Dürfen wir uns vorstellen?

Einige Christen aus Philippi

Wie groß die Zahl der Gläubigen damals in der griechischen Stadt Philippi war, wissen wir nicht. Doch einige der Brüder und Schwestern sind uns bis heute namentlich bekannt – und von ihnen allen können wir lernen.

 

 

Lydia

Diese Purpurhändlerin – eine ebenso gottesfürchtige Frau wie der Römer Kornelius (Apg 10) und aus Thyatira in Kleinasien stammend – war wohl die erste Christin auf dem europäischen Festland. Sie kam nicht zum Glauben, weil Paulus eine beeindruckende Rhetorik einsetzte, sondern weil „der Herr ihr Herz auftat“ (Apg 16,14). Das ist letztendlich immer der Fall, wenn jemand sich bekehrt.

Bei Lydia zeigt sich, dass ihre Entscheidung für Christus unmittelbare Auswirkungen auf ihr Leben hatte:

  • Sie ließ sich taufen. Offensichtlich hatte sie von Anfang an den Mut, sich offen auf die Seite des Herrn zu stellen. Am Anfang der Christenheit war es üblich, sich sofort nach der Bekehrung taufen zu lassen, während heute leider oft mehrere Jahre vergehen. Warum ist das so? Bist du errettet, aber noch nicht getauft? Denke an Lydia.
  • Sie öffnete ihr Haus für Paulus und seine Mitarbeiter. Daraus können wir vier Lektionen lernen:
  1. Sie sah sich als Verwalterin, nutzte also „ihr“ Haus für den Herrn.
  2. Sie übte Gastfreundschaft aus – ein wichtiges, aber heute leider oft sehr vernachlässigtes Thema des Neuen Testaments.
  3. Sie „nötigte“ die Brüder, gab sich also nicht mit der ersten Anfrage zufrieden, sondern lud beharrlich weiter ein.
  4. Sie diente. Der natürliche Mensch lässt sich gern bedienen, ein wahrer Christ möchte dienen (vgl. Lk 22,24-27).

 

 

Clemens

Dieser Bruder hatte mit Paulus im Evangelium mitgekämpft. Worin genau sein Dienst bestand, wissen wir nicht. Hatte er gepredigt? Ungläubige eingeladen? Fleißig gebetet? Geld gegeben? Am Ende spielt das auch keine Rolle, denn im Blick auf die Arbeit im Evangelium gilt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum gegeben … Der aber pflanzt und der begießt, sind eins; jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit“ (1. Kor 3,6.8).

An der Bekehrung haben manchmal verschiedene Gläubige in der einen oder anderen Weise mitgewirkt. Jeder Einzelne ist dabei wichtig und jeder Dienst wertvoll. Dabei geht nicht um die Größe oder Art des Dienstes, sondern um unsere Treue. Das zeigt Clemens uns. Für den Herrn ist es wertvoll, dass wir „mitarbeiten“!

 

 

Evodia und Syntyche

Paulus war kein Einzelkämpfer. Überall hatte er treue Mitkämpfer – und Mitkämpferinnen. Darunter waren auch Evodia und Syntyche, die sich durch ihren Dienst am Evangelium nachhaltig in sein Gedächtnis eingebrannt hatten. Doch irgendetwas war vorgefallen. Ein zwischenmenschlicher Konflikt hatte die beiden auseinandergetrieben.

Leider sind Streitigkeiten, Verstimmungen, Bitterkeit und Uneinigkeiten keine Fremdwörter für Christen. Wollen wir anhand dieser beiden Schwestern etwas über Konfliktbewältigung lernen?

  1. Paulus legt großen Wert darauf, dass das Problem gelöst wird. Er ermahnt beide Schwestern und schaltet sogar noch einen Bruder – vermutlich Epaphroditus – ein, um ihnen als Vermittler beizustehen. Das Wort Gottes sagt uns, dass die Sonne nicht über unserem Zorn untergehen darf (Eph 4,26) und dass wir ungeklärte Dinge sofort klären sollen (Mt 5,23.24). Klärung von Streitigkeiten im Volk Gottes erlauben keinen Aufschub.
  2. Paulus versucht nicht, den Konflikt inhaltlich zu klären, sondern gibt direkt den Schlüssel für Konfliktbewältigung mit: „gleich gesinnt zu sein im Herrn“. Das bedeutet nicht, dass man zu jedem Thema dieselbe Sichtweise haben muss (obwohl dieses Ziel biblisch ist, 1. Kor 1,10), sondern sich vor Augen zu halten, dass man auf dasselbe Lebensziel zusteuert. Deshalb sind die Worte „im Herrn“ so wichtig. Christus kann Entzweite zusammenbringen. Jemand sagte treffend: „Wenn diese beiden Frauen sich in der Gegenwart des Herrn zusammengefunden hätten, wäre es ihnen leichtgefallen, gleich gesinnt zu sein. In den Strahlen der Sonne schmelzen harte Eiszapfen zusammen.“

 

 

Epaphroditus

Im ersten Jahrhundert, ohne E-Mail und WhatsApp, dauerte es manchmal lange, bis Nachrichten ankamen. Die Philipper waren traurig, weil Epaphroditus todkrank war, nachdem er von ihnen zur Unterstützung von Paulus nach Rom geschickt worden war. Nun war er wieder gesund – doch die Geschwister seiner Heimatversammlung wussten nichts davon. Wie fühlten sie sich wohl? Epaphroditus „verlangte sehnlich nach euch allen und war sehr beunruhigt“ (Phil 2,26). Also ging er sofort zu ihnen zurück, um sie zu ermutigen.

Epaphroditus bringt uns bei, aufrichtige Sorge um das Wohlergehen unserer Mitgeschwister zu haben. Es ist die „Fürsorge füreinander“, wie Paulus es beschreibt (1. Kor 12,25). Er nahm folgende Aufforderung wortwörtlich: „Deshalb ermuntert einander und erbaut einer den anderen, wie ihr auch tut (1. Thes 5,11). Haben wir ein solches aufrichtiges Interesse daran, dass es unserer Schwester/unserem Bruder gut geht? Und investieren wir in sie?

Weiterhin können wir von Epaphroditus Treue und Zuverlässigkeit lernen. Ihm wurde von den Philippern eine finanzielle Gabe anvertraut, die er Paulus überbringen sollte (Phil 4,18). Viel fremdes Geld in den Taschen – das hat schon viele Christen zum Bösen verleitet. Nicht so Epaphroditus. Er erledigte treu seine Aufgabe.

 

Fazit 

Lydia, Clemens, Evodia, Syntyche und Epaphroditus lebten vor 2000 Jahren, und dennoch haben sie uns heute noch viel zu sagen. Gott hat ihre Namen nicht ohne Grund für alle Ewigkeit aufgeschrieben.