerissen werden, bevor das Evangelium zu den Nationen und schließlich bis an das Ende der Erde gelangte. Dazu passt die Schriftstelle aus Apostelgeschichte 13,47: „Denn so hat uns der Herr geboten: ‚Ich habe dich zum Licht der Nationen gesetzt, damit du zum Heil seiest bis an das Ende der Erde.‘“
Von Afrika über Asien nach Europa
Apostelgeschichte 8–10 zeigt damit eine Bewegung, die immer größere Grenzen überschreitet: Jerusalem – Samaria – Afrika – Kleinasien – die Heidenwelt. Und wenig später folgt der nächste große Schritt nach Europa.
In Apostelgeschichte 16,9 erhält Paulus den Ruf nach Mazedonien, also dem europäischen Festland: „Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns.“ Damit beginnt eine neue Phase der Ausbreitung des Evangeliums auf europäischem Boden. Die einzelnen Ereignisse dieser Grenzüberschreitungen wirken zunächst klein:
- ein Reisender auf einer einsamen Straße;
- ein Verfolger auf dem Weg nach Damaskus;
- ein römischer Hauptmann in seinem Haus.
Doch hinter diesen einzelnen Begegnungen steht etwas Gewaltiges: Das Evangelium verlässt Jerusalem und beginnt die Völkerwelt zu erreichen. Letztendlich kam es auf genau diesem Weg zu uns nach Deutschland. Nur dadurch gibt es irgendwann Menschen „aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation“ (Off 5,9) im Himmel.
Und jedes Mal war es Gott, der die Initialzündung gab. Genau darin liegt eine der wichtigsten Lektionen für Mission heute: Gott öffnet Grenzen, das Evangelium überwindet Mauern und Gott gebraucht Menschen, die bereit sind, hinzugehen.
Der Herr gab zwei Appelle im Blick auf die Missionierung:
- „Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkündige ihnen, wie viel der Herr an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat“ (Mk 5,19).
- „Geht hin in alle Welt“ (Mk 16,15).
Beide Appelle gelten auch heute noch: Europa, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Asien und Ozeanien. Trotz des gewaltigen Siegeszugs des Evangeliums gibt es immer noch Milliarden von Menschen ohne Christus. Wollen wir ihnen diesen Retter verkündigen – durch Lebensstil und Worte?
„Die Ernte zwar ist groß, die Arbeiter aber sind wenige. Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende.“
Matthäus 9,37.38
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