Bloß nicht warten?

"Gütig ist der HERR gegen die, welche auf ihn harren, gegen die Seele, die nach ihm trachtet. Es ist gut, dass man still warte auf die Rettung des HERRN. Es ist dem »
Manne gut, dass er das Joch in seiner Jugend trage" (Klgl 3,25-27).

Es ist eine der großen Wahrheiten in der Bibel, dass Gott gütig ist. Alles,
was Er tut, ist gut. Nachdem Gott alles geschaffen hatte, beschrieb Er es mit den Worten: "Es war sehr gut" (1. Mo 1,31). Es musste sehr gut sein, weil es aus Seiner mächtigen Hand hervorgegangen ist. Er hat alles zum Besten des Menschen bereitet. Als Er das Volk Israel erwählte, bereitete Er ihnen ebenfalls ein gutes Land.
Unglücklicherweise hielt das Verderben durch die Sünde seinen Einzug in die Schöpfung und später auch in Israel. Doch durch das Kommen des Herrn Jesus auf diese Erde wurde eine gute Botschaft verkündigt. Das war die beste Botschaft, die je gehört wurde, nämlich dass Gott Sünden vergibt aufgrund des Todes und der Auferstehung Seines Sohnes. Auch hat Er für die Gläubigen in der Jetztzeit einen Platz in der Herrlichkeit bereitet. Alles, was Er getan hat, entsprach Seinem Wohlgefallen.
Damit sollten wir uns im Glauben beschäftigen, welche Schwierigkeiten auch immer uns in dieser Zeit begegnen mögen. Paulus hat im Brief an die Römer geschrieben, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten mitwirkt (Röm 8,28).
Aber es ist nötig, dass unsere Herzen das im Glauben festhalten und auch wissen, dass der Gott, an den wir glauben, in der Lage ist, uns zu stärken und aufrecht zu erhalten. Er ist stark genug und weise genug, um sich mit unseren Problemen zu beschäftigen und uns hindurchzubringen zu Seiner Herrlichkeit.
"Gütig ist der HERR". Das ist Er besonders denen gegenüber, die auf Ihn warten. Jeder kennt bestimmte persönliche Umstände, die ihm Not machen. Wir werden dadurch erprobt, weil Gott sehen möchte, ob wir Ihm vertrauen. Auch möchte Er bewirken, dass wir besser verstehen, wie groß Er ist. Gott möchte gern, dass uns klar wird, dass Er ein großer und gütiger Gott ist. In unserer Güte kommen wir oft zu kurz und versagen; doch Seine Güte ist vollkommen, und sie nimmt niemals ab.
In der Schrift finden wir einige beeindruckende Beispiele von jungen Männern, die auf Gott gewartet haben und dadurch die Güte Gottes erfahren durften, und wir stoßen auch auf Beispiele, die uns klarmachen, wie junge Menschen das "Joch in der Jugend" trugen. Es wurde für sie zum Segen.
Im ersten Teil möchte ich Euch an einige junge Gläubige erinnern, die auf die "Rettung des HERRN" gewartet haben und darin Seine "Güte" erfahren durften.

