Themenheft

5. Mose kompakt – 40 Seiten Entdeckungsreise

Einstieg und Überblick

Nach einem flüchtigen Durchblättern des 5. Buches Mose könnte man sich fragen: Was für einen Wert haben die  langen Reden Moses‘ und die Detailvorschriften über das Leben im Land Israel für Christen heute? Gibt es nicht viele Bibeltexte, die schneller das Herz ansprechen und den Herrn vorstellen als gerade diese 40 Textseiten?

Die Artikel in diesem Heft sollen helfen, einen vielleicht ersten oder auch neuen Zugang zu diesem Buch zu bekommen – um dann festzustellen: Das Buch ist ebenso „lebendig und wirksam“ wie alle übrigen Bücher des Wortes Gottes. Dieser Start-Artikel soll dabei eine Art Steigbügelhalter für das Lesen der übrigen Artikel und natürlich besonders von 5. Mose selbst sein.

Ist Gott etwa für die Ochsen besorgt?

Ja, natürlich ist Gott für die Ochsen besorgt, denn Ihm gehört sogar das Vieh auf tausend Bergen (Ps 50,10). Doch diese Frage stellt Paulus in einem besonderen Zusammenhang, nämlich nachdem er einen Text aus dem 5. Buch Mose (!) zitiert hat, der wie folgt lautet: „Du sollst dem Ochsen, der drischt, nicht das Maul verbinden“ (1. Kor 9,9). In Verbindung mit diesem Text erklärt er dann, dass Prediger das Wort Gottes säen, sich dabei anstrengen und dafür entlohnt werden sollen. Aber auf die „Ochsenfrage“ antwortet Paulus: „Oder spricht er nicht durchaus unsertwegen? Denn es ist unsertwegen geschrieben, dass der Pflügende auf Hoffnung pflügen […] soll, um daran teilzuhaben“ (Vers 10). 

Lektion für Christen heute: Das 5. Buch Mose ist für uns geschrieben – und sollte von uns daher mit Interesse und aufmerksam gelesen werden.

 

„Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben…“

Dreimal wurde der Herr Jesus vom Teufel am Anfang seines öffentlichen Dienstes in der Wüste versucht, dreimal hat Er mit einem Zitat aus Gottes Wort den Teufel besiegt – und alle drei Male hat Er einen Text aus dem 5. Buch Mose benutzt!

Übrigens wird das 5. Buch Mose ungefähr 30 Mal im Neuen Testament zitiert, von etlichen Anspielungen ganz zu schweigen. Eine Auflistung am Ende des Heftes (Seite 39) regt zum vergleichenden Studium an.

Lektion für uns: Wer (auch) das 5. Buch Mose gut kennt, kann in Versuchungen dieses „Schwert des Geistes“, Gottes Wort (Eph 6,17) benutzen und so überwinden.

 

„Mose hat euch gestattet…“

Wenige Bücher der Bibel sind so von Bibelkritikern angegriffen worden wie das 5. Buch Mose, sowohl was die Autorenschaft als auch was die Zeit der Entstehung betrifft. Doch unser Herr selbst bestätigt in Matthäus 19,9 ohne irgendeine Einschränkung Mose als Autor; auch Petrus (Apg 3,22), Stephanus (Apg 7,37) und – wahrscheinlich Paulus (Heb 12,21) nennen Mose ebenso selbstverständlich als Buch-Verfasser. „Wenn dieses Buch nicht von Mose geschrieben worden wäre und somit als Fälschung einzustufen wäre, dann müsste das Zeugnis des Herrn Jesus Christus über dieses Buch als nicht vertrauenswürdig abgelehnt werden – und das würde Ihn seiner Unfehlbarkeit berauben. Außerdem wäre die ganze Belehrung des Neuen Testaments dadurch angetastet, denn die neutestamentlichen Schreiber benutzen in ihrem inspirierten Zeugnis regelmäßig das 5. Buch Mose“[1].

Der glaubende Bibelleser hält mit voller Überzeugung und mit voller Berechtigung an Mose als Autor des Buches fest[2].

 

Deuteronomium – nur eine Wiederholung?

In vielen Bibelübersetzungen lautet die Überschrift des 5. Buches Mose „Deuteronomium“, d.h. zweites Gesetz. Wiederholt Gott einfach in diesem Buch Vorschriften aus den vorherigen Büchern? Einige wohl (z.B. die „10 Gebote“ oder die Nahrungsgesetze). Aber diese und viele weitere Gesetze haben einen anderen, einen neuen Schwerpunkt: Sie nehmen Bezug auf das Verhalten des Volkes im Land. Dort sollte das Volk die Vorschriften beachten und gesegnet werden. Wiederholung an sich ist übrigens durchaus ein biblisches Prinzip, wie es Petrus beschreibt (2. Pet 1,12.13). Im Hebräischen hat das Buch die ersten Worte des Buches zur Überschrift: „Die Worte“ – sehr passend.

