Bibelstudium

Der 2. Johannesbrief - Liebe in der Wahrheit

2. Johannes: Liebe in der Wahrheit (3)

Im dritten Teil der Serie über den 2. Johannesbrief lernen wir etwas über das Gebot der göttlichen Liebe, wie es in den Versen 4 - 6 behandelt wird.

Das Gebot göttlicher Liebe (Verse 4-6)

In der Wahrheit wandeln (Vers 4)

„Ich habe mich sehr gefreut, dass ich einige von deinen Kindern in der Wahrheit wandelnd gefunden habe, wie wir von dem Vater ein Gebot empfangen haben“ (Vers 4).

In Vers 4 kommt der Apostel nun auf den Lebenswandel der Frau mit ihren Kindern zu sprechen. Es geht darum, „in der Wahrheit zu wandeln“. Diesen Ausdruck finden wir auch im dritten Brief des Johannes (3. Joh 3.4). Beim Lesen des ganzen Verses könnte man traurig werden. Warum? Das Wörtchen „einige“ steht nicht im Grundtext, sondern da heißt es: „von deinen Kindern“. Der Apostel Johannes hatte von Kindern dieser Frau, die möglicherweise nicht mehr zu Hause wohnten, gehört, dass sie in der Wahrheit wandelten. Aber es waren offenbar nur einige. Ich möchte nicht behaupten, dass es unbedingt bedeuten muss, dass eben andere schon verführt worden waren. Aber der Zusammenhang könnte darauf hinweisen, dass sie auch deshalb gewarnt wird vor der Aufnahme falscher Lehrer.

Letztlich erklärt Johannes diesen Punkt nicht weiter. Vielleicht waren schon einige Kinder der Frau nicht mehr auf dem christlichen Weg - damals gab es noch keine unterschiedlichen christlichen Gruppierungen. Entweder man war Christ und „drinnen“, oder man lehnte das Christentum ab und war „draußen“. Vielleicht waren einzelne Kinder auch noch kleiner oder noch gar nicht bekehrt. Wir wissen es letztlich nicht. Aber Johannes freut sich, dass wenigstens einige ihrer Kinder in der Wahrheit wandeln.

„In der Wahrheit wandeln“ ist wieder etwas anderes, als was in den ersten drei Versen gesagt wurde. Die Wahrheit zu erkennen (Vers 1) ist bereits etwas Großes, sonst würden wir Gott nicht kennen und wären in keine Beziehung zu Ihm gekommen. Aber es ist eine andere Frage, ob von uns gesagt werden kann, was von Gajus gesagt wird (3. Joh 3), dass er die Wahrheit festhielt. Könnte von uns auch gesagt werden, und das ist noch mehr, dass „wir in der Wahrheit wandeln“? Dieser Ausdruck bedeutet, dass unser praktisches Leben in Übereinstimmung ist mit dem, was Gott von sich offenbart hat. Müssen wir uns nicht manchmal schämen? Haben wir die Wahrheit Gottes über seinen Sohn als Standard, als Maßstab für unseren täglichen Lebenswandel?

Wir neigen dazu, einen gewissen Sonntagsstatus zu haben. Man geht in die Zusammenkünfte, da ist man dann am richtigen Platz usw., aber sonst in der Woche, da machen wir, was wir wollen. Da fragen wir nicht viel nach der Wahrheit. Wir haben das Recht, so denken wir, das selbst zu entscheiden. Dieses Recht haben wir nicht. Abgesehen davon ist das auch kein glücklicher Weg. In der Wahrheit wandeln ist gewissermaßen eine Empfehlung für die Wahrheit, man kann sie an unserem Lebenswandel sehen. Das ist ein Punkt, an dem wir leider oft versagen.

