Bibel praktisch

Dies tut zu meinem Gedächtnis

Diese Szene in einem Jerusalemer Obersaal geht zu Herzen. Lukas arbeitet im 22. Kapitel auf sie hin: Die Schilderung der letzten Tage, bevor der Herr gefangen genommen, verurteilt und umgebracht wird, spitzt sich immer weiter zu. In Vers 1 wird angekündigt: „Es kam aber das Fest der ungesäuerten Brote näher“; in Vers 7 dann: „Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote“; und in Vers 14: „Und als die Stunde gekommen war“. Es ist, als würde der Betrachter den Fokus immer schärfer stellen auf dieses letzte Zusammensein der Jünger mit ihrem Herrn vor seinem Tod. Es tut uns gut, in unserem Leben einmal und immer wieder den Fokus auf den Tod des Herrn Jesus für uns zu richten – und gerade auch auf diese Aufforderung: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“.

das Fest kam näher

In Lukas 22,1 rückt der Heilige Geist das „Fest der ungesäuerten Brote“ in den Fokus, „das Passah genannt wird“. Dieses Fest schloss sich direkt an das Passahfest an.

Das Passahfest war eingesetzt worden, als das Volk Israel noch in ägyptischer Sklaverei war (2. Mo 12). Um seine Befreiung zu erzwingen, brachte Gott damals zehn Plagen über das ganze Land Ägypten. Die zehnte Plage brachte die Errettung, als Gott selbst jeden Erstgeborenen tötete. Er verschonte allerdings die Israeliten, wenn sie das Blut eines Opferlamms an die Türschwellen ihrer Häuser strichen. Mit dem Passahfest gedachten die Juden an die Rettung vor diesem schweren Gericht. Das Passah ist für uns heute ein Bild davon, dass Jesus Christus für uns als „Lamm Gottes“ gestorben ist: „Auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden“ (1. Kor 5,7). Weil Er sein Blut, sein Leben gegeben hat, ist jeder, der an Ihn glaubt, sicher vor dem ewigen Gericht. „Das Blut Jesu Christi reinigt uns von aller Sünde“ (1. Joh 1,7). Jeder Glaubende ist sicher vor der ewigen Hölle. Das Abendmahl ist nicht das Passah, aber das Passah ist ein Bild des Todes des Herrn, an den wir beim Brotbrechen denken. Deshalb denke beim Brotbrechen immer daran: „Das tatst Du für mich“!

Das Fest der ungesäuerten Brote (3. Mo 23,6 ff.) wurde direkt im Anschluss an das Passahfest sieben Tage lang gefeiert. Es spricht von Reinheit und Heiligkeit (Sauerteig ist ein Bild der Sünde in ganz unterschiedlicher Form). Das gilt auch im übertragenen Sinne für uns: Christus ist nicht nur als unser Passah zur Errettung geschlachtet worden, sondern wir werden auch aufgefordert, Festfeier zu halten, „nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit“ (1. Kor 5,8). Das Fest der ungesäuerten Brote verwirkliche ich, indem ich alle Sünde aus meinem Leben wegschaffe: Ich bekenne sie, der Herr vergibt sie mir, ich lasse sie. Christus starb für mich, damit ich für Ihn lebe – für den „Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,19.20). Ist dein Leben rein für den Herrn? Und bist du auch beim Brotbrechen rein von Sünde, hast du ausgeräumt, was zu bekennen war?

Beide Feste kann ich für mich in ein Gebet zusammenfassen: „Du hast dein Leben für mich gegeben – ich möchte dir mein Leben geben, möchte mein Leben für dich in praktischer Heiligkeit leben.“

Es kam der Tag

Die Beschreibung der letzten Stunden des Herrn Jesus mit seinen Jüngern geht einen Schritt weiter: „Es kam der Tag der ungesäuerten Brote, an dem das Passah geschlachtet werden musste“ (V. 7). Christus, unser Passah, wurde geschlachtet – Er musste geschlachtet werden (vgl. Lk 24,26), weil es keinen anderen Weg zu unserer Rettung gab, weil Gott Ihn als Gottes Lamm in seinem Ratschluss zuvor erkannt hatte (1.Pet 1,19.20).

Zunächst bekommen zwei Jünger den Auftrag, das Passah zu bereiten. Interessant ist, dass sie nicht gleich losrennen, als sie diesen Auftrag bekommen – Petrus hierhin, Johannes dorthin –, sondern dass sie erst einmal fragen: „Wo willst du, dass wir es bereiten“ (V. 9)? Sie haben ein wenig gelernt in den Jahren mit ihrem Herrn. Sie legen nicht ihre eigenen Kriterien an, entscheiden nicht nach ihren Vorlieben, sondern fragen den Herrn: „Wo willst du, dass wir es bereiten?“

Wir müssen in unserem Glaubensleben auch Fragen haben. Wenn ich nicht frage, ist mein Glaube kaum echt. Eine Frage ist auch: Wo will eigentlich der Herr, dass ich zu seinem Gedächtnis das Abendmahl feiere? Wenn ich dann von dem Herrn eine Antwort bekommen habe, sollte ich sie auch annehmen und nicht immer wieder fragen. Wer fragt, bekommt Antwort. Die Antwort des Herrn beschreibt keine feste Adresse, keine Institution; sie beschreibt einen Ort und – wichtiger noch – den Weg dahin. Sie würden einem Menschen mit einem Wasserkrug begegnen, der ihnen ein Obergemach zeigen würde, wo sie das Passah bereiten sollten.

