Personen der Bibel
Onesimus – eine „crime-to-grace”-Story für heute
Onesimus ist eine interessante Person in der Bibel. Als Sklave wurde er nach römischem Recht wie eine Sache bewertet. Als Leibeigener gehörte er zu einer sehr niedrigen Bevölkerungsschicht; auf sein Vergehen der Flucht stand nach geltendem Recht ein hohes Strafmaß. Er kam auf wunderbare Weise zum Glauben an den lebendigen Gott und wurde Christ. Doch auch wenn er damals nur ein unbedeutender Sklave unter abertausend anderen Sklaven war, ist seine Geschichte bis heute voller aktueller Lektionen für uns.
Onesimus‘ Biographie – krass und voller Wunder
Ein reicher Mann aus der Provinzstadt Kolossä im Südwesten der heutigen Türkei hatte einen Sklaven namens Onesimus. Der reiche Philemon war außerdem ein Bruder der dortigen örtlichen Versammlung (Gemeinde). Da er ein großes Haus besaß, fanden die Gottesdienste dort statt. Eines Tages ergriff Onesimus aus uns nicht mitgeteilten Gründen, vermutlich in einer „Nacht- und Nebelaktion“, die Flucht. Das war kein Kavaliersdelikt, denn einem entlaufenen Sklaven drohte bei Festnahme nach römischen Recht sogar die Todesstrafe – und diese wurde auch an ungezählten Sklaven der Antike erbarmungslos zur Abschreckung potentieller Nachahmer öffentlichkeitswirksam vollstreckt.
Auf wunderbare Weise führte der Weg des flüchtigen Onesimus in die Weltstadt Rom, wo er in Kontakt mit dem Apostel Paulus kam. Durch dessen Predigt bekehrte sich Onesimus und ist so ein wiedergeborener Christ geworden. Nachdem Gott ihn von seiner (Lebens-) Schuld befreit hatte, schickte Paulus ihn zurück nach Kolossä zu seinem Herrn Philemon. Ihm gegenüber hatte er seine Flucht und vielleicht auch anderes Unrecht einzugestehen (Phlm 18). Zusammen mit Onesimus sandte Paulus die Brüder Tychikus und Epaphras von Rom zu Philemon.
In einem Begleitbrief bittet Paulus in großer Liebe und Demut darum, dass Philemon seinen ehemaligen Sklaven aufnimmt und ihm vielleicht getanes Unrecht vergibt – und ihn nun als Bruder in Christus wie Paulus selbst aufnimmt (Phlm 17)
Onesimus‘ Flucht – Blaupause für Problemlösung?
Die Bibel lässt zwar das Motiv der Flucht von Onesimus erahnen (Diebstahl), nennt es aber nicht direkt. Jedenfalls war er bereit (oder sah sich genötigt) wegzulaufen und dafür sogar die Todesstrafe zu riskieren. Nur objektiv war damit nichts besser geworden. Im Gegenteil. Nun war er vogelfrei und lebte in der ständigen Angst, festgenommen und womöglich zum Tod verurteilt zu werden.
Etwas Vergleichbares gibt es bei uns nicht. Aber vielleicht kennst auch du Probleme in der Schule oder am Arbeitsplatz? Unstimmigkeiten mit den Eltern oder Geschwistern? Streit unter Glaubensgeschwistern? Einen selbst verursachten Scherbenhaufen? Vielleicht hast du auch den Gedanken wie Onesimus damals: „Einfach abhauen, auf und davon. Dann bin ich ‚frei‘.“ Doch Vorsicht! Aus der Geschichte von Onesimus lernen wir: Das Weglaufen vor Problemen ist keine Lösung des Problems. Im Gegenteil. In aller Regel wird die Situation dadurch nur schlimmer. Das haben auch zu biblischen Zeiten viele Menschen versucht und sind in noch größere Probleme gekommen. Denk an Jakob, der vor seinem Bruder Esau floh. Oder an Elimelech und Noomi, die aus Bethlehem wegliefen. Und die Aufzählung könnte fortgesetzt werden (Jona usw.). Deshalb lasst uns nicht denselben Fehler machen. Besser ist, die Probleme mit Gott zu lösen.
Der nachlaufende Gott
Vielleicht kann man vor Menschen fliehen. Aber die Geschichte von Onesimus zeigt, dass vor Gott niemand weglaufen kann. Im Gegenteil. Das zeigt Gott bei Onesimus auf eindrucksvolle Weise. Aus Kolossä geflohen kommt er in die ca. 2200 Kilometer entfernte Weltstadt Rom. Wahrscheinlich wollte er dort in der Anonymität unerkannt untertauchen. Aber gerade dort kommt Onesimus mit dem Apostel Paulus in dessen gemieteten Haus in Kontakt, wo dieser in römischem Arrest saß. Und es kommt noch besser: Dort zu Paulus kam zugleich Epaphras, der – kaum zu glauben – auch aus Kolossä war und Onesimus‘ Herrn Philemon aus der dortigen Versammlung persönlich kannte. Das alles war kein Zufall, sondern der allmächtige und souveräne Gott lenkte den Weg dieses entlaufenen Sklaven genau dort hin – und brachte ihn zur Umkehr.
Wir lernen also: Vor Menschen kann man vielleicht weglaufen, vor Gott niemals. Das haben schon viele Menschen vor uns versucht.
Karre im Dreck? Es gibt immer einen Rückweg!
Nach diesen eher ernsten Lektionen aus dem Leben von Onesimus lernen wir auch eine sehr mutmachende Lektion. Onesimus hatte wirklich Schuld auf sich geladen, sowohl vor Gott als auch vor Menschen. Aber dann hat er sich durch die Predigt des Paulus bekehrt und Vergebung seiner Schuld erlangt. Aber ganz gleich, um welche Schuld es sich handelt, bei Gott gibt es immer einen Weg zurück. Und diesen Weg ist Onesimus im Vertrauen auf Gott und mit Hilfe seiner Brüder Paulus, Epaphras und Tychikus gegangen und hat sicherlich auch bei Philemon Aufnahme gefunden. Vielleicht fühlst du dich auch von Schuld und Versagen niedergedrückt. Dann lass dich ermutigen: Es gibt immer einen Weg zurück! Du musst ihn nur gehen. Habe den Mut, diesen Rückweg mit Gottes Hilfe zu gehen – und vielleicht auch mit Hilfe anderer Gläubiger.
Apropos Hilfe: Natürlich muss man auch bereit sein, Hilfe anzunehmen. Sein Problem nur als solches zu erkennen, reicht nicht aus. Deshalb lass dich ebenfalls ermutigen, gute Hilfe anzunehmen. Es wird dir zum persönlichen Segen sein.
Onesimus‘ Re-Start – hart, aber heilsam
Die nächste Onesimus-Lektion ist: Dem Bekennen der eigenen Schuld vor Gott muss auch das Bekennen der Sünde vor Menschen folgen. Genau deshalb schickt Paulus ihn zurück nach Kolossä. Es ist richtig, Sünde vor Gott zu er- und bekennen, traurig über unser Versagen zu sein. Aber wir müssen es auch vor Menschen bekennen, sofern wir gegen sie gesündigt haben. Der Erkenntnis von eigener Sünde muss hier ebenfalls ein aufrichtiges Bekenntnis folgen. Dieses Prinzip finden wir übrigens auch bei dem verlorenen Sohn in Lukas 15. Er hat nicht nur am Schweinetrog erkannt, dass er alles verloren hatte. Nein, er machte sich auch auf und ging zu seinem Vater und sagte ihm: „Ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir“ (V. 21). Und auf der Grundlage eines aufrichtigen Bekenntnisses gibt es Vergebung, sowohl vor Gott als auch vor Menschen.
Bei Gott gibt es keinen hoffnungslosen Fall
Was hat wohl Philemon über seinen entlaufenen Sklaven in der Zeit seiner langen Abwesenheit gedacht? Ob er für ihn gebetet hat? Oder ob er ihn innerlich aufgegeben und abgehakt hatte? Wir wissen es nicht. Aber eines zeigt die Geschichte klar: Gott gibt niemanden auf. Bei ihm gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Lasst uns das als Ermunterung aus dieser Sklaven-Geschichte mitnehmen.
Vielleicht betest du schon lange für die Bekehrung eines dir nahestehenden Menschen. Vielleicht bist du sehr traurig darüber, dass sich ein Gläubiger aus deinem persönlichen Umfeld komplett in die Welt verloren hat und böse Wege geht. Dann denk an Onesimus: Nach menschlichem Ermessen war eine Rückkehr nach Kolossä nach einer solchen Flucht völlig undenkbar. Und eine Bekehrung ebenfalls. Aber für Gott war es möglich. Für Gott gibt es eben keinen hoffnungslosen Fall! Bete weiter mit liebendem Herzen und im Vertrauen darauf, dass Gott zu seiner Zeit mit jedem zum Ziel kommt.
Onesimus – nützlich für andere statt eigennützig für sich selbst
Bemerkenswert ist die Bedeutung des Namens Onesimus: nützlich. Und Paulus stellt in Philemon 11 fest, dass dieser bekehrte Sklave einst unnütz, jetzt aber nützlich (geworden) war. Vor unserer Bekehrung waren wir alle unnütz für Gott. Aber nun können und sollen wir nützlich sein. Wie zeigt sich diese Nützlichkeit für Gott und sein Volk eigentlich konkret in unserem persönlichen Leben?
Vor seiner Bekehrung war Onesimus nur ein Sklave von Philemon, jetzt ist er durch den Glauben an den Herrn Jesus auch ein Kind Gottes geworden und damit ein (Glaubens-)Bruder von Philemon. Das gab der Beziehung zwischen den beiden eine ganz neue Qualität. Das Dienstverhältnis Sklave-Herr war ein irdisches Verhältnis, dass spätestens mit dem Tod beendet war. Nebenbei bemerkt: Das Dienstverhältnis Herr-Sklave wurde durch die Bekehrung nicht aufgehoben. Das macht Vers 16 sehr klar. Es kam allerdings zu der bereits bestehenden, rein irdischen eine neue, ewig bestehende Beziehung als Brüder in Christus hinzu. Eine Bekehrung ändert also nicht die irdischen Beziehungen, in denen wir leben. Allerdings werden wir als Menschen durch Christus verändert und sollen nun himmlisches Licht in unserem praktischen Leben verbreiten.
Vielleicht wird durch diese kurzen Reflexionen deutlich, dass diese Sklaven-Geschichte für uns heute hochaktuell ist. Ganz gleich, in welcher Phase du dich in diesen Lektionen siehst – ich wünsche dir von Herzen, dass du ein echter Onesimus wirst: nützlich für Gott und andere.

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