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Segen und Schranken: KI im Leben gläubiger Christen

Wer aufmerksam durch das Leben geht – was in unserer reizüberfluteten Zeit allerdings nicht immer vorteilhaft ist –, stößt ständig auf das Kürzel „KI“. Die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ ist längst kein Thema mehr, das nur Fachleute beschäftigt.

Auf absehbare Zeit wird es kaum noch Arbeitsfelder geben, die ohne diese Technologie auskommen. Digitale Werkzeuge vereinfachen bald nicht mehr nur routinemäßige Handgriffe, sondern versuchen, menschliche Denkprozesse zu simulieren. Dabei berechnen sie Wahrscheinlichkeiten und treffen auf dieser Grundlage Entscheidungen.

 

1) Der Blick auf das System: das Wesen von KI

Aus technischer Sicht betrachtet stellt sich ein KI-Modell die folgende Frage: Was ist auf Basis von „Trainingsdaten“ das wahrscheinlichste Ergebnis oder die passendste Antwort zu einem bestimmten Input, zu einer konkreten Frage?

Auch das sogenannte „Reasoning“ (schlussfolgerndes Denken) von KI-Systemen ist letztlich nur ein optimierter Algorithmus und führt nicht zu echtem Bewusstsein bzw. beruht nicht auf menschlichem Denken. Trotzdem sind einige dieser Modelle bereits erstaunlich leistungsfähig im Lösen komplexer Probleme. Man spricht bei KI deshalb oft von der nächsten technologischen Revolution und vergleicht deren Auswirkungen mit der Erfindung der Dampfmaschine oder des Internets.

Es handelt sich also grundsätzlich erstmal um Technologie und nicht um „Magie“. Im Unterschied zur KI sind wir Menschen oft von Vergesslichkeit geprägt. Wir bringen Dinge durcheinander, ordnen Zitate falsch zu oder bilden uns ein, jemand habe etwas in einer bestimmten Weise gesagt, obwohl die Realität ganz anders aussehen kann. Dass das bei einem Menschen so ist, ist uns recht klar. Man meint aber nun, so etwas gebe es bei einer KI nicht. Doch gerade diese scheinbare Perfektion der KI täuscht über ihre Grenzen hinweg.

Wenn wir beispielsweise Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT betrachten, werden wir feststellen, dass es sich bei den generierten Antworten eben nicht um die Wahrheit handelt. Die Antwort, die man bekommt, ist immer diejenige, die mit der größten Wahrscheinlichkeit das richtige oder das beste Ergebnis darstellt. Sie hört sich zumeist sehr überzeugend an. Dabei gilt es zu bedenken, dass die Antwort immer beeinflusst ist von den Daten, die zum Training genutzt wurden. Und von dem Algorithmus, der konkret eingesetzt wird. Dieser kann für die Antworten entsprechend färbend sein.

Die daraus resultierenden Gefahren liegen auf der Hand. Sogar Weltmenschen erkennen sie, wie z.B. Geoffrey Hinton es selbst formuliert hat, der als Gründervater der KI bezeichnet wird: „Der Durchschnittsmensch wird nicht mehr in der Lage sein zu wissen, was wahr ist.“1 Erinnert uns das als Bibelleser nicht an etwas oder jemand (Joh 8,44)?

Dabei wollen wir nicht aus dem Auge verlieren, dass KI-Systeme wie Chat-GPT eine Technologie, wie Radio, das Smartphone oder das Internet sind und deshalb nicht per se als schlecht angesehen werden können. Und doch sollten wir uns der Gefahren bei den genannten Technologien bewusst sein. Schon aus Erfahrung wissen wir, dass es Fehler, Fehlausrichtungen, fehlerhafte Antworten gibt. Da KI-Systeme noch recht neuartig sind und vielen von uns die entsprechende Urteilskraft fehlt, soll dieser Beitrag dabei helfen, einige geistliche Gefahren nicht zu übersehen.

 

2) Der Blick nach innen: das Fehlen der Kraft des Geistes!

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn wir KI zur Auslegung des Wortes Gottes nutzen wollen. Mithilfe moderner LLMs2 ist es ein Leichtes, sich Abhandlungen zu fast jedem Thema erstellen zu lassen. Das Spektrum reicht von geschichtlichen Zusammenfassungen bis hin zu Ausarbeitungen, die sich auf bibeltreue Ausleger stützen. Doch man darf sich nicht täuschen: Was die KI produziert, ist eine rein mechanische, man könnte sagen „tote“ Rekonstruktion von Informationen. Sie besitzt keine Einsicht, kein Verständnis für das Wort Gottes.

Ein entscheidender Punkt ist die Prüfung der Inhalte. Niemand kann auf den ersten Blick garantieren, dass eine KI-Zusammenstellung wirklich „korrekt“ wiedergibt, was von Glaubensmännern einmal in ihrem Dienst vor dem Herrn formuliert wurde. Es führt kein Weg daran vorbei, zum Original zu greifen.

Denken wir an jene Männer, die der Herr Jesus beispielsweise im 19. Jahrhundert zum Segen seiner Versammlung (Gemeinde) benutzt hat. Sie dienten und schrieben in der Kraft des Heiligen Geistes (Eph 4,11 ff.). Das ist einer Maschine fremd. Hast du einmal kritisch hinterfragt, ob das, was dir der Algorithmus präsentiert, der Wahrheit entspricht? Es ist hinlänglich bekannt, dass KI-Systeme zu „Halluzinationen“ neigen. Damit ist gemeint: Sie erfinden „Fakten“ mit einer Überzeugungskraft, die den unbedarften Leser schnell in die Irre führt.

 

3) Der Blick zurück: keine Sicht für die Ewigkeit

Ein wesentliches Merkmal der KI ist ihre Abhängigkeit von Daten der Vergangenheit. Sie ist nicht in der Lage, Prognosen für die Zukunft zu erstellen, die über statistische Wahrscheinlichkeiten hinausgehen. Selbst der Widersacher des Herrn, der Teufel, kann das morgen nicht vorhersehen, geschweige denn vorhersagen. Allein Gott kennt das Kommende und kann es mit absoluter Gewissheit bereits gestern beim Namen nennen. Die Künstliche Intelligenz kann uns vermitteln, wie Dinge einmal verlaufen sind. Doch wie die Welt in der Zukunft aussieht, entzieht sich ihrer Kenntnis. Bestimmen kann sie diese erst recht nicht. Dieses Vorrecht liegt allein in der souveränen Hand unseres Schöpfers.

Es existiert nur ein einziges Werk, das uns eine verlässliche Wegweisung für das Morgen gibt: die Bibel. Wer sein Leben auf das Wort Gottes gründet und durch den Heiligen Geist befähigt wird, dessen tiefere Bedeutung zu erfassen (1. Kor 2,14), kann heute schon geistliche Aussagen über die Zukunft treffen. Eine Maschine bleibt hierzu unfähig. Zwar mag sie Vorhersagen versuchen. Doch diese haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Selbst wenn sie im Nachhinein durch Zufall als zutreffend erscheinen könnten, fehlt ihnen das Fundament.

 

4) Der Blick nach außen: die KI als Rädchen im System dieser Welt

Wir sollten nicht der Illusion erliegen, Künstliche Intelligenz sei neutral. Gewiss, ein Gehäuse ist Materie, eine Programmiersprache eine logische Struktur und ein Datenträger ein Stück Technik. Doch die KI wird von Menschen programmiert und mit Inhalten gefüttert, die alles andere als wertfrei sind. Die Auswahl der Trainingsdaten spiegelt die „Werte ihrer Schöpfer“ wider.

Die Bibel lehrt uns unmissverständlich, dass diese Welt unter der Herrschaft des „Fürsten dieser Welt“ steht, also Sklave des Teufels ist (Joh 12,31; 14,30; 16,11). Buchstaben für sich genommen mögen neutral sein, doch die Art und Weise, wie Inhalte ausgewählt und zusammengestellt werden, ist es nicht. Das alles folgt dem Muster des gegenwärtigen Zeitlaufs – und dieses System ist letztlich das „Geschöpf“ Satans.

Wenn du eine KI nutzt, solltest du dir dessen stets bewusst sein. Du verwendest ein Werkzeug, das in einer Atmosphäre entstanden ist, die Gott ablehnend gegenübersteht.

 

5) Der Blick in die Konstruktion: das Diktat der Algorithmen

Die Resultate, die du auf deine Anfragen hin erhältst, werden durch sogenannte Algorithmen generiert. Das sind präzise Handlungsanweisungen zur Lösung eines Problems. Doch diese Befehle entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie tragen die Handschrift derer, die sie entworfen haben. Und wir haben bereits gesehen, wer der Fürst darüber ist.

Schon bei Suchmaschinenanfragen lässt sich seit Jahren beobachten, dass die Ergebnisse eine deutliche Färbung aufweisen. Schau dir einmal die Google-Ergebnisse an ... Es ist kein Geheimnis, dass Antworten oft eine Schlagseite zu jenen gesellschaftlichen Strömungen haben, die heute als „progressiv“ oder „woke“ bezeichnet werden. „Konservative“ Antworten, die früher einmal akzeptabel waren, werden negativ gesehen – daher werden sie oft unterdrückt. Biblisch fundierte Ansichten werden in den Ergebnislisten häufig ganz nach hinten geschoben.

Zwar gab es in biblischen Zeiten keine Rechenautomaten, doch das Phänomen der manipulierten Antwort ist altbekannt. Denken wir an Abraham, der in Ägypten die Wahrheit über seine Frau Sara nur selektiv wiedergab (1. Mo 12,11-13; 20,2). Oder an die Kundschafter in der Wüste, deren Bericht durch ihren Unglauben völlig verzerrt wurde (4. Mo 13,27-33). Auch die Gibeoniter nutzten gezielte Fehlinformationen für einen Vertrag mit Josua (Jos 9,3-15). Oft sind solche Antworten nicht vollkommen gelogen, wie man an Abraham und den Spionen erkennen kann. Aber sie sind einseitig und führen in die Irre. Damit stellen sie eine ganze Lüge dar.

Die einzige Grundlage für ein wirklich objektives Ergebnis ist Gottes Wort. Die Schrift warnt uns ausdrücklich vor falschem Zeugnis (2. Mo 20,16). Salomo warnt im Buch der Sprüche vor der List der Zunge (Spr 12,19-20; 26,18). All dies entspringt letztlich dem Wirken der Schlange, des Vaters der Lüge (Joh 8,44). Das ist das System, mit dem wir es heute zu tun haben.

 

6) Der Blick zu den Seiten: logische und moralische Schranken

Viele Christen nutzen die Vorzüge der KI. Aber sie sollten die strukturellen Grenzen nicht übersehen. Wer die Begrenzungen seiner eigenen Leistungsfähigkeit bei einer Bergwanderung oder einer Autobahnfahrt ignoriert, begibt sich in Lebensgefahr. Das ist bei der KI nicht grundlegend anders. Wir unterschätzen oft die Risiken geistiger und ethischer Natur, die mit der Nutzung dieser Technik einhergehen.

Ein interessanter Aspekt sind die Grenzen der Logik. Eine KI kann eine einfache Aussagenlogik („Das Haus ist rot“) problemlos verarbeiten. Doch sobald es komplexer wird (z. B. in der sogenannten Prädikatenlogik3) stößt sie an ihre Grenzen: Der Satz „Alle Frösche sind grün“ erfordert theoretisch die Kenntnis jedes einzelnen Frosches auf der Erde. Eine KI kann das nicht verifizieren. Sie kann lediglich sagen, dass sie bisher kein Gegenbeispiel gefunden hat. In Situationen, die eine sofortige Urteilsfindung erfordern, etwa beim autonomen Fahren, kann dies zu Fehlurteilen führen oder dazu, dass gar keine Entscheidung getroffen wird. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Noch schwieriger wird es bei ethischen Fragestellungen. Wie soll ein System beschließen, was „der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes“ ist (Röm 12,2)? Da die KI keine eigene Moral besitzt, spiegelt sie die Ethik eines Systems wider, das im Finstern wohnt (2. Kor 4,4). Geistliche Reife und das Empfinden für das, was unseren himmlischen Vater ehrt, können nicht programmiert werden. Das können nur wir als Erlöste und Kinder Gottes erkennen und entsprechend handeln.

Das heißt nicht, dass jedes Suchergebnis usw., das von einer KI hervorgebracht wird, verkehrt sein muss. Im Einzelfall kann es sogar treffend sein. Man sollte sich nur nicht täuschen: Die KI liefert mindestens zum Teil Ergebnisse, die meinen Erwartungen entsprechen. Wenn das einmal der Fall war, steht man beim nächsten Mal in der Gefahr, die Resultate nicht mehr genau an Gottes Wort zu prüfen. Denn die KI ist nicht neutral – diese These ist eine List Satans.

 

7) Der Blick nach vorne: praktischer Umgang für die junge Generation

Bedeutet das nun, dass wir als Christen der Künstlichen Intelligenz vollständig entsagen sollten? In der Praxis erweist sich dies als nahezu unmöglich. In der Schule ist der Umgang damit oft bereits Teil des Lehrplans. Ebenso wie man im Deutschunterricht vielleicht Lektüren lesen muss, die dem Glauben widersprechen, wie man an dem gotteslästerlichen Werk Goethes (Faust) erkennen kann. Auch an Hochschulen und im Beruf kommt wohl kaum jemand um diese Werkzeuge herum. Und es kann auch tatsächlich sehr nützlich sein und die Arbeit erleichtern.

Hier gibt uns die Schrift Orientierung. Paulus schreibt: „Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes“ (1. Kor 3,21-23). Zudem werden wir ermahnt, die Welt zu gebrauchen, als gebrauchten wir sie nicht als Eigentum (1. Kor 7,29.31). Das bedeutet: Wir dürfen technische Hilfsmittel nutzen, solange wir uns ihrer Herkunft und ihrer Gefahren bewusst sind. Der Auftrag lautet: „Prüft aber alles, [was auf Euch zukommt, dem ihr nicht aus dem Weg gehen könnt], das Gute haltet fest“ (1. Thes 5,21.22).

Ein Beispiel ist die Übersetzung von Texten. Die Qualität der KI ist auf diesem Gebiet inzwischen beeindruckend. Dennoch muss das Ergebnis kritisch geprüft werden. Es wäre unlogisch, ein technisches Werkzeug kategorisch abzulehnen, solange man das Resultat selbst beurteilen kann. Ähnliches gilt für die Strukturierung von Texten oder die Vereinfachung von Arbeitsabläufen. Hier gibt es sicherlich noch viele weitere Beispiele.

 

8) Der Blick zu uns selbst: Wachsamkeit als Schutzschild

Die entscheidende Trennlinie verläuft dort, wo wir die Kontrolle und die Urteilsfähigkeit verlieren. Spätestens in dem Moment, in dem wir bei Fragen, die unser Glaubensleben und geistliche Inhalte betreffen, nicht mehr in der Lage sind, die Ergebnisse einer KI anhand des Wortes Gottes zu prüfen, ist es Zeit, innezuhalten. Der Schutz unserer Seele muss Vorrang haben. Und das wird uns nur dann vor Augen sein, wenn wir die tägliche Gemeinschaft mit unserem Herrn verwirklichen. Wie sonst sollen wir urteilsfähig sein bzw. bleiben?

Wir sind nicht dazu aufgerufen, jedem Trend blind hinterherzulaufen. Wie es im Timotheusbrief heißt: „Strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut des Geistes“ (1. Tim 6,11). Das ist Gottes Auftrag!

Die Künstliche Intelligenz mag ein nützlicher Knecht sein, aber sie darf niemals zu unserem Herrn werden. Nutzen wir die Werkzeuge dieser Zeit mit dem Verstand eines Menschen, der weiß, dass seine eigentliche Heimat bei Christus liegt. Und setzen wir sie in der demütigen Gesinnung Christi ein, indem wir Ihm gehorsam sind und nie vergessen: Nur in seiner Gemeinschaft werden wir segensreich leben.

 

 

Sie wenden sich um,

doch nicht nach oben.

Hosea 7,16

 

Ich bin dein Gott;

ich stärke dich,ja, ich helfe dir.

 Jesaja 41,10

 



[1] https://www.nytimes.com/2023/05/01/technology/ai-google-chatbot-engineer-quits-hinton.html
[2] Large Language Models, zum Beispiel Sprachmodelle
[3] Auch Quantorenlogik genannt: Diese Aussagen haben ein Subjekt (Frösche), ein Prädikat (grün) und und Quantoren (alle). Hier wird die innere logische Struktur einer Aussage untersucht.