Strafe
Israel – ein zerstreutes Volk
„Als die römischen Soldaten den fliehenden Juden nachdrängten, da packte einer von ihnen eine Brandfackel und warf sie durch das goldene Fenster. So wurde der Tempel gegen den Willen des Titus ein Raub der Flammen… In der großen Menge häuften sich die Toten um den Brandopferaltar. Während der Tempel brannte, raubten die Soldaten, was sie fanden, und töteten, die ihnen in die Hände fielen. Kein Erbarmen hatten sie. Kinder und Greise, Laien und Priester wurden ohne Unterschied ermordet. Unter allen Schichten wütete der Krieg, ganz gleich, ob die Menschen um Gnade flehten oder sich zur Wehr setzten.“
Was der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus (37-100 n. Chr.) recht sachlich und nüchtern beschreibt, ist in Wahrheit kollektiver Schock und Trauma für die Nation Israel: die Zerstörung ihrer Hauptstadt – inklusive des Tempels –, die Ermordung vieler Israeliten und die Wegführung einer großen Zahl aus dem Land im Jahr 70 n. Chr. Wie kann es sein, dass das Volk, das Gott sich aus Liebe erwählt hatte (5. Mo 7,7.8), heutzutage größtenteils noch zerstreut und „unauffindbar“ ist?
Zerstreuung als Folge des Ungehorsams
Angefangen bei der Wegführung des Nordreiches 722 v. Chr. durch die Assyrer, über die drei Wegführungen Judas 605/597/586 v. Chr. durch die Babylonier, bis hin zur finalen Katastrophe 70 n. Chr. – all das ist die Erfüllung einer uralten Prophezeiung aus den Tagen Moses. Damals sagte Gott: „Wenn du nicht darauf achtest, alle Worte dieses Gesetzes zu tun … ihr werdet herausgerissen werden aus dem Land, wohin du kommst, um es in Besitz zu nehmen. Und der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde“ (5. Mo 28,58.63.64).
Die Ausgangslage für die Israeliten, das irdische Volk Gottes – dessen Urvater Abraham Gott das geographische Land Israel schon versprochen hatte (1. Mo 12,1.2) –, war also die folgende: Gehorsam würde Segen bringen, Ungehorsam dagegen Gericht.
Weil Israel jahrhundertelang untreu war, kam es letztendlich zum Bruch in der Beziehung Gottes mit seinem Volk. Der Prophet Hesekiel beschreibt, wie die Schechina, also die Herrlichkeit Gottes, den Tempel in Jerusalem schrittweise verließ, was kurz vor 586 v. Chr. eintraf. Nachdem dann Jesus, der angekündigte Messias, verworfen und ans Kreuz geschlagen wurde und mit Stephanus der erste christliche Märtyrer starb, war das irdische Volk Gottes „verworfen“, wie Paulus in Römer 11,15 schreibt.
„Lo-Ammi“ – ein schrecklicher Name als Ausdruck des Gerichts
Das Volk Israel war also nicht allein in alle vier Himmelsrichtungen zerstreut, sondern es hörte sogar auf, Gottes Volk zu sein. Auch das war schon lange vorher (im 8. Jahrhundert v. Chr.) durch Hosea vorausgesagt: „Gib ihm den Namen Lo-Ammi; denn ihr seid nicht mein Volk, und ich will nicht euer sein“ (Kap. 1,9). Stand heute – 2025 – ist Israel also ein Volk, aber nicht das Volk Gottes.
Wenn sich heutzutage ein Jude zum Herrn Jesus bekehrt, gehört er zum himmlischen Volk Gottes, zur Versammlung (Gemeinde). Diese ist übrigens keine „Fortsetzung“ des irdischen Volkes Gottes, sondern etwas völlig Neues. Dies lässt sich beispielsweise der Tatsache entnehmen, dass Gott in der Zukunft wieder die Beziehung zum zerstreuten irdischen Volk aufnehmen wird: „Und ich will zu Lo-Ammi sagen: ‚Du bist mein Volk‘; und es wird sagen: ‚Mein Gott‘“ (Hos 2,25).
