Mose und Josua

Mose und Josua, die beiden bekannten Glaubensmänner aus dem Alten Testament, treten häufig gemeinsam auf. Dabei war Mose um einiges älter als Josua. Insofern gibt uns ihre gemeinsame Zeit einige Hinweise für das Miteinander von Alt und Jung.

 

Der Kampf gegen Amalek (2. Mo 17,8-16)

Während Mose als Führer des Volkes Israel schon häufig in Erscheinung getreten ist, wird Josua in 2. Mose 17 zum ersten Mal erwähnt. Dabei geht es um eine kritische Situation: Amalek kam, um gegen Israel zu kämpfen.

Mose beauftragt seinen jungen Diener, geeignete Männer auszuwählen und gegen Amalek zu kämpfen. Er selbst wollte zusammen mit Aaron und Hur auf den Berg steigen, um dort mit dem Stab Gottes seine Hände zum Himmel zu heben.

Mose überträgt dem jungen Josua eine sehr wichtige Aufgabe. Das zeigt sein Vertrauen zu ihm, aber gleichzeitig lässt er ihn nicht alleine. Mose unterstützt Josua vom Berg aus durch sein Gebet.

Was Josua angeht, so startet er nicht von sich aus. Doch er ist bereit, den Auftrag Moses mit Einsatz und Energie auszuführen. Er enttäuscht das Vertrauen Moses nicht.

Hier lernen wir, dass Ältere Vertrauen zu Jüngeren haben und ihnen sogar schwierige Aufgaben anvertrauen können. Dabei sollen sie die Jüngeren aber nicht alleine lassen, sondern intensiv für sie beten. Jüngere dagegen sollen beachten, was Ältere ihnen sagen, und sich des ihnen entgegengebrachten Vertrauens bewusst sein. Sie werden darüber hinaus dankbar für die Gebete der Älteren sein.

 

Mit Mose auf dem Berg (2. Mo 24,12-25,1)

Bei der nächsten Erwähnung Josuas finden wir ihn mit Mose auf dem Berg. Mose und Josua haben dort eine Begegnung mit dem HERRN selbst, dessen Herrlichkeit ihnen erscheint. Dabei gibt der HERR Mose die Tafeln des Gesetzes, die mit dem Finger Gottes beschrieben waren. Und dort teilt Er ihm den Bauplan des Zeltes der Zusammenkunft mit und zeigt ihm dessen Muster.

So konnte Josua gemeinsam mit Mose auf dem Berg in der Gegenwart des Herrn sein und Gott kennenlernen:

Sein Wesen (die Herrlichkeit des Herrn in Heiligkeit).
Seine Gedanken (die Zehn Gebote).
Sein Wohnen bei seinem Volk (das Zelt der Zusammenkunft).

Auch wir müssen immer wieder in die Gegenwart Gottes gehen, um in Gemeinschaft mit ihm seine Gedanken und ihn selbst besser kennen zu lernen. Das ist unbedingt wichtig für Ältere und für Jüngere! In der Gegenwart Gottes lernen wir, dort bekommen wir den richtigen Blick für alles, dort werden wir ausgerichtet für unseren Weg im Alltag. 

Gibt es Ältere unter den Lesern dieser Zeitschrift, die sich Zeit nehmen, um mit jüngeren Gläubigen „auf den Berg zu gehen“? Und gibt es jüngere Gläubige, die gerne die Gelegenheiten suchen und nutzen, gemeinsam mit älteren von Gott zu lernen?

 

Das Zelt außerhalb des Lagers (2. Mo 32,15-20 und 33,7-11) 

Vierzig Tage später kommen Mose und Josua vom Berg herunter zu dem Volk. Der Herr hat Mose schon gesagt, was im Lager geschehen ist: Das Volk hat sich ein goldenes Kalb gemacht und es zu seinem Gott erklärt. Jetzt kommen die beiden Männer vom Berg und hören schon von Weitem das Jauchzen des Volkes.

Josua hält diesen Lärm für Kriegsgeschrei. Damit kannte er sich aus, denn er hatte ja das Volk im Kampf gegen Amalek angeführt. Doch er irrt sich! Mose weiß es besser, weil er von Gott selbst belehrt war. Er erklärt Josua, dass es sich nicht um Kriegsgeschrei handelt, sondern um Wechselgesang[1].

Hier lernen wir, dass erfahrene Gläubige in der Gegenwart Gottes gereift sind und deshalb manche Situation besser beurteilen und einschätzen können. Deshalb ist es gut und wichtig, wenn jüngere Gläubige die geistliche Erfahrung der Älteren wertschätzen und davon lernen wollen. Dabei ist nicht in erster Linie Lebenserfahrung von Bedeutung, sondern wirkliche göttliche Weisheit, die in der Gegenwart Gottes gelernt wird. Wie gut, dass Josua an dieser Stelle von der Weisheit Moses profitieren konnte!

Wer in der Gegenwart Gottes war, kann den Zustand des Volkes Gottes klar erkennen. Das führt bei Mose dazu, dass er genau weiß, wo er sein Zelt aufschlagen muss: außerhalb des Lagers. Mose hat ein großes Verlangen nach der Gemeinschaft mit Gott und er weiß, dass er diese nicht im Lager, das dem Götzendienst verfallen ist, finden kann. Der einzige Ort, an dem er die Gegenwart des Herrn erleben kann, ist außerhalb des Lagers.

Der wichtige Grundsatz, den schon Mose kannte und verwirklichte, ist dieser: Gemeinschaft mit Gott erfordert Absonderung vom Bösen. Auch das lernt Josua bei Mose und erlebt den Segen der Gegenwart des Herrn.

Noch eine wichtige Lektion lernen wir aus diesem Abschnitt. Mose, der erfahrene und ältere Diener des Herrn, hatte die Aufgabe, ins Lager zurückzukehren, um dort dem Volk zu dienen. Josua dagegen, der hier ausdrücklich als Jüngling bezeichnet wird, blieb im Zelt Moses außerhalb des Lagers. 

Daraus erkennen wir zunächst, dass wir in der Gemeinschaft mit dem Herrn für jede Aufgabe zubereitet werden müssen, zu der er uns gebrauchen möchte. Und noch etwas: Gott verteilt seine Aufgaben, entsprechend der jeweiligen geistlichen Kraft seiner Diener. Wir wollen also einerseits die Gemeinschaft mit Gott bewusst suchen und uns dort für Aufgaben zubereiten lassen. Andererseits wollen wir darauf achten, dass wir nicht „zu große Schuhe tragen“, das heißt, nicht Aufgaben in Angriff nehmen, zu denen wir (noch) nicht die geistliche Befähigung haben. Es ist der Herr selbst, der uns zur richtigen Zeit an den richtigen Platz stellt.

 

Eifer – aber für wen? (4. Mo 11,24-29)

Mose bittet in einer Glaubenskrise darum, die Last des ganzen Volkes nicht mehr alleine tragen zu müssen. Daraufhin stellt der Herr ihm 70 Älteste zur Seite. Nachdem Mose sie zum Zelt der Zusammenkunft gerufen hat, legt der Herr von dem Geist, der auf Mose ist, auf diese Männer. Sofort wird das nach außen sichtbar, denn die Ältesten beginnen, zu weissagen.

Zwei dieser Ältesten sind auf Moses Ruf nicht zum Zelt der Zusammenkunft gekommen. Dennoch weissagen auch sie, jedoch im Lager. Als Josua das erfährt, fordert er Mose auf, diesen Männern zu wehren. Doch Mose hat den richtigen Blick auf die Situation. Er fragt Josua: Eiferst du für mich?

Er selbst hatte verstanden, dass es ein Segen für das ganze Volk ist, wenn der Geist Gottes wirkt. Diesem Wirken Gottes wollte er nicht im Weg stehen. Josua sollte lernen, dass es nicht um die Ehre von Menschen geht, selbst wenn Mose der von Gott eingesetzte Führer im Volk war und seine Autorität in diesem Fall missachtet wurde. Doch aller Eifer muss für Gott eingesetzt werden, niemals sollten wir die Ehre von Menschen suchen, weder von anderen noch Ehre für uns selbst. Diese wichtige Lektion musste Josua noch lernen.

 

Als Kundschafter unterwegs

In 4. Mose 13 finden wir Josua, wie er als Fürst des Stammes Ephraim als Kundschafter nach Kanaan zieht – eine verantwortungsvolle Aufgabe, die er zusammen mit elf anderen Männern übernimmt.

Beeindruckt von der Fruchtbarkeit des Landes stellt er mit den anderen Kundschaftern fest, dass die Verheißung des Herrn tatsächlich hundertprozentig wahr ist. Das Land ist sehr, sehr gut. Natürlich hat Josua auch die befestigten Städte und die Riesen Kanaans gesehen. Doch im Gegensatz zu den anderen Kundschaftern stützt er sich gemeinsam mit Kaleb auf Gottes Hilfe und tritt unter Einsatz seines Lebens dafür ein, das Land in Besitz zu nehmen. Was für eine Entschiedenheit, was für eine Bewährung! Josua beweist in dieser Sache, dass er absolut brauchbar ist in den Aufgaben, die Gott ihm gibt, und dass er treu ist, auch wenn es großen Widerstand gibt. Dabei stützt er sich nicht auf eigene Kraft, sondern auf die Zusagen Gottes.

Das ist ein lehrreicher Wendepunkt in der Geschichte Josuas. Junge Gläubige lernen, dass einmal ein Zeitpunkt kommt, an dem sie eine Aufgabe in persönlicher Verantwortung übernehmen müssen. Dass man einmal alleine – ohne den älteren und erfahrenen „Mose“ – losziehen muss. Spätestens dann zeigt sich, ob echte Hingabe und Treue an Gott vorhanden sind. Ob die Bereitschaft gewachsen ist, auch unter Inkaufnahme persönlicher Nachteile entschieden für die Sache Gottes einzutreten. Und das geht nur, wenn man gelernt hat, auf Gott zu vertrauen und nicht auf eigene Kraft zu bauen.

 

Eingesetzt für eine große Aufgabe (4. Mo 27,18-20)

Noch einmal finden wir Mose und Josua zusammen. Mose muss abtreten. Da hat er noch einen Wunsch: dass Gott einen Führer über das Volk bestellt, um es in das Land Kanaan zu führen. Gott antwortet prompt auf seine Bitte und beauftragt Mose, Josua vor die Gemeinde zu stellen, um ihm die entsprechende Vollmacht zu erteilen.

Josua hatte sich bewährt. So bekommt er von Gott eine verantwortungsvolle Aufgabe. Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung!

Bis ans Ende seines Lebens ist Josua treu geblieben. Auch im Alter von 110 Jahren blieb er bei dem, was er bei Mose gelernt und sein ganzes Leben bewiesen hatte: Er und sein Haus wollten dem Herrn dienen. Was für ein Vorbild für Jung und Alt!



[1]     Beim Wechselgesang antwortet ein Chor einem oder mehreren Vorsängern. Auf diese Art und Weise hatte das Volk Israel schon in 2. Mose 15 ein Lied gesungen. Damals war es ein Lied zur Ehre Gottes. Jetzt verehren sie mit ihrem Wechselgesang ein Götzenbild.