Das Gebot des Vaters

Johannes fügt noch hinzu: „wie wir von dem Vater ein Gebot empfangen haben“. Wir haben von dem Vater ein Gebot empfangen. Das ist kein sinaitisches Gebot. Es geht auch nicht um ein gesetzliches Muss. Wenn Johannes von Gebot spricht, meint er den Willen Gottes, die Autorität Gottes. Wir alle müssen lernen, dass es in unserem Umgang mit Gott immer mit der Respektierung seiner Autorität beginnt, nicht mit der Frage nach Liebe. Es ist ein Kardinalfehler, den wir oft begehen. Wir beginnen mit der Liebe Gottes. Das ist falsch. Gott beginnt nie so. Ich beziehe mich dabei nicht auf die Offenbarung, die Er von sich gegeben hat. Da sehen wir sofort seine Liebe. Aber unser Umgang mit Ihm muss zuerst dadurch gekennzeichnet sein, dass wir seine Autorität anerkennen.

Jede Bekehrung ist dafür ein Beispiel. Man kann bei der Bekehrung nicht mit der Liebe anfangen. Am Anfang geht man zu Gott und sagt: „Ich habe gegen dich gesündigt“. Das hat der verlorene Sohn gesagt. So beginnt man, und nicht: „Ich bitte um deine Liebe“. Sage Ihm, was falsch bei dir war. Dieser eine Verbrecher am Kreuz hat auch gesagt: „Wir werden mit Recht am Kreuz gemartert.“ Es handelt sich um die Anerkennung der Autorität Gottes, die wir als Menschen verletzt haben. Wenn wir sie über uns akzeptieren, wird Er seine Liebe zeigen und uns in die Arme nehmen, wie wir es vom Vater des verlorenen Sohnes lesen (Lk 15,20). Auch wir als Kinder Gottes beginnen nicht mit der Liebe, sondern mit der Wahrheit, mit dem Gebot Gottes.

Noch ein Gedanke zu Geboten. Als Kinder Gottes besitzen wir das ewige Leben durch die Gnade Gottes. Dieses göttliche Leben in uns ist unverlierbar. Es kann auch nicht verkümmern oder altern. Aber dieses Leben muss geführt werden. Es ist der Geist Gottes, der uns durch das Wort Gottes auf dem Weg des Gehorsams leiten möchte. Deswegen heißt es immer wieder „Gebot“, obwohl es die Worte des Herrn sind und das, was Er wirklich selbst war. Aber es sind Worte, die Autorität für uns sind und uns daher auf dem Weg des Gehorsams leiten. Das neue Leben in uns ist nicht autark, nicht selbständig. Es braucht nicht nur die Nahrung - das ist Christus und sein Wort - es braucht Führung und deswegen gibt Gott uns sein Gebot bzw. seine Gebote. Daher macht es uns glücklich, wenn wir von Gebot lesen. Denn es weist darauf hin, dass wir ewiges Leben besitzen. Sonst hätte uns Gott keine Gebote gegeben. Seit Golgatha gibt Gott dem natürlichen Menschen kein Gebot mehr - es hat sich erwiesen, dass dieser keines halten kann. Da wir aber das Leben Gottes besitzen, gibt Er uns Gebote. Wie gut, dass Gott uns durch das Leben nicht nur die Fähigkeit gibt zu lieben, sondern auch zu gehorchen. Er führt dieses Leben eben auch durch sein eigenes Wort.

Der Inhalt des Gebotes

Nun stellt sich die Frage, was der Inhalt des Gebots ist. Wir haben im ersten Brief die Erklärung dafür. In 1. Johannes 3,23 heißt es: „Und dies ist sein Gebot, dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben“. Dieses Gebot hat zwei Seiten. Die eine Seite ist zum Herrn Jesus gewandt und die andere zu den Kindern Gottes. Wir sollen an den Herrn Jesus glauben. Das sagt Er hier nicht Menschen, die noch nicht errettet sind, sondern solchen, die bereits in einer Beziehung zu Ihm stehen und Leben besitzen.

Wir sollen nach dem Willen des Vaters an seinen Sohn glauben, an den Namen seines Sohnes, Der Name spricht von der Offenbarung einer Person. Es geht also um die Offenbarung des Sohnes. Das entspricht der ganzen Fülle des Neuen Testamentes, in der wir die Offenbarung lesen, die der Vater im Sohn gegeben hat. Der Gegenstand unseres Glaubens ist der Herr Jesus selbst, der die Wahrheit ist. Diese erste Seite des Gebotes ist, das merken wir, viel, viel mehr, als nur das einzelne Gebot, das der Apostel im nächsten Vers betont: dass wir einander lieben sollen. Dies ist die zweite Seite des Gebots: die Liebe zu den Gläubigen.