Gewartet - aber nicht umsonst

Die Kundschafter — Josua und Kaleb

Wir erinnern uns, dass Gott vor der Inbesitznahme des Landes Kanaan durch das Volk Israel zwölf Kundschafter aussenden ließ (4. Mo 13). Er wollte gern, dass sie sahen, dass es ein gutes Land war, in das sie eintraten. Und so fanden sie es auch vor. Als sie zu dem Volk zurückkehrten und über das Land berichteten, waren sie unterschiedlicher Meinung: Zehn Kundschafter hatten zwar auch gesehen, dass es ein gutes Land war; doch sie wiesen auf die großen Schwierigkeiten hin.
Die beiden anderen, Kaleb und Josua, sagten ebenfalls, dass es ein gutes Land sei, doch sie waren gleichzeitig der Überzeugung, dass der Glaube an Gott sie in die Lage versetzen würde, die Schwierigkeiten zu überwinden. Es ist etwas Merkwürdiges, dass die Menschen im allgemeinen schlechte Nachrichten leichter aufnehmen als gute.
Die Folge des Unglaubens war, dass Gott das Volk strafte. Er ordnete an, dass es vierzig Jahre durch die Wüste ziehen sollte. Auch Kaleb und Josua mussten mit ihnen ziehen. Sie hatten persönlich keinen Anteil an dem Unglauben, doch auch sie mussten ertragen, was das ganze Volk zu ertragen hatte. Aber sie verloren niemals ihr Vertrauen auf Gott. Sie glaubten, dass Gott ihnen helfen würde, die Schwierigkeiten zu überwinden.
Josua wurde später der große Führer des Volkes, der es in das Land Kanaan hineinbrachte. Kaleb erbat sich im Lande von Gott ein bestimmtes Erbteil mit den Worten: "Ich bin heute noch so stark wie an dem Tage, da Mose mich aussandte; wie meine Kraft damals, so ist meine Kraft jetzt zum Streite, und um aus- und einzuziehen" (Jos 14,11). Er war noch ebenso stark wie vierzig Jahre früher. Vierzig Jahre hatte er geduldig auf diesen Augenblick gewartet in dem Bewusstsein, dass Gott ihn durch die Wüste führen würde; und als er im Land war, wusste er, dass Gott ihm den Landstrich geben würde, der für ihn bestimmt war.
Ich erinnere mich gern an Kaleb. Vierzig Jahre lang aß er das Manna, und am Ende der vierzig Jahre war er noch so stark, wie er es zu Anfang gewesen war. Das macht uns klar, dass das Manna eine sehr gute und nahrhafte Speise war. Auch für uns ist es gut, wenn wir uns jeden Tag von Christus ernähren, denn davon ist das Manna ein Bild. Doch das besondere Kennzeichen Josuas und Kalebs war dieses: Sie vertrauten Gott. Dieser Glaube bestimmte ihr Leben.
Ich bin sicher, dass die meisten sagen würden: Gott ist groß, und Er ist in der Lage, mit Problemen fertig zu werden. Doch dann sagen viele: Aber nicht mit meinen Problemen. Meine Probleme sind zu groß.
Gibt es ein Problem, das für Gott zu groß wäre? Er hat alle Weisheit und Kenntnis und Macht. Und so, wie Er Kaleb und Josua half, will Er auch uns helfen.

Joseph


Es gibt noch einen anderen jungen Mann in der Bibel, und das ist Joseph. Auch er wusste, was es bedeutet, auf Gott zu warten. Ihr erinnert euch, dass er mehr als zwei Jahre im Gefängnis war. Und nachdem er den Traum des Mundschenken gedeutet hatte, erwartete er, dass dieser dem Pharao von ihm berichten würde, doch der Mundschenk vergaß ihn.
Wurde Joseph deshalb unruhig? Nein, wir glauben, dass er geduldig auf Gott wartete. Und die Zeit kam, dass er aus dem Gefängnis geholt und in eine sehr hohe Stellung in Ägypten berufen wurde. Er war der nächste neben dem Pharao, was den Thron betrifft, und durch seinen Dienst in Ägypten sollten unzählige Menschen gesegnet werden.
Als er mit seinen Brüdern wieder versöhnt war, sagte er: All das ist geschehen, weil Gott es so beabsichtigt hat. Seine Brüder fühlten sich schuldig in Bezug auf das, was sie ihrem Bruder angetan hatten, doch Joseph brachte ihre Herzen zum Frieden. Er sagte: Ihr wolltet Böses tun, doch Gott hat es zum Guten gewendet. In der Stellung der Macht, die er einnahm, war Joseph in der Lage, seinem Vater zu helfen, seinen Brüdern zu helfen und sogar Menschen von nah und fern.
Das ist die Erfahrung so mancher Gläubigen, dass die Schwierigkeiten, durch die sie hindurchgehen, wenn sie auf Gott warten, in Segen umgewandelt werden. Gott gebraucht die Umstände zu unserem eigenen Segen und benutzt dann uns, um anderen zu helfen. So sagt es der Apostel in 2. Korinther 1,3.4: "Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unserer Drangsal, auf dass wir die trösten können, die in allerlei Drangsal sind, durch den Trost, mit welchem wir selbst von Gott getröstet werden."
So sind wir dankbar für solche Erfahrungen. Sie stärken unseren Glauben an Gott, sie bringen Segen in unsere Herzen, und Gott kann sie zum Segen für andere gebrauchen.