 

5. Mose richtig lesen und verstehen – wie geht das?

Das Alte Testament ist zu unserer Motivation (Röm 15,4) und zur Warnung (1. Kor 10,11) geschrieben worden. Zugleich verbergen sich hinter den Ereignissen, Personen und anderen Dingen auch Vorausbilder auf den Herrn Jesus, die Erlösung, den Weg der Gläubigen usw. (Heb 9,9; Kol 2,16 etc.). Die fünf Bücher Mose bilden als „Einstieg“ in Gottes Wort einen ersten großen Zusammenhang dieser Belehrungen; eine kleine Übersicht dazu hilft vielleicht, auch das 5. Buch Mose richtig einzuordnen.

  • 1. Mose:  Beschreibung der Anfänge („Genesis“ = Anfang), der Grundsätze, z.B. Sündenfall, erste Hinweise auf den Herrn Jesus, Gottes Auswahl, persönliches Glaubensleben.
  • 2. Mose: Erlösung aus der Knechtschaft des Pharaos (Bild des Teufels) und Ägyptens (Bild der Welt) durch den Zug durch das Rote Meer in die Wüste – Gottesdienst dort. Parallel-Buch im NT: Römerbrief und 1. Petrusbrief
  • 3. Mose: Ein geheiligtes Volk betet Gott im Heiligtum an. Parallel-Buch im NT: Hebräerbrief.
  • 4. Mose: Das Volk Gottes geht durch die Wüste, erfährt eigenes Versagen und die Gnade Gottes. Parallel-Bücher im NT: 1. und 2. Korintherbrief.
  • 5. Mose: Rückblick auf Gottes Wege – Ausblick auf das Land und auf das Leben dort. Parallel-Bücher im NT: Philipperbrief (Freude als besonderes Element), Epheserbrief, Kolosserbrief.

Das 5. Buch Mose wurde kurz vor dem Einzug in das Land Kanaan geschrieben, nach der Wüstenreise, und zwar in der Nähe des Jordan, im Land Moab (Kap 1,5). Nach einem bewegenden Rückblick und einem eindringlichen Appell zum Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes richtet Mose die Herzen des Volkes besonders auf das Land und auf ihr Verhalten dort.

Das bedeutet für uns heute: Christen erfahren – nach ihrer Erlösung (2. Mose) – einerseits ihr Leben als Reise, auf der sie Gott leitet und bewahrt (4. Mose). Andererseits erleben Christen auch schon hier auf der Erde eine Atmosphäre des Himmels, dort, wo Christus und sein reicher Segen genossen werden kann (5. Mose). Zum Beispiel in den Zusammenkünften und im Zusammenleben der Christen; oder unter gläubigen jungen Leuten und in christlichen Familien. Das beschriebene Land ist also in der Übertragung nicht der Himmel in der Zukunft (dort wird es in der Zukunft keine Feinde mehr geben), sondern ein himmlischer Bereich, in dem Gott Segen entfalten möchte, der durch den erhöhten Erlöser bewirkt wurde.

Das 5. Mose beschreibt himmlische Freude auf der Erde, die wir als Christen gemeinsam vor Gott genießen können.

Der Himmel auf Erden

„… damit eure Tage und die Tage eurer Kinder sich mehren in dem Land, das der Herr euren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, wie die Tage des Himmels über der Erde (5. Mo 11,21)
Die vielen Hinweise und Anweisungen in 5. Mose sollen uns helfen, mit Freude und in Gehorsam Gott zu dienen, in froher Gemeinschaft mit anderen Christen. Die Vorschriften sind daher in erster Linie und in den allermeisten Fällen übertragen zu verstehen – der Text über den Ochsen macht das deutlich. Andere Hinweise über Nahrungsvorschriften (5. Mose 14), Kriegsmethoden (5. Mo 20) oder zwischenmenschliche Konflikte (5. Mo 22.24) gelten heute nicht mehr im wörtlichen Sinn, da wir nicht unter Gesetz stehen. Auch ist es ja überhaupt nicht unsere Aufgabe, irgendwelche Menschen zu töten, weil sie Gott ablehnen (5. Mose 7,1.2); wohl lernen wir daraus Gottes Urteil über das Böse und wie Er uns vor bösen Einflüssen bewahren möchte. Menschen, die als Sünder Feinde des Volkes Gottes sind (5. Mo 23,4), sind durchaus in christlichen Zusammenkünften willkommen und wir beten für sie (Mt 5,44) – aber wir bewahren uns auch hier vor innerer Gemeinschaft. So können auch an sich im wörtlichen Sinn „überholte“ Anweisungen zeitlos gültigen Unterricht geben. Das XXL-Bett des Königs von Basan (siehe Kasten) ist dafür ein Beispiel.

Die Anweisungen in 5. Mose sind für Christen heute übertragen zu verstehen und geben Hinweise für das richtige Verhalten im Miteinander der Gläubigen und in Bezug auf den „Gottesdienst“.

Das XXL-Bett des Königs von Basan

Im Ostjordanland hatte das Volk Israel zwei Feinde zu besiegen: Zuerst Sihon, den König von Hesbon, den Amoriter (5. Mo 2,21-36). Er scheint ein Bild von Selbsterhöhung zu sein (vgl. 4. Mo 21,27-30). Danach galt es Og, den König von Basan, zu besiegen (5. Mo 3,1-11). Er war ein echter Riese und hatte sich mit einem XXL-Bett von 4,50 m Länge und 2,00 m Breite sein durch Selbstsucht geprägtes Leben bequem eingerichtet. „Solange man die beiden Könige Selbsterhöhung und Selbstsucht nicht besiegt hat, ist es unmöglich, die geistlichen Segnungen praktisch in Besitz zu nehmen“[3].
 

Schlüsselbegriffe – als Türöffner nutzen!

Es ist gewagt, 40 Seiten mit wenigen Stichworten zusammenzufassen, aber einige Hauptthemen fallen doch beim Lesen des Buches ins Auge:

  • Rückblick auf Gottes Führungen und auf das Versagen („erinnere dich“):
    • Knechtschaft in Ägypten: 5. Mo 5,15; 6,12; 8,14; 15,15; 24,18.22
    • Auszug aus Ägypten: 5. Mo 7,18; 16,3;
    • Führung Gottes: 5. Mo 8,2.18; 32,7;
    • Versagen: 5. Mo 9,7; 24,9.

 

  • Vorausblick auf das Land („das Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt“). Das Land wird extrem häufig genannt, vielleicht fünfzig Mal. Einige Textstellen helfen, einen ersten Eindruck von Gottes Wirken und von dem Wirken des Volkes im Blick auf das Land zu bekommen:
    • Gott gibt das Land: 5. Mo 11,9; 18,9;
    • Gott bringt das Volk ins Land: 5. Mo 6,10; 7,1; 8,7; 11,29;
    • Das Volk soll das Land in Besitz nehmen: 5. Mo 1,21; 6,1; 8,1; 9,4.5.6; 11,31; 12,1; 15,4; 23,21;
    • Das Volk wohnt im Land: 5. Mo 12,10; 26,1;
    • Das Volk lebt darin:  5. Mo 31,13; (5. Mo 4,25: „einleben“).
  • Der Ort des Gottesdienstes: 21 Mal spricht Gott in 5. Mose von dem „Ort, den der Herr, euer Gott, erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen“ , zum ersten Mal in 5. Mose 12,5, zum letzten Mal in Kapitel 31,11. Der Herr Jesus spielt auf diesen Ausdruck in Matthäus 18,18-20 deutlich an; weitere Texte im Neuen Testament erklären näher, wie Christen heute als Volk Gottes versammelt sein können und sollen.
  • Gottes Liebe zum Volk: 5. Mo 4,37; 7,8.13; 10,15; 23,6; 33,3.
  • Die Liebe des Volkes zu Gott: 5. Mo 5,10; 6,5; 7,9; 10,12; 11,1.13.
  • Freude:  Sieben Mal wird von der Freude gesprochen, besonders in Verbindung mit dem gemeinsamen Genießen der Gottesdienste (5. Mo 12,7.12.18; 14,26; 16,11.14; 26,11; 27,7; [28,47]).

Wer sich von Gottes Gnade im Alltag getragen weiß, möchte Ihm auch im Volk Gottes dienen – und sich gemeinsam mit seinen Mitgeschwistern an dem Segen des Herrn freuen.

 

Gliederung - Impuls  zum Lesestart!

Das 5. Buch Mose ist lang, aber klar gegliedert. Das erleichtert das Lesen und das Verständnis. Man kann folgende Einteilung erkennen:

  1. 5. Mo 1-4: Rückblick auf die Wüstenreise
  2. 5. Mo 5-11: Gottes Gebote und Satzungen
  3. 5. Mo 12-16: Verhaltensweisen im Land im Blick auf Gott – „die 1. Tafel“ des Gesetzes
  4. 5. Mo 17-25: Verhaltensweisen im Land als Volk Gottes – „die 2. Tafel“ des Gesetzes
  5. 5. Mo 26: Anbetung – das große Ziel Gottes
  6. 5. Mo 27-30: Segen und Fluch
  7. 5. Mo 31-34: Lied, Prophetie und Tod Moses‘.

Aus Liebe zum Herrn Jesus beachten Christen Gottes Wort in Bezug auf Gott und das Volk Gottes – und erleben dann die Freude der gemeinsamen Anbetung.

Hat dieser kurze Einstieg das Interesse am 5. Buch Mose geweckt oder gesteigert? Dann lohnt es sich, nun auch die weiteren Artikel zu lesen und dann echte Freude und echte Gemeinschaft mit anderen zu erleben. Viel Freude beim Lesen des Bibeltextes und beim Entdecken der vielen Schätze!

 



[1] Gaebelein, A.C.: Concise Commentary on the whole Bible. New Jersey 1985. S. 162.
[2] Wertvolle Hinweise zu dieser Thematik finden sich in: Remmers, A.: Die Bibel im Überblick. Hückeswagen 2011. S. 71-75.
[3] Heijkoop, H.L.: Aus dem Wort der Wahrheit (Band 2). Schwelm 1983. Seite 169.
[4] Das „Novum Testamentum Graece“ von Nestle-Aland (26. Auflage, 4. Druck) führt ca. 100 Zitate und Anspielungen auf.




Elberfelder Übersetzung

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