Ein herausgehobenes Gebot (Vers 5)

„Und nun bitte ich dich, Frau, nicht also ob ich dir ein neues Gebot schriebe, sondern das, was wir von Anfang an gehabt haben: dass wir einander lieben sollen“ (Vers 5)

Johannes hebt nun in typischer Weise dieses eine Gebot heraus. Er betont das Gebot, einander zu lieben. Ich habe den Eindruck, dass er im weiteren Verlauf, zum Beispiel in Vers 6, die Sache wieder viel allgemeiner sieht. Zuerst redet er von einem besonderen Gebot und sagt: „Und nun bitte ich dich, Frau, nicht als ob ich dir ein neues Gebot schriebe, sondern das, was wir von Anfang gehabt haben“, nämlich, „dass wir einander lieben sollen“. Johannes schrieb ihnen nicht ein neues Gebot. Das hatte er schon in 1. Johannes 2,7 betont, wo er von einem alten Gebot spricht. Hier wiederholt er das. Es ist nicht neu, sondern alt.

Das besondere, für die christliche Zeit charakteristische Gebot bezieht sich auf die Liebe der Jünger untereinander. Aber da die christliche Wahrheit alt ist, ist auch dieses Gebot nicht neu. Damals gab es viele Irrlehrer, die ihre Ware mit „neu“ anpriesen. Sie gaben vor, ganz neue Erkenntnisse zu bieten. Der Apostel hält dem entgegen: „Ich liebe das Alte“. Ich liebe das, was Gott von Anfang an gegeben hat. Das ist das Alte, und daran möchten wir fest halten.

Was heißt der Ausdruck „von Anfang an“? Damit ist nicht die Schöpfung gemeint („im Anfang schuf Gott“). Damit spielt Johannes auch nicht auf den Anfang an, mit dem er sein Evangelium beginnt („Im Anfang war das Wort“). Es geht um einen späteren Anfang. Es ist der Anfang, als Christus hier auf der Erde war und Gott offenbarte. Das war ein neuer, ein großartiger und beglückender Anfang. Da redete Gott im Sohn, wie es der Schreiber des Hebräerbriefs ausdrückt. So etwas hatte es bisher noch nie gegeben. Gott war hier auf der Erde offenbart im Fleisch. Wenn man Christus sah, sah man den Vater, ja Gott.

Wir können auch sagen, das ist der Anfang des Christentums. Dieses begann nämlich nicht am Tag der Pfingsten, als der Heilige Geist kam. Zu diesem Zeitpunkt begann die Versammlung (Gemeinde, Kirche) auf Erden. Nein, es ist der Anfang wahren Christentums in der Person Christi selbst. Das ist immer der Anfang in den Briefen des Johannes. Er geht immer zurück zum Anfang: „was von Anfang an war“.

Damit erteilt er jeder Entwicklungslehre einen Todesstoß, was auch jede Entwicklung in göttlichen Dingen ausschließt. Die Wahrheit war das, was Gott von Anfang an gab: die Offenbarung in der Person Christi selbst, wie sie später niedergelegt wurde in der Heiligen Schrift. Es musste sich nicht erst entwickeln, damit es irgendwann wahr würde. Es war von Anfang an das, was es in Gottes Gedanken war: die Wahrheit. Was später gelehrt wurde, als angebliche Entwicklung der Wahrheit, war immer Irrtum. Insofern hat ein Bruder einmal trefflich gesagt: „Was wahr ist, ist alt, was neu ist, ist nicht wahr!“

Das schließt natürlich auch die Inspiration der Schriften ein. Gott hat heilige Männer benutzt, die Dinge so niederzuschreiben, wie sie tatsächlich sind. Jede Veränderung an Gottes Wort ist eine Zerstörung desselben. Nein, die Wahrheit war von Anfang an so, wie sie von Gott gegeben worden war. Wir müssen somit nicht irgendwelche Fortentwicklungen erwarten. Persönlich sollten wir ständig dazulernen - aber darum geht es hier nicht. Denn die Wahrheit als solche ist von Anfang an absolut fertig gewesen und nicht irgendeiner Entwicklung ausgesetzt.