David

Auch dieser junge Mann wartete auf Gott. Er wurde zu einer Zeit zum König über Israel gesalbt, wo Saul noch der gesalbte König war, doch sich durch seinen Ungehorsam als unwürdig erwiesen hatte. David musste lange Zeit warten, bis er den Königsthron einnahm. Er musste viele schwere, bittere Erfahrungen machen. In den Psalmen, die er gedichtet hat, spricht er sehr oft von seinem Warten auf Gott.
Es war nicht einfach für ihn, geduldig zu warten. Er wurde gejagt wie ein Rebhuhn in den Bergen. Saul hasste und verfolgte ihn. Doch die Zeit kam, wo er auf den Königsthron erhoben wurde. Zuerst wandten sich ihm die beiden Stämme Juda und Benjamin zu und schließlich auch die zehn Stämme. Sie liebten David. Er wurde ein König in Kraft und Macht; er schlug alle Feinde Israels ringsumher.
Die Geschichte Davids ist eine große Ermunterung für uns. Es gab in seinem Leben auch Zeiten, wo er deprimiert war. Manchmal dachte er, er würde von Saul getötet werden. Doch Gott richtete Seinen Diener immer wieder auf. Welch ein ausgezeichneter Mann Gottes war er.
Manchmal drücken uns Schwierigkeiten nieder. Wir fragen uns, ob wir je in der Lage sein werden, sie zu überwinden. Die Macht Satans ist so groß, das Fleisch in uns ist so böse, die Welt um uns herum ist so verdorben. Wie können wir da überwinden?
Der Apostel Paulus stellt im Römerbrief die Frage: "Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?" (Kap. 8,31). Haben wir als Christen den Glauben, dass Gott größer ist als die Mächte, die uns entgegen sind? Der Herr Jesus hat gesagt: "Niemand wird sie [die Schafe] aus meiner Hand rauben." Und dann fügt Er hinzu: "Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins" (Joh 10,28.29).
Wenn wir an irgendeine Macht denken, die es gibt — der Vater ist größer als diese Macht. So können wir wie David ermuntert werden, dass Gott auf unserer Seite steht und uns im Triumph durch alle Schwierigkeiten hindurchführen wird, und zwar zu Seiner eigenen Herrlichkeit und zu unserem Segen.

"Meine Stunde ist noch nicht gekommen"

Wir wollen die erste Folge dieses Artikels nicht beenden, ohne auch bei dem Thema des Wartens an den Sohn Gottes zu denken, der wahrhaftiger Mensch geworden ist. Er wurde Mensch, als die Fülle der Zeit gekommen war. Und Er kam auf diese Erde, um den Willen Gottes zu tun (Heb 10,7).
Das sehen wir auf Schritt und Tritt in dem Leben und Dienst dieses einzigartigen Menschen. Er tat nichts, ohne dazu einen Auftrag von Seinem Vater zu haben. Er war in beständiger Verbindung mit Seinem Gott und Vater. Unzählige Male finden wir Ihn im Gebet, oft frühmorgens, manchmal sogar eine ganze Nacht hindurch.
Als auf der Hochzeit in Kana, wo auch der Herr Jesus mit Seinen Jüngern anwesend war, der Wein ausging und Maria, die Mutter Jesu, Ihn darauf ansprach, empfing sie eine Zurechtweisung und hörte aus Seinem Mund die Worte, dass Seine Stunde noch nicht gekommen war (Joh 2,4).
Wir wollen von Ihm lernen und alle unsere Vorhaben und auch die Wünsche unserer Mitmenschen an uns im Gebet Gott, unserem Vater, vorlegen und entsprechend Seinen Anweisungen handeln. "Wer da sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt hat" (1. Joh 2,6).
(Nach einem Vortrag bearbeitet; Fortsetzung folgt)
Frank Wallace