Gott handelt in souveräner Gnade – mit Israel und auch mit den Nationen
Zweifellos ein trauriges Kapitel in der Geschichte des Volkes mit seinem Gott. Doch wie immer hat Er „im Sinn, es gut zu machen“ (1. Mo 50,20). Folgende Ermutigungen können wir aus dieser dunklen Episode (die übrigens ausführlich in Römer 9-11 behandelt wird) mitnehmen:
- Durch die Verwerfung Israels konnte das Evangelium an die Nationen gehen, also auch an uns in Deutschland. Paulus sagt: „Durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden“ (Röm 11,11; vgl. auch Apg 13,46).
- Gott ist souverän, deshalb nicht ungerecht, wenn Er Israel verwirft und sich nun uns zuwendet. Paulus schreibt in Römer 9,20.21: „Wer bist du denn, o Mensch, der du das Wort nimmst gegen Gott? Wird etwa das Geformte zu dem, der es geformt hat, sagen: Warum hast du mich so gemacht? Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse das eine Gefäß zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen?“ Uns begrenzten Geschöpfen steht es nicht zu, die Weisheit und Gerechtigkeit des Handelns Gottes zu hinterfragen. Er darf aus einer Masse von Unwürdigen den erwählen, den Er begnadigen möchte.
- Israel ist nicht für immer verstoßen. Paulus erklärt: „Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das sei ferne!“ (Röm 11,1). Nein, Er hat es nicht vollkommen oder für immer verstoßen. Er wird in der Drangsalszeit wieder neu mit seinem irdischen Volk beginnen.
- Gott steht zu seinem Wort: „Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar“ (Röm 11,29). Was hatte Er gesagt, und zwar schon vor der Eroberung Jerusalems 586 v. Chr.? Dass das zerstreute Volk Gottes einmal zurückkommen wird: „So spricht der Herr, Herr: Ja, ich werde euch aus den Völkern sammeln und euch zusammenbringen aus den Ländern, in die ihr zerstreut worden seid, und werde euch das Land Israel geben“ (Hes 11,17). Schon damals sah Er weit in die Zukunft – sein Volk würde zurückkehren. Aus „Lo-Ammi“ (nicht mein Volk) wird wieder „Ammi“ (mein Volk) werden (vgl. Röm 9,26; Jes 65,19; Jer 32,38; Joel 2,26.27; Sach 8,7.8). Gott hält, was Er verspricht!
Gott kommt zu seinem Ziel. Sogar vor den dunkelsten Episoden der Geschichte Israels scheint die Sonne der Gnade Gottes. Letztendlich wird aus der Zerstreuung eine wunderbare Sammlung (vgl. Hes 34,13).
Kommentare
Nützliche Links
Elberfelder Übersetzung
Die Elberfelder Übersetzung Edition CSV ist eine wortgetreue Übersetzung der Bibel in verständlicher Sprache. Auf dieser Webseite können Sie den Bibeltext vollständig lesen und durchsuchen. Zudem werden Werkzeuge angeboten, die für das Studium des Grundtextes hilfreich sind.
www.csv-bibel.deDer beste Freund
Diese Monatszeitschrift für Kinder hat viel zu bieten: Spannende Kurzgeschichten, interessante Berichte aus anderen Ländern, vieles aus der Bibel, Rätselseiten, Ausmalbilder, Bibelkurs, ansprechende Gestaltung. Da Der beste Freund die gute Nachricht von Jesus Christus immer wieder ins Blickfeld rückt, ist dieses Heft auch sehr gut zum Verteilen geeignet.
www.derbestefreund.deIm Glauben leben
Diese Monatszeitschrift wendet sich an alle, die ihr Glaubensleben auf ein gutes Fundament stützen möchten. Dieses Fundament ist die Bibel, das Wort Gottes. Deshalb sollen alle Artikel dieser Zeitschrift zur Bibel und zu einem Leben mit unserem Retter und Herrn Jesus Christus hinführen.
Viele Artikel zu unterschiedlichen Themen - aber immer mit einem Bezug zur Bibel.
www.imglaubenleben.de