2. Samuel 24

David zählt das Volk – Gottes Gnade auch nach Fehltritten (2. Sam 24)

Warum nennt Gott König David „einen Mann nach meinem Herzen“ (Apg 13,22)? Weil dieser immer tadellos und gehorsam war? Nein, ganz sicher nicht! Der Grund liegt wohl darin, dass David trotz Versagens immer wieder den Weg zurück ging – so auch in 2. Samuel 24, einer dunklen Episode im Leben Davids. Doch auch hier triumphiert am Ende wieder die Gnade.

Lektion 1: Gott ist ein Gott der „zweiten Chance“, der uns nicht aufgibt, sondern uns unser Versagen vergibt. Er sucht nach aufrichtigen Herzen.

David zählt das Volk. Was auf uns harmlos wirkt, war für Gott eine große Sünde („böse in den Augen Gottes“; 1. Chr 21,1). Das mag zwei Gründe gehabt haben:

  • David möchte herausfinden, wie stark sein Reich und seine Streitmacht sind. Das zeigt Hochmut und Selbstvertrauen.

Lektion 2: Stützen wir uns – wie David –auch oft auf eigene Fähigkeiten und vergessen „Für den Herrn gibt es kein Hindernis, durch viele zu retten oder durch wenige“ (1. Samuel 14,6)?

  • Laut 2. Mose 30,11-16 musste bei einer Musterung für jede Seele ein Sühngeld, ein Hebopfer, bezahlt werden, das zum Bau der Stiftshütte verwendet wurde (2. Mo 38,25-28). Es drückte die Anerkennung aus, dass Gott allein das Recht an seinem Volk besitzt. Das wurde hier Gott vorenthalten.

 

Exkurs: Hat Gott oder hat Satan (2. Sam 24,1; 1. Chr 21,1) David gereizt, das Volk zu zählen?

Antwort: 2. Samuel 24,1 sagt, dass der Herr über Israel wegen ihres schlechten geistlichen Zustands erzürnt war; außerdem war David war stolz auf seine Erfolge und vertraute sich selbst. Um das aufzudecken, nutzte Gott Satan als Werkzeug zur Versuchung und Züchtigung. Es handelt sich also nicht um einen Widerspruch der beiden Schriftstellen, sondern um zwei verschiedene Blickwinkel. Das haben wir übrigens oft in der Bibel: Die zwölf Kundschafter, Hiob, Petrus und Paulus (4. Mo 13,1; 5. Mo 1,22; Hiob 1+2; Lk 22,37; 2. Kor 12,7) werden alle vom Teufel versucht, obwohl jeweils Gott im Hintergrund die Fäden in der Hand hielt. 

 

Joab zweifelt die Sinnhaftigkeit von Davids Plan an – doch der überfährt dieses Stoppschild. Der Rat geistlicher Eltern und von Mitgläubigen ist (fast immer) bedenkenswert und (oft) wertvoll (Spr 1,5). Sogar wenn die Ratgeber, wie Joab, alles andere als Vorbilder im Glauben sind, kann Gott uns durch sie Warnungen schicken. Die Musterung dauert insgesamt mehr als neuneinhalb Monate. Genug Zeit zum Umdenken, würde man meinen. Doch Davids schlechtes Gewissen regte sich erst danach (V. 10).

Lektion 3: Wir wollen vor Gott und Menschen ein „gutes“ (Apg 23,11) und „reines“ Gewissen haben (2. Tim 1,3). Unser Gewissen ist zwar kein absoluter Maßstab (1. Kor 4,4; 1. Joh 3,20), aber ein wertvoller Ratgeber. Die Bibel nennt zudem ein „schwaches“ (1. Kor 8,10), „beflecktes“ (Tit 1,15), „gehärtetes“ (1. Tim 4,2) und „böses“ Gewissen (Heb 10,22). Die Eichung erfolgt immer durch Gottes Wort, die Bereitschaft zum Gebrauch ist dann unsere Verantwortung. Entspreche ich, entsprichst du ihr?

 

Nun gibt Gott David die Wahl der Strafe. Wer die Wahl hat, hat die Qual: Hungersnot, Flucht oder Krankheit? Da kann man sich ja nur falsch entscheiden. David überlässt Gott die Wahl – und vertraut damit seiner Güte. Gott allein weiß, was wir tragen können und was gut für uns ist.

Lektion 4: Auch im Leid (ob nun selbst verschuldet oder nicht) sind wir „in der Hand des Herrn“ (2. Sam 24,14) – zudem hat Er jeder Prüfung eine Grenze gesetzt: „Genug!“ (V. 16; vgl. 1. Kor 10,13).

 

Gott wählt die Strafe mit der kürzesten Dauer. Die Pest wütet von Dan bis Beerseba – also genau da, wo auch die Zählung stattfand (V. 7)! Gott kehrt Böses nicht unter den Teppich. David bekennt erneut seine Schuld und bietet sich als Stellvertreter für das leidende Volk an – sein „wir“ verändert sich zu „mich“ (V. 14.17).

 

Gnade strahlt aus dunklen Wegen hervor

Jetzt bricht der dunkle Wolkenhimmel auf und der Lichtstrahl der Gnade Gottes fällt auf David. Der Prophet Gad kommt erneut und erklärt, wie die Plage abgewehrt werden kann: David soll einen Altar bauen. Gott weist den Weg zur Rettung durch ein Opfer auf der Tenne Arawnas, des Jebusiters, auf dem Berg Morija

Lektion 5: Die Schrift ist voll von Hinweisen auf Golgatha. Da, wo Abraham seinen Sohn Isaak zu opfern bereit war, auf dem Berg Morija, dort opfert auch David ein Brandopfer. Zugleich legt er diesen Ort als Bauplatz für den späteren Tempel fest (1. Chr 22,1; 2. Chr. 3,1).

Wunderbar, wie sich das Scheinwerferlicht von Davids Sünde und Versagen wegwendet und nun die Herrlichkeit Gottes anstrahlt! Ein Triumph der Gnade!

David wurde alles, was er zum Opfern benötigte, kostenlos angeboten. Er lehnte ab (V. 24). Warum? Weil er dem Herrn nicht etwas opfern wollte, was ihn nichts gekostet hatte. Für ihn war ein Opfer wortwörtlich ein Opfer – etwas, was ihn selbst etwas kostete. Der Herr sollte nicht nur die Überreste bekommen, sondern das Beste und Teuerste. Das war David wichtig. Das erinnert an Maria, die den Herrn mit einer Salbe salbte, welche ungefähr einen Jahresverdienst wert war (Joh 12,5).

Lektion 6: Der Herr hat uns nicht „kostenlos“ oder „umsonst“ errettet. Es kostete Ihn alles – sein Leben. Wie viel ist uns die Nachfolge hinter Ihm her wert? „Ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott in eurem Leib“ (1. Kor 6,20).