Die Liebe und das Gebot (Vers 6)

„Und dies ist die Liebe, dass wir nach seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr von Anfang an gehört hat, dass ihr darin wandeln sollt“ (Vers 6).

Schon damals gab es viele neue Gedanken, die Eingang in die Herzen der Gläubigen fanden. Daher warnt Johannes die Empfänger seines Briefes hier: „Wie ihr von Anfang gehört habt, darin sollt ihr wandeln“. Das ist das Gebot. Ich habe den Eindruck, dass Johannes hier schon wieder grundsätzlicher wird und über das eine Gebot hinausgeht, einander zu lieben. Letzten Endes ist das Gebot charakteristisch für die ganze christliche Lehre. Sie bestand von Anfang an und ist so und bleibt in Ewigkeit. Damit haben wir ein festes Fundament unter den Füßen.

In den Vers 5 und 6 ist noch ein wichtiger Grundsatz enthalten. Die beiden Stichwörter Gebot und Liebe stehen in Vers 5 in einer anderen Reihenfolge als in Vers 6. In Vers 5 nennt Johannes zuerst das Gebot, dann die Liebe. In Vers 6 finden wir die umgekehrte Reihenfolge. Zuerst spricht er von Liebe, und dann von Gebot. Man hat das eine „Stilfigur“ genannt. Das ist nichts Abwertendes. Es ist einfach eine Art und Weise, die Gott benutzt, um uns zu belehren. Es ist eine kreuzweise Vertauschung der Begriffe, wodurch Gott etwas ausdrücken will. Wir finden so etwas übrigens auch im Alten Testament in der hebräischen Poesie.

Was möchte uns der Geist Gottes durch diese Art der Belehrung zeigen? In Vers 5 beginnt Er mit dem Gebot und betont die Autorität der Aussagen des Herrn und seiner Worte. Dann zeigt Er, dass sich wahrer Gehorsam dem Wort Gottes gegenüber in Liebe offenbart. Das zeigt: Der Ausdruck des Gehorsams ist Liebe. In Vers 6 aber ist es umgekehrt. Dort ist der Ausdruck der Liebe der Gehorsam. Das ist kein Wortspiel. Es sind zwei Aspekte der Wahrheit, die beide wahr sind und miteinander verkettet sind.

Gott gibt uns ein Gebot. Das hatte der Herr Jesus schon seinen Jüngern aufgegeben, nämlich dass wir einander lieben sollen. Dass wir das zu wenig tun, müssen wir sicher alle bekennen, aber das ist das Gebot, das Gott uns gibt. Das Gebot mündet in der Liebe zueinander, aber die Liebe zueinander muss durch die Wahrheit gewissermaßen bewacht werden. Es könnte sein, dass die Bruderliebe ihren erhabenen Charakter verliert und durch eigennützige, eigenwillige Gefühle und Gedanken beschmutzt wird. Deswegen sagt Johannes hier in einem zweiten Schritt, dass die Liebe sich im Gehorsam äußern muss, nach seinen Geboten. Das hat der Herr Jesus bereits gesagt: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“ (Joh 14,21). Die Liebe äußert sich im Gehorsam, sonst ist es keine Liebe. Das, was heute oft Liebe genannt wird, ist nicht Liebe, wenn sie nicht mit Gehorsam gepaart ist (vgl. 1. Joh 5,2). Es ist nicht Liebe, wenn wir einen Bruder irreleiten, nur weil wir ihm nicht wehtun wollen, obwohl wir genau wissen, dass das, was er tut, falsch ist.

Der Ausfluss des Gehorsams ist Liebe, und der Ausfluss der Liebe ist Gehorsam. So beeinflusst eins das andere und so bleiben wir bewahrt vor all den bösen Irrungen, die es auch heute gibt.

Wir haben also gesehen: Wir lieben in der Wahrheit, das ist der Charakter der Liebe. Wir lieben um der Wahrheit willen, das ist der Grund, warum wir lieben. Und die Liebe ist immer verbunden mit der Wahrheit. Die Liebe bewacht die Wahrheit, die Wahrheit bewacht die Liebe.

Christian Briem




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