Philipper 1

Von Christus erfüllt (Philipper 1)

Der Philipperbrief ist kein Lehrbrief eines Apostels an eine Versammlung (Gemeinde). Es ist ein Dankbrief, denn die Philipper haben ihm durch ihren Bruder Epaphroditus eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen (Phil 4,18). Der warmherzige Ton zeigt, dass es zwischen den Philippern und dem Apostel eine liebevolle Beziehung gibt. Was sie von ihm zurückbekommen, ist weit mehr als nur ein Dankeschön: Er richtet ihren Glaubensblick auf Jesus Christus – ihren Lebensinhalt (Kapitel 1), ihr Vorbild (Kapitel 2), ihr Lebensziel (Kapitel 3) und ihre Kraftquelle (Kapitel 4).

Der Schlüsselvers des ersten Kapitels ist Vers 21: „Denn das Leben ist für mich Christus“. Christus ist das Zentrum seines Lebens, Christus prägt seine Einstellung, Christus formt seine Wünsche, Christus entscheidet in seinem Leben. Man kann diesen Vers als Überschrift über das ganze Kapitel setzen. Wer ein Herz für Christus hat, wird beim Lesen dieses Briefes richtig froh.

 

Christus ist das Zentrum seines Lebens,
Christus prägt seine einstelLung,
Christus formt seine Wünsche,
Christus entsCheidet in seinem leben.

 

Wie Paulus dankt 

Dabei schreibt hier kein Neubekehrter in der ersten Begeisterung, sondern ein erfahrener „Knecht Christi Jesu“ aus dem Gefängnis in Rom, nach etwa 20 Jahren aufopferungsvollen Dienstes für seinen Herrn, voller Leiden und Verzicht. Trotzdem hört man kein Klagen, sondern: „Ich danke meinem Gott“ (V. 3). Kaum ein Brief wurde in so schweren Umständen geschrieben und strahlt dabei so viel Freude aus.

Er dankt Gott nicht zuerst dafür, dass die Philipper an ihn gedacht haben. Er dankt, weil sie die Verbreitung des Evangeliums aktiv unterstützt haben (V. 5). Wenn der Herr Jesus das Herz ausfüllt, denkt man eben nicht zuerst an sich, sondern an das, was Ihn interessiert. Dennoch freut er sich über ihre Liebe (V. 7) und schreibt, dass er sich sehr nach ihnen sehnt. Und zwar nicht nur wie ein Gefangener, der sich nach lieben Freunden sehnt. Vielmehr vergleicht er seine Gefühle mit der Sehnsucht, die der Herr Jesus für die Seinen hat (V. 8). Daran sieht man: Seine Freude am Herrn Jesus beeinflusst auch seine Empfindungen gegenüber seinen Geschwistern im Glauben.

 

Wie Paulus bittet

Auch sein Gebet für die Philipper (V. 9-11) zeigt, wie sehr sein Herz für Christus schlägt. Er bittet nämlich nicht darum, dass sie es im Leben leichter haben. Er wünscht, dass sie ein Leben aus Liebe zu Christus führen und Entscheidungen treffen, die zu Christus passen. Wenn sie später einmal vor dem Richterstuhl des Christus stehen und von Ihm beurteilt werden (2. Kor 5,10; hier „Tag Christi“ genannt), sollen sie mit dem „gefüllten Korb“ eines Lebens vor Ihm stehen, das in allem seine volle Zustimmung findet. Hast du schon einmal so für deine Geschwister gedankt und gebetet? Und hast du schon einmal solche Wünsche für dein eigenes Leben gehabt?

 

Wie Paulus seine Lebensumstände beurteilt

 Erst ab Vers 12 kommt Paulus auf seine aktuelle Situation zu sprechen. Aber wie berichtet jemand über Gefangenschaft, der sagen kann: „Das Leben ist für mich Christus“? Er beklagt sich nicht über Einschränkungen. Er sieht sich nicht als Gefangener des römischen Kaisers, sondern als „Gefangener Christi Jesu“ (Eph 3,1). Und Christus bezweckt mit der Gefangenschaft nur Gutes. So ist die gute Botschaft an Orte gelangt, die sonst nie erreicht worden wären, sogar bis in das Haus des Kaisers (Phil 4,22). Außerdem haben andere Christen, die vorher wegen des christenfeindlichen Klimas und aus anderen Gründen wohl Angst hatten, angefangen mutig das Evangelium zu verkünden. Für Paulus, dessen Herz für Christus schlägt, ist das ein weiterer Grund zur Freude. Natürlich machen ihm auch die Fesseln zu schaffen (siehe Kol 4,18). Doch die Freude darüber, dass sich das Wort Gottes weiter ausbreitet, überwiegt.

Man könnte fragen: „Paulus, weißt du nicht, dass es auch welche gibt, die dich immer beneidet haben? Die wittern jetzt ihre Chance und predigen das Evangelium auf ihre Weise, um dir eins auszuwischen“ (V. 15.17). „Was denn“, antwortet Paulus sinngemäß, „solange Christus verkündigt wird, kann ich mich doch freuen.“

Du merkst: Es geht ihm nur um Christus. Er misst alles an Ihm, bringt jede Situation und jede Frage mit seinem geliebten Herrn in Verbindung – und erst dann urteilt er. Echt vorbildlich! Wie könnte man einen solchen Menschen noch reizen? Er bietet schlicht keine Angriffsfläche.

 

Wie Paulus über seine Zukunft nachdenkt

Paulus steht die Gerichtsverhandlung bei dem Kaiser Nero noch bevor. Wie sie ausgehen wird, weiß er nicht. Aber das ist für ihn auch nicht entscheidend. Denn das, was ihm im Leben die größte Freude bereitet, das würde er auch nach seinem Tod noch haben: Christus! Er selbst weiß nicht, was er wählen soll. Zu sterben würde bedeuten, bei Christus im Paradies zu sein. Das wäre weitaus besser als alles, was er bisher kennt (V. 23). Wenn sein Herr es jedoch für besser hält, dass er am Leben bleibt, um den Geschwistern auf ihrem Glaubensweg eine Hilfe zu sein, ist er auch damit völlig einverstanden. Er ist sich sicher: Nicht Nero entscheidet über Leben oder Tod, sondern Christus. Deshalb kann er völlig ruhig sein. Eines ist ihm wichtig: Ob er weiterlebt oder den Märtyrertod erduldet – durch sein Verhalten soll Christus für andere groß werden (V. 20). An ihm soll man immer den Herrn Jesus sehen.

 

Was Paulus für die Philipper wünscht

Ab Vers 27 folgen einige Hinweise an die Philipper. Sie klingen nicht wie die Gebote eines Apostels, sondern eher wie die Ermahnungen eines älteren Freundes. Paulus hofft, dass sie die gute Botschaft von Jesus Christus fleißig weitergeben. Dabei wird es Widerstand geben. Denn es ist eine alte Taktik Satans, Gläubige, die mutig von Christus zeugen, einzuschüchtern – manchmal sogar mit Gewalt. Paulus‘ Gefangenschaft ist dafür ein eindrückliches Beispiel. Umso wichtiger ist es, dass die Philipper keinen Streit untereinander zulassen, sondern zusammenhalten. Uneinigkeit schwächt ihr Zeugnis und passt nicht zu Christus, den sie verkündigen. Auf dieses Thema wird Paulus später noch ausführlicher eingehen.

Wenn ihr mutiges Eintreten für Christus tatsächlich Leiden und Verfolgung mit sich bringt, dürfen sie es sogar als Geschenk betrachten, denn es geschieht um Christi willen. Paulus selbst hat es ihnen vorgelebt.

Ein wirklich starkes, aber offensichtlich sehr glückliches Lebensmotto: „Das Leben ist für mich Christus.“