Wo und mit wem wir das Brotbrechen praktizieren, ist auch heute nicht beliebig. Wie es im Alten Testament einen von Gott bestimmten Ort gab, wo Gott bei seinem Volk wohnte und wo das Volk gemeinsam Gott anbeten sollte (5. Mo 12+16) – das war ab der Zeit Salomos der Tempel in Jerusalem –, so gibt es auch heute einen „geistlichen Ort“, wo der Herr selbst seine persönliche Gegenwart zugesagt hat: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Dieser Ort ist nicht definiert durch ein Gebäude, durch ein Glaubensbekenntnis, eine Organisation oder Tradition, sondern der Herr bestimmt seine persönliche Gegenwart danach, dass Gläubige hinsichtlich Lehre und Praxis „in seinem Namen“ (oder: zu seinem Namen hin, auf Ihn ausgerichtet) zusammen kommen. Wie findet man diesen Ort 1 ?

  • Wasser = Wort Gottes (vgl. Eph 5,26); wer sich „in seinem Namen“ versammelt, wird in allen lehrmäßigen und praktischen Fragen Gottes Wort zur Grundlage nehmen.
  • Mensch = Heiliger Geist, der uns Gottes Wort öffnet und so in die ganze Wahrheit leitet (Joh 16,13) und der uns konkret führt (Röm 8,14); das praktische Versammlungsleben, einschließlich des Ablaufs der Zusammenkünfte, wird der Leitung des Heiligen Geistes unterstehen (vgl. 1. Kor 12,4.11).
  • Obersaal: Wenn wir als Gläubige mit dem Herrn in der Mitte versammelt sind, wollen wir nicht vom Irdischen geprägt sein (erst recht nicht vom Weltlichen) – wohl aber sollen die Zusammenkünfte unser irdisches Leben prägen.
  • Polster = Frieden, Ruhe: als der Herr nach seiner Auferstehung in die Mitte der Jünger tritt, sagt Er ihnen: „Friede euch“ (Lk 24,36)

Ich möchte die Gegenwart des Herrn Jesus dort erleben, wo Er sie zugesagt hat; ich möchte auch fragen: „Wo willst du …?“, und diesen geistlichen Ort aufsuchen.

Und als die stunde gekommen war

„Und als die Stunde gekommen war, legte er sich zu Tisch, und die Apostel mit ihm“ (V. 14). Die Stunde war die des Passahfestes, es begann nun das Passahmahl. Damit war aber auch für den Herrn die „Stunde“ seines Sterbens, des Abschiednehmens von seinen Jüngern und der Rückkehr zu seinem Vater gekommen (vgl. Joh 13,1; Mt 26,45).

Der Herr erlaubt uns einen Blick in sein Herz, wenn Er diese Szene mit den Worten einleitet: „Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide“ (V. 15). Nur einmal – gerade hier – spricht die Bibel von einer „Sehnsucht“ des Herrn. Er sehnte sich damals vor seinem Tod nach Gemeinschaft mit seinen Jüngern. Und wenn wir heute als Versammlung zum Brotbrechen zusammen kommen, um seinem Auftrag nachzukommen: „Dies tut zu meinem Gedächtnis“, dann wartet Er auch darauf, dass wir dazu kommen, dann hat Er Sehnsucht, dass alle, die Ihm angehören, dabei sind und mit Ihm Gemeinschaft haben.

Mit dem Übergang von Vers 18 zu Vers 19 endet die jüdische Passah-Zeremonie, und es beginnt etwas ganz Neues: „Er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird; dies tut zu meinem Gedächtnis! Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (V. 19.20). Dies ist das Gedächtnismahl (auch Abendmahl genannt), das durch das Brechen und Essen des Brotes und das Trinken aus dem Kelch praktiziert wird. Es erinnert uns und die ganze Welt an seinen Tod. Wir folgen damit seinem Wunsch: „Denkt an mich“. Wir wollen es nicht aus Routine tun, sondern weil Er es will und weil wir seine Liebe erwidern.

Ist dir klar, dass Er seinen Leib, seinen Körper für dich gab? Er hat sich als Sohn Gottes extra einen Körper bereiten lassen (Heb 10,5), in dem Er geboren wurde, Kind war, aufwuchs, über 30 Jahre lebte, am Ende schrecklich gequält, gemartert und an das Kreuz geschlagen wurde. In diesem Körper starb Er und wurde ins Grab gelegt, Er starb für dich!

Ist dir klar, dass Er sein Blut, sein Leben für dich gab? Er hatte von Gott die Autorität bekommen, sein Leben zu geben und es wieder zu nehmen (Joh 10,18). Es war ein einzigartiges Leben, ein Leben von einmaligem Wert, von unerreichbarer Qualität – ein sündloses Leben, das immer völlig mit Gott in Einklang war, sein völliges Wohlgefallen hatte (vgl. Mk 1,11). Deshalb ist es ein „kostbares Blut“, durch das wir erlöst sind (1. Pet 1,19). Das gab Er für dich!

Ist es viel verlangt, daran zu denken, wenn wir zum Brotbrechen versammelt sind? Ist es nicht ein Geschenk der Gnade, an Ihn zu denken, der für mich und dich gelitten hat und gestorben ist? Der sich nach Gemeinschaft mit mir und dir sehnt und mit allen, die zu dem einen Leib gehören; mit allen, die durch das kostbare Blut erlöst worden sind; mit allen Christen weltweit, egal wie und wo sie sich versammeln? Es geht um Ihn, und um seine Aufforderung: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

Nach einer Jugendstunde mit Thomas Diehl

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Ch. Briem, Da bin ich in ihrer Mitte (608 S., 17,80 EUR); eine knappere Übersicht findet man bei R. Brockhaus, Die Versammlung des lebendigen Gottes (104

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1 Zu dieser Frage s. die Buchtipps am Ende des Beitrags.




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