Beraten

David wird vor Sünde bewahrt (1.Sam 25)

David ist im Auftrag Gottes von Samuel zum König über Israel gesalbt worden. Doch noch amtiert König Saul. Dieser stellt David nach und sucht ihn zu töten. Deshalb muss sich David ständig vor ihm verstecken. Das ist gar nicht so einfach, denn bei ihm sind ungefähr 600 Männer, die sich ihm angeschlossen haben. So verzieht sich David in ein dünn besiedeltes Wüstengebiet. In dieser Gegend wohnt Nabal, ein reicher aber knallharter Viehbesitzer mit rund 4000 Schafen und Ziegen. Die Hirten seiner Herden lernen David und seine Männer kennen. Es wäre nicht überraschend, wenn Nabals Hirten Davids Leuten immer mal wieder ein Tier zum Schlachten schenken würden. Doch davon lesen wir nichts. Wir wissen aber, dass Davids Männer Nabals Herden vor umherziehenden Ganoven und Raubtieren beschützen.

Eines Tages ist Nabal bei seinen Herden, weil die große Schafschur ist. Die viele Wolle lässt sich gut zu Geld machen, so dass jetzt der Höhepunkt des Jahres gekommen ist. Plötzlich stehen zehn Männer Davids vor Nabal. Sie übermitteln Nabal einen herzlichen Friedensgruß von David. Höflich erbitten sie von Nabal Lebensmittel als Dank für ihre Hilfe beim Herdenschutz. Spätestens jetzt ist eine passende Gelegenheit für Nabal, um sich zu revanchieren.

Doch Nabal denkt nur an seinen Besitz und weigert sich, etwas abzugeben. Anscheinend kennt er David nicht einmal, obwohl dieser das Volk von den Philistern befreit hat. Respektlos sagt er: „Heutzutage gibt es viele Knechte, die davonlaufen, jeder von seinem Herrn“ (1. Samuel 25,10), und schickt die Boten Davids leer weg.

David wird sehr ärgerlich und will sich an Nabal rächen. Mit der Beute könnte er seine Männer versorgen. So nimmt er 400 von ihnen mit, um Nabal zu überfallen und alle Männer Nabals umzubringen.

Doch Vorsicht, David! Du bist in Gefahr, Männer zu ermorden, die zu dem Volk gehören, dass du einst regieren wirst! Rechtfertigt eine so kalte Zurückweisung einen reihenweisen Mord? Was sagt Gott dazu? – Offensichtlich vergisst David diese Überlegungen in seinem großen Zorn.

Kennst du das auch? Du hast dich für jemanden eingesetzt, hast investiert und bekommst dann die eiskalte Dusche? Statt Dankbarkeit erfährst du Ablehnung. Jakobus schreibt dazu: „Daher, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und alles Überfließen von Schlechtigkeit, und nehmt mit Sanftmut das eingepflanzte Wort auf, das eure Seelen zu erretten vermag“ (Jak 1,20.21).

Mehrere Knechte Nabals haben die Situation verfolgt und schätzen die Gefahr richtig ein. Schnell gehen sie zu Nabals Frau Abigail, von der sie wissen, dass sie eine kluge Frau ist, und warnen sie vor dem kommenden Unheil. Abigail erfasst die Lage augenblicklich und tut alles, um Schaden abzuwenden. Sie lässt fünf Esel mit Lebensmitteln vollpacken und geht zu David und seinen Soldaten.

Schließlich begegnet sie ihm und findet bewegende Worte, die wie folgt zusammengefasst werden können:

  • Obwohl sie bei der kritischen Situation nicht dabei war, nimmt sie alle Schuld auf sich und bittet um Vergebung.
  • Sie bittet David, das böse Verhalten ihres Mannes zu ignorieren.
  • Gott hat es so geführt, dass sie David davon abhalten kann, Blut zu vergießen und damit Schuld auf sich zu laden.
  • Sie ist fest davon überzeugt, dass David König werden wird. Dabei ist ihr wichtig, dass er sich bis dahin nichts zu Schulden kommen lässt.
  • David habe sich bisher vorbildlich verhalten und solle dabei bleiben.
  • Die Feinde Davids werde Gott selbst richten, so dass David Ihm nicht vorgreifen müsse.
  • Abschließend bittet sie darum, dass David an sie denkt, wenn er König geworden ist.

 

David ist überwältigt. Er preist Gott dafür, dass Er ihn vor großer Schuld bewahrt hat und segnet Abigail für ihr weises Verhalten. Dankbar nimmt David die mitgebrachten Lebensmittel an.

Abigail geht wieder nach Hause und findet dort ihren Mann übermäßig betrunken vor. Als sie ihm am nächsten Tag von ihrem Gang berichtet, erstarb sein Herz zu einem Stein. Zehn Tage später stirbt er – Gott hat sein Leben beendet.

Wie dankbar ist David, dass Gott selbst eingegriffen und ihn vor Sünde bewahrt hat. Jetzt ist der Weg frei, um Abigail zu heiraten. So geschieht es dann auch.

Männer wie Nabals Knechte und Frauen wie Abigail benötigen wir auch heute noch. Mutige gottesfürchtige Leute, die

  1. sich von Gott leiten lassen und trotz der Gefühllosigkeit anderer, ihre Hand für die Armen öffnen,
  2. mit Weisheit ermahnen und
  3. überhitzte Köpfe abkühlen.

 

So trifft der folgende, auch für uns lehrreiche Vers auf Abigail zu: „Die segnende Seele wird reichlich gesegnet, und der Tränkende wird auch selbst getränkt“ (Spr 11,25). Es ist nicht unsere Aufgabe, uns selbst zu verteidigen. Stattdessen sollen wir uns selbst im Griff behalten und bereit sein, andere von falschen Wegen zurückzuhalten. „Ich ermahne euch nun, … dass ihr würdig wandelt der Berufung, mit der ihr berufen worden seid, mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe“ (Epheser